Alle Beiträge von Philipp Eitzinger

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.

Österreich nach der EM: Der Optimismus ist gekommen, um zu bleiben

Die vollkommene Leere in ihren Blicken war die selbe. So ausdruckslos sich Benjamin Šeško tags zuvor von den slowenischen Fans feiern ließ, so abwesend wirkte Marcel Sabitzer bei der Verabschiedung von den österreichischen Schlachtenbummlern. Die beiden haben in diesen Momenten, unmittelbar nach ihrem Achtelfinal-Aus bei der EM, sicher so ziemlich das gleiche gefühlt. Und doch sind ihre Situationen unterschiedlich.

Šeško hatte gegen Portugal in der Verlängerung den Viertelfinal-Einzug am Fuß gehabt, sein Team war danach im Elfmeterschießen ausgeschieden. Für Slowenien war dies eine vermutlich einmalige Chance gewesen: So nah an einen Sieg in einem K.o.-Spiel war man noch nie und wird die personell und qualitativ eher limitierte Truppe wohl auch nicht mehr so schnell kommen.

Best Laid Plans

„The best laid plans of mice and men / Often go astray / And leave us nothing but grief and pain / For promised joy!“ Als der damals 26-jährige Robert Burns, Lyriker und Landwirt, beim Pflügen versehentlich den Bau einer Maus aufriss, dichtete er dieser zu Ehren ein Gedicht. Es war eines seiner bekanntesten, die Grundaussage: So gut du dich auch vorbereitest, irgendwas kann immer schief gehen und deine Pläne durchpflügen.

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Österreich 1, Türkei 2: Mit frühem Gegentor aus der Komfortzone gedrängt

Die EM-Reise von Österreich endet im Achtelfinale: Ein Eckball-Gegentor in der 1. Minute erlaubt den Türken, aus dem tiefen Block auf Konter zu spielen, die Österreicher damit völlig aus der Komfortzone zu werfen. Auch wenn es unglücklich war, sich nicht zumindest noch in die Verlängerung gerettet zu haben: Dieses Spiel entwertet die bis dahin großartige EM von Österreich nicht, hat aber das größte Problemfeld recht schonungslos aufgedeckt.

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Aus in der EM-Vorrunde: Gerupftes Osteuropa

Kroatien, Vize-Weltmeister von 2018 und WM-Dritte von 2022 – weg. Zwei Viertelfinalisten der WM 2021, Tschechien und die Ukraine – weg. Serbien, Junioren-Weltmeister von 2015 – weg. Ungarn, bei der letzten Nations League beinahe Gruppensieger gegen Italien, Deutschland und England – weg. Sieben der acht Länder, deren Teams die EM-Vorrunde nicht überstanden haben, werden geographisch und/oder politisch Osteuropa zugeordnet.

Wie ist aus ihrer Sicht die EM 2024 zu bilanzieren? Hier Teil 1 unseres gewohnten Turnier-Roundups.

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Österreich 3, Niederlande 2: Cool geblieben, Großes vollbracht

Der komplett in Rot-Weiß-Rot gehüllte Fan-Block neben dem Marathontor, davor auf dem Feld die ÖFB-Spieler, Schulter an Schulter. Und durch das sonnenüberflutete Olympiastadion tönt Rainhard Fendrichs halb melancholisches, halb trotziges „I Am From Austria“. Momente, die eingehen werden in die Geschichte des österreichischen Fußballs, Minuten nach dem 3:2 gegen das Team der Niederlande und dem damit eingefahrenen Gruppensieg.

Erstmals seit 46 Jahren, der WM in Argentinien, beendet Österreich die Vorrunde eines großen Turnieres als Erster, überhaupt erst zum fünften Mal nach 1954, 1978, 1982 und 2021 hat das ÖFB-Team die erste Phase eines Turnieres überstanden. Wie kam das – und was heißt das?

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Österreich 3, Polen 1: Die EM-Pflicht mühevoll erfüllt

Zwar hat sich das ÖFB-Team im zweiten EM-Gruppenspiel das Leben zwischenzeitlich selbst schwer gemacht. Mit dem letztlich verdienten 3:1-Sieg über Polen in Berlin ist aber der Pflichtsieg eingefahren worden, der im Kampf um den Achtelfinal-Einzug auch zwingend nötig war. Nach einer Stunde kippte das zuvor ausgeglichene Match in Richtung Österreich – auch dank Christoph Baumgartner, der auf ungewohnter Position vor der Pause nicht zur Geltung gekommen war.

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Österreich 0, Frankreich 1: Schämen keineswegs, grämen absolut

Eine mutige und engagierte Vorstellung von Österreich bringt dem ÖFB-Team in dessen erstem Spiel bei dieser Europameisterschaft Respekt, aber keine Punkte. Man stellte Turnierfavorit Frankreich vor Aufgaben, schenkte den Franzosen aber per Eigentor kurz vor der Pause die Führung und ermöglichte ihnen damit, in ihre Komfort-Zone zu kommen. Diese konnte Österreich nicht mehr durchdringen und verlor 0:1.

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Österreich vor der EM 2024: Zwischen Vorfreude und Vorsicht

Zur Routine werden sie nie, die österreichischen Teilnahmen bei großen Endrunden. Positiv wie negativ, die Gefühlswelt der Fans ist in Aufruhr, eben weil es keine Selbstverständlichkeit ist. Nach allem, was man in den letzten zwei Jahren gesehen hat, könnte die aktuelle Truppe die am besten auf so einen Anlass vorbereitete der österreichischen Nachkriegsgeschichte sein.

„Unsere Spielweise lässt Selbstzufriedenheit gar nicht zu“, bestätigte Teamchef Ralf Rangnick in einem großen Interview mit dem „Kicker“ noch einmal, und: „Die Menschen identifizieren sich wieder mit ihrer Nationalmannschaft!“ So wird dem ÖFB-Team trotz der schweren Gruppe mit Frankreich, Polen und den Niederlanden viel zugetraut. Die Datensammler von Opta sehen beispielsweise eine 24-Prozent-Chance auf das Viertelfinale.

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Starke Saison endet mit Reinfall in Reykjavík

„Fakt ist: Wir haben heute das einfach echt verkackt! Wir haben’s zuhause auch verkackt. Es ist einfach… net gut.“ Wenige Minuten nach dem Abpfiff in Reykjavík nahm sich Barbara Dunst wie gewohnt kein Blatt vor den Mund, als sie ÖFB-Pressesprecher Jonas Dormann dieses Statement ins Aufnahmegerät diktierte. Vorangegangen war ein Spiel im nordatlantischen Sturmwind, das aus österreichischer Sicht noch wesentlich ernüchternder verlaufen war, als das Resultat von 1:2 aussagt.

Der missratene Doppel-Spieltag mit nur einem statt der erhofften mindestens vier Punkte gegen den direkten Gegner um ein Fix-Ticket für die EM war das Ende einer für die meisten Spielerinnen an sich recht guten Saison.

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Österreich 1, Island 1: Des Gegners Spiel aufgedrückt bekommen

Nein, die Entscheidung auf Hand-Elfmeter für Island war nicht leicht zu verdauen. Aber nein, ein Sieg für die ÖFB-Frauen gegen Island wäre auch nicht verdient gewesen. Österreich lag im EM-Qualispiel in Ried lange vorne, doch waren die Gäste aus dem Nordatlantik dem Sieg näher. Dass das kein Glanztag war, stritt im rot-weiß-roten Lager niemand ab.

Dafür regierte ein beinahe schon mantra-artiges Sich-Selbst-Gut-Zureden. Tenor: Wir gewinnen jetzt halt in Reykjavík und unter Druck sind wir sowieso stark. Ist es wirklich so einfach?

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Die Krux mit der Relegation

Da konnte Leon Goretzka im 25 Jahre alten Bochum-Trikot auf der Tribüne noch so leiden: Sein VfL, bei dem der jetzige Bayern-Profi seine Karriere begann, war im Hinspiel der Relegation gegen Fortuna Düsseldorf 0:3 unterlegen. In Deutschland ist es sehr ungewöhnlich, dass sich der Zweitligist durchsetzt und es passte ins Bild, dass Düsseldorf selbst dieser klare Auswärtssieg nicht reichte – die Fortuna unterlag daheim 0:3 und zog im Elfmeterschießen den Kürzeren.

Damit liegen die Bundes- gegen die Zweitligisten in der Relegation 13:3 in Führung. Was sagt das aus, und wie ist die Lage in anderen Ländern mit Relegation?

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