BL-Saisonauftakt: Sturm Graz – SK Rapid Wien

3:1 gewannen die Blackies das Auftaktspiel der neuen Ligasaison gegen den amtierenden Meister Rapid. Im ORF überschlug man sich mit Superlativen zu diesem durchaus sehenswerten Spiel. Gar für international konkurrenzfähig erklärte man die nunmehrige „tipp3 Bundesliga“ (die zweite Spielklasse heißt ab heuer übrigens „ADEG Erste Liga“) vor laufender Kamera. Zeit für Ballverliebt, die Euphorie zu bremsen.

Erstaunlich…

…war in der Tat, dass Sturm nach einem holprigen Anfang ein wirklich ansehnliches und flottes Spiel aufziehen konnte. Erst recht, wenn man bedenkt dass Franco Foda nach dem Weggang vieler Spieler im Sommer das Team in weiten Teilen umkrempeln musste. Ebenso erstaunlich, leider im negativen Sinne, ist die Rückkehr des eigentlich zurückgetretenen Josef „Beppi“ Schicklgruber mit seinen 41 Lenzen. Der lief statt des 22jährigen Martin Kobras für den verletzten Gratzei auf. Ähnliche Situation auf der anderen Seite: Hitzkopf Georg Koch, 36, hütet für den in Behandlung befindlichen Helge Payer das „Kastl“. Lukse, einer der U20-WM Youngsters, drückt die Bank.

Nicht verwunderlich…

…hingegen, dass sich das schwarzweiße Heimteam bis zum Ende hin steigern konnte (sieht man von der Viertelstunde nach der Pause ab). Man sah deutlich den Schwung, den man wohl aus dem 2:0 gegen Soligorsk (UI Cup) mitnehmen konnte. Die Wiener hingegen wirkten trotz vielversprechender Testspielergebnisse einerseits überrumpelt und andererseits noch nicht bereit für den Pflichtspielbetrieb.

Unansehnlich…

…und einer der Gründe, warum ich das Spiel weder als absolut hochklassig noch als Indiz für internationale Konkurrenzfähigkeit der „Sisiliga“ sehen würde, waren die Fouls. 32 davon zählt Laola1.at, gleich 9 davon wurden mit dem gelben Karton belohnt. Wiederum ein gutes Drittel dieser Ausbeute hätte auch einige Farbtöne dünkler ausfallen können, dazu zählen zB. der unnötige Stoß von Koch gegen einen Stankovic oder Feldhofers Würgeattacke gegen Maierhofer. Ein weiteres „Attentat“ von Koch wurde vom Kommentator heftig kritisiert, aber leider nicht von den Kameras eingefangen. Angesichts seines dünnen Nervenkostüms lebt die Chance für Lukse also, zum einen oder anderen Einsatz zu kommen.

Vielversprechend…

…war dieses Spiel trotz alledem. Für österreichische Verhältnisse war es nämlich technisch „gut“ und ziemlich schnell. Ob das an den heutigen Akteuren (insbesondere an Sturm) lag oder ein Ligatrend ist, werden wir aber erst in ein paar Monaten beurteilen können. Erst wenn potentielle Schnarch- oder Brutalopartien, etwa vom Schlage eines Mattersburger Duell mit den Altachern, ähnlich flott ausgetragen werden, bin ich da wirklich optimistisch. Positiv ist auch anzumerken, das Sturm von Beginn an, und Rapid ab der Pause klar auf Offensive gesetzt haben. Jedoch hätte manch einer eine solche Spielanlage vom Meister von Beginn an erwartet. Nicht zu unrecht.

Fazit

Es war ein gutes, technisch ansehnliches und schnelles Spiel, mit dem Liga ihren Start in die Saison 2008/09 eingeläutet hat – aus österreichischer Sicht. Nimmt man etwa die Premier League als Maßstab und läßt die personellen Qualitäten außen vor, so gab es heute Durchschnittskost zu sehen. Das würde einen gewissen Trend zur Verbesserung durchaus bestätigen, doch sollten wir (wie erwähnt) mit einem Urteil noch warten. Foda hat bewiesen, dass er definitiv einer der besten, wenn nicht der beste Trainer im Oberhaus ist.

Sein moderner Spielstil könnte – und sollte! – Vorbildwirkung haben. Und das wird er auch, wenn ihm der Erfolg Recht gibt. Das wird auch bald passieren, davon bin ich überzeugt. Es könnte die endgültige Ablöse der Trainergeneration Jara, Schachner und Co. einleiten, die heute noch den Fußball von vorgestern praktizieren.

Über Georg Pichler

Journalist und zumindest digitaler Superkicker. In echt hütet er meistens das Kastl und das recht gut. Zukünftiger ÖFB-Präsident. Kein Fan, mag aber Sturm Graz.