Zufrieden war niemand mit dem Abschneiden Österreichs bei der WM. Ein Weltuntergang war das Aus nach den beiden Remis gegen Kamerun und Chile sowie der Niederlage gegen Italien jedoch auch nicht. Das vorrangige Gefühl war, dass mit etwas mehr Mut zum Risiko das Erreichen des Achtelfinales gegen Brasilien absolut drin gewesen wäre und dass die WM eine verpasste Chance war.
Fünf Wochen nach dem Final-Triumph über Brasilien gastierte der frischgebackene Weltmeister Frankreich im fast ausverkauften Happel-Stadion. Österreich empfand dies als große Ehre und als Chance – einerseits darauf, sich selbst zu beweisen, dass man so ein Weltklasse-Team schon fordern kann. Andererseits darauf, ein Signal auszusenden: Die WM war kein Erfolg, aber wir sind gut genug aufgestellt, um mittelfristig das Niveau halten zu können.
Punkt eins gelang gut, man trotzte Frankreich ein 2:2 ab. Man redete sich auch ein, dass damit Punkt zwei als bestätigt zu betrachten ist – und im Nachhinein ist die Diagnose klar: Man verkannte die Realität. Umso schmerzhafter war ein halbes Jahr später in Valencia der Aufprall auf dem Boden der Realität. Weil man den in dieser Form nicht kommen gesehen hat. Nicht nur, aber auch wegen des Spiels gegen Frankreich am Mittwoch, dem 19. August 1998.
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