Zum Erste-Liga-Start: Magna oder Trenkwalder?

Ein paar Tage nach der Bundesliga startet auch die neue Saison der Ersten Liga. Ligasponsor ist nun nicht mehr RedZac, sondern Adeg – sonst hat sich aber nicht viel geändert. 12 Vereine (zum vorletzten Mal), ein Aufsteiger, drei Absteiger. Wer sind die Favoriten, wer die Absteigskandidaten?

Die Favoriten. Klar ist: Läuft die Saison halbwegs so, wie man sich das erwarten kann, gibt es in der Saison 2009/10 wieder einen Bundesliga-Verein aus Niederösterreich. Die Frage ist demnach nur, welcher Mäzenaten-Plastikklub es sein wird: Stronachs FC Magna aus Wiener Neustadt, oder die Trenkwalders neue Admira aus der Südstadt. Objektiv betrachtet haben beide Vereine einen astreinen Bundesliga-Kader zur Verfügung – die Austria-Combo, Kolousek, und einige andere in Wiener Neustadt, dafür die U20-Helden Panny und Morgenthaler, Dospel, Baranek, Surma, Friesenbichler und Andi Schicker bei der Admira. Hier wird wohl entscheidend sein, welcher der beiden Trainer die ihnen zur Verfügung stehenden Spieler schneller zu einer funktionierenden Einheit macht: Der Tiroler Naturbursch Kraft für Magna, oder der burgenländische Leisetreter Peischl für Trenkwalder.

Verfolger und Herausforderer. Sollten beide Favoriten straucheln, wird einer aus der zweiten Reihe wohl da sein, um abzustauben. Aus eigener Kraft wird aber kaum eine dieser Mannschaften die Möglichkeit haben, ganz nach vorne zu stoßen. Den Innsbruckern ist – mit Ausnahme von Kapitän Andi Schrott – die komplette Stammformation weggelaufen. Der neue Kader unter dem neuen Coach Kogler (der als Trainer aber weder in St. Andrä noch in Leoben wirklich überzeugen konnte) scheint sicherlich stark genug für die obere Tabellenhälfte, aber wenn es ganz nach oben gehen soll, muss das Favoriten-Duo mitspielen. Selbiges gilt für die beiden Lustenauer Vereine, wobei es dem FC diesmal durchaus gelingen kann, vor der Austria zu landen; allerdings nur, wenn der Abgang von Schützenkönig Gartler halbwegs kompersiert werden kann. Vorsicht ist aber absolut angebracht, denn für beide kann es auch schnell in tiefere Gefilde abwärts gehen. Und schließlich bleibt aus dieser Kategorie noch Vizemeister Gratkorn. Auch wenn ich Toni Ehmann mittlerweile mehr als Risiko denn als Stütze erachte, schlechter ist der Kader gegenüber der letzten Saison nicht geworden (wobei der 2. Platz aber mehr war, als sich Gratkorn verdient hätte).

Auf- und Absteiger. Die restlichen sechs Vereine werden wohl die sein, die sich um die verbleibenden drei Plätze streiten werden, die für den Klassenerhalt reichen: Die drei Aufsteiger, die zwei Bundesliga-Reserven und Leoben. Als Abstiegskandidat kristallisiert sich eben auch Leoben heraus. Schon letzte Saison hatten die Obersteirer mehr Glück als Können, und einige echte Stützen (wie Rasswalder, Kozelsky, Hüttenbrenner, Jovanovic und René Schicker) verließen den Verein. Nicht alle Positionen werden ersetzt werden können und auch dem neuen Trainer Heimo Kump fehlt es an Bewerbsspiel-Erfahrung. Als ehemaliger Leiter der GAK-Akademie hat er aber wohl ein gutes Auge für junge Spieler. Die drei Aufsteiger starten allesamt ambitioniert in die Liga. Ost-Meister St. Pölten vertraut in weiten Teilen auf die spielstarke Aufstiegsmannschaft, der giftige Eldar Topic verließ den Verein aber. Vöcklabruck (Meister der Mitte mit 16 Punkten Vorsprung) versuchte, den Stamm zu halten und jede Position möglichst doppelt zu besetzen; sie bereiten sich seit einem halben Jahr auf die neue Liga vor, wollen nichts dem Zufall überlassen. Im Aufstiegsjahr gab es praktisch keine Schwachstellen, da waren die Oberösterreicher in jeder Wertung unangefochtene Ligaspitze. Und West-Champion Grödig erging sich schließlich im totalen Kaufrausch. Erfahrungsgemäß ist das die Lösung, die am wenigsten erfolgsversprechend ist, wie zuletzt Bad Aussee und Hartberg eindrucksvoll vormachten, dazu musste Trainer Pfeifenberger in dieser Funktion noch keine Krise meistern.
Die Zweitmannschaften von Austria und Salzburg gehen in ihre (ziemlich sicher) letzte Saison, in denen ihnen der sportliche Klassenerhalt auch etwas bringt. Und beide haben sich trotz dieser Aussicht nicht mit 17- bis 19-jährigen Akademie-Spielern versorgt, sondern mit anderswo gescheiterten (mindestens) Mitt-Zwanzigern. So spielen Schriebl (29), György Korsos (31) und Böcskör (25) bei den Austria Amateuren, österreichische Nachwuchshoffnungen wie Jovanovic (28) und Jailson (23) unter Neo-Trainer Adi Hütter bei den Salzburgern. Hier führen sich die Reserven selbst ad absurdum – hoffentlich macht die Bundesliga mit diesem Unfug bald Schluss.

Und wenn alle Stricke reißen, können sportlich abgestiegene Vereine ja immer noch darauf hoffen, dass es einen anderen zerreißt. In der letzten Saison war das nicht der Fall, aber wir kennen die lästigen Beiprodukte der 10er und der 12er-Liga – also sich liquidierende Vereine – ja nun schon lange genug um zu wissen, dass das Ausbleiben eines solchen nur ein Ausrutscher war. So traurig das auch ist.

Fazit: Wir haben also zwei Aufstiegsfavoriten und keinen sich jetzt schon abzeichnenden Fixabsteiger. Was so eine Favoritenrolle wert sein kann, wissen wir spätestens seit Schwadorf letzte Saison. Und wie spannend ein Abstiegskampf sein kann, ebenso. Wir werden sie uns also ansehen, diese neue Adeg-Liga. Oder – sagen wir Erste Liga zu ihr. Wird ihr zwar nicht immer gerecht, klingt aber nicht ganz so billig.

(phe)

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.