Ein Rückblick: Das war die WM-Quali

Zehn Spiele, 4 Siege, 2 Unentschieden, 4 Niederlagen – das ist die nackte sportliche Bilanz in der Qualifikationsgruppe 7 für die WM-Endrunde 2010 in Südafrika. Damit belegt Österreich weit hinter Serbien und Frankreich den dritten Platz, schloss aber immerhin vor Litauen und Rumänien ab. Lassen wir die zehn Spiele doch noch einmal kurz Revue passieren…

Da war das Auftaktspiel gegen Frankreich – ein schöner, weil so nicht zu erwartender 3:1-Sieg. Basis zum Erfolg: Klare Linie, eine gute Strategie, und das eiskalte Ausnützen der Torchancen. Und, ach ja: Neun Legionäre in der Startformation. [Manninger – Garics, Stranzl, Prödl, Pogatetz – Harnik (90. Standfest), Aufhauser, Ivanschitz (82. Leitgeb), Scharner, Fuchs – Janko (89. Maierhofer)].

Dann ging’s nach Litauen. Ein ÖFB-Team, das mit dem Spiel-Machen-Müssen nicht klarkam, seltsam lethargisch wirkte und die klassische 0:0-Partie dank eines abgefälschten 30m-Freistoßes und eines Fersentores dann doch mit 0:2 verlor. Und, ach ja: Stefan Maierhofer durfte statt des grippekranken Janko zeigen, warum der Salzburger Torschützenkönig werden sollte und nicht er selbst. [Manninger – Garics, Stranzl, Prödl, Pogatetz – Harnik, Aufhauser (55. Säumel), Ivanschitz, Scharner (66. Hoffer), Fuchs – Maierhofer]

War die Stimmung nach dem Unkick in Marijampole gedämpft, wurde sie auf den Färöern endgültig vom Winde davongetragen und im Nordatlantik versenkt. Dass es genug Chancen gab, das Spiel locker zu gewinnen, ging ob des 1:1 unter – das einzige Spiel, in dem das ÖFB-Team tatsächlich nur am Verwerten der Möglichkeiten scheiterte. Und, ach ja: Thomas König ist kein Radioreporter. Dass er auch im TV diskutabel ist, steht auf einem anderen Blatt Papier. [Manninger – Garics (67. Kienast), Stranzl, Prödl, Pogatetz – Harnik (25. Hölzl), Ivanschitz, Scharner, Fuchs – Janko (81. Arnautovic), Hoffer]

Die leidige Diskussion, wer wie wichtig ist und ob es daher legitim wäre, dass die Funktionäre unbedingt heim dürfen, während sich die Spieler am Flughafen die Nacht um die Ohren schlagen, hat vor dem Serbien-Spiel sicher nicht geholfen. Diese nützten beim 1:3 die Schlafmützigkeit des ÖFB-Teams und entschieden das Spiel schon früh – das letzte Quali-Spiel in Wien war auch das letzte Quali-Spiel von Brückner. Und, ach ja: Hoffer im rechten Mittelfeld aufzubieten, war wohl doch keine so gute Idee. [Manninger – Garics, Stranzl (17. Gercaliu), Prödl, Pogatetz – Hoffer (46. Arnautovic), Scharner, Ivanschitz, Aufhauser (60. Säumel), Fuchs – Janko]

Neues Jahr, neuer Teamchef, neue Mannschaft: Kurz, alles war neu gegen Rumänien. Auch das Resultat – nur das Spiel war genauso unterirdisch wie die davor. Die mit 2:1 siegreichen Österreicher schlecht, die Rumänen kaum besser. Jimmy Hoffer nützte die einzigen beiden Fehler zum entscheidenden Doppelpack. Und, ach ja: So gut waren Schiemer und Ortlechner als Außenverteidiger auch wieder nicht, dass man sklavisch am Innenverteidiger-Umschulen festhalten hätte müssen. [Gspurning – Schiemer, Prödl, Pogatetz, Ortlechner – Arnautovic (69. Korkmaz), Pehilvan, Scharner, Beichler (78. Hölzl) – Hoffer (54. Okotie), Maierhofer]

Mit dem guten Ergebnis im Rücken ging’s nach Belgrad, wo Constantini mit einer frisierten U21 daherkam. Genützt hat’s zwar nix und eine schreckliche Unpässlichkeit in der Abwehr führte zum frühen 0:1-Endstand, aber rein von der Leistung her wohl das zweitbeste Spiel der ganzen Qualifikation. Und, ach ja: Wenn man 39 Tore schießt und auf der Bank sitzt, regt man sich wohl zu Recht auf. [Gspurning – Schiemer, Dragovic, Stranzl, Ortlechner – Hölzl (65. Lexa), Pehlivan, Scharner, Jantscher – Maierhofer (57. Janko), Hoffer (57. Okotie)]

Die letzte Quali-Chance war damit beim Teufel, aber ein dritter Gruppenplatz wär schon was Schönes. Und Revanche gegen die Schafsinsel-Kicker! Maierhofers Blitz-Tor brachte das Spiel schnell in die richtige Richtung, der 3:1-Sieg stand nie zur Debatte. Und, ach ja: Der Färöer-Torschütze hatte den mit Abstand coolsten Bart der gesamten Quali-Gruppe. [Payer – Schiemer, Dragovic, Patocka (46. Ortlechner), Fuchs – Hölzl, Pehlivan, Beichler (79. Wallner), Jantscher – Maierhofer (61. Hoffer), Janko]

Die Vorentscheidung um den dritten Platz auf der Maulwurfshügelwiese von Bukarest war ein, man muss es so sagen, unfassbar schreckliches Fußballspiel, in dem die Österreicher zu spät merkten, dass man mit etwas weniger feig etwas mehr erreichen hätte können. Aber da zumindest die Chancenauswertung passte, gab’s ein schmeichelhaftes 1:1. Und, ach ja: Die fast leere Tribüne, die die TV-Kameras erfassten, war die einzige, auf der überhaupt jemand saß. [Payer – Schiemer, Dragovic, Scharner, Fuchs – Hölzl, Baumgartlinger, Beichler (73. Wallner), Pehlivan, Jantscher (62. Trimmel), Hoffer (46. Maierhofer)]

Um den dritten Platz abzusichern, bedurfte es eines Heimsieges gegen Litauen, Constantini konnte sich aber nicht dazu durchringen, sein Team auch als Favorit zu bezeichnen. Genauso ehrfürchtig vor dem biederen Gegner präsentierte sich dann auch die Mannschaft, die durch ein Elfergeschenk doch noch den 2:1-Sieg einfahren konnte. Und, ach ja: Roman Wallner kann Elfer schießen. Nein, er kann gut Elfmeter schießen. [Payer – Schiemer, Dragovic, Scharner, Ulmer – Kavlak, Pehlivan, Prager (57. Baumgartlinger), Beichler (57. Drazan) – Janko (73. Maierhofer), Wallner]

Womit das letzte Spiel in Paris zu einem besseren Freundschaftsspiel wurde, und in aller Freundschaft wurde auch das Elfergeschenk vom Litauen-Spiel zurückgegeben. So oder so: Eine abstrus auf- und nicht eingestellte Mannschaft machte gegen ein abgezocktes französischen B-Team keinen Stich und verlor mit 1:3 verdient. Und, ach ja: Mit dem Alaba werden wir noch Freude haben, da bin ich sicher. [Payer (46. Gratzei) – Scharner, Dragovic, Patocka, Fuchs (80. Alaba) – Kavlak, Pehlivan, Baumgartlinger, Jantscher – Maierhofer (46. Hoffer), Janko]

Das macht unterm Strich einen dritten Platz, der als Summe dann doch irgendwie besser aussieht, als die Einzelteile, aus denen er besteht. Die Litauer spielten an ihrem Plafond und die Rumänien wohl so unfassbar schlecht wie seit vielen, vielen Jahren nicht mehr, und überließen den Österreichern diesen dritten Platz somit, aber immerhin wurden so zwei im Auslungs-Ranking besser klassierte Mannschaften distanziert.

Immerhin etwas.

(phe)

PS: Das war die faktische Abhandlung. Die hintergründigere folgt.

Vorschau: Ein nettes Freundschaftsspiel

Das ÖFB-Team hat sich also zu einem 2:1-Sieg gegen Litauen gewürgt – dank der gütigen Mithilfe des belgischen Schiedsrichters, der Schiemers Schwächeanfall mit einem verfrühten Weihnachtsgeschenk in Form eines Elfmeters belohnte. Schön mitanzusehen war das gerade nach der Pause nicht, vor allem angesichts der Tatsache, dass man gegen die dann recht sortiert auftretenden, aber doch eher biederen Litauer kein echtes Mittel fand.

Was ich nicht nur, aber auch auf die zu defensiv ausgelegte Rolle von Thomas Prager zurückführe. Der so formstarke LASK-Spielmacher musste de facto einen defensiven Mittelfeldspieler geben. Doppelt falsch: Erstens wäre Prager offensiv zentral hinter den Spitzen besser aufgehoben gewesen, zweitens brauche ich, bei allem Respekt vor Litauen, keine Doppelsechs wenn ich dieses Spiel gewinnen will. Man muss sich auch ein bissi was trauen. Zudem ist und bleibt Schiemer eine Karikatur von einem Außenverteidiger – aber wenn Constantini sich den Luxus erlauben will, auf einen solchen im Kader überhaupt zu verzichten, darf man sich nicht wundern. Schiemer war über weite Strecken des Spiels nur physisch anwesend, wirklich teilgenommen daran hat er kaum.

Der dritte Gruppenplatz ist nun also fixiert, und das Aufrücken vom fünften in den dritten Lostopf für die nächste Auslosung ist so gut wie fix. Das ist erfreulich und somit ist das eigentliche, in Zahlen ausdrückbare Ziel dieser Qualifikation erfüllt worden – eine Abschlussbilanz wird es in ausführlicherer Form nach dem Frankreich-Spiel geben.

Und das ist genau das Stichwort: Frankreich. Auf das Team wartet jetzt noch ein nettes Spiel vor 80.000 Zuschauern im Stade de France. Ja, es zählt noch zur Qualifikationsgruppe – aber weder für die Franzosen noch für uns kann sich am Ausgang der Gruppe noch irgend etwas ändern. Damit erfüllt die Partie den Tatbestand eines im Grunde belanglosen Freundschaftsspiels. Dass man dieses Spiel aber nicht abschenken sollte und auch nicht wird, ist dem Ehrgeiz der jungen Generation zu verdanken. Hier gilt der Grundsatz von Sturm, Rapid und der Austria in der Europa League: Holt man was, isses schön; verliert man, isses auch nicht schlimm – Hauptsache, man hat was gelernt.

Damit zur voraussichtlichen Aufstellung. Im Tor wird wie gewohnt der in starker Form spielende Helge Payer stehen, davor ist wie (ohne die verletzten Prödl und Pogatetz) gewohnt mit Aleks Dragovic und Paul Scharner zu rechnen. Auf den Außenpositionen gibt es Änderungen zum Litauen-Spiel: Links wird der in Innsbruck gelbgesperrte Christian Fuchs auflaufen, der bei Bochum von der Verletzung seines LV-Konkurrenten Philipp Bönig profitierte und zuletzt wieder durch gute Leistungen auf sich aufmerksam machte. Rechts ist geplant, dass statt dem diesmal gesperrten Schiemer Besiktas-Legionär Ekrem Dag zu seinem Teamdebüt kommt. Der ist zwar auch kein gelernter Außenverteidiger, schlechtes Gefühl habe ich beim ihm aber aufgrund seiner außerordentlichen taktischen Flexibilität da nicht.

Der gegen Litauen etwas fahrige Yasin Pehilvan ist im defensiven Mittelfeld natürlich gesetzt, ihm zur Seite wird als tatsächlicher Partner in der Doppelsechs (anders als dem alibimäßig als offensiver angekündigten Prager) Jules Baumgartlinger gestellt. Das ist auswärts gegen eine starke Mannschaft wie Frankreich nachzuvollziehen und auch nicht weiter zu kritisieren.

In der Defensive ist also nicht mehr mit großen Überraschungen zu rechnen, das steht alles ziemilch. Sehr viel wackeliger sind da schon Prognosen, wenn es um die Abteilung Attacke geht. Denn ob Constantini drei offensive Mittelfeldspieler plus Solospitze bringt, oder mit einem Sturmduo beginnt, ist so genau nicht vorherzusagen. Bei der eher defensiv zu erwartenden Grundausrichtung wäre es eigentlich logisch, das Mittelfeld mit einem fünften Mann zu stärken und vorne entweder einen Prellbock Marke Janko hinzustellen, oder aber (wie Sturm das vor allem international recht erfolgreich macht, seit Mario Haas verletzt ist), mit Daniel Beichler (wahlweise auch Roman Wallner) einen kleinen, spielstarken. Da das zu erwartende französische IV-Duo Gallas/Evra nicht zu den körperlich größten, aber technisch eher beschlageneren Gespannen zählt, würde sich ein Kopfball-Typ wie Janko in diesem Fall eher anbieten.

Die Offensivpositionen im Mittelfeld könnten dann der wieder genesene Jakob Jantscher (links) und Veli Kavlak (rechts) übernehmen, bzw. wiederum Prager oder Beichler in der Zentrale – als drei eher kleine, aber schnelle und wendige Spieler. Erfolg und Misserfolg einer solchen Variante könnte auch damit zusammenhängen, welche zwei Kandidaten bei den Franzosen die zentralen Defensivpositionen im Mittelfeld einnehmen – die kleinen, flinken Lass Diarra und Patrice Evra, oder der etwas robustere Jeremy Toulalan (je nachdem, ob Domenech etwas experimentiert oder die Einsergarnitur aufs Feld schickt). Zuletzt spielte Evra hinten zentral und Toulalan und Diarra im defensiven Mittelfeld. Sollte sich Contantini für ein 4-4-2 wie gegen Litauen entscheiden, wird er wirderum auf ein ungleiches Stürmer-Duo zurückgreifen, also am Ehesten wieder Janko und Wallner (eventuell auch Beichler). In diesem Fall würde Jakob Jantscher auf links im Mittelfeld und wahrscheinlich Veli Kavlak auf der rechten Seite spielen.

Es lohnt auch noch ein kleiner Blick auf die französische Mannschaft. Nimmt man als Referenz ihr Spiel in Serbien vor etwa einem Monat, liefen die Bleus mit einem 4-3-3 aufs Feld. Drei Stürmer (Torschützenkönig Gignac zentral, dazu Henry links und Anelka rechts als echte Flügelstürmer), im Mittelfeld ein Offensiver (Gourcuff) mit zwei Abfangjägern (Toulalan und Diarra), und hinten mit einer normalen Viererkette. Auch im Heimspiel gegen die Färöer am Samstag, das die Franzosen locker mit 5:0 gewannen, war dies die Ausrichtung. So ist die Prognose, dass es auch gegen Österreich so sein wird, keine gewagte. Darum wäre es sicherlich nicht von Nachteil, im Mittelfeld auf Überzahl zu gehen und das Spiel mit einem 4-2-3-1 anzugehen.

Sprich: Payer – Dag, Scharner, Dragovic, Fuchs – Kavlak, Baumgartlinger, Beichler, Pehlivan, Jantscher – Janko

Ein Wort noch zu David Alaba: Ich hatte ja schon länger im Gefühl, dass das letzte Spiel, in dem es vermutlich um nichts mehr gehen würde, ein guter Zeitpunkt wäre. Schließlich ist das nächste Pflichtspiel erst im kommenden September, nach der Weltmeisterschaft, und da ist es gut und richtig, wenn man eventuellen Begehrlichkeiten von seiten des nigerianischen Verbandes gleich einmal Vorschub leistet. In der 88. Minute einwechseln, und das Thema Alaba ist erst einmal erledigt. Richtig so, dann kann man seine (bislang recht erfreuliche Entwicklung) weiter abwarten.

(phe)

PS: Im Übrigen sei an dieser Stelle noch an diesen äußerst intelligenten Artikel im Standard erinnert, und das dazugehörige Buch kann ich auch nur empfehlen, ich habe es verschlungen.

Jetzt oder Nie

Seit etwas mehr als vier Jahren werkt Red Bull nun in Salzburg. Auf nationaler Ebene mit zwei Titeln und zwei Vizemeisterschaften durchaus erfolgreich – aber international doch weitgehend ohne die erhoffte Durchschlagskraft. Gegen Teams, die an guten Tagen in Reichweite sein müssten – Blackburn, AEK Athen, Donetsk -, gab es kein Vorbeikommen. Wie nachhaltig die jüngsten Erfolge (also der pure Glückssieg in Rom und das erfreuliche 2:0 gegen Villarreal) sind, wird sich schnell zeigen, denn in den beiden folgenden Spielen gegen Levski Sofia sind die Bullen nun erstmals in dieser Gruppenphase Favorit. Und wann immer sich die Bullen als Favorit sahen – also gegen die Bohemians vor allem, aber auch gegen Maccabi Haifa – schwankten die Leistungen zwischen Peinlichkeit und Desaster.

Wie auch die Führung der Salzburger in den letzten Jahren nicht gerade den Eindruck erweckte, schnell an die europäische Mittelklasse andocken zu können. Das war ein ständiges Vor und Zurück, ein ständiges Kommen und Gehen, ein ständiges Herumlavieren in Strategiefragen. Erst die Geschäftsführer Kurt Wiebach und Helmut Sandrock, dann die Sportdirektoren Oliver Kreuzer und Heinz Hochhauser; dazu die Trainerrochaden von Kurt Jara über Giovanni Trapattoni (mit und ohne Lothar Matthäus) und Co Adriaanse bis Huub Stevens; vom österreichischem Weg (im ersten Jahr standen im Schnitt sieben Einheimische auf dem Platz) zum ausländischen (später mitunter gar keiner mehr); von altfaderischem 4-4-2 mit Doppelsechs und ein feiges 4-3-2-1 ohne Offensivspiel über einen Turnaround zum 4-3-3 Marke „vorne treffen, hinten beten“ zurück zum 4-2-3-1 mit einem Spaßfaktor gleich Null.

Und all das in nur wenig mehr als vier Jahren. Gratulation, das schlägt an Tempo fast die Austria zu wilden Stronach-Zeiten.

Darum muss man kein Prophet sein um sehen zu können, dass die Verpflichtung von Dietmar Beiersdorfer als übergeordnetem Sportkoordinator für alle Red-Bull-Fußballprojekte (also die Teams in Salzburg, Leipzig, New York und Sao Paulo und die Akademien in Afrika und Südamerika) wohl die letzte Chance ist, doch noch so etwas wie eine sinnvolle, kontinuierliche Arbeit zu etablieren, die einen Zeithorizont von einem oder zwei Jahren überdauert. Und genau das wäre notwendig.

Beiersdorfer ist der erste Sportdirektor bei den Bullen, der über echte Erfahrung auf dem internationalen Parkett verfügt. Der erste, der weiß, wie es in den wirklich großen Ligen und bei den wirklich großen Vereinen Europas zugeht. Oliver Kreuzer hatte diese Funktion zuvor beim Schweizer Branchenführer FC Basel inne, Heinz Hochhauser war als bodenständiger Trainer ain Österreich bekannt gewesen – den großen Wurf auf dem Management-Posten stellten sie aber beide nicht dar.

Mit dem neuen Mann auf der operativen Kommandobrücke installiert Red Bull nun erstmals einen Mann, der nicht nur für eines der Projekte verantwortlich zeichnen soll, sondern die (dringend notwendigen) Synergien schaffen kann. Was auch nicht so blöd wäre: Denn die besseren aus der Erste-Liga-Mannschaft statt in der österreichischen Regionalliga in der deutschen spielen zu lassen, sofern das Team aus Leipzig aufsteigt, wäre da sicherlich eine Möglichkeit. Ja, es wäre „nur“ die vierte Spielklasse, deckt aber den kompletten Osten und den kompletten Norden Deutschlands ab, was bei der sportlichen Dichte bei unseren Nachbarn eine De-Facto-Profiliga notwendig macht. Somit ist die deutlich hochwertiger als unsere eher strukturschwache erweiterte Landesliga, die sich Regionalliga West nennt – und in die müssen die Jungbullen nach dieser Saison zurück.

Um sich mittel- bis langfristig in der europäischen (zumindest) Mittelklasse zu etablieren, bedarf es nun aber endlich einmal auch ein wenig Geduld. Beiersdorfer hat beim HSV gezeigt, dass er einen Verein deutlich nach vorne bringen kann (als er nach Hamburg kam, war der HSV gerade mal so dem Abstieg entronnen), aber auch, dass das nun mal eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt. Eine gewisse Zeit, in der man auch die Grundstrategie (und ein Beiersdorfer hat so etwas, im Gegensatz zu dem damit sichtlich überforderten Hochhauser) eisenhart festhalten muss, auch wenn der Erfolg einmal ausbleibt. Die eigentliche Herausforderung wird für die Bullen also darin bestehen, nicht wieder einmal alles umzudrehen, sollte es in der Endabrechnung einmal nur der dritte Platz sein. Misserfolge gehören dazu, wenn man sich oben etablieren will – denn nur so lernt man, dass Siege nicht selbstverständlich sind.

Auch auf nationaler Ebene. Die Verpflichtung von Dietmar Beiersdorfer ist eine überaus richtige Entscheidung. Aber sie wird auch zur Nagelprobe – denn wenn es ein renommierter Mann wie Beiersdorfer nicht schafft (oder man es ihn nicht schaffen lässt), das Optimum aus den Bullen herauszuholen, dann schafft es keiner.

Jetzt oder nie.

(phe)

Großes Europa League-Gewinnspiel (signierte Salzburg-Trikots) [UPD]

Zum bevorstehenden Europapokal-Herbst haben wir bei allen österreichischen Teilnehmern um Preise für ein großes Gewinnspiel angefragt. Meister Salzburg hat als erster Klub reagiert und uns gleich ein für Fans sehr besonderes Goodie als Preis zukommen lassen. Drei (zwei Heim-, ein Auswärts-) Red Bull Salzburg-Trikots inklusive Unterschriften der Mannschaft warten auf je einen geneigten Gewinner. Falls auch die anderen Vereine noch etwas beitragen, werden diese Preise selbstverständlich am Ende auch eingebunden. (Update: Rapid-Fans müssen die Hoffnung aufgeben. Der SCR gibt nur „für Gewinnspiele mit karikativem[sic!] Hintergrund“). Um an der Verlosung am Ende der Gruppenphase teilzunehmen, müsst ihr aber natürlich erstmal schwer rackern. Continue reading

Eine sinnlose Statistik

Das ÖFB-Team ist in Innsbruck also noch ungeschlagen. Gratuliere! Bei den Gegnern…

4:1 gegen Luxemburg im April 2004
5:0 gegen Weißrussland im Juni 2003
2:0 gegen Liechtenstein im April 2001
…und ein 1:1 gegen die Schweiz im August 1986 auf dem alten Tivoli.

In Wahrheit kann man nur das 2:1 gegen die Schweiz im Oktober 2006 und das 3:2 gegen Côte d’Ivoire im Oktober 2007 als Erfolg verkaufen. Ansonsten kann man diese Statistik getrost dem Papierkorb überantworten: Das deutsche Team ist in Freiburg auch ungeschlagen. Natürlich, gegen wirklich starke Gegner spielt es auch in größeren Stadien…

(phe)

Vorschau: Österreich-Litauen

Am Samstag geht es also in einem vollen Innsbrucker Tivoli gegen Litauen. Wenn, wie als Ziel ausgegeben, der dritte Tabellenplatz gesichert werden soll, muss gegen die Balten gewonnen werden – und das ist auch möglich. Der Gegner, der da kommt, ist gleichermaßen unangenehm wie unberechenbar – aber auch absolut schlagbar.

Das hat der letzte Auftritt der Litauer gezeigt, als sie ihr Spiel auf den Färöer-Inslen gar verloren haben. Erinnern wir uns aber gleichzeitig ein Jahr zurück: Da besiegten sie das österreichische Team auf dem besseren Bezirkssportplatz von Marijampole mit 2:0 – es war eine klassische Nullnummer mit zwei eher glücklichen Toren (ein abgefälschter Weitschuss z.B.). Dann werfen wir einen kurzen Blick auf die österreichische Aufstellung von damals, und wir merken sofort: Diese Partie lässt, was das ÖFB-Team betrifft, keinerlei Rückschlüsse auf das Rückspiel am Samstag zu. Mit Paul Scharner ist nur einer von der Startformation auch diesmal dabei, Christian Fuchs kam in Marijampole für die letzten fünf Minuten ins Spiel.

Schauen wir also auf die jetzige Mannschaft. Im Tor wird Helge Payer stehen – nach den zuletzt wirklich starken Leistungen in Nationalteam und Europacup gibt es da auch nichts zu diskutieren. Die Innenverteidigung wird von Aleksandar Dragovic (so er denn rechtzeitig fit wird) und Paul Scharner gebildet. Sollte Dragovic nicht spielen können, stünden Manuel Ortlechner und Jürgen Patocka Gewehr bei Fuß. Eher kein Thema für die IV sollte hingegen Frnaz Schiemer sein, der als einziger im Kader einen Rechtsverteidiger zumindest halbwegs sinnstiftend spielen kann. Auf rechts wird’s sonst dünn. Links wird entweder Manuel Ortlechner spielen (so er eben nicht innen gebraucht wird), oder Andi Ulmer. Trotz der zuletzt deutlich ansteigenden Form des Salzburgers Ulmer fürchte ich, dass Ortlechner spielen wird.

Das sollte aber nicht viel ausmachen, da die Ausrichtung der jungen Truppe, die davor das Vertrauen geschenkt bekommt, ohnehin eher offensiv ausgerichtet ist. Zumindest in einem Heimspiel, das gewonnen werden muss. Constantinis Ankündigung, da mit einem Solo-Sechser (wohl Pehlivan) spielen zu wollen, gefällt da ganz gut. Auf den Außenpositionen ist erstmals Ekrem Dag (der im Mittelfeld alles spielen kann, quasi eine Allround-Waffe ist) ein Thema. Er wäre das aber wohl nicht, wenn nicht Andi Hölzl verletzungsbedingt passen müsste. Hier wird Constantini wohl zu seinem Glück gezwungen.

Links ist Jakob Jantscher mittlerweile wohl gesetzt, wiewohl da beim Sturm-Youngster noch ein kleines Fragezeichen hinter seiner Fitness steht. Er musste am Wochenende gegen Kapfenberg nach einer halben Stunde angeschlagen ausgewechelt werden. Geht bei Jantscher nichts, kann ich mir Veli Kavlak ganz gut vorstellen – Christopher Drazan wäre da wohl eher als Joker für die letzte halbe Stunde wirkungsvoller.

Die zentrale Offensivposition ist hingegen so ein Thema. Grundsätzlich wäre das die ideale Position für den derzeit bei Mainz in Überform agierenden Andi Ivanschitz, doch der ist ja bekanntlich nicht dabei. Ob es sich dabei wirklich um eine geforderte Stammplatzgarantie handelt (was ich nicht so recht glauben mag), persönliche Animositäten seitens des Teamchefs (was ich nicht hoffen mag) oder, wie in der Kleinen Zeitung angedeutet, mangeldes Defensiv-Verhalten (was zumindest ein sportlich akzeptabler Grund wäre), ist eigentlich egal. Der zwei Jahre jüngere Thomas Prager, der unter einem echten Trainer beim LASK aufblüht und wie Ivanschitz vor Selbstbewusstsein strotzt, kann auch das spielen.

Eine weitere Alternative für die zentrale Offensivposition wäre Daniel Beichler, der das beherrscht, aber diese Position nicht wie Prager vom Verein gewohnt ist. Ihn könnte ich mir eher als wuseligen Sturmpartner zu Marc Janko vorstellen. Jimmy Hoffer sehe ich aufgrund seiner Spielanlage und vor allem aufgrund seiner Matchpraxis eher als Alternative von der Bank.

Ich erwarte also folgende Formation:
Payer – Schiemer, Dragovic, Scharner, Ortlechner – Dag, Pehlivan, Prager, Jantscher – Beichler, Janko

Ein Sieg gegen die Balten ist, wie erwähnt, Pflicht. Und ein einem muss ich Didi Contantini dann doch absolut Recht geben: Ein dritter Platz wäre ein schöner Erfolg. Wenn man aus Topf 5 startet und eine nominell stärere Mannschaft (in diesem Fall wäre es Rumänien) neben den Litauern hinter sich halten kann, wäre das nicht nur ein Resultat, auf dem man aufbauen könnte. Sondern vor allem wichtig für die kommende Auslosung für die EM-Quali.

Aber auch, wenn’s mit dem dritten Rang am Ende nix werden sollte: Drei Punkte gegen Litauen sind ein absolutes Muss.

(phe)

Salzburg-Villarreal: Alles Schwegler/Tchoyi, oder was?

sbg-vil
Pass-Analyse von Salzburg gegen Villarreal (2:0)

Wie vor zwei Wochen beim Spiel von Rapid beim 3:0 gegen Hamburg verlegten sich auch die Salzburger (siehe unser Gewinnspiel mit signierten RBS-Trikots) gegen eine objektiv deutlich bessere Mannschaft vor heimischem Publikum auf die Konter. Und auch diesmal ging das Konzept des grundsätzlich defensiv eingestellten Gastgebers voll auf: Die Bullen gewannen doch etwas überraschend 2:0 gegen die international sehr routinierte Truppe aus Spanien.

Die defensive Grundhaltung ist aber nicht die einzige Parallele zu Rapid. Nein, mit Somen Tchoyi verfügen auch die Salzburger über eine sehr zentrale Figur. Der Kameruner zieht die Bälle an wie ein Magnet  – praktisch die komplette Mannschaft versuchte immer, Tchoyi ins Spiel zu bringen. Das ging vor allem auch deshalb, weil er (wie Hofmann bei Rapid üblicherweise) seine nominelle rechte Seite sehr oft verlässt und im Grunde einen Freigeist spielt, der beinahe die ganze Platzbreite für sich ausnützt. Doch im Unterschied zu Rapid, wenn Hofmann auf rechts spielt und nicht, wie zuletzt öfter, in der Zentrale, geht das bei Salzburg gut – weil Schwegler im Gegensatz zu Andi Dober die beiden Positionen gleichzeitig spielen kann.

Stichwort Schwegler. Der Schweizer ist der Boss auf der rechten Seite. Er beackert die komplette Flanke, geht sehr oft auch weit in die gegnerische Hälfte mit, ohne jedoch dabei seine Defensivaufgaben zu vernachlässigen – die eigentlich dominante rechte Seite von Villarreal (Capdevila-Cazorla, an sich ein Weltklasse-Duo), spielte überhaupt keine Rolle. Der 25-Jährige ist ein Rechtsverdeitiger von hochmodernem Zuschnitt, der schon jetzt wertvoller für die Mannschaft ist, als es sein Vorgänger Laszlo Bodnár jemals war.

Daher kommt es auch nicht von umsonst, dass die rechte Seite eindeutig die Hauptlast des Salzburger Offensiv- bzw. Konterspiels trägt. Was auch daran liegt, dass mit Leitgeb jemand im rechten Halbfeld spielt, der gut ins Spiel eingebuden wird. Anders die linke Seite: Ulmer und Svento agierten weitgehend isoliert von der restlichen Mannschaft, brachten auch kaum einen Ball wirklich in die Spitze zu (dem gegen Villarreal recht fleißigen) Marc Janko. Gerade Svento hatte wahrlich keinen guten Tag.

So richtig ins Mannschaftsgefüge integriert ist, im Gegensatz zum wesentlich dominanteren Leitgeb halbrechts, Nikola Pokrivac im linken Halbfeld nicht. Auffällig beim kroatischen Neuzugang ist aber: Während er vor der Pause einen kompletten Fremdkörper im Team darstellte, kaum Bälle sah (und wenn doch, die entweder alibimäßig kurz abspielte oder, noch häufiger, gar nicht an den Mann brachte), taute er nach dem Seitenwechsel sichtlich auf und avancierte zu einem ähnlich wichtigen Mann im Umschalten von Defensive auf Offensive wie Leitgeb. Fast doppelt so viele Ballkontakte wie vor der Pause, nur drei (!) davon brachte er nicht an den Mann. Da deutete er an, das er durchaus ein wichtiger Teil der Mannschaft sein kann.

Dennoch spielten die Salzburger de facto nur mit neun Feldspielern. Denn zwischen den routinierten Innenverteidigern Afolabi/Sekagya und dem defensiven Mittelfeld (eben der durchgängig ordentilche Leitgeb und der immer besser werdende Pokrivac) nahm Fränky Schiemer im Grunde nicht an der Partie teil. In der kompletten Spielzeit wurde er von seinen Mitspielern nur sieben Mal angespielt – also im Schnitt einmal alle zwölf Minuten. Ich möchte nicht sagen, dass das Platzieren eines Spielers zwischen einer dominanter IV und einem ballsicherem DM pure Verschwendung war, aber diesen elften Spieler hätte man wohl auch gewinnbringender einsetzen können.

Zum Beispiel als zusätzlichen Mann in einer zentralen Mittelfeldrolle, den da klaffte im Gegensatz zur überbevölkerten Defensivzentrale ein riesiges Loch. Klar, Somen Tchoyi übernahm diese Position bis zu einem gewissen Grad mit, aber während über ihn viel ging und über Svento links wenig, aber doch hin und wieder etwas, war das zentrale offensive Mittelfeld komplett inexistent. Bezeichnend, dass der häufigste Passweg im Salzburger Spiel der Abschlag von Torhüter Gustafsson zu Janko war.

Eine bemerkenswerte Tatsache fiel dann noch in den letzten etwa zehn Minuten auf, als Zickler für Janko ins Spiel kam. Der Deutsche ging nämlich nicht, wie eigentlich zu erwarten gewesen wäre, in die Sturmzentrale, sondern übernahm die rechte Mittelfeldposition von Somen Tchoyi, der wiederum in der Schlussphase den Mittelstürmer gab. Was ihn letztendlich auch in die Position brachte, das zweite Tor zu erzielen.

Fazit: Das Duo Schwegler/Tchoyi hat, in Verbindung mit einem braven Leitgeb den offensiven Löwenanteil an dem 2:0-Sieg gegen Villarreal, neben einer enorm zweikampfstarken Innenverteidigung mit gutem Stellungsspiel. Über Svento und Ulmer ging diesmal weniger, durch die Mitte (in Ermangelung eines Spielers auf dieser Position) gar nichts.

Ballkontake
49 – Schwegler
47 – Gustafsson
45 – Tchoyi
40 – Sekagya
39 – Leitgeb

Passgeber
32 – Gustafsson
29 – Sekagya
25 – Tchoyi
25 – Ulmer
24 – Leitgeb

Passempfänger
40 – Tchoyi
27 – Janko
26 – Schwegler
25 – Leitgeb
22 – Sekagya

(phe)

Ballverliebter Podcast #2: Vor Celtic-Rapid (Update)

Wir präsentieren *Trommelwirbel* höchstoffiziell die zweite Ausgabe unseres Europa League Podcast zu den vier österreichischen Vertretern. Mit kurzen Rückblicken auf die Spiele von Runde 1, die heutige Ausgangssituation und einer Einschätzung der Matches, die Sturm, Salzburg, der Austria und Rapid heute bevorstehen.

Auch haben wir uns bemüht, auf euer Feedback einzugehen. Der neue Podcast ist kürzer, knackiger und technisch ausgereifter. (Aber immer noch „Beta“, quasi). Über Anregungen, Lob und Kritik freuen wir uns freilich – schreibt sie einfach unten in die Kommentare.

*Update* Leider war eine der Tonspuren etwas verrutscht, sodas die Musik teilweise störend ins Gespräch einblendete. Dies ist nun behoben – ladet den Podcast einfach neu herunter!

Hier gibts den Podcast-Download!

(17,9 mb / 19:33 min / 128 k/bit)
Credits

Intro:

Fresh Body Shop – My Artificial Sun

Hintergrundmusik:

Marry Poppins And The Dubitative Sex Toys Boys – Defloration

Mystery – Softness

Maxime – Kaou

Jareed – Happy Hour

Adult Only – Perfume

AdHoc – La Note En Cage

Alle Lieder sind freie Musik von Jamendo.de