Alle Beiträge von Philipp Eitzinger

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.

Eine sinnlose Statistik

Das ÖFB-Team ist in Innsbruck also noch ungeschlagen. Gratuliere! Bei den Gegnern…

4:1 gegen Luxemburg im April 2004
5:0 gegen Weißrussland im Juni 2003
2:0 gegen Liechtenstein im April 2001
…und ein 1:1 gegen die Schweiz im August 1986 auf dem alten Tivoli.

In Wahrheit kann man nur das 2:1 gegen die Schweiz im Oktober 2006 und das 3:2 gegen Côte d’Ivoire im Oktober 2007 als Erfolg verkaufen. Ansonsten kann man diese Statistik getrost dem Papierkorb überantworten: Das deutsche Team ist in Freiburg auch ungeschlagen. Natürlich, gegen wirklich starke Gegner spielt es auch in größeren Stadien…

(phe)

Vorschau: Österreich-Litauen

Am Samstag geht es also in einem vollen Innsbrucker Tivoli gegen Litauen. Wenn, wie als Ziel ausgegeben, der dritte Tabellenplatz gesichert werden soll, muss gegen die Balten gewonnen werden – und das ist auch möglich. Der Gegner, der da kommt, ist gleichermaßen unangenehm wie unberechenbar – aber auch absolut schlagbar.

Das hat der letzte Auftritt der Litauer gezeigt, als sie ihr Spiel auf den Färöer-Inslen gar verloren haben. Erinnern wir uns aber gleichzeitig ein Jahr zurück: Da besiegten sie das österreichische Team auf dem besseren Bezirkssportplatz von Marijampole mit 2:0 – es war eine klassische Nullnummer mit zwei eher glücklichen Toren (ein abgefälschter Weitschuss z.B.). Dann werfen wir einen kurzen Blick auf die österreichische Aufstellung von damals, und wir merken sofort: Diese Partie lässt, was das ÖFB-Team betrifft, keinerlei Rückschlüsse auf das Rückspiel am Samstag zu. Mit Paul Scharner ist nur einer von der Startformation auch diesmal dabei, Christian Fuchs kam in Marijampole für die letzten fünf Minuten ins Spiel.

Schauen wir also auf die jetzige Mannschaft. Im Tor wird Helge Payer stehen – nach den zuletzt wirklich starken Leistungen in Nationalteam und Europacup gibt es da auch nichts zu diskutieren. Die Innenverteidigung wird von Aleksandar Dragovic (so er denn rechtzeitig fit wird) und Paul Scharner gebildet. Sollte Dragovic nicht spielen können, stünden Manuel Ortlechner und Jürgen Patocka Gewehr bei Fuß. Eher kein Thema für die IV sollte hingegen Frnaz Schiemer sein, der als einziger im Kader einen Rechtsverteidiger zumindest halbwegs sinnstiftend spielen kann. Auf rechts wird’s sonst dünn. Links wird entweder Manuel Ortlechner spielen (so er eben nicht innen gebraucht wird), oder Andi Ulmer. Trotz der zuletzt deutlich ansteigenden Form des Salzburgers Ulmer fürchte ich, dass Ortlechner spielen wird.

Das sollte aber nicht viel ausmachen, da die Ausrichtung der jungen Truppe, die davor das Vertrauen geschenkt bekommt, ohnehin eher offensiv ausgerichtet ist. Zumindest in einem Heimspiel, das gewonnen werden muss. Constantinis Ankündigung, da mit einem Solo-Sechser (wohl Pehlivan) spielen zu wollen, gefällt da ganz gut. Auf den Außenpositionen ist erstmals Ekrem Dag (der im Mittelfeld alles spielen kann, quasi eine Allround-Waffe ist) ein Thema. Er wäre das aber wohl nicht, wenn nicht Andi Hölzl verletzungsbedingt passen müsste. Hier wird Constantini wohl zu seinem Glück gezwungen.

Links ist Jakob Jantscher mittlerweile wohl gesetzt, wiewohl da beim Sturm-Youngster noch ein kleines Fragezeichen hinter seiner Fitness steht. Er musste am Wochenende gegen Kapfenberg nach einer halben Stunde angeschlagen ausgewechelt werden. Geht bei Jantscher nichts, kann ich mir Veli Kavlak ganz gut vorstellen – Christopher Drazan wäre da wohl eher als Joker für die letzte halbe Stunde wirkungsvoller.

Die zentrale Offensivposition ist hingegen so ein Thema. Grundsätzlich wäre das die ideale Position für den derzeit bei Mainz in Überform agierenden Andi Ivanschitz, doch der ist ja bekanntlich nicht dabei. Ob es sich dabei wirklich um eine geforderte Stammplatzgarantie handelt (was ich nicht so recht glauben mag), persönliche Animositäten seitens des Teamchefs (was ich nicht hoffen mag) oder, wie in der Kleinen Zeitung angedeutet, mangeldes Defensiv-Verhalten (was zumindest ein sportlich akzeptabler Grund wäre), ist eigentlich egal. Der zwei Jahre jüngere Thomas Prager, der unter einem echten Trainer beim LASK aufblüht und wie Ivanschitz vor Selbstbewusstsein strotzt, kann auch das spielen.

Eine weitere Alternative für die zentrale Offensivposition wäre Daniel Beichler, der das beherrscht, aber diese Position nicht wie Prager vom Verein gewohnt ist. Ihn könnte ich mir eher als wuseligen Sturmpartner zu Marc Janko vorstellen. Jimmy Hoffer sehe ich aufgrund seiner Spielanlage und vor allem aufgrund seiner Matchpraxis eher als Alternative von der Bank.

Ich erwarte also folgende Formation:
Payer – Schiemer, Dragovic, Scharner, Ortlechner – Dag, Pehlivan, Prager, Jantscher – Beichler, Janko

Ein Sieg gegen die Balten ist, wie erwähnt, Pflicht. Und ein einem muss ich Didi Contantini dann doch absolut Recht geben: Ein dritter Platz wäre ein schöner Erfolg. Wenn man aus Topf 5 startet und eine nominell stärere Mannschaft (in diesem Fall wäre es Rumänien) neben den Litauern hinter sich halten kann, wäre das nicht nur ein Resultat, auf dem man aufbauen könnte. Sondern vor allem wichtig für die kommende Auslosung für die EM-Quali.

Aber auch, wenn’s mit dem dritten Rang am Ende nix werden sollte: Drei Punkte gegen Litauen sind ein absolutes Muss.

(phe)

Salzburg-Villarreal: Alles Schwegler/Tchoyi, oder was?

sbg-vil
Pass-Analyse von Salzburg gegen Villarreal (2:0)

Wie vor zwei Wochen beim Spiel von Rapid beim 3:0 gegen Hamburg verlegten sich auch die Salzburger (siehe unser Gewinnspiel mit signierten RBS-Trikots) gegen eine objektiv deutlich bessere Mannschaft vor heimischem Publikum auf die Konter. Und auch diesmal ging das Konzept des grundsätzlich defensiv eingestellten Gastgebers voll auf: Die Bullen gewannen doch etwas überraschend 2:0 gegen die international sehr routinierte Truppe aus Spanien.

Die defensive Grundhaltung ist aber nicht die einzige Parallele zu Rapid. Nein, mit Somen Tchoyi verfügen auch die Salzburger über eine sehr zentrale Figur. Der Kameruner zieht die Bälle an wie ein Magnet  – praktisch die komplette Mannschaft versuchte immer, Tchoyi ins Spiel zu bringen. Das ging vor allem auch deshalb, weil er (wie Hofmann bei Rapid üblicherweise) seine nominelle rechte Seite sehr oft verlässt und im Grunde einen Freigeist spielt, der beinahe die ganze Platzbreite für sich ausnützt. Doch im Unterschied zu Rapid, wenn Hofmann auf rechts spielt und nicht, wie zuletzt öfter, in der Zentrale, geht das bei Salzburg gut – weil Schwegler im Gegensatz zu Andi Dober die beiden Positionen gleichzeitig spielen kann.

Stichwort Schwegler. Der Schweizer ist der Boss auf der rechten Seite. Er beackert die komplette Flanke, geht sehr oft auch weit in die gegnerische Hälfte mit, ohne jedoch dabei seine Defensivaufgaben zu vernachlässigen – die eigentlich dominante rechte Seite von Villarreal (Capdevila-Cazorla, an sich ein Weltklasse-Duo), spielte überhaupt keine Rolle. Der 25-Jährige ist ein Rechtsverdeitiger von hochmodernem Zuschnitt, der schon jetzt wertvoller für die Mannschaft ist, als es sein Vorgänger Laszlo Bodnár jemals war.

Daher kommt es auch nicht von umsonst, dass die rechte Seite eindeutig die Hauptlast des Salzburger Offensiv- bzw. Konterspiels trägt. Was auch daran liegt, dass mit Leitgeb jemand im rechten Halbfeld spielt, der gut ins Spiel eingebuden wird. Anders die linke Seite: Ulmer und Svento agierten weitgehend isoliert von der restlichen Mannschaft, brachten auch kaum einen Ball wirklich in die Spitze zu (dem gegen Villarreal recht fleißigen) Marc Janko. Gerade Svento hatte wahrlich keinen guten Tag.

So richtig ins Mannschaftsgefüge integriert ist, im Gegensatz zum wesentlich dominanteren Leitgeb halbrechts, Nikola Pokrivac im linken Halbfeld nicht. Auffällig beim kroatischen Neuzugang ist aber: Während er vor der Pause einen kompletten Fremdkörper im Team darstellte, kaum Bälle sah (und wenn doch, die entweder alibimäßig kurz abspielte oder, noch häufiger, gar nicht an den Mann brachte), taute er nach dem Seitenwechsel sichtlich auf und avancierte zu einem ähnlich wichtigen Mann im Umschalten von Defensive auf Offensive wie Leitgeb. Fast doppelt so viele Ballkontakte wie vor der Pause, nur drei (!) davon brachte er nicht an den Mann. Da deutete er an, das er durchaus ein wichtiger Teil der Mannschaft sein kann.

Dennoch spielten die Salzburger de facto nur mit neun Feldspielern. Denn zwischen den routinierten Innenverteidigern Afolabi/Sekagya und dem defensiven Mittelfeld (eben der durchgängig ordentilche Leitgeb und der immer besser werdende Pokrivac) nahm Fränky Schiemer im Grunde nicht an der Partie teil. In der kompletten Spielzeit wurde er von seinen Mitspielern nur sieben Mal angespielt – also im Schnitt einmal alle zwölf Minuten. Ich möchte nicht sagen, dass das Platzieren eines Spielers zwischen einer dominanter IV und einem ballsicherem DM pure Verschwendung war, aber diesen elften Spieler hätte man wohl auch gewinnbringender einsetzen können.

Zum Beispiel als zusätzlichen Mann in einer zentralen Mittelfeldrolle, den da klaffte im Gegensatz zur überbevölkerten Defensivzentrale ein riesiges Loch. Klar, Somen Tchoyi übernahm diese Position bis zu einem gewissen Grad mit, aber während über ihn viel ging und über Svento links wenig, aber doch hin und wieder etwas, war das zentrale offensive Mittelfeld komplett inexistent. Bezeichnend, dass der häufigste Passweg im Salzburger Spiel der Abschlag von Torhüter Gustafsson zu Janko war.

Eine bemerkenswerte Tatsache fiel dann noch in den letzten etwa zehn Minuten auf, als Zickler für Janko ins Spiel kam. Der Deutsche ging nämlich nicht, wie eigentlich zu erwarten gewesen wäre, in die Sturmzentrale, sondern übernahm die rechte Mittelfeldposition von Somen Tchoyi, der wiederum in der Schlussphase den Mittelstürmer gab. Was ihn letztendlich auch in die Position brachte, das zweite Tor zu erzielen.

Fazit: Das Duo Schwegler/Tchoyi hat, in Verbindung mit einem braven Leitgeb den offensiven Löwenanteil an dem 2:0-Sieg gegen Villarreal, neben einer enorm zweikampfstarken Innenverteidigung mit gutem Stellungsspiel. Über Svento und Ulmer ging diesmal weniger, durch die Mitte (in Ermangelung eines Spielers auf dieser Position) gar nichts.

Ballkontake
49 – Schwegler
47 – Gustafsson
45 – Tchoyi
40 – Sekagya
39 – Leitgeb

Passgeber
32 – Gustafsson
29 – Sekagya
25 – Tchoyi
25 – Ulmer
24 – Leitgeb

Passempfänger
40 – Tchoyi
27 – Janko
26 – Schwegler
25 – Leitgeb
22 – Sekagya

(phe)

Rapid gegen HSV: Eine Analyse

Pass-Analyse von Rapid beim 3:0 gegen den HSV
Pass-Analyse von Rapid beim 3:0 gegen den HSV

Das Spiel der Rapidler war deutlich auf Konter ausgelegt – den Ball hatten überwiegend die Gäste, die aus dieser klaren Überlegenheit aber kaum echte Chancen herausspielen konnten. Durch das Überlassen des Spielgeräts an den Gegner kommt es, dass Steffen Hofmann und Veli Kavlak führende Rapidler in dieser Statistik auf international eigentlich lächerliche 47 Ballkontakte kommen. Minutenlang spielte sich der HSV den Ball in den eigenen Reihen hin und her, ohne dass ein Rapidler selbigen unter Kontrolle bringen konnte. Im Ballbesitz jedoch sind zwei Routen bei Rapid die dominierenden:

[ad]Die linke Seite über Boskovic, oft bedient von Katzer und Homfann, aber auch Pehlivan. Boskovic kannte nur den Weg nach vorne, in die Spitze zu Jelavic oder über das Dribbling. Über seine linke Seite ging viel Gefahr aus. Daran änderte sich auch nichts, als Drazan seine Position nach einer Stunde einnahm. Die andere Haupt-Achse bestand zwischen dem zentralen Hofmann und Kavlak auf der rechen Seite, unterstützt von Kulovits. Auffällig: Während Boskovic immer wieder auch Jelavic suchte, ging Kavlak meist alleine nach vorne. So bereitete er das 2:0 vor, blieb aber oft auch hängen. Die Hälfte seiner Ballkontakte brachte er nicht zu einem Mitspieler weiter.

Was ebenfalls sofort ins Auge fällt: Steffen Hofmann in der zentralen Rolle ist der unumstrittene Chef auf dem Platz. Er ist Schaltzentrale, Anspielstation und Taktgeber auf eine Art und Weise, wie er das auf der rechten Seiten nie sein kann. Den Part auf rechts spielte Kavlak bemüht und auffällig. In der zentralen Defensive ist Pehlivan dank seines Einsatzes und seines Stellungsspiels mehr ins Spiel eingebunden als Heikkinen, der vornehmlich Löcher stopfte und Passwege zuzustellen versuchte.

Die Innenverteidigung hingegen war im Spielaufbau als einzige wirklich außen vor. Soma und Eder spielten rein nur die Abräumer in der Defensive, ihre Anspiele waren oft ungenau. Die Balleroberung, um daraus auch etwas zu machen, oblag anderen. Soma zeigte gegen den HSV ein gutes Stellungsspiel, antizipierte gut und ließ das Hamburger Sturmduo kaum zu entfaltung kommen.

Sehr erfreulich: Der HSV-Außenbahnturbo Eljero Elia machte gegen Kulovits überhaupt keinen Stich. Das ist insofern erstaunlich, weil Kulovits ja kein gelernte Außenverteidiger ist. Gleiches gilt für Katzer über Trochowski auf der andern Seite.

Alles in allem also eine ziemlich runde Leistung, mit der Rapid nach dem Spiel gegen Aston Villa einmal mehr bewiesen hat, dass das aktuellen Spielermaterial mit dem richtigen Gameplan absolut in der Lage ist, auch gegen einen objektiv deutlich besseren Gegner nicht nur mitzuhalten, sondern diesen dann auch zu schlagen. Und ich hätte nicht gedacht, dass ich das einmal über eine Mannschaft sagen könnte, die von Peter Pacult trainiert wird.

Ballkontakte
47 – Hofmann
47 – Kavlak
44 – Pehlivan
37 – Katzer
36 – Boskovic (ausgewechelt 60.)

Passgeber
28 – Hofmann
28 – Pehlivan
25 – Katzer
24 – Kavlak
19 – Boskovic (ausgewechselt 60.)

Passempfänger
37 – Hofmann
26 – Boskovic (ausgewechselt 60.)
24 – Kavlak
24 – Pehlivan
24 – Jelavic

Andi Herzog auf Sky nach Maccabi-Salzburg

Nachbetrachtung des Spiels Maccabi Haifa gegen Salzburg auf Sky, Moderator Patrick Wasserziehr und Gast Andreas Herzog

Andreas Herzog, hatten Sie jemals den Eindruck, dass es den Glauben in der Mannschaft gab, die Überraschung in Haifa noch zu schaffen?

„Wenn ich ehrlich bin, ab der ersten Minute nicht. Und das ist eigentlich die größte Enttäuschung, denn wir haben ja vor dem Spiel schon besprochen, dass sie im Endeffekt nichts mehr zu verlieren haben und einfach ein gewisses Risiko suchen müssen. Es ist bis zur letzten Minute nie passiert, dass man den Eindruck hat, dass die Mannschaft etwas erzwingen möchte, dass sie die Überzeugung hat, dass sie dieses Spiel vielleicht noch einmal drehen kann. Haifa ist sicherlich keine schlechte Mannschaft, aber nie und nimmer eine Wundermannschaft, dadurch ist für mich heute das Auftreten der Salzburger Mannschaft umso enttäuschender. Überhaupt keine Aktivität, alles passiv. Wenn ich hinten bin, muss ich das Spiel an mich reißen, muss dem Gegner mein Spiel aufzwingen, muss den Gegner zu Fehlern zwingen. Aber nur immer hinterher schauen und den Gegner spielen lassen, das ist einfach zu wenig und damit hat man in der Champions League nichts zu suchen – auch wenn mir das als Österreich weh tut, aber das war meiner Meinung nach heute eine ganz, ganz schlechte Vorstellung.“

Woran kann das liegen – hat Stevens möglicherweise mit seiner Aufstellung, Zickler draußen zu lassen, ein falsches Signal gegeben?

„Ja, ich glaube schon. Da bin ich auch enttäuscht. Ich habe geglaubt, da der Stevens doch ein sehr erfahrener Trainer ist, Holländer… und wir Österreicher haben eh in den letzten Jahrzehnten gerade auswärts einen Minderwertigkeits-Komplex. Wir trauen uns nie von Beginn an, aktiv zu sein und das Risiko zu suchen. Dann hab ich mir gedacht, da kommt ein holländischer Trainer mit einer Riesenerfahrung und der wird der Mannschaft diese Philosophie einimpfen. Aber da war einfach von Anfang bis zum Schluss eine Inaktivität, die dann auch bitter bestraft worden ist – vollkommen zurecht.“

Jetzt habe ich gedacht, dass gerade jetzt, wo dieser Modus geändert worden ist, der nun ja auch tendenziell die Landesmeister auch aus schwächeren Ligen bevorteilt, dass der dazu führen würde, dass Salzburg mit aller Macht versuchen würde, diese Chance zu ergreifen. Man hat auch einen zigfach höheren Etat als Maccabi Haifa – warum war man da so mutlos?

Continue reading

Aus 12 mach 10 – Zum Saisonstart der Ersten Liga

Wie viel ist über diese Liga in den letzten Wochen und Monaten diskutiert worden! Zwar war das Rennen um die Meisterschaft und den damit verbundenen Aufstieg in der abgelaufenen Saison zwischen Magna Wiener Neustadt und der Admira lange spannend und durchaus Aufmerksamkeit wert, zwar stellte die ADEG-Liga drei der vier Halbfinalisten im ÖFB-Cup, aber im Fokus der Öffentlichkeit stand vor allem die Frage, was wann wie mit dieser Liga geschieht. Continue reading

Der ligenstrukturelle Blick über den Tellerrand

Die Diskussion gibt es so lange, wie es den Fußball in Österreich gibt – und das ist schon recht lange. Die Frage nach der optimalen Ligaenstruktur. Natürlich – kein System der Spielklassenanordnung produziert per se gut geführte Vereine mit ordentlich spielenden Mannschaften, keine Struktur verhindert die Hybris selbstgefälliger Vereinsfunktionäre. Ein Blick über die Grenzen hinaus lohnt aber dennoch. Wie haben andere Länder ihre Spielklassen angeordnet, wie sieht dort das Aufstiegsrecht aus? Nein, ich werde jetzt nicht mit Deutschland, Italien oder Spanien anfangen. Das sind Länder, mit denen sich das Unsere nicht vergleichen darf. Andere Verbände können uns da schon mehr sagen.

Wie die Schweiz. Die Eidgenossen spielen (noch) in einer 10er-Ersten (der „Axpo Super League“, Namenssponsor ist ein Energiekonzern), aus der der Letzte fix absteigt und der Vorletzte eine Barrage gegen den Zweitliga-Zweiten spielt (seit 5 Jahren gibt es die, zweimal ist der Zweitligist aufgestiegen). Darunter gibt es aktuell eine 16er-Zweite (die „Dosenbach Challenge League“, Namenssponsor ist eine Schuhgeschäft-Kette), die vor allem in den hinteren Regionen durchaus auch auf semiprofesioneller Ebene geführt wird. Die letzten beiden steigen direkt ab. Die dritte Spielklasse ist dreigleisig – es gibt keinen Direktaufstieg. Die ersten beiden jeder Liga, also insgesamt sechs Teams, spielen sich die zwei Aufsteiger aus.

In Tschechien gibt es eine 16er-Erste (die „Gambrinus Liga“, benannt nach der Großbrauerei), die letzten beiden steigen ab, in eine 16er-Zweite (schlicht II. Liga). Besonderheit: In Tschechien ist es ausdrücklich gestattet, die Profi-Lizenzen zu kaufen bzw. verkaufen, von diesem Recht wird auch fleißig Gebrauch gemacht. Die letzten beiden der II. Liga steigen in eine zweigleisige Dritte ab, deren Meister direkt aufsteigen.

Belgien verringert ihre 18er-Erste für das kommende Jahr auf eine 16er-Erste (die „Jupiler League“, ebenso benannt nach einer Brauerei), mit einem deutlichen Übergewicht von Klubs aus Flandern (13) gegenüber den 5 aus Wallonien. Die letzten zwei Teams steigen üblicherweise ab in eine 18er-Zweite (die „EXQI League“, benannt nach einem TV-Kanal). Der Aufstiegsmodus ist etwas kompliziert: Der Meister steigt direkt auf, der Zweite spielt in einer Vierergruppe mit dem besten Team der Spieltage 1 bis 10, der Spieltage 11 bis 22 und der Spieltag 23 bis 34 (gewinnt ein Team mehrere, oder wird ohnehin Meister, rücken die in der Liga nächstplatzierten Teams nach) den zweiten Aufsteiger aus. Die 2. Liga in Belgien ist ein ausdrückliche, reine Profliga. Auch beim Abstieg in die zweigleisige Dritte ist nach 34 Spieltagen noch nicht alles vorbei. Die letzten beiden steigen direkt ab, die anderen kommen ins Play-Off. Die zwei Drittliga-Meister steigen direkt auf, während die jeweils drei „Abschnittsmeister“ (analog zur zweiten) mit dem Drittletzten der 2. Liga den verbleibenden Platz in der 2. Liga ausspielen.

Ähnlich kompliziert ist der Modus in Holland. Die „Eredivisie“ wird als 18er-Erste ausgespielt, der Letzte steigt direkt ab in die „Eerste Divisie“, der Meister aus dieser 20er-Zweiten steigt direkt auf. Dann wird’s lustig: Der Vor- und der Drittletzte der Eredivisie kommt ins Relegations-Play-Off – gemeinsam mit sechs Teams aus der Zweiten, nämlich den (siehe Belgien) Abschnittsmeistern aus den Spieltagen 1-6, 7-12, 13-18, 19-24, 25-30 und 31-36. Unterschied zu Belgien: Hier rückt erst ein Team aus der Liga nach, wenn auch der Zweite eines Abschnitts auch anderweitig fürs Play-Off qualifiziert ist (was nichts daran ändert, dass es am Ende üblicherweise die Teams auf den Plätzen zwei bis sieben sind). Die K.o.-Runden im Play-Off werden übrigens nicht mit Hin- und Rückspiel, sondern in Serien Best-of-3 ausgetragen, zwei Teams qualifizieren sich am Ende für de Eredivise. (Umgelegt auf Österreich hieße das, dass nach aktuellem Stand Magna aufsteigt, und der Bundesliga-Neunte mit der Admira, Innsbruck und Austria Lustenau als sonstige Beste der drei Saisondrittel den freien Bundesliga-Platz ausspielen würde).
Das Besondere in Holland: Aus der 2. Liga gibt es keinen Absteiger, aus der 2x dreigleisigen Dritten keinen sportlichen Aufsteiger. Man kann nur an den Profiligen teilnehmen, wenn man sich um eine Lizenz bewirbt – eine Akademie wie die zugesperrte in Hollabrunn ist da die absolute Minimal-Anforderung. Die Ersten der insgesamt sechs Drittliga-Staffeln (witzigerweise unterteilt in Teams, die samstags spielen und solche, die sonntags spielen) ermitteln quasi einen Amateur-Meister. Der Verband plant, auch sportlich den Aufstieg in die 2. Liga zu erlauben, konkret ist da aber noch nichts.

In Schweden ist das wiederum viel einfacher. Die „Allsvenskan“ wurde zuletzt von 14 auf eine 16er-Erste aufgestockt. Die letzten beiden Teams steigen direkte in die „Supertrettan“, die 16er-Zweite, ab und der Drittletzte spielt Barrage gegen den Zweitliga-Dritten. Die letzten beiden der 2. Liga steigen direkt in die zweigleisige Dritte ab. Hauptunterschied zu den mitteleuropäischen Ligen: Die Saison startet im März und endet im Oktober.

Wie auch in Norwegen. Dort wird die „Tippeligaen“ (auch „Eliteserien“ genannt) als 16er-Erste gespielt, aus der die letzten beiden absteigen und von den ersten beiden Teams der als 16er-Zweiten gespielten „Adeccoligaen“ (benannt nach dem Personaldienstleister). Neu nach einer kleinen Reform: Der Drittletzte aus der 1. Liga und die Teams 3 bis 5 aus dern 2. Liga spielen ein Barrage-Play-Off. Ordentlich brutal ist dafür der Abstiegskampf in der Zweiten: Da müssen 4 der 16 Teams den Gang in die viergleisige dritte Stufe antreten.

In Ungarn gibt es eine 16er-Erste, aus der die letzten zwei Teams absteigen, und zwar in eine 2x 16er-Zweite – aus der die Meister direkt aufsteigen. Die jeweils letzten drei dieser beiden Staffeln steigen in die sechsgleisige Dritte ab, aus der wiederum die Meister aufsteigen.

Und in Polen möchte ich meinen Streifzug beenden. Dort spielt die „Ekstraklasa“ als 16er-Erste, aus der die letzten beiden Teams absteigen, der Drittletzte spielt Barrage gegen den Dritten der als 18er-Liga ausgespielten 2. Liga. In der die hinteren Teams in ein Kalter-Krieg-gleiches Wettrüsten geschickt werden! Die letzten vier Teams steigen automatisch ab, die Plätze 13 und 14 spielen dieses Jahr im Play-Off den fünften Absteiger aus. Die jeweils Ersten und Zweiten der zweigleisigen Dritten steigen auf.

Man sieht also: Systeme gibt es, so viele es Verbände gibt. Jeder muss für sich selbst das eigene Optimum bestimmen. Aber es kann ja nicht falsch sein, zumindest Bescheid zu wissen.

(phe)

Was beim 2:1 gegen Rumänien so alles auffiel

aut-ro1
Eines vorweg: Der einzige Unterschied zu den Spielen gegen die Türkei und Schweden war die Einstellung, die schon was von Pflichtspiel statt Testspiel hatte. Aber spielerisch und taktisch war das so ziemlich der gleiche Dreckskick, den man in den letzten Spielen schon sah. Nicht von ungefähr kommt, dass sich das ÖFB-Team keine einzige Torchance (!) selbst herausgespielt hat.
Continue reading

Frühjahrsauftakt in der Ersten Liga

bild090306
Es war am 10. Juli des vergangenen Jahres, als ich in der Erste-Liga-Vorschau schrieb: „Läuft die Saison halbwegs so, wie man sich das erwarten kann, gibt es in der Saison 2009/10 wieder einen Bundesliga-Verein aus Niederösterreich. Die Frage ist demnach nur, welcher Mäzenaten-Plastikklub es sein wird: Stronachs FC Magna aus Wiener Neustadt, oder die Trenkwalders neue Admira aus der Südstadt.“ Und siehe da, vor dem Start in die Frühjahrssaison ist die Situation exakt die prognostizierte.

Continue reading