Einheitliches Branding, einheitliche Wegweiser, einheitliche Akkreditierungen, einheitliches Erscheinungsbild der Voluntieers. Natürlich ist bei der Frauen-EM in Schweden auf den ersten Blick in allen sieben Spielorten (ok, bislang sechs, Stockholm sieht nur das Finale) alles gleich. Und doch sind die Unterschiede hinter den Kulissen zum Teil beträchtlich. Mit dem 3:1 des Gastgebers gegen Italien in Halmstad habe ich nun jeden der sechs Venues zumindest jeweils einmal abgeklappert. Zeit, ein wenig zu vergleichen. Die Erkenntnis gleich vorweg: Zuweilen scheint die linke Hand nicht zu wissen, wie die rechte arbeitet.
Papierform heißt gar nix. Gell, England?
11. Juni 2005: Dänemark braucht bei der Frauen-EM in England am letzten Gruppenspieltag gegen Finnland ein Remis, um die nächste Runde – damals gleich das Semifinale – zu erreichen. Es gab ein 1:2, Dänemark war raus. 29. August 2009: Dänemark braucht bei der Frauen-EM in Finnland am letzten Gruppenspieltag gegen Holland ein Remis, um die nächste Runde – damals das Viertelfinale – zu erreichen. Es gab wieder ein 1:2, Dänemark war wieder raus. Nun ist die Situation eine andere: Dänemark braucht gegen Finnland einen Sieg, um noch eine Chance zu haben. Laut Papierform müssten sie das schaffen.
Aber was „Papierform“ heißen muss, erfährt der noch amtierende Vize-Europameister England. Gar nix nämlich. Denn trotz des Ausgleichs in der Nachspielzeit zum 1:1 gegen Russland: Weil man gegen die auch beim 1:0 über Spanien souveränen Französinnen gewinnen wird müssen, ist man zu 99% ausgeschieden. Zumindest laut Papierform. Über die sich aber auch bei den Organisatoren nicht alle klar sein dürften…
Lernen für die WM-Quali: So kann man Finnland beikommen
Der zweite Gruppen-Durchgang hat in Schweden begonnen – Zeit, ein wenig Österreich-Bezug ins Spiel zu bringen. Finnland wird am 25. September der zweite Gegner der ÖFB-Frauen in der Qualifikation für die WM 2015 sein – und in der Gruppe mit Frankreich, Ungarn, Bulgarien und Kasachstan zweifellos der Hauptgegner um Rang zwei sein, der zum Play-off reichen könnte. Eben jenes Team aus Finnland rannte im Spiel gegen EM-Gastgeber Schweden in ein 0:5-Debakel. Auch, wenn der Gegner aus der Kategorie Weltklasse kam und Österreich „nur“ ein gehobenes Mittelklasse-Team ist: Erkenntnisse lassen sich einige ziehen. Vor allem eine: Flanken, was das Zeug hält!
England blamiert sich – das Vorrunden-Aus droht
So schön hatte ich das geplant. England wird laut Papierform Gruppenzweiter, spielt im Viertelfinale gegen Deutschland, und ich kann eine schöne Build-up-Story dafür mit einem Rückblick auf das Finale vor vier Jahren machen. Das hat Deutschland gegen England gewonnen. Der Gedanke landet auf dem Misthaufen. Dieses Viertelfinale wird nicht stattfinden. Der noch amtierende Vize-Europameister ist schon nach dem ersten Spiel mit einem Bein im Vorrunden-Aus.

Wenn man’s nicht wüsste, würde man’s kaum merken – das EM-UFO in Kalmar
Kalmar ist von Göteborg nicht nur räumlich ein schönes Stück entfernt – eine vierstündige Schnellzugfahrt, um genau zu sein – auch im Umgang mit der Frauen-EM herrscht zwischen der doch recht großen Stadt an der Westküste und dem beschaulichen Städtchen an der Ostküste Schwedens ein ziemlicher Unterschied. Kurz gesagt: Wenn man nicht wüsste, dass hier insgesamt vier EM-Spiele steigen – im ersten davon hat ein schwaches Norwegen nur 1:1 gegen Island gespielt – würde man es fast nicht merken.
Sieht schon ganz fein aus. Bis auf das Akkreditierungs-Büro und das W-Lan
Göteborg. Stadion Gamla Ullevi, 20.04 Uhr. Rund eine halbe Stunde vor Anpfiff des ersten Spiels von Frauen-EM-Gastgeber Schweden gegen Dänemark. Eine halbe Stunde also, bevor Schelin und Co. in die Knie gehen und nur 1:1 spielen, zwei verdaddelte Elfer inklusive, geht schon das W-Lan im Stadion in die Knie. Kolossal. Und es kommt auch nicht wieder, den ganzen Abend nicht. Was jede Menge der rund 200 akkreditierten Journalisten und Fotographen ziemlich ins Schwitzen bringt. Sonst sieht das in Göteborg aber schon ganz fein aus.
12 Teilnehmer, 3 Titel-Kandidaten: Fußball-Europa sucht seine Königinnen
Natürlich: Wer nur auf das Tempo, die Athletik oder allgemein das, um es mal platt zu formulieren, Offensichtliche schaut, wird mit dem Frauenfußball nie eine Herzensbeziehung eingehen. Darum versuchen wir es vor der Europameisterschaft in Schweden mal mit Inhaltlichem. Mit Taktischem. Mit etwas Hintergrund-Information. Denn wer mit einem Mindestmaß an Wissen um die Personen, die Teams, die Leiungsstärken im Vergleich zur Konkurrenz, ihre Stärken und Schächen in ein Turnier geht – auch als Zuseher – der ist schon mal grundsätzlich im Vorteil.
Hier also: Acht Fragen und acht Antworten zu Schweden 2013.
Confed-Cup 2013: Wenig bedeutendes Turnier, sehr bedeutende Erkenntnisse
Ja, das hat durchaus Spaß gemacht. Eine ziemliche Dichte an ziemlich feinen Teams, in einem Turnier, dass war weltweite Aufmerksamkeit, aber vergleichsweise geringe Bedeutung hat. Das Resultat: Ein ausgesprochen gutklassiges Turnier mit vielen unterhaltsamen Spielen, aber (vom Gastgeber abgesehen) ohne den Druck des Gewinnen-Müssens. Ein Jahr vor der WM also eine Gelegenheit zu probieren und Erkenntnisse zu sammeln. Nicht unbedingt nur taktische, auch solche das Klima betreffend.
Pressen, Zustellen, Umschalten: Brasilien fertigt Spanien mit 3:0 ab
Brasilien hat zum dritten Mal hintereinander den Confederations Cup gewonnen – indem man Welt- und Europameister Spanien regelrecht vorgeführt hat. Die Seleção presste die sichtlich müden Spanier hoch an, schaltete schnell um und nahm den Iberern im Mittelfeld die Optionen. Dagegen war kein Kraut gewachsen. Zumal der Spielverlauf für Spanien auch ungünstig war: Frühes 0:1, Elfer verschossen, und dann auch noch in Unterzahl.
Frustrieren statt aktiv ärgern: Fast wäre Italiens Strategie aufgegangen
Spanien, Spanien, immer wieder Spanien! Doch wie schon letztes Jahr im EM-Halbfinale rettete sich der Welt- und Europameister gegen einen taktisch hervorragend agierenden Gegner nur mit viel Mühe ins Elferschießen und zog über diesen Umweg doch wieder ins Finale ein. Dabei hatte in diesem Confed-Cup-Semifinale Italien eigentlich alles richtig gemacht. Man frustrierte die Spanier, anstatt sie aktiv zu ärgern. Eine etwas bessere Chancen-Verwertung, und der Plan wäre aufgegangen.