Unappetitlicher Ausrichter – aber ein appetitlicher Afrikacup?

“Eine Parodie von einem Land!” so beschreibt Kurt Wachter, früher Koordinaten von FARE (Football against Racism in Europe), Äquatorialguinea. Jenes Land also, in dem nach dem panikhaften Rückzug des eigentlich vorgesehenen Veranstalters Marokko der Afrikacup stattfindet. “Die weißen Besucher aus Europa brauchen nicht mal einen Pass oder bei Flügen eine Boarding-Karte”, erzählt er, der vor drei Jahren beim Afrikacup schon im Land war, “die Einheimischen werden dafür drangsaliert.” Es ist eine der unappetitlichsten Diktaturen der Welt, dessen Oberschicht dank Erdöl zu großem Reichtum kam, die als einziges Land bereit war, zwei Monate vor Turnierstart die Ausrichtung zu übernehmen.

Das darf man bei dem Turnier nicht vergessen.

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Standort-Bestimmung nach WM-Demütigung: Asiencup in Australien

Asien galt als der absolute Boom-Kontinent im Weltfußball, schien Afrika nicht nur überholt, sondern längst abgehängt zu haben. Und dann das: Eine WM, bei der Asiens vier Vertreter so hergeprügelt wurden, dass am Ende drei Remis und neun Pleiten zu Buche standen, aber nicht ein einziger Sieg. Nun, ein halbes Jahr später, steigt in Australien der 16. Asiencup. Dieser wird der erste Anhaltspunkt sein, wer die Kurve am besten gekriegt hat. Die Favoriten sind die üblichen Verdächtigen: Japan, Südkorea, Australien, mit Abstrichen der Iran. Und zwei gefallene Riesen kämpfen um den Anschluss.

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Ballverliebt Classics: Als Rangnick der Bundesliga den Zufall nahm

“Wenn Sie flotte Sprüche hören wollen, gehen Sie nach München. Wenn Sie flotten Fußball sehen wollen, kommen Sie zu uns!”

- Ralf Rangnick, 3. Dezember 2008

Es war eines der am meisten gehypten Bundesliga-Spitzenspiele überhaupt. In einer Zeit, bevor Dortmund zum großen Dauerrivalen von Bayern München wurde und sich Bremen als solcher langsam, aber sicher verabschiedete, schickte sich ein Klub an, dem Platzhirschen Paroli zu bieten. Ein Aufsteiger – die TSG 1899 Hoffenheim.

Diese spielte eine überragende Hinrunde und kam am 16. Spieltag als Tabellenführer mit drei Punkten Vorsprung auf die Bayern in die Allianz Arena. Der Höhenflug war kein Zufall, sondern die Folge davon, dass Trainer Ralf Rangnick alles tat, um dem Spiel seiner Mannschaft den solchen zu nehmen. Er gewann letztendlich nichts, war damit aber der endgültige Wegbereiter für den deutschen Schritt in die Fußball-Moderne.

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Klub-WM: Formstarkes Real und sechs formschwache andere

Den Afrika-Cup legten die Marokkaner in einem plötzlichen Anfall irrationaler Panik zurück, die Klub-WM geht ab Mittwoch aber sehr wohl – wie schon letztes Jahr – in Marrakesh und Rabat über die Bühne. Ein gut gemeinter Bewerb, der aber die ganz große Aufmerksamkeit und auch den ganz großen Stellenwert nicht hat – was auch daran liegt, dass der Klasse-Unterschied zwischen dem europäischen Vertreter und dem Rest in der Regel so groß ist, dass im Grunde von vornherein feststeht, wer gewinnt. Das ist heuer nicht anders.

Dennoch hier mal eine Vorschau: Das sind die sieben Teams, die diesmal teilnehmen.

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Österreich ist Belgien. Mit zwei Jahren Verzögerung

Daran können sich nur Fußball-Fans halbwegs bewusst erinnern, die schon annähernd 30 Jahre alt sind: Österreich hat wieder ein Nationalteam, auf das man sich einigermaßen verlassen kann. Bei dem man nicht vor jedem Spiel Angst haben muss, dass es einen Totalausfall gibt. Das gab’s seit 1997, dem unaufhaltsamen Run zur WM in Frankreich, nicht mehr. Die Entwicklung der letzten Jahre erinnert dabei frappant an jene von Belgien. Ein Vergleich.

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Testspiel
Ernst-Happel-Stadion, Wien, 18. November 2014
Österreich - Brasilien
1-2
Tore: 75' (p) Dragovic bzw. 65' David Luiz, 83' Firmino

Österreich testet gegen Brasilien Defensiv-Konzepte – erfolgreich, trotz 1:2

Wie verteidige ich gegen einen wirklich starken Gegner – von vorne bis hinten? Unter diesem Motto stand recht offensichtlich das letzte Länderspiel des Jahres für das ÖFB-Team. Obwohl ein an sich irreguläres Tor nach einem Eckball und ein unhaltbarer Weitschuss für einen 2:1-Sieg der weitgehend lustlosen Brasilianer sorgten, war es aber ein guter Test. Vor allem mit Blick auf die schweren Quali-Auswärtsspiele im Jahr 2015.

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EM-Quali für 2016
Ernst-Happel-Stadion, Wien, 15. November 2014
Österreich - Russland
1-0
Tore: 73' Okotie

Capello mit dem Rezept, aber Österreich mit dem Sieg – 1:0!

Der Sieg an sich war schon etwas glücklich. Dass das goldene 1:0 durch Okotie aus Abseitsposition fiel, kommt noch dazu. Dennoch: Österreich steht nach dem Erfolg über Russland, eingefahren ohne Alaba und ohne Baumgartlinger, blendend da. Obwohl Fabio Capello eigentlich ein gutes Rezept gegen das ÖFB-Team gefunden hatte.

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Österreich - DDR 3:0, 1990

Ballverliebt Classics – 25 Jahre DDR-Mauerfall: Die Wende, das Ende

Nach 78 Minuten wurde Matthias Sammer ausgewechselt. Enttäuscht vom aussichtslosen Spielstand von 0:3 ließ er sich auf einer Erste-Hilfe-Box nieder. Innerhalb von Sekunden saß ein Mann mit Fotographen-Leibchen neben ihm. “Sach ma, willste nich zu Bayer Leverkusen kommen?” Es war kein Fotograph, sondern ein als solcher getarnter Scout des Bundesligisten, eingeschleust von Bayer-Manager Reiner Calmund. Alle anderen Beobachter der westdeutschen Vereine saßen derweil auf der Tribüne und waren damit schon im Hintertreffen.

Diese Szene, die Calmund und Sammer kürzlich in einer Sky-Doku bestätigten, zeigt nur, unter welch ungewöhnlichen Umständen das letzte Qualifikation-Spiel der DDR zur WM 1990 im Wiener Prater ablief, sechs Tage, nachdem die Mauer gefallen war. Das 0:3 sollte das letzte Pflichtspiel der Verbandsgeschichte werden. Es ist 25 Jahre her.

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Österreichische Bundesliga 2014/15
Horr-Stadion, 1. November 2014
Austria Wien - Sturm Graz
0-3
Tore: 15' Stankovic, 42' und 54' Djuricin

Austria in der Krise: Philosophie des Trainers passt nicht zum Kader

0:3 gegen Sturm – die Austria ist voll zurück in der Krise! Der enttäuschende Saisonverlauf mit erst drei Siegen nach 14 Spielen ist aber alles andere als Zufall. Sie ist vor allem darauf zurückzuführen, dass der moderne Pressing- und Umschaltfußball mit hoher Abwehr-Linie, den Baumgartner spielen lässt, ganz einfach nicht zum vorhandenen Spielermaterial passt.

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