Donovan und Henry sorgen für 1:1 im Duell der 4-4-2-Versionen

Starke Flügel gegen massiertes Zentrum: Mit den beiden Star-Teams der MLS trafen auch zwei Philosophien des 4-4-2 aufeinander. Die flache Mittelfeldvariante der Galaxy erwies sich zwar als unterlegen, gute Adjustierungen hebelten die Raute der Red Bulls aber aus. Und am Ende stand ein korrektes 1:1.

Los Angeles Galaxy - New York Red Bulls 1:1

Der taktisch interessante Bereich im MLS-Spitzenspiel der beiden am Meisten mit Stars gespickten Teams der Liga war von Vornherein klar: Das Mittelfeld! Denn während die Galaxy üblicherweise ein flaches 4-4-2 mit einem tief stehenden Beckham und extrem fleißigen Flügeln spielen, stellt Ex-Salzburg-Trainer Hans Backe sein Team aus New York seit dem Zugang von Spielmacher Dwayne de Rosario zu Saisonbeginn mit einer Mittelfeldraute auf. Das hieß: Starke Flügel gegen massiertes Zentrum.

So stellte sich letzlich auch die erste Hälfte dar, wenn auch das frühe 1:0 durch Thierry Henry – der Franzose taut nach seiner ersten ordentlichen Saisonvorbereitung merklich auf – den Gästen in die Hände spielte und ihre Spielanlage deutlich defensiver gestalten ließ als wohl ursprünglich geplant. Die Außenverteidiger Jan-Gunnar Solli und Roy Miller, die ansonsten für die Breite im Spiel nach vorne sorgen, blieben eher defensiv und kümmerten sich um die starken Flügel der Galaxy.

Die Hausherren kamen wie erwartet durch die Mitte überhaupt nicht durch, auch weil Mehdi Ballouchy auf der Sechs den verletzten Finnen Tainio ordentlich ersetzte. So wurde natürlich das Spiel über die Außen forciert und es wurden viele lange Bälle geschlagen, die gewohnt sichere Defensive um Rafa Márquez ließ die gegnerischen Stürmer aber ein ums andere Mal ins Abseits tappen.

Ausgleich und Nachbesserungen

Die Galaxy nützten das eher passive Spiel der Gäste aber immer mehr, um sich selbst freizuspielen. Mangels echtem Flügelspiel in dieser Phase waren die New Yorker gezwungen, kollektiv nach vorne zu schieben, wenn Druck auf den Gegner ausgeübt werden sollte, durch das gute Pressing der Galaxy sorgte für schnelle Ballgewinne und nach einer halben Stunde nützte Donovan das aus und lief alleine auf das Tor zu, doch NY-Innenverteidiger Tim Ream – der einzige US-Amerikaner in der Startformation der Red Bulls – kratzte den Ball noch von der Linie. Wenige Minuten später holte Donovan aber Verpasstes nach und versenkte einen Eckball per Kopf zum verdienten 1:1-Pausenstand ins Tor.

Für den zweiten Spielabschnitt nahm LA-Coach Bruce Arena einige kleine, aber wirkungsvolle Adjustierungen vor: Beckham orientierte sich etwas weiter nach vorne, um im Zentrum der gegnerischen Raute etwas mehr Platz zu haben, während Juninho tiefer stand und durch sehr gutes Stellungsspiel und gutes Pressing das Zentrum besser unter Kontrolle brachte. Außerdem rückten mit Donovan und Magee die Mittelfeld-Außen der Galaxy nun etwas ein, was die Raute der Red Bulls neutralisierte und den AVs Platz zum Marschieren gab.

So wurde das Spiel immer mehr ein Duell der Außenverteidiger, auch hier zunächst mit Vorteilen bei den Hausherren. Denn während die fleißigen Dunivant und Franklich natürlich sofort wussten, was die Stunde geschlagen hat, dauerte diese Erkenntnis bei den Gästen etwas auf sich warten.

Zwei Nordeuropäer und ein Jungstar.

Je näher es dem Ende ging, desto mehr übernahmen bei den New Yorkern die beiden Nordeuropäer mit den übersichtlichen Frisuren das Spiel: Der Norweger Jan-Gunnar Solli auf der rechten und die Este Joel Lindpere rissen nun das Spiel auf ihren Flanken an sich. Das ging, weil auf den Flanken selbst nun die AV der Galaxy eben ziemlich auf sich alleine gestellt. Vor allem Solli machte nun das, was ihn auszeichnet: Extremen Druck nach vorne auszuüben.

Was auch davon unterstützt wurde, dass Hans Backe eine Viertelstunde vor Schluss für den glücklosen Luke Rodgers den Jungstar des US-Fußballs brachte: Juan Agudelo. Der 18-Jährige brachte sofort neuen Wirbel in die Galaxy-Defensive und war für die Flankenspieler und den immer tiefer stehenden Thierry Henry immer eine Anspielstation. So waren am Ende die Gäste einem Sieg sogar näher, aber ein Schuss von Richards klatschte auf den Pfosten und ein Solo des sonst eher mäßigen De Rosario stricht knapp am Tor vorbei – und es blieb beim korrekten 1:1.

Fazit: Vergleichbar starke Titel-Mitfavoriten

Die beiden Teams zeigten schon, warum sie derzeit die führenden Teams im Osten bzw. im Westen sind und nur Champions-League-Finalist Salt Lake mithalten kann: Ordentliches Pressing, gute Raumaufteilung, ein echter Matchplan – alles vorhanden, und letztlich haben die Galaxy gut auf die lange zu passive Spielweise der Red Bulls und deren Formation reagiert. Die Raute von Hans Backe funktioniert nicht, wenn sich die Außenverteidiger, so wie in diesem Spiel, zu lange zu viel zurückhalten.

Am Ende steht ein korrektes Unentschieden zweier ähnlich starker Teams, in dieser Partie eher mit Vorteilen für Los Angeles Galaxy. Die kompaktere umd in sich gewachsenere Mannschaft ist die aus Los Angeles, aber die New Yorker haben vor allem in der Schlussviertelstunde gezeigt, dass sie, wenn sie sich auf ihre Stärken nach vorne besinnen, keinen in der Liga fürchten müssen. Und in der Eastern Conference schon erst recht keinen.

(phe)

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Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.