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An die Arbeit: ÖFB-Frauen mit Down Under im Visier

Men At Work besangen ihre australische Heimat vor fast genau 40 Jahren in ihrem Song „Down Under“. Nun gegen die österreichischen Fußball-Women to Work, um 2023 nach Down Under reisen zu dürfen: Die Qualifikation für die WM in zwei Jahren, ausgetragen in Australien und Neuseeland, beginnt. Gruppengegner eines ÖFB-Teams im sanften Umbruch sind England und Nordirland sowie das Außenseiter-Trio aus Nordmazedonien, Lettland und Luxemburg. Platz zwei muss es mindestens sein.

Das ÖFB-Team

Österreichs Frauen haben sich direkt ohne Playoff für die auf kommenden Sommer verschobene EM im England (Gruppen-Auslosung: 28. Oktober) qualifiziert, konnten daher in Ruhe einige Testspiele einschieben – es gab ein zu hohes 1:6 gegen den späteren Olympia-Zweiten Schweden, ein zähes 1:0 gegen die Slowakei, ein 2:2 gegen Finnland und ein vermeidbares 2:3 gegen ein italienisches Team ohne zahlreiche Stammkräfte („Dürfen wir eigentlich nicht verlieren“, so Teamchefin Irene Fuhrmann).

Was ist jetzt anders? „Nicht viel – außer, dass es jetzt um etwas geht“, so Fuhrmann. Verena Aschauer heißt nach ihrer Hochzeit nun Hanshaw. Maria Plattner und Valentina Kröll holen ihre erste Einberufung – die im Frühjahr verletzungs- bzw. quarantänebedingt geplatzt sind – nach. Auf der anderen Seite der Einsätze-Skala wird Sarah Puntigam mit ihrem 110. Match im ÖFB-Dress alleinige Rekord-Teamspielerin, überholt Nina Burger. „Ich bin schon so oft darauf angesprochen worden, dass ich es langsam realisiert habe“, sagt Puntigam, „es ist etwas Besonderes und ich bin sehr dankbar dafür.“

Katharina Naschenweng, Laura Wienroither und Deutschlands Torschützenkönigin Nici Billa haben sich mit Hoffenheim für die neue Champions-League-Gruppenphase qualifiziert, in der auch Sarah Zadrazil und Carina Wenninger (Bayern) und Manuela Zinsberger (Arsenal) mit dabei sein werden.

Personelle Probleme…

Weil Verena Hanshaw seit ihrer Spunggelenkgs-OP vor einem halben Jahr genau 41 Minuten gespielt hat – und nie mehr als 17 am Stück – fehlt der etatmäßigen Linksverteidigerin die Spielpraxis, Back-up Katharina Naschenweng kann mit einer leichten Verletzung gleich gar nicht mit. Wienroither wird rechts gebraucht, weil Kathi Schiechtl weiterhin ebenso verletzt ist. Heißt: Hier wird es in Lettland und Mazedonien wohl eher Impro-Lösungen geben. Hinzu kommt, dass die dritten Innenverteidigerin Marina Georgieva zuletzt krank war.

Julia Hickelsberger (Kreuzbandriss vor fast exakt einem Jahr), Viktoria Schnaderbeck (erneute Knie-OP im Mai) sind weiterhin out. Die Kadertiefe in der Innenverteidigung ist immer noch sehr dünn, einen annähernd gleichwertigen Ersatz für Nici Billa ganz vorne gibt es auch nicht, weil die zu Freiburg in die deutsche Liga gewechselte Lisa Kolb auch verletzt passen muss.

…und personeller Umbruch

Ist eigentlich auch was gut? Ja, ist Fuhrmann überzeugt. „Wir sind reifer geworden, wenn es darum geht, tief stehende Gegner zu bespielen“, sagt sie, „und wir haben vorne jetzt auch ein paar Optionen mehr.“ Lara Felix und Maria Plattner etwa, aber vor allem Lisa Kolb – auch wenn die gerade nicht zur Verfügung steht. Und damit die Mädchen in der ÖFB-Frauen-Akademie in St. Pölten noch mehr gefördert und gefordert werden, tritt das U-17-Team – de facto also das U-17-Nationalteam – in der neuen U-14-Akademieliga gegen die Burschen an.

Generell befindet sich das Team im Umbruch. Langjährige Stützen wie Viktoria Schnaderbeck, Lisa Makas, auch Katharina Schiechtl sind dauerverletzt bzw. von vielen Verletzungen gezeichnet. Nina Burger und Nadine Prohaska haben in den letzten Jahren aufgehört. Aus der goldenen Generation werden zunehmend Golden Girls, und Irene Fuhrmann muss nicht nur die Resultate holen, sondern auch den Generationswechsel moderieren.

In dem Jahr, in dem sie Teamchefin ist, haben sich Laura Wienroither und Marie Höbinger als Stammspielerinnen etabliert, Lisa Kolb ist zu Einsätzen gekommen, zuletzt war ein ganzer Schwung an 17- bis 19-Jährigen erstmals bei einem A-Lehrgang dabei. Das ÖFB-Team ist in einer Zwischenwelt: Einerseits mit der Ambition, sich erstmals für eine WM zu qualifizieren, andererseits nun dank den Corona-Verschiebungen und einer eher leichten Gruppe mit der relativ gefahrlosen Gelegenheit die durch die Altersstruktur und auch durch Verletzungen dringlich gewordene Verjüngung durchzuführen.

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Die WM-Qualifikation

Erstmals werden 32 Teams bei einer Frauen-WM-Endrunde teilnehmen, damit hat Europa nun auch 11 bzw. 12 Startplätze statt der acht Tickets, die es davor waren. Der Quali-Modus ist mal vordergründig recht einfach: Neun Gruppen, alle Sieger sind direkt für die Endrunde qualifiziert, alle Zweitplatzierten kommen ins Playoff um bis zu drei weitere Plätze.

Die UEFA wäre aber nicht die UEFA, wenn man es nicht doch noch kräftig verkomplizieren könnte. Dieses Playoff wird in zwei Runden ausgetragen – jeweils Halbfinale und Finale, allerdings in jeweils nur einem Match ausgespielt – und die drei besseren Zweiten haben ein Freilos für die erste Playoffrunde. Und es kommt noch besser: Von den drei Siegern dieser Playoffs kommen wieder nur die zwei besseren aus Gruppenphase und Playoff-Finale direkt zur WM-Endrunde, der verbleibende muss im Februar 2023 in Australien bzw. Neuseeland ins interkontinentale Playoff-Turnier.

Dort spielt dieser eine europäische Vertreter gemeinsam mit zwei asiatischen, zwei afrikanischen, zwei südamerikanischen, zwei nord/mittelamerikanischen und einem ozeanischen Team um eines von weiteren vier WM-Tickets.

Schrecklich.

Also, nicht dass das für das europäische Team ein sportliches Problem sein sollte – wir reden hier von Gegnern in der Preisklasse von Jamaika, Sambia, Vietnam oder Venezuela – aber das ist schon ein Umweg, den man sich gerne ersparen würde.

Die ernsthaften Gegner: England und Nordirland

Dass England auf dem Weg zum Gruppensieg kaum zu biegen sein dürfte, ist angesichts der Lage bei Österreich klar, das stellt auch Irene Fuhrmann nicht in Abrede. „Unser Anspruch muss sein, diesen zweiten Gruppenplatz zu holen“, sagt sie. Was man von England zu erwarten hat, ist noch nicht exakt zu prognostizieren. Bei Olympia (vermeidbares Aus im Viertelfinale) war man als Team GB überwiegend mit einem schottisch-walisischen Mittelfeld unterwegs. Mit Sarina Wiegman als neuer Trainerin (die Holländerin hat ihre Heimat 2017 zum EM-Titel und 2019 ins WM-Finale geführt) soll es in zehn Monaten in die Heim-EM gehen.

„Was genau Sarina dort im Detail machen wird, muss man abwarten. Gut, dass wir die Engländerinnen noch ein paarmal sehen“, sagt Fuhrmann – das erste Aufeinandertreffen gibt es auswärts im November im fünften Quali-Spiel. Die FA wollte das Heimspiel erst nach der EM im Sommer 2022 machen, hier hat sich der ÖFB bei den Terminverhandlungen durchgesetzt. Ebenso mit dem Plan, nicht gegen England und Nordirland an einem Doppelspieltag ran zu müssen.

Der Grund ist klar: Gegen die „Kleinen“ muss man im Normalfall auch gewinnen, wenn entweder nicht alle zur Verfügung stehen oder die Belastungssteuerung die eine oder andere individuelle Pause verlangt – zumal ja eben die halbe Stammformation im Herbst sechs zusätzliche Europacup-Spiele in die Beine bekommen wird.

Nordirland als Topf-3-Team ist auf dem Papier um mindestens eine, eher zwei Klassen schwächer als Österreich und dürfte demnach kein Problem sein. Aber das Team hat sich für die EM qualifiziert, dabei ist es der Quali-Gruppe vor Wales geblieben und hat im Playoff die Ukraine eliminiert. In Testspielen gab es ein knappes 0:1 gegen Schottland und ein derbes 0:6 gegen England. Das bringt die Welt nicht zum Leuchten, aber eine gewisse Seriösität sollte man gegen Nordirland schon walten lassen.

Grundsätzlich sollten da für die ÖFB-Frauen aber natürlich sechs Punkte her, das entspricht den nominellen Kräfteverhältnissen – auch bei einem österreichischen Team im Umbruch.

Die kleinen Gegner

Gegen Nordmazedonien gab es in der Quali für die anstehende EM zwei 3:0-Siege, es gibt einzelne Qualitätsspielerinnen (Andonova aus der spanischen und Roči aus der finnischen Liga), aber kaum mehr. Lettland hat in der letzten Quali 2:39 Tore und null Punkte in acht Spielen angehäuft und es gibt auch zwei bei den österreichischen Liga-Klubs aus Innsbruck (Voitane) und Altach (Baličeva) engagierte Spielerinnen. Und Luxemburg ist das erste Mal überhaupt dabei – zuletzt gab es in einem Test ein glückliches 1:1 gegen Liechtenstein. Ja, gegen Liechtenstein.

Also: Auf dem Weg zu Platz zwei, der das Minimalziel ist, dürfen diese drei Gegner keine Stolpersteine sein. „Jetzt ist es wichtig, auch die Pflichtpunkte zu holen“, sagt Fuhrmann. „Spielen lassen darf man die auch nicht. Wir sind natürlich darauf eingestellt, viel den Ball zu haben.“ Man will sofort ins Gegenpressing kommen, um gar nicht erst die Gelegenheit zu geben, die Kugel wild rauszubolzen: „Wir dürfen um keinen Zentimeter nachlassen!“ Schließlich habe man in der letzten Quali ja gesehen: Mehr als Tore schießen hätte man auch nicht machen können. Und da gab es immerhin ein 9:0 und ein 5:0 gegen Kasachstan.

Vor der WM ist… vor der EM

Dass man nun die WM-Quali beinahe abschließt, ehe im Sommer 2022 die EM ansteht, ist eine seltsame Situation. Wie geht man damit um, Irene Fuhrmann? „Wir haben bewusst versucht hervorzuheben, dass es jetzt mal um die WM geht. Aber natürlich geben wir den Spielerinnen auch immer wieder Sachen als Hausaufgaben mit, eben mit der EM im Hinterkopf.“ Schließlich hat man jetzt bei den Lehrgängen nicht so viel Zeit für Detailarbeit, weil immer zwei Spielen anstehen – nun hat man es mit einer Sechsergruppe zu tun, zuletzt war es ein Gegner weniger.

„Es gibt weniger Zeit in der Vorbereitung“, sagt die Teamchefin, die vor allem bei defensiven Standardsituationen Verbesserungspotenzial sieht – wie vor allem beim 1:6 gegen Schweden im Februar klar wurde. Es geht zudem nun auch um die Präzision im Angriffsdrittel, die Genauigkeit beim Pass in den Strafraum. Detailarbeit.

Vor allem geht es in dieser Qualifikation – und dann natürlich auch bei der EM – im großen Ganzen darum, die Stellung als gutes Topf-2-Team zu bestätigen. Auch wenn die „Alten“ von einer neuen, jungen Generation ersetzt werden. Dafür muss 2021/22 der Grundstein gelegt werden.

ÖFB-KADER: Tor: Isabella Kresche (22, St. Pölten, 0 Länderspiele/0 Tore), Jasmin Pal (25, SC Sand/GER, 1/0), Manuela Zinsberger (25, Arsenal/ENG, 68/0). Abwehr: Celina Degen (20, Hoffenheim/GER, 0/0), Marina Georgieva (24, Sand/GER, 5/0), Verena Hanshaw (27, Frankfurt/GER, 74/8), Gini Kirchberger (28, Frankfurt/GER, 82/2), Valentina Kröll (18, Sturm Graz, 0/0), Yvonne Weilharter (20, Leipzig/GER 2, 6/0), Carina Wenninger (30, Bayern/GER, 104/5), Laura Wienroither (22, Hoffenheim/GER, 12/0). Mittelfeld: Barbara Dunst (23, Frankfurt/GER, 42/4), Jasmin Eder (28, St. Pölten, 51/1), Laura Feiersinger (28, Frankfurt/GER, 83/14), Lara Felix (18, Neulengbach, 1/0), Marie Höbinger (20, Potsdam/GER, 9/2), Maria Plattner (20, Potsdam/GER, 0/0), Sarah Puntigam (28, Montpellier/FRA, 109/15), Sarah Zadrazil (28, Bayern/GER, 83/11). Angriff: Nici Billa (25, Hoffenheim/GER, 68/29), Stefanie Enzinger (30, St. Pölten, 20/1), Lisa Makas (29, St. Pölten, 64/18), Katja Wienerroither (19, GC Zürich/SUI, 3/0). Teamchefin Irene Fuhrmann (40).

Puntigams 100er und zwei „geheime“ Testspiele

Fast auf den Tag genau elf Jahre nach ihrem Debüt am 4. März 2009 wird Sarah Puntigam ihren 100. Einsatz im ÖFB-Trikot absolvieren. Österreichs Frauen verzichten zum März-Termin auf eine Teilnahme an einem der traditionellen Einladungsturniere und reisen dafür zu einem Trainingslager nach Marbella. Dort werden auch zwei „Geheimtests“ gegen die Schweiz gespielt.

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