Alle Beiträge von Philipp Eitzinger

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.

16 Teams und ihre Hymnen: Die Teilnehmer der Frauen-EM 2025

Gerade eine Fußball-EM ist immer auch, so als kleiner Nebenschauplatz, ein alternativer Song Contest. Wenn sich die Teams vor dem Match aufstellen und die Hymne ihres Landes erklingt, sind manche mit mehr Enthusiasmus dabei, manche mit weniger. Aber in praktisch allen Texten (sofern sie einen haben, ¡Hola! nach Spanien) lässt sich irgendwo eine Zeile finden, die einen Hinweis auf die aktuelle Verfasstheit der 16 Teams bei der Frauen-EM in der Schweiz gibt.

Hier sind nun alle 16 Teilnehmer des Turniers im Kurz-Portrait.

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Frauen-EM 2025: Zwischen Normalität und alten Widerständen

Nein, also das Old Trafford ist das nicht gerade. Wenn am Mittwoch mit Finnland gegen Island die Endrunde der in der Schweiz ausgetragenen Frauen-EM startet, wird das erste Spiel in der Stockhorn Arena von Thun über die Bühne gehen – ein modernes Kleinstadion, funktional und plus/minus so sexy wie ein IKEA-Regal. Auf Österreich umgelegt, wäre das in etwa wie ein Turnier-Auftakt in St. Pölten. Das offizielle EM-Motto lautet „Der Gipfel der Emotionen“, aber naja.

Schon klar: Mit dem letzten Turnier in England auf der Ebene von altehrwürdigen Fußball-Gemäuern konkurrieren zu wollen, kann für die Schweiz nicht gut gehen und gleich nach dem Match in Thun folgt das offizielle Eröffnungsspiel im großen Stadion in Basel, der Gastgeber trifft auf Norwegen. Aber auch ein Push zum Titel, wie ihn England 2022 und die Niederlande 2017 erfolgreich abgeschlossen haben und wie er auch für Schweden 2013 lange das Turnier getragen hat, geht sich für die Eidgenössinnen, aktuell sportlich eher in der Rue de la Gack als im Hotel Baur au Lac daheim, nicht aus.

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0:6 in 45 Minuten: Die Verprügelung von Favoriten und ihre Folgen

Im Horr-Stadion konnten die Fans kurze Messages einschicken, die dann in der Halbzeit auf den Vidiwalls gezeigt wurden. Eine dieser Messages war, in Anlehnung an den Mittelfeld-Muskel der Austria: „Barry rein und alles wird gut!“ Aber Laura Freigang umhacken ist auch keine Lösung. Zumindest nicht mehr bei einem Pausenstand von 0:6.

Wie einst bei Branko Elsner?

Als Branko Elsner im Frühjahr 1985 Teamchef wurde, lud er gleich mal die ganzen alten Helden von Córdoba wieder ein, die zuvor unter Erich Hof einer nach dem anderen aussortiert worden waren. Sie lieferten im WM-Quali-Heimspiel gegen Ungarn einer dermaßen katastrophale Leistung ab, dass allen klar war: Hier und jetzt ist Schluss, das war’s für sie. Es war der Beweis, den die Öffentlichkeit gebraucht hat. Das Team wurde zwar über Jahre nicht mehr wirklich besser, aber es konnte zumindest niemand mehr sagen, dass die Alten immer noch stärker wären.

Das 0:6 der ÖFB-Frauen gegen Deutschland fühlte sich so ähnlich an. Nach diesem Spiel – vor allem der ersten Halbzeit, nach der es eben bereits mit diesem Stand von 0:6 in die Kabinen ging – ist klar: Bei allen Verdiensten, die sich einige der verbliebenen Routiniers um den österreichischen Frauenfußball erworben haben, now’s the end of the line.

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Ohne Rudi Assauer kein Hoffenheim und kein Rangnick bei Red Bull?

„Ich bin diese politischen Possenspiele leid!“ Ralf Rangnick war sichtlich emotionalisiert. „Ich werde meinen Vertrag nicht verlängern. Ich habe keine andere Wahl, als mich so zu entscheiden!“

Keine Angst, das hat der ÖFB-Teamchef nicht vor der nun gegen Rumänien beginnenden WM-Qualifikation gesagt. Und er sagte das auch nicht über das nun von Josef Pröll angeführte ÖFB-Präsidium, das nicht nur dem Teamchef in den letzten Jahren so viel Missvergnügen bereitet hat. Er sagte das vor knapp 20 Jahren mit Blick auf Schalke-Boss Rudi Assauer. Dieser den Trainer erfolgreich aus dem Amt gemobbt – mit dramatischen Folgen für den ganzen Fußball in Deutschland und in Österreich.

Die These: Hätte sich Assauer mit Rangnick arrangiert, wäre Hoffenheim niemals in die Bundesliga gekommen und der Schub bei Red Bull – und damit dessen großer Einfluss auch auf Österreich und das ÖFB-Team – vermutlich auch nicht.

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Bundesliga-Bilanz 2024/25, Teil 2: Die Teams aus der Qualirunde

Und am Ende ist es Klagenfurt: Die Kärntner zogen in einem Abstiegskampf mit drei ziemlich ähnlich schlechten Teams den Kürzeren. Und es bleibt dabei: Wer in der Qualirunde nicht mindestens acht Punkte macht, steigt ab – das war seit Einführung des aktuellen Bundesliga-Modus immer der Fall. Klagenfurt holte sechs, gewann keines der letzten neun Saison-Spiele.

Was aber nicht heißt, dass die Konkurrenz in der Qualirunde wesentlich erquicklicher unterwegs gewesen wäre. Altach hat einmal mehr heftig um den Abstieg gebettelt, der GAK quälte sich und die Zuseher mit drei Trainerwechseln und einem haarsträubend schlechten Offensivspiel. Wattens wurde von drei Leuten getragen, behielt aber immerhin die Ruhe. Hartberg, durchaus interessant under Markus Schopp, wurde zum biederen Mitläufer und der LASK, naja, der LASK.

Individual-qualitiativ deutlich zu gut für die Bottom-6, cruisten die Linzer mit Halbgas zu sieben Siegen in den ersten sieben Spielen und lieferten dennoch zweischendurch den zweiten Trainer der Saison ans Messer und man zelebrierte den Konflikt zwischen organisierter Fan-Szene und dem Klub-Boss.

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Bundesliga-Bilanz 2024/25, Teil 1: Die Teams aus der Meisterrunde

Von Salzburg abgesehen: Wer war der letzte Verein, der in Österreich seinen Bundesliga-Titel verteidgen konnte? Ja, ist schon ein bisserl her. Das war der FC Tirol vor mehr als zwei Jahrzehnten. Bis nun Sturm Graz nach 2024 auch 2025 den Meisterteller in Empfang nehmen konnte.

Nun gibt es zwei Lesarten für diese Saison und diesen Titel. Die eine ist, dass das Niveau an der Spitze spürbar gegenüber dem letzten Jahr abgefallen ist. Salzburg war noch verlorener als noch 2024, Rapid klappte nach einem starken Herbst komplett zusammen, die Austria war letztes Jahr noch Achter und wäre fast Meister geworden, und wenn der WAC nur ein einziges Tor vom DOUBLE entfernt ist, kann ja mit der Liga was nicht stimmen.

Einerseits: Ja, stimmt. Andererseits: Naja, Einspruch.

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Drei Jahre danach: Die ÖFB-Spieler der U-19-EM 2022

„So konsequent selbst das Leben schwer gemacht hat sich wohl noch selten ein österreichisches U-Nationalteam!“ So konstatierten wir am 28. Juni 2022 – nach dem letzten Spiel der U-19-Burschen des ÖFB bei der EM in der Slowakei, dem Entscheidungsspiel um die WM-Teilnahme. Nach zwei Minuten verletzte sich Ervin Omic, nach 20 Minuten Justin Omoregie, der eingewechselte Florian Wustinger sah noch vor der Halbzeit Gelb-Rot. Auch mit zehn Mann war Österreich klar besser, belohnte sich nicht, verlor 0:1.

„Erinnere mich nicht dran“, stöhnt Trainer Martin Scherb, „das war eines der bittersten Spiele meines Lebens. Auch mit drei Jahren Abstand schmerzt das noch!“

Diesen Sommer jährt sich die bisher letzte österreichische Teilnahme an einer U-19-EM zum dritten Mal, die Spieler sind also mittlerweile 22 Jahre alt – da kann man schon einigermaßen seriös beurteilen, wohin die Reise geht.

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