Rapid – Austria: „Da sind ein paar Störefriede darunter“

Bundesliga-Vorstand Georg Pangl sagte gerade im ORF, die Stimmung im Hanappi-Stadion sei super gewesen, nur unter den Austria-Fans seien ein paar Störefriede gewesen. Ach so? Ein paar? Ich hatte im Fernsehen eigentlich eine Hundertschaft an Leuten gesehen, die den vonn Knallkörpern getroffenen und schwer verletzten Georg Koch noch anschrien und offensichtlich über ihren Treffer jubelten.

Ich habe das ganze Spiel über Böller gehört und brennende Bengalen gesehen die von der Polizei gelöscht werden mussten. Das Problem in Fansektoren sind keine handvoll Idioten – es ist eine signifikante Menge. Aber sie waren nicht die einzigen Leute im Stadion, die falsch reagiert haben.

Rapid hätte abtreten müssen – sofort.
Die Austria hätte fairerweise abtreten müssen – sofort.
Der Schiedsrichter hätte vernunftmäßig abbrechen müssen – sofort.
Die unschuldigen Austria-Fans hätten die Idioten aus dem Sektor schmeissen müssen – sofort.
Raimund Hedl hätte sich weigern müssen, auf der Seite des Rapid-Sektors zu spielen – zur Sicherheit.

Alle haben sie versagt – zuverlässig.

Die Vernunft verliert in Österreichs Fußball fast immer – sofort.

PS: Das sind die dritten schweren Ausschreitungen von Austria-Fans die mir in diesem Jahr zu Ohren kamen (zwei hab ich selbst gesehehn). Es ist das unzähligste Wiener Derby, bei dem „ein paar Störenfriede“ zugegen waren. Wann wird etwas geschehen?

Über Tom Schaffer

Journalist und als langjähriger Mittelfeldmotor stolzer zweifacher steirischer Jugendvizemeister. Fan des Offensivkicks und des englischen Fußballs.

14 Gedanken zu „Rapid – Austria: „Da sind ein paar Störefriede darunter“

  1. und ich schau mir den heimischen fußball sowieso kaum freiwillig an, wenn ich dafür zahlen muss ;)

  2. ps: ganz interessant, gerade im ASB gelesen, lt. einem user soll andy marek (der rapid-fanbetreuer oder platzsprecher – ich kenn nicht genau seine funktion) im letzten jahr mal gesagt haben: „man kann einen chaoten stadionverbot erteilen … dann kommen 2,3 andere chaoten nach“ .

    mit dem durchsetzen von strafen alleine ist es also wohl kaum getan.

    wenn die derbys auch in zukunft weiter ein deartiges risiko wie zuletzt für zuschauer und akteure darstellt, sollte man es wieder im happel spielen lassen.

    des weiteren (auch angeblich marek(!) von rapid): „in zukunft englische verhältnisse (nur sitzer, fokus auf die mittelschicht) nicht zu vermeiden sein werden.“

    für alle mit genug assets nur eine frage der zeit bis im bundesliga-stadion ihre ruhe – haben. ich bin ja so oder so auch mit TV-übertragungen zufrieden. :)

  3. ja eh, solange es genug nachfrage von canary wharf bankern bei arsenal z.b. gibt wäre es wirtschaftlich wohl schwer fahrlässig billige tickets an irgendwelche plebs zu verscherbeln (scharf formuliert). die ausgabenseite ist dabei jedenfalls zu beobachten. ;

    ob der hooliganismus in england beseitigt ist oder nur aus dem fokus gekommen ist, kann ich nicht beurteilen. neben den strafsystem, welches ich nicht kenne, ist aber zum teil sicher auch der preisanstieg für die beschauliche atmosphäre in den stadien der prem verantwortlich (bei arsenal kann man angeblich z.b den sitznachbarn ahnden sollte dieser ausfällig werden oder länger als für eine torszene sich von seinen platz erheben). die stimmung in den stadien leidet jedenfalls darunter (und auch ein fachkundiges publikum verlässt nicht vor schlusspfiff die ränge) wobei szenen mit pyrotechnischen material in stadien – wie man sie aus italien kennt (eher früher) oder österreich halt sicher nicht vorkommen bzw. nie vorkamen wegen den unterschieden der fankultur (britische hools – italienische ultras).

    da kann man eben auch unterscheiden: ich persönlich könnte auf bengalen verzichten, kann aber nachvollziehen das viele („normalos“) das toll finden und zur fankultur zählen. die böller sind einfach unnötig. die zerstörungswut und das aggressionspotential eines wütenden mobs vor und nach den spielen ist hingegen wirklich, so denke ich, eher auf einen kleinen „harten“ kern begrenzt. in der masse kann das eben eine gefährliche dynamik bekommen (solidarisierungseffekt gegen den „feind“ oder gegen die wohl auch nicht oft zimperliche polizei). also wie gesagt, die „richtigen“ rausfischen kann/sollte man tun, aber auf dauer hilfreicher als blosser strafvollzug sind vielleicht zusätzliche kommunikative und aktive maßnahmen bzw. projekte die gewissen tendenzen im vorhinein entgegensteuern. natürlich leichter gesagt als getan… oder man vertreibt halt die ganze kurve so wie in salzburg. das kanns aber auch nicht sein oder?

  4. @CHF, nein ich denke nicht so. aber wenn ich nur die wahl zwischen zei schlechten optionen hab, nämlich ob da unten ein unschuldiger torhüter sein gehör verliert oder ob ein verblödeter gewalttäter mal zwei gebrochene knochen mit nach hause nimmt, dann fällt meine wahl recht eindeutig aus. natürlich wär es noch besser, wenn sie ihn nicht rausprügeln, sondern die polizei/sicherheitskräfte holen. tatsächlich würde das hoffentlich eher passieren ;)

    btw. dass in england die preise gestiegen sind, das hat mit ausgaben, angebot und nachfrage zu tun, nicht direkt mit dem hooligan-problem. der englische weg in diesem bereich sieht ja eben genau wie du vorschlägst hohe strafen bei fehlverhalten im stadion vor.

    fehlverhalten im stadion ist für mich übrigens nicht nur einen böller zu werfen, sondern auch daneben zu stehen und keinen ordner zu holen – bzw. keine anzeige aufzugeben, wenn dann wirklich was passiert. das kann man unterschiedlich stark gewichten, aber dass da immer nur 2-3 übeltäter rausgefischt werden, is einfach zu wenig. da bleiben zuviele von deren kumpels ungeschoren.

    bei rapid-austria wurden gestern angeblich 2 leute festgenommen. das werden wohl die sein, die man hinter dem koch-böller vermutet. die 10 hanseln mit den bengalen am schluss (die genau dort standen, wo am anfang jene waren, die den am boden liegenden koch beschimpften) oder die 10 anderen die dannböller wie sau geworfen haben, denen passiert nichts. gar nichts. die gehören allerdings alle raus. nicht nur raus, eigentlich auch strafrechtlich verfolgt.

  5. Diesmal muss man den Rapid-Fans insofern ein Kompliment machen, als sie nach dem bösen Vorfall mit Koch nicht ebenso reagiert haben. Schließlich lief die erste Halbzeit ja noch über 40 Minuten (mit Safar vor der Westtribüne). Offensichtlich dürfte auch Rapid-Kapitän Hofmann zum Block West gelaufen sein, um mäßigend einzuwirken.
    Da man das Hineinbringen von Knallkörpern ins Stadion nicht verhindern kann, müsste man wirklich rigoros gegen Krawallmacher vorgehen. Und warum nicht neben den individuellen Strafen die Austria das nächste Meisterschaftsspiel (oder das nächste Derby) vor leeren Tribünen spielen lassen! (Detto für alle anderen Vereine, deren Fans sich nicht benehmen und auf gegnerische Spieler losgehen!) Ein Spielabbruch wäre vertretbar gewesen, scheint aber nicht möglich gewesen zu sein, weil Rapid weiterspielen wollte. Ich glaube, das Weiterspielen war eine diskussionswürdige, aber im Ergebnis doch richtige Entscheidung – zumal das Spiel ohnehin 3:0 ausgegangen ist!

  6. ps: ich weis nicht wie das alles genau geregelt wird zw. der liga und den vereinen. aber man sollte vielleicht eher weg vom kollektivdenken und weniger die vereine bestrafen sondern eben privatpersonen. saftig – finanziell – bewirkt oft wunder. die vereine hingegen sollten sich ihrer problemfans auf konfrontativ und argumentativ und in letzter konsequenz aktiv (hausverbote) annähern. (fanprojekte sind vielleicht gar nicht so schlecht), bzw. die kommunikation verbessern. der kuschelkurs den z.b. rapid mit seinen ultras hält, halte ich für nicht ungefährlich. bin gespannt welche taten kraetschmar seinen worten folgen lässt.

    von kollektiver verbannung bzw. kriminalisierung der „signifikanten menge“ halte ich in jeden fall eher weniger.

  7. @Tom Schaffer

    „prügeln die idioten aus dem sektor“ … ich hoffe du denkst nicht wirklich so und solche „ideen“ entspringen nur dem verständlichen(!) ärger über ein wiedermal von den „sogenannaten fans“ – „verpatztes“ wiener derby. prügelordner gabs bei honved…

    die „englische-methode“ die du zu propagieren scheinst hätte wohl aber auch für „unsereins“ (ja eh, ich schau auch lieber premier league im TV als das ich ins hanappi gehe) auswirkungen. es sei denn du bist mindestens im mittleren management tätig und kannst dir dann noch einen eintritt bzw. einen platz auf der warteliste bei den grünen oder violetten leisten.

    eine tirade eines kumpels dazu:
    http://www.supercity.at/blog/allgemein/mahdi/when-shit-hits-the-fan

  8. das spiel abzubrechen hätte eine ganz einfache funktion. die die das spiel sehen wollen, schnappen sich spätestens nachdem sie beim dritten mal umsonst eintritt bezahlt haben die übeltäter und prügeln die idioten aus dem sektor.

    find ich nicht gut, aber besser als wenn andauernd unschuldige zum handkuss kommen.

    ps: dass rapid fans meistens nicht per se besser sind, weiß man eh. es knallt bei derbys ja eh dauernd. hatte ich ja eh angedeutet. traurig genug, dass ich derartige derby-artikel schon lange vor ballverliebt schreiben konnte: http://zurpolitik.com/?p=175

    und seitdem hat sich genau nichts geändert

  9. Ich geb Dir Recht, dass grundsätzlich solche Knallkörper, Bengalen etc. normalerweise gar nicht ins Stadion kommen dürfen. Hier wird auch aus eigener Erfahrung viel zu ungenau kontrolliert. Und gegen diverse Tricks wie die Kracher in den Höschen der Freundinnen (wie Georg Pangl so schön umschrieb) kann man dann auch nicht allzuviel machen.

    Ein Abbruch bei jedem geworfenen Kracher würde aber genau das Gegenteil bringen. Einen Sieg der Chaoten. Denen geht es ja gar nicht ums Spiel. Da stehen einige 90 Minuten mit dem Rücken zum Feld. Denen geht es nur um Krawall und Aufmerksamkeit. Wenn man daher jedesmal wegen denen abbricht, bringt das ausser Terminchaos und 15000 anderen aufgebrachten Fans gleich null. Die gehen beim nächsten Derby wieder hin und versuchens auf Neue. Die brauchen nur eine Auftrittsfläche – und die 10-15 Euro fürs Ticket ist es ihnen wert.

    Ich würd auch nicht alle in einen Topf schmeissen, die dem liegenden Koch Hasstiraden entgegengebracht haben. Das sind die Hunde, die laut bellen aber nicht beissen. Ich kenn selber welche davon. Die sind sonst ganz anständig, sind in Fanclubs tätig etc., lassen aber ihre Aggression beim Spiel verbal aus – und nur verbal. Dann müsste man auch ganz Fangruppen, die einem am Boden liegenden Spieler nachrufen „Oh, mir tut mein Fuss so weh“ auch gleich in den Topf mithineinwerfen – und derartiges gibt’s auch in Deutschland und anderen Ländern.

    Die einzige Lösung sind beinharte und 100% konsequente Stadionverbote für alle, die a) Knallkörper oder andere Wurfgegenstände in das Stadion zu schmuggeln versuchen und b) diese Sachen aufs Spielfeld werfen.

    Bengalen finde ich noch halbwegs ok wenn sie sinnvoll verwendet werden und nicht aufs spielfeld geworfen werden (einen werfer eines bengalenfeuers kann man aufgrund dessen grösse sowieso recht einfach mit der videoüberwachung aus dem verkehr ziehen (und wenn sie nicht direkt einen spieler treffen besteht da auch keine verletzungsgefahr)

    Man sollte nicht jegliche Emotion aus dem Stadion vertreiben – aber die Chaoten gehören weit weg vom Platz.

    Btw. meines Wissens gibt es auch in anderen Ländern bei Derbys oder Spielen von „verhassten“ Clubs eigene Zugangs-Korridore für die Fans. Das ist absolut notwendig. Man geht ja nicht in die Oper. Es ist und bleibt ein Fussballspiel.

  10. Sorry, aber ich halte die Mentalität im Bezug auf solche Dinge (nicht rein auf deine und Andis Antwort bezogen) hierzulande für unpackbar.

    Es spricht ohnehin schon Bände, dass die Fans schon präventiv verkorridort werden.

    Zum einen hätte es zur KRacherwerferei gar nicht erst kommen dürfen. Rapid rühmt sich einer modernen Sicherheitsanlage, die gar nix bringt, wenn man die Fackeleien sehenden Auges trotzdem toleriert. Für Georg Koch ists zu spät. Und dieses Spiel fortzuführen ist ein Signal an die Gewalt ausübenden und Gewaltausübung bejubelnden Fans: „Hey, wir sind ja ohnehin machtlos gegen euch, macht ruhig so weiter.“ Oder gar: „Ist doch ganz normal, das Austria und Rapidfans auf Kosten anderer Krieg spielen, lasst sie doch.“ Nur weil es schon immer so war ist es kein Grund so zu lassen.

    Man sollte in solchen Fällen viel öfter zu Sanktionen greifen. Sobal die ersten gefährlichen Gegenstände und Knallkörper Richtung Spieler fliegen, braucht es eigentlich schon eine Abbruchsdrohung, die im Falle des Falles auch umgesetzt werden muss. Hier hilft nur echte Nulltoleranz gegenüber Ultras und Konsorten, um ein Zeichen zu setzen statt zu Gewalt einzuladen. Das würde das Vereinsimage verbessern, den Anteil der Gestörten im Fansektor langfristig reduzieren und das Risiko weiterer Georg-Koch-Fälle minimieren.

    Die 0:3 Klatsche hätten die Austria-Fans im Falle eines Abbruchs genauso erhalten, wobei mir es mir völlig egal ist ob jemand „gedemütigt“ wird oder nicht – gegen solche Leute, die eben gewalttätig sind oder dieses bejubeln, muss durchgegriffen werden. Und was wenn die Austria (womöglich wegen Torwartfehlern) das Spiel noch gedreht hätte?

    Ich schiebe auch nicht alles allen Austria-Fans in die Schuhe. Sicher stützt die Mehrheit sowas nicht, aber wenige waren es nicht, die sich auch noch gefreut haben, dass Koch erwischt wurde. Rapid-Fans die ähnliches machen sind freilich nicht minder hohl. Was glaubst du wie es im nächsten Derby im Horr rundgehen wird? Ultras und Co basteln sicher schon an ihrer Rache, und wie ich die Mentalität der beiden Vereine einschätze, werden auch sie relativ problemlos mit ihrer Knallkörperbewaffnung ins Stadion kommen.

  11. @ Georg: warst wohl noch nie bei einem Derby: Die Fangruppen werden schon seit Jahren in getrennten Korridoren in das Stadion und vom Stadion weggebracht. Es ist für Austria-Fans gar nicht möglich, sich bei den Grünen unterzumischen. Weiters sind alle Karten personalisiert.

    Man soll jetzt auch nicht alles den Austria-Fans unter die Schuhe schieben (obwohl ich beide Gruppen nicht ausstehen kann) aber man denke nur an den letzten Spielabbruch, der von Rapid-Fans provoziert wurde – insofern sind doch alle gleich.

    Ein Spielabbruch hätte nix gebracht ausser noch mehr Ausschreitungen und Erhitzungen. Für die Austria-Fans war die 0:3-Klatsche die grösste Demütigung. Eine solche hätte ein Abbruch nie zustande gebracht. Insofern war die Weiterführung des Spieles ok – auch wenn es natürlich für Georg Koch zu spät kam und ihm alle Genesungswünsche zuzustehen sind.

  12. Wenn Hofmann es vorgeschlagen hat – warum ist es nicht passiert? Wenn man schon – unfassbarerweise – weiterspielt, wäre das wenigstens sinnvoll gewesen. Wenige Minuten nachdem Hedl im Spiel war ist wenige Meter neben ihm wieder ein Böller explodiert.

    Die Sicherheit ums Stadion kann man gewährleisten. In dem man die Exekutive aufstockt und Hilfe anfordert. In dem man den Auswärtssektor abriegelt und die Heimfans zuerst aus dem Stadion leitet. In dem der Abtransport der beiden Gruppen über Korridore verschieden und zeitversetzt erfolgt. Und selbst wenn sie sich trotzdem in die Haare kriegen, dann prügeln sich wenigstens die Richtigen.

    Die Spieler und der Sport dürfen in sowas nicht involviert sein und es auch nicht tolerieren.

    Insofern ist „Oder willst du für ein 5min-Fußballspiel Eintritt zahlen?“ ein Scheißargument. Ich traue mich zu wetten, dass die Austria im Falle des Abbruchs für die Refundierung aufkommen hätte müssen.

  13. Laut den Gesten glaube ich hat Hofmann vorgeschlagen die Seiten zu wechseln, zumindest hat eine Handbewegung in der Diskussion mit dem Schiedsrichter so ausgesehen.

    Fakt ist jedoch, dass bei einem Abbruch die Sicherheit rund ums Stadion sicher nicht 100% garantiert werden hätte können. Und dazu hätte es noch ein organisatorisches Problem gegeben, oder willst du für ein 5min-Fußballspiel Eintritt zahlen?

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