Lernen für die WM-Quali: So kann man Finnland beikommen

Der zweite Gruppen-Durchgang hat in Schweden begonnen – Zeit, ein wenig Österreich-Bezug ins Spiel zu bringen. Finnland wird am 25. September der zweite Gegner der ÖFB-Frauen in der Qualifikation für die WM 2015 sein – und in der Gruppe mit Frankreich, Ungarn, Bulgarien und Kasachstan zweifellos der Hauptgegner um Rang zwei sein, der zum Play-off reichen könnte. Eben jenes Team aus Finnland rannte im Spiel gegen EM-Gastgeber Schweden in ein 0:5-Debakel. Auch, wenn der Gegner aus der Kategorie Weltklasse kam und Österreich „nur“ ein gehobenes Mittelklasse-Team ist: Erkenntnisse lassen sich einige ziehen. Vor allem eine: Flanken, was das Zeug hält!

Grundsätzliches

Schweden - Finnland 5:0 (3:0)
Schweden – Finnland 5:0 (3:0)

Andrée Jeglertz, der als Trainer mit Umeå dreimal im Europacup-Finale war (und eines davon gewann), lässt sein Team aus Finnland in einem 4-4-1-1 auflaufen. Ohne die verletzte Kapitänin Maija Saari spielt Laura Kivistö in der Innenverteidigung, statt der ebenfalls verletzten Linda Sällström – die Angriffs-Chefin – probierte Jeglertz beim 0:0 gegen Italien Annica Sjölund, beim 0:5 gegen Schweden Jaana Lyytikäinen. „Weil Jaana schneller ist“, erklärte er nach dem Spiel die Umstellung.

Finnland ist im innereuropäischen Ranking auf Platz zwölf – zum Vergleich: Die Russinen, die das Play-Off gegen Österreich nur mit Mühe überstanden haben, sind Dreizehnte. Von der Leistungsstärke also absolut vergleichbar, daran kann man sich orientieren.

Was Finnland gut macht

Finnland agiert zu viert nicht aggressiv, aber durchaus aktiv gegen die Spieleröffnung. RM Tolvanen (bzw. nach einer halben Stunde die dorthin gerückte Heroum), LM Alanen, die hängende Spitze Lyytikäinen und Spitze Talonen gehen die jeweils Ballführende alleine an, während die drei anderen die Passwege zuzustellen versuchen. Das sieht zumeist gut koordiniert aus und machte es Schweden zu Beginn durchaus nicht ganz leicht, von hinten heraus das Spiel aufgebaut zu bekommen.

Eigene Standardsituationen sind die größte Waffe im Spiel nach vorne. Jeglertz ließ, deutlich zu sehen, viele verschiedene Varianten von Freistößen und Ecken eintrainieren. Da wird nicht einfach der Ball vor das Tor geholzt, nein, da wird angedeutet, getäuscht und getrickst, mit unerwarteten Laufwegen sollen Löcher gerissen werden – da steckt durchaus Hirnschmalz dahinter.

Was Finnland nicht gut macht

Man muss kein Genie sein, um zu erkennen, dass man gegen Flanken und bei Standardsituationen des Gegners überhaupt nicht zurecht kam. Vor allem LV Susanne Lehtninen war heillos überfordert: Sie ist weder groß noch robust, ist für einen Außenverteidiger zu langsam und ist auch geistig, vor allem wenn es der Gegner schnell macht, immer hintennach.

Außen hören die Probleme aber nicht auf. Das IV-Duo und Keeper Korpela schafften es oft auch nicht, die Flanken auf halbwegs souveräne Art und Weise zu klären. Einmal standen bei einer der insgesamt 21 schwedischen Eckbällen (!!!) – Finnland hatte nur eine einzige – acht Weiße rund um Schelin herum, die aber trotzdem zum Kopfball kam. Drei Gegentore aus Standardsituationen nannte dann auch Jeglertz „schon ein wenig unnötig“. Waren aber logisch, denn Schweden spielte praktisch nur auf die Außenbahnen, wo man haushoch überlegen war.

Hinzu kommt, dass das eigene Mittelfeld eine weitgehend phantasiefreie Zone ist. Von Kukkonen und Heroum (bzw. der nach einer halben Stunde eingewechselten Saario) kommen praktisch keine Impulse nach vorne. Das finnische Mittelfeld besteht aus fleißigen Läufern, aber Kreativität ist dort keine vorhanden.

Aussichten für Österreich

Auch wenn Finnland völlig chancenlos war und das 0:5 auch in der Höhe verdient ist, darf man nicht davon ausgehen, dass Österreich da zwingend auch etwas holen wird. Völlig anderer Gegner, andere Spielanlage, anderes Niveau, anderes Tempo, andere Ausgangslage. Aber: Mit konsequentem Spiel über die Außen ist dem Spiel sicherlich beizukommen. Die finnischen AV gehören absolut nicht zu den Glanzpunkten europäischen Frauenfußballs, und bei knapp vor das Tor gezogenen Flanken herrscht im Zentrum zuweilen heilloses Chaos.

Was man nicht versuchen sollte: Durch das Zentrum vor das Tor zu kommen. In dieser Zone hat Österreich keine Vorteile gegenüber Finnland, wird gegen die laufstarken ZM kaum durchkommen können. Aufzupassen gilt es, Finnland möglichst keine Standardsituationen zu gewähren, sehr wohl aber, sich selbst möglichst viele zu erarbeiten.

Der größte Vorteil von Finnland gegenüber Österreich ist zweifellos die Erfahrung auf internationalem Level. Auch wenn es bei dieser EM mit hoher Wahrscheinlichkeit nach der Vorrunde zu Ende ist, hat Finnland diese Erfahrung und jene von der eigenen Heim-EM vor vier Jahren eben. Erwischt Österreich gegen dieses Team zwei gute Tage, sind schon ein paar Punkte drin. Erwarten darf man sie aber nicht.

(phe)

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.