Die Daheim-WM

WM-SERIE: “LEIDER NEIN”, Teil 3 | Michael Ballack ist nicht dabei – der deutsche Kapitän fällt verletzt aus. Genau wie David Beckham. Zlatan Ibrahimovic und Andrej Arshavin haben’s sportlich nicht geschafft. Und der eine oder andere Star hat auch einfach den falschen Pass…

Frédéric Kanouté ist einer der Leistungsträger von Sevilla. Er ist seit Jahren einer der erfolgreichsten Torjäger der spanischen Primera Division, hat zweimal den Uefa-Cup gewonnen. Und er kommt aus Mali – wird also nie an einer WM-Endrunde teilnehmen. Was für ihn persönlich sicherlich eine dumme Sache ist. Ob es ihn tröstet, dass er da kein Einzelfall ist? Ja, auch Seydou Keita vom FC Barcelona und Mahamadou Diarra von Real Madrid spielten im Team von Mali. Aber in der Breite reicht es einfach nicht. Emmanuel Adebayor, der Stürmerstar aus Togo, durfte zumindest vor vier Jahren einmal WM-Luft schnuppern. Dass er in einer Auswahl an Zweit- und Drittligaspielern der mit sehr viel Abstand beste Fußballer war, ist ebenso keine Überraschung wie die Tatsache, dass Togo chancenlos war. Und sich auch diesmal nicht qualifiziert hat. Shabani Nonda kommt aus der D.R. Kongo, eine WM wird er nie aktiv erleben. Demba Ba von Hoffenheim spielt für das Team aus dem Senegal. Vor acht Jahren wäre das wunderbar gewesen, heute… not so much.

Auch Claudio Pizarro, immerhin der beste ausländische Torjäger in der Geschichte der deutschen Bundesliga, wird nie aktiv an einer WM-Endrunde teilnehmen, dazu ist das Team aus Peru schlicht und einfach nicht gut genug. Oder Jason Roberts – der Stürmer ist seit Jahren in der Premier League bei Blackburn aktiv. Aber mit seiner Nationalmannschaft aus Grenada? Keine Chance.

Die meisten Stars mit dem falschen Pass gibt es aber natürlich in Europa. Auch, wenn Eiður Guðjohnsen, einst bei Chelsea und Barcelona, seine beste Zeit schon längst hinter sich hat – der Tottenham-Joker aus Island war von einer WM-Qualifikation ebenso weit entfernt wie es etwa Ryan Giggs Zeit seiner Karriere war. Ein einziges Mal schaffte es der Dauerbrenner von Manchester United zumindest in ein Playoff. Aber bei einer Endrunde? Keine Chance. Auch Mirko Vučinić von der Roma hatte seine Chance. Vor vier Jahren, als der Montenegriner noch für die gemeinsame Mannschaft mit den Serben aktiv war. Eine Verletzung verhinderte damals eine Tailnehme. Jetzt, mit Montenegro, wird eine WM-Teilnahme ein Wunschtraum bleiben. Wie auch für Stefan Jovetić von der Fiorentina, der alle Anlagen hat, einer der größten Stars der nächsten Jahre zu werden.




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Alexander Hleb, der sich auch schon bei Arsenal und Barcelona versucht hat, ist Weißrusse – Pech gehabt. Selbst Jari Litmanan (ja, der spielt wirklich noch) versuchte es einmal mehr mit den Finnen. Auch diesmal hatte er wieder keine Chance. Simon Davies, der gerade Fulham ins Euro-League-Finale geschossen hat? Nordire, nicht dabei. Craig Bellamy, Bad Boy von Manchester City? Waliser wie Giggs, auch keine Chance.

Und es gibt natürlich auch noch solche, die es halt diesmal nicht geschafft haben. Zlatan Ibrahimovic etwa hat sich nach der verpassten WM-Quali aus dem schwedischen Team zurückgezogen. Zumindest, bis es das nächste Mal wieder zu einer Endrunde geht. Die Stars aus Russland wie Andrej Arshavin oder Roman Pavljutchenko haben es sich selbst verbockt. Die bosnische Wunderoffensive mit Džeko, Ibisšvić und Misimović war knapp dran, zog aber gegen Portugal den Kürzeren. Bei Andrej Shevchenko bleibt es bei einer WM-Teilnahme, ber der es aber immerhin ins Viertelfinale ging. Dimitar Berbatov, der bei Manchester auf der Abschussliste steht, hatte die Chance mit Bulgarien. Die Kroaten um Luka Modrić und Bayern-Arbeitstier Olić verloren einmal zu oft gegen England. Petr Čech und seine Tschechen sind mitten im Umbruch.

Nicht nur der falsche Pass oder eine halt im Moment nicht so gute Mannschaft können aber eine Teilnahme verhindern, sondern auch Verletzungen. Die prominentesten Zuschauer auf Krücken sind sicherlich der deutsche Kapitän Michael Ballack, dem im letzten Bewerbsspiel vor der WM (dem FA-Cup-Finale) mit Chelsea gegen Portsmouth vom notorischen Treter Kevin-Prince Boateng diverse Bänder durchgetreten wurden. Dass der Ghanaer den Gruppengegner gezielt verletzen wollte, wäre natürlich eine Unterstellung. Angesichts der Brutalität des Fouls und der Vergangenheit des Täters allerdings keine, die allzu weit hergeholt ist. Da auch Simon Rolfes verletzt fehlt, muss Joachim Löw im Grunde ein ganz neues Defensives Mittelfeld aufstellen. Ein Glück für Löw, dass es neben René Adler (Rippenbruch) noch ein paar äußerst gute Torhüter gibt.

Dass David Beckham mit einer gerissenen Achillessehne ausfällt, steht indes schon länger fest, Fabio Capello weiß schon seit einem halben Jahr, woran er beim Freistoß-Künstler ist. Wesentlich härter trifft sicherlich das Team der Slowakei die Verletzung von Abwehr-Boss Martin Škrtel von Liverpool. Für den WM-Debütanten ist er praktisch nicht zu ersetzen.

Sehr wohl zu ersetzen sind jedoch, wenn es nach Diego Maradona geht, Javier Zanetti und Estaban Cambiasso. Die beiden Argentinier spielen bei Inter Mailand eine Traumsaison, werden vom Teamchef aber nur mit Ignoranz bedacht. Ebenso wie Karim Benzema nach eine schlimmen Saison bei Real im französischen Kader fehlt, die alternden Stars Del Piero, Totti und Grosso im italienischen. Eigenbrötler Kevin Kuranyi und Kampfsau Frings werden die WM vor deutschen TV-Geräten verbringen; Adriano, Ronaldo und Ronaldinho vor brasilianischen.

Sie alle werden nicht der Superstar dem WM in Südafrika. Aber unter denen, die dabei sind, gibt’s ja auch genug Kandidaten!

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Ballverliebt-WM-Serie | Leider Nein!
Teil 1 – Zwerge / Teil 2 – Favoriten

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.