Diskussion: Warum wird im Frauen-Sport nur über Fußball so gemeckert?

Es geht nun endgültig in die entscheidende Phase der Frauen-EM und die Favoritinnen sind raus. Frankreich scheitert klar überlegen gegen Dänemark im Elfmeterschießen. Die Däninnen, die in der Qualifikation nur knapp vor Österreich blieben, spielen nun im Halbfinale gegen Norwegen, das ein 3:1 gegen Spanien feierte. Schweden und Deutschland treffen im ersten Semifinal-Spiel aufeinander. Zeit für eine grundsätzliche Diskussion über den Frauen-Fußball an sich.

– „Ich würde gegen Andy Murray kaum einen Ballwechsel gewinnen, mit etwas Glück vielleicht ein Game“ – das sagt Serena Williams, Weltranglisten-Erste im Tennis und Gewinnerin von 17 Grand-Slam-Turnieren. Trotzdem würde niemand auf die Idee kommen, Frauen-Tennis nicht als ganz normalen Teil der Szene anzuerkennen.

– Mirna Jukic holte 2008 Olympia-Bronze über 100m Brust – in 1’07,41 Minuten. Auf Bronze bei den Herren in der gleichen Disziplin hätten ihr damit acht Sekunden gefehlt, in der Männer-Konkurrenz wäre sie mit dieser Zeit 59. von 63 Starten gewesen. Trotzdem kam niemand auf die Idee, diese Medaille deshalb kleinzureden.

– Je nach Strecke und Disziplin verlieren die alpinen Ski-Damen auf ihre männlichen Kollegen auf der gleichen Piste sechs bis zehn Sekunden. Trotzdem wäre der Aufschrei unter den Ski-Fans – und deren gibts hierzulande ja einige – groß, sollte der ORF beschließen, Frauen-Rennen deshalb nicht mehr zu übertragen.

– Weibliche Teams im Beach-Volleyball würden gegen ihre männlichen Kollege kaum einen Ball sehen, aus der Sandkiste geschossen werden. Dennoch bekommen in Österreich die Schwaiger-Schwestern mindestens gleich viel mediale Coverage wie ihre im Verhältnis zur Konkurrenz nur unwesentlich schwächeren Landsleute Doppler/Horst. Findet niemand komisch.

– So richtig arg viele Chancen hätte ein weiblicher Judoka gegen einen männlichen auch nicht. Trotzdem: Gab es deshlab einen Unterschied in der Bewertung der Olympia-Medaillen von Claudia Heill 2004 und Lupo Paischer 2008? War objektiv keiner feststellbar.

– Wenn männliche Biathleten schon im Ziel sind, haben die Frauen üblicherweise noch rund 20 Prozent der Strecke vor sich. Dennoch: In Deutschland sind und waren Magdalena Neuner und Miriam Gössner größere Stars als Arnd Peiffer und Andi Birnbacher.

Gemeckert wird nur beim Fußball

Wirklich über den Unterschied genörgelt, den es zwischen Männern und Frauen in praktisch jedem Sport gibt, bei dem es auf Körperlichkeit ankommt, wird nur im Fußball. Da aber dafür umso heftiger. Viele begnügen sich nicht mit passivem Desinteresse, sondern kommentieren Artikel über Frauen-Fußball mit zum Teil ätzendem Negativismus.

Warum ist das nur beim Fußball so? Vielleicht kriegen wir hier ja eine ersthafte Diskussion zu Stande. Jeder ernst gemeinte Kommentar zum Thema ist willkommen!

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.

21 Gedanken zu „Diskussion: Warum wird im Frauen-Sport nur über Fußball so gemeckert?

  1. Hallo ich bin heute das erstemal auf eure Seite gestossen. Aber das Thema ist sehr interessant. Auch wird wird immer und immer wieder der Vergleich zum Herrenfussball herbei gezogen. Und auch ich erwische mich immer wieder dabei. Die Deutschen Herren mit unsern Damen zu vergleichen. Es fällt mir unheimlich schwer das sein zu lassen. Aber ich schaue unheimlich gerne den Damen beim spielen zu.
    Und auch hier muss ich leider wieder den Vergleich siehen. Um zuerklären warum ich so Frauenfussi fast schon lieber schaue als Herrenfussi. Zum einem ist es die Fairness auf dem Platz wie die Spielerinnen miteinander umgehen (Ode habt ihr schonmal eine Frau gesehen die nach einem Faul erst einmal gefühlte 100 Rollen dreht bevor sie liegen bleibt, ich nicht. Nein die Frauen bleiben nur liegen wenn ihnen wirklich etwas passiert ist.
    Oder habt ihr schonmal einen Herren gesehen der zu den Fans auf die Tribüne gekommen ist um sich mit uns Fans zu unterhalten und sich gemeinsam zu freuen. Das mag vllt. in den unteren Ligen der Fall sein aber nicht in den ersten 3. Da wirkt das bei den Herren immer sehr lustlos.
    Ich habe gestern Deutschland gegen Schweden gesehen und mir ist nicht aufgefallen das es bei den Damen unatletischer zu geht. Oder auch Frankreich ist dafür ein sehr gutes Bespiel.
    Aber wir vergleichen ja auch keine Äpfel mit Birnen. Und auch ich muss mich zusammenreissen dies nicht zu tun. Ich für meinen Teil kann sagen ich liebe Frauenfussball und ohne meinen Herrenfussball wüste ich gar nicht wo ich meinen Accu wieder aufladen sollte.
    Alles für den FCH und 1.FFC Turbine Potsdam! ;o)

  2. „Gemeckert wird nur beim Fußball.“

    Wo ist hier der Unterschied zu den Männern? Man zeige mir die positiven Artikel über die österreichische Bundesliga der letzten Jahre. Aber die „Opferrolle“ wurde ja hier schon thematisiert.

    Es gibt aber noch eine weitere Dimension, die ich für nicht unwesentlich halte. Generell haben Mannschaftssportarten im Frauensport unfassbar niedrige Zuschauerzahlen (bis auf ganz wenige Ausnahmen abgesehen). Das beste Beispiel für die Differenz Zuschauer – Erfolg ist wohl Hypo NÖ.

    Interessant ist hier vor allem auch die Tatsache, dass Frauen selbst sich kaum für ihre Kolleginnen am Platz begeistern können. Ich hab mal im Rahmen einer Uni-Arbeit zu dem Thema gearbeitet und wir konnten das nur rudimentär anschneiden, aber das völlige Fehlen kollektiver Identitäten im Frauenmannschaftssport dürfte keine geringe Rolle spielen. Die Vereine sind völlig austauschbar und rein auf ihre sportliche Rolle begrenzt. Ein Fantum (das ja Identität und Unterschied braucht) kann sich da nur schwer etablieren. Auch die Interviews mit Nationalteamspielern und deren weiblicher Pendants unterscheiden sich signifikant (obwohl die Identität der Mannschaft hier gleich ist). Die Einstellung hier eine Nation (mit all ihren kulturellen Merkmalen) zu vertreten ist bei den Männern ungleich höher.

    Auch geschichtlich lässt sich das gut belegen. Die unfassbaren Zuschauerzahlen in den 1920er Jahren beim Frauenfußball (53.000 Zuschauer in Everton) kamen immer nur zustande, wenn das Spiel „aufgeladen“ wurde. Das geschah einerseits durch die Exotik (Frauen in kurzen Hosen!) oder durch bestimmte Thematiken (Einnahmen gingen an Kriegsgeschädigte). Bei einem rein sportlichen Vergleich tendierten die Zuschauerzahlen wieder gegen Null.

    Es braucht für ein Fantum einfach ein „Mehr“ an dem sich eine Leidenschaft entzünden kann und sich eine Identität bilden kann, die über den sportlichen Vergleich hinaus geht (vgl. sportlich erfolglose Klubs mit Massen an Zuschauern). Warum sich solche Identitäten anscheinend im Mannschaftssport bei Frauen nur schwer herausbilden ist eine spannende Frage.

  3. Vorab mir gefällt Damenfußball. Ich finde das nicht schlecht.

    In erster Linie liegt es glaube ich daran, dass wir den Fußball mit „verwöhnten“ Augen sehen. Ich habe ja mittlerweise auch ein Problem mit Neustadt gegen Innsbruck beim Herrenfußball.

    Der Vorteil beim Schifahren ist, dass es (beinahe) keinen direkten Vergleich gibt. D.h. würden die Damen immer auf den Herrenpisten fahren, würde sich das Image des Damenschisports auch verschlechtern.

  4. Über die Athletik braucht man nicht zu diskutieren: Viel schlimmer waren für mich die technischen Fehler ohne Druck und auch in Drucksituationen, und die nicht vorhandene Fähigkeit der Spielerinnen sich im Raum zu orientieren. Keine der beiden Mannschaften war in der Lage Ruhe hineinzubringen, was sicher auch am aggressiven attackieren des anderen Teams lag.
    Weiters war der deutsche Kommentator des ZDF eine wahre Gemeinheit. und zu guter letzt die Spielweise der Schwedinnen, die fast jeden Ball spätestens von der Innen/ Außenverteidigerinnen hoch nach vorne droschen, kein Spielaufbau, kein Kombinationsspiel…einfach auf den zweiten Ball hoffen….da hätte ich mir einfach mehr erwartet…das Spiel hatte sehr hohes Tempo aber das technisch taktische Niveau konnte da nicht mithalten…das war für ein Semifinale einer Europameisterschaft doch überraschend wenig Taktik und Spielverständnis von beiden Teams.

  5. Ich bin ein großer Fan von Taktik (und Technik) und finde, dass diese fehlende Physis zu einem überraschend großen Maße kompensieren kann. In dieser Hinsicht finde ich das allgemeine Leistungsniveau auch gar nicht so wichtig, es kann auch Kreisliga sein, solange die Taktik beider Teams gut den Umständen angepasst ist können immer wieder taktisch hochwertige Spielsituationen auftreten. Mein Lieblingsspielspiel über alle möglichen Fußballmannschaften hinweg, wie Stark von der Physis losgelöst dies sein kann, wird für mich wohl immer Japans Frauen bei der WM 2011 sein. Bei denen war und ist die physische Unterlegenheit sehr oft förmlich spürbar, aber ihre taktische und technische Fähigkeiten und Vorbereitung auf den Gegner lässt sie den Gegner trotzdem dominieren.

    Ich denke, die Situation im Frauenfußball ist etwas paradox: Im Herrenfußball wird ja der taktischfokussierte Ansatz mit verhältnismäßig schwachen Spielern, der mit Barca wieder popularisiert wurde, sporadisch als „unmännlich“ und „verweichlichst“ diskreditiert (beides absoluter Humbug). Gleichzeitig haben wir aber im Frauenfußball ein Umfeld, das ich dem Herrenfußball der frühen Nullerjahre nicht unähnlich empfinde: Als stark wird angesehen, wer besonders über individuelle Athletik kommt. Taktische Aspekte (besonders auf Ebene des mannschaftslichen Zusammenwirkens) kommen oftmals gar nicht erst zum Zuge. Besonders die deutsche Nationalmannschaft, der als Seriengewinner der EM eigentlich eine Vorbildrolle zukommen sollte, fällt durch stupides erfolgorientiertes Festhalten an der individuelle Athletik der Spieler auf. Neid erinnert mich (nicht nur) in der Hinsicht frappierend an Derwall.

  6. Hallo zusammen,
    habe nur den obersten post von Roberto78 quergelesen und den Einstiegs-Blog von ballverliebt…
    also, auch ich gehöre mittlerweile zu den Nörglern, nachdem ich neutral und wohlwollend als Jugendlicher mit Mädchen- Frauenfußball aufgewachsen bin (u.a. im womens-soccer paradise USA), finde Fußball für Mädchen und Frauen auch einen tollen Sport. Aber der Leistungsunterschied, der sich so stark auf die Zuschau-Attraktivität“ auswirkt ist der technische! Athletik, Schusskraft finde ich total sekundär, was mich mich „stört“ und noch mehr verwundert, sind die extrem häufigeren technischen Mängel(Ballannahme, Fehlpässe „Stockfehler“), die sich durchgängig bis in die Weltspitze offenbaren! Genau da hinken aucg sämtliche Vergleich zu den aufgeführten anderen Sportarten, Damentennis, -Volleyball, -Skirennen etc. haben ein „technisch“ viel höheres Niveau und ist daher auch absolut ebenbürtig attraktiv, mit einzelnen, Athletik-typischen pro und contras (z.B. im Volleyball längere Balwechsel bei den Damen). Aber im Fußball wirken sich die häufigen Unzulänglichkeiten massiv auf Spielfluss und Fußballkunst aus…Leider! Würde gerne wissen, warum diese Fehler im Spiel bei sicher technisch versierten Einzelspielerinnen und überlege, ob Regel-Änderungen gegenüber Männerfußball was bringen würde.

    1. Nötig wäre meiner Meinung nach eine Verkleinerung des Spielfeldes, man hat speziell in diesem Spiel gesehen, dass zum kontrollierten Abschluss zum Schluss bei sehr vielen Aktionen einfach schon die Kraft gefehlt hat, und das bereits zu Beginn des Spieles ( einige Aktionen beider Teams).

  7. Zumindest zum Teil glaube ich, dass es mit verschiedentliche angesprochenen, erst in den letzten Jahren erfolgten stärkeren Professionalisierung zu tun hat. Oder anders: beim Tennis, um eine ebenfalls weit verbreitete Ganzjahressportart zu nehmen, hatte man auch Zeiten, in denen die Frauen mit wenig schmeichelhaften Vergleichen konfrontiert wurden, zu Pat Cashs Zeiten zum Beispiel, aber nicht nur durch ihn. Was, den Chauvinismus mal ignorierend, insofern einen nachvollziehbaren Grund gehabt haben mag, als die Leistungsdichte einfach sehr gering war, sodass der sportliche Wettbewerb, auch die Herausforderung für die Besten, hinterfragt werden konnte, was sich dann populistisch mit Anzüglichkeiten zur Athletik illustrieren ließ. Diese Phase haben wir zum Glück (ja, mir ist klar, dass ein Teil der Äußerungen über Marion Bartoli daran zweifeln lässt, dass man in der Außensicht tatsächlich so viel weiter ist) überwunden, seitdem auch im Frauentennis mal die Nummer 3 gegen die 62 ausscheiden kann. In den 80ern war das nach meiner Wahrnehmung praktisch unmöglich.

    Wenn die deutschen Fußballfrauen zum soundsovielten Mal in Serie Europameister werden (bitte als Vergangenheitsbetrachtung verstehen, nicht als Prognose), ist das ähnlich schlecht für eine Sportart (und deren Attraktivität für Außenstehende), wie wenn Steffi Graf Natalia Zvereva im Finale des zweit-, dritt- oder meinetwegen auch nur viertgrößten Turniers der Welt zweimal die Null gibt.

    Rede ich am Thema vorbei? Vielleicht. Gleichwohl glaube ich, dass Professionalisierung (nicht zwingend finanziell) und Leistungsdichte sehr relevant sind für die Wahrnehmung einer Sportart. Beim weiblichen Fußball hat sich letztere erst in den letzten Jahren deutlich erhöht, und ich bin guter Dinge, dass wir irgendwann an den Punkt kommen, wo auch der gemeine Landesligaspieler einsieht, dass er nicht mithalten könnte. Was er auch jetzt schon in aller Regel nicht kann; gelegentlich vermitteln die schwächeren Teams indes einen anderen Eindruck. Wenn dann noch Schiedsrichterinnenleistungen wie bei der letzten WM hinzu kommen (jenes Handspiel, Ihr wisst schon), dann ist das Wasser auf die Mühlen all jener, die den Frauenfußball nicht ernst nehmen wollen.

    (Ach, und kommt mir in punkto Durchlässigkeit, Leistungsdichte, etc … bloß nicht mit Rodeln …) ;)

      1. Aktives Dagegenanschreiben? Seitens der Medien oder deren aktiven „Konsumenten“?

        Letzteres empfinde ich nicht als wesentlich anders als wenn Pat Cash über die Qualität des Damentennis herzieht. Hätten wir in den 80ern und 90ern die heutigen Kommunikatonsmöglichkeiten gehabt, hätte es möglicherweise mit Blick auf Tennis ähnlich geklungen.

        [Oh, wie passend. Das habe ich zufällig grade in einem Forum gefunden, stammt vom Juli 2013:
        „Pat Cash hat mal gesagt: „Damentennis ist Müll und Plunder“

        Das stimmt nicht. In Bezug auf Damenfussball stimmt es allerdings schon.
        Eine völlig überflüssige Sportart für Frauen.“]

  8. In den Antworten über mir wurde eigentlich eh schon alles gesagt, ich will es aber trotzdem nochmal in eigene Worte fassen:

    Warum wird im Frauen-Sport nur über Fußball so gemeckert?
    Weil Frauenfußball die einzige Sportart ist, dessen mediale Präsenz stärker von gesellschaftspolitischen Entwicklungen als von sportlicher Relevanz abhängig ist. Das lässt sich auch ganz gut an euren Gegenbeispielen zeigen:

    (1) Frauenfußball ist eine vergleichsweise „junge“ Sportart:
    Tennis und Golf waren 1900 die ersten zwei Sportarten, in denen Frauen bei olympischen Spielen antreten durften. Schwimmbewerbe (1912), Leichtathletik (1928) und auch Volleyball (1964) wurden auch schon lange Zeit vor Fußball (1996) in das Programm aufgenommen.

    (2) Athletische Unterschiede zwischen Männern und Frauen werden politisch korrekt wegdiskutiert, anstatt wie in anderen Sportarten berücksichtigt zu werden:
    Beim Beachvolleyball haben die Netze unterschiedliche Höhen (Netzoberkante Männer : 2,43 m – Netzoberkante Frauen: 2,24 m), beim Tennis müssen die Damen weniger spielen, um das gleiche (!) Preisgeld zu erhalten (Männer: Best-of-Five – Frauen: Best-of-Three) und auch beim alpinen Skilauf unterscheiden sich die Strecken in ihrer Schwierigkeit.
    Aber im Fußball besteht man darauf, dass das Spiel auch bei den Frauen 90+ Minuten dauert und das Tor 7,32 x 2,44 m Meter misst. In der Nationalmannschaft von Japan, die Nummer 3 der Welt, ist keine der drei Torfrauen größer als 1,70!

    (3) Frauenfußball ist (momentan) im Verhältnis zur Zahl der Ausübenden in den Medien überproportional repräsentiert:
    Bleiben wir in Österreich: in der Tennis Austria Rangliste des ÖTV finden sich 2.028 Herren und 1.413 Damen (41%).
    Dem Kader des österreichischen Schwimmverbands (09/2012) gehören 11 Herren und 7 Damen an (39%).
    Dem Kader des österreichischen Skiverbands (2013/14 , alpine Nationalmannschaft + A-Kader) gehören 25 Herren und 16 Damen an (39%).
    Beim ÖFB sind im Erwachsenenbereich 153.667 Herren und 5.434 Frauen gemeldet (3,4%).

    Natürlich muss ich fairerweise anfügen, dass Frauenfußball lange Zeit leider verboten war und damit eine ähnliche Entwicklung wie in anderen populären Sportarten unterbunden wurde.
    Aber ihn durch flächendeckende Übertragungen und Berichterstattung wichtiger zu machen, als er (momentan noch) ist, halte ich für kontraproduktiv.

    1. PS: um auf die urspüngliche Frage etwas persönlicher zu antworten:

      Egal welche Sportübertragung im Fernsehen läuft – sei es Tennis, Wasserspringen, Volleyball, Schwimmen, you name it – ich käme nie auf die Idee in einem der gezeigten Bewerbe teilnehmen zu können – außer beim Frauenfußball!
      Wenn Frauenfußball im Fernsehen läuft, dann denke ich mir:“das kann ich auch – aber die werden im Fernsehen gezeigt, weil sie Brüste haben!“

  9. Football, Basketball, Radfahren, Eishockey … Unterschiede ähnlich groß.
    Da schau ich ebenfalls keine Frauen-Wettbewerbe (werden ohnehin nicht übertragen), weil die Wettkämpfe/Spiele so aussehen, wie die meiner 10-jährigen Cousins.
    Und seien wir mal ehrlich: 99% der Zuseher ist die Taktik doch sowas von wurscht. Die wollen Action. Und die gibt es bei den Frauen nicht.
    Und als Zuseher braucht man etwas, das einen mit reißt. Das können die Emotionen auf den Rängen sein (oft auch durch eine Rivalität ausgelöst). Das können Ausnahmeleistungen auf dem Feld sein. Und es können private Kontakte zu Spielern sein, die das Zusehen interessant machen (siehe alle Eltern/Verwandte, die den Kindern zuschaun).
    Bei Frauenfußballspielen fallen für mich alle Punkte bis auf den Letzten weg. Die privaten Kontakte zu Spielerinnen sind der einzige Grund, warum ich eine österreichische Bundesligamannschaft begleite. Und wenn ich mich bei Spielen umsehe, geht es fast allen anderen gleich.

    Ich finde es gut, dass Frauenfußball gezeigt wird. Ich finde auch gut, dass die Jugend gefördert wird.
    Aber dieses unterschwellige „du musst es gut finden“ hat bei mir den Schalter von „is mir wurscht“ auf „ich bin genervt“ umgelegt.

  10. Meiner meinung nach sind Frauen und Herrenfußball 2 verschiedene paar Schuhe!

    Wenn man den Herrenfußball betrachtet fällt auf das das Spiel immer athletischer wird, wobei der Frauenfußball im technischen stagniert. Man wird auch nie diese Zweikampfintensität spüren bei den Damen, was bei Zusehern doch Emotionen freisetzt!

    Deshalb meine Schlussfolge: im Fußball kann man mit reiner Technik, speziell bei den Damen, viel erreichen, daher ist es leider noch ein langer Weg für die Damen diesen Niveauunterschied halbwegs anzugleichen!

  11. Damenfußball wird halt erst „seit kurzem“ auf eher höherem Niveau gespielt, als Damentennis, Damen-Skilauf oder als Mannschaftssportart auch Damenhandball beispielsweise.

    Zudem ist die „Dichte“ bei weitem nicht so hoch, wie bei den Männern, was dazu führt, dass Turniere auch nicht dne Stellenwert haben, da vielfach – und das muss auch gesagt werden dürfen – grottenschlechte Spiele rauskommen.

    Ich würde den Vergleich beim Damenfußball nicht unbedingt mit „Damenslalom“ sondern viel eher mit „Damen-Skisprung“ vergleichen. Der steckt auch noch ziemlich am Anfang, es gibt nicht wirklich viele die das auf hohem Niveau tun.

    Lösung? Weitermachen. Weiter berichten, weiter „fördern“, dass Mädchen auch diese Sportarten ergreifen und gut darin werden.

    All diese „Macho-Sportart-Sprüche“ halte ich für entbehrenswert, Skispringen ist auch keine Macho-Sportart und ehrlich gesagt, habe ich mir bis dato noch nie einen Damensprungbewerb angeschaut…

  12. These: Die ganze Debatte hat weniger mit der tatsächlichen Qualität des Frauenfußballs zu tun, sondern mit dem Sachverhalt des Frauenfußballs als gefühlt „späten“ Sport – und wie darauf reagiert wurde und wird.

    Soll heißen – und Sporthistoriker mögen mich verbessern, wenn ich radikal irre: Frauentennis oder Frauen in Ski-alpin waren weit früher am Schirm der Öffentlichkeit. Frauenfußball war in den 60er oder 70er weit davon entfernt, registriert zu werden. Die Institutionalisierung in Deutschland geschah doch erst in den 70ern, oder? Also unglaublich spät und in einer Zeit, in der Frauen in den anderen Sportarten schon absolute, nicht mehr hinterfragte Normalität waren und Heldinnen wie Annemarie Moser-Pröll oder Billie Jean King längst abgefeiert wurden.

    Frauenfußball kam spät – und nun eine These, die nicht allen gefallen wird: die Hinlenkung des öffentlichen Fokus auf diesen Sport geschah nicht unbedingt aus sportlichen, sondern aus gesellschaftspolitischen Gründen. Frauenfußball wurde Thema, nicht weil der Sport plötzlich besser und wichtiger wurde, sondern weil viele das Gefühl hatten, es sei doch nicht gerecht, immer bloß über die Männersparte zu berichten. Es wurde also plötzlich im größeren Stil über Frauenfußballturniere berichtet, als gerade mal eine Handvoll Nationen diesen Sport einigermaßen betrieben. Mit dem Resultat: Man sah grauenhafte sportliche Qualität und es stellte sich das Gefühl ein, dieser Sport wird einem nur aufgrund von political correctness Überlegungen präsentiert. Im Grunde ein Todesurteil.

    Und all die Trollpostings zu Frauenfußball – so glaube ich – lassen sich auch heute noch als Reaktion auf diese moralinsauer empfundene, mediale „Einführung“ lesen. Mit dieser These sei nicht gesagt, dass es anders besser gelaufen wäre. Aber ich glaube, hierin liegt eine Problematik der öffentlichen Wahrnehmung dieses Sports. Wie dagegen vorgehen? (a) Weiter berichten. Denn die Qualität steigt. Insofern macht Ballverliebt hier Vorzeigearbeit. (b) Zugleich aber den Sport nicht mit Samthandschuhen anfassen. Wenn die spielerische Qualität sch*** war, dann sollte es auch so beschrieben werden. Diesen letzten Punkt würde ich auch zurückhaltend diplomatisch als Kritik an diese Seite hier richten.

  13. Auch ich habe so meine Probleme mit dem anschauen und mitfiebern von Frauenfußball. Dazu muss ich etwas weiter ausholen:

    Du hast oben als Beispiele fast ausschließlich Einzelsportarten aufgeführt. Dabei kommt es auf kein Zusammenspiel zwischen den Spielern an, weil jeder natürlich für sich selbst kämpft. Dadurch ist das Spiel im „schlimmsten“ Fall einfach langsamer oder die erreichten Topwerte sind einfach etwas unter denen der Männer, wie z.B. bei typischen leichtathletischen Disziplinen wie 100m oder auch Schwimmen. Beim Tennis ist die Technik der Damen ebenso ausgeprägt wie bei den Herren, mit dem Unterschied, dass der Ball langsamer unterwegs ist. Dies fällt beim Anschauen aber nicht wirklich als negativ ins Gewicht.
    Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass du Sportarten genannt hast, die eher am Rande anzusiedeln sind oder, wie beim Tennis, die Damen- und Herrenwettbewerbe ähnlich populär sind. Das bedeutet, die Gelder die dort fließen sind vergleichbar.

    Im Unterschied dazu die üblichen Teamsportarten. Ich persönlich kann mir auch ganz schwer Damenhandball oder -basketball ansehen. Hier kommt die Spannung aus dem schnellen und sicheren Zusammenspiel der einzelnen Akteure. Umso schneller das Spiel ist und umso besser die Abstimmung der Spieler desto „besser“ das Spiel für den Zuschauer. Nicht ohne Grund ist z.B. Tiki-Taka sehr beeindruckend.
    Da Frauen körperlich da nicht mithalten können ist das Spiel per se langsamer. Dazu kommt, dass das eingesetzte Geld um ein Vielfaches geringer ist als bei den Herren, ergo werden wirkliche Top-Trainer keine Damenmannschaften trainieren, da man erstens viel weniger Geld verdient und zweitens das Renommee geringer ist.

    Ich hoffe man versteht was ich da verfasst habe :)

  14. Ich glaube in diesem Fall liegt der Hauptgrund an der feministischen Vereinnahmung des Frauenfußball. Bei keiner anderen Sportart wird so sehr dieser Anspruch erhoben „Frauen machen das aber auch“, auf der anderen Seite ist kaum eine Sportart so sehr als Männerdomäne verschrieben wie der Fußball, das fängt einerseits bei den – bis vor einigen Jahren noch viel extremer – hauptsächlich männlichen Fans an und hört bei der relativ kurzen Tradition des Frauenfußballs auf.

    Der Punkt mit der kurzen Tradition gilt insbesondere für den professionellen Zugang zu dieser Sportart. Bei vielen anderen Sportarten gibt es die Frauenbewerbe schon wesentlich länger auf hohem Niveau, sei es Tennis, Skifahren, Leichtathletik oder auch Handball.

    Beim Frauenfußball wurde in den letzten Jahren, mit teilweise sehr großem Aufwand, versucht die Lücke zu schließen. Gerade durch diesen Aufwand wurde aber auch betont wie groß diese Lücke zu den Männern ist, meiner Meinung nach hat dies dem Frauenfußball nicht unbedingt gut getan.

    Dazu kommt, und da tun gerade Femministinnen dem Frauenfußball keinen Gefallen, eine gewisse Belehrungspenetranz. Bei zahlreichen Gelegenheiten wird dem Fußballfan erklärt er solle sich jetzt doch auch bitte für Frauenfußball begeistern und das ruft eher das Gegenteil hervor.

    PS: vielleicht sollte ich mal ausführlich dazu bloggen…

    1. Kleiner Tipp bezüglich Tradition des Frauenfußballs: Erstes britisches Frauenfußballteam 1894. In den Ende der 1910er großer Boom des Frauenfußballs. 1921 de facto Verbot des Frauenfußballs in England bis 1970.

      Buchtipp – das sollte jeder Fußballinteressierte gelesen haben:

      Dietrich Schulze Marmeling: Fußball. Zur Geschichte eines globalen Sports http://tinyurl.com/meo9hh9

  15. Jetzt ist wohl die Zeit gekommen, den eigenen Senf dazu zu geben… Verfolge die Seite schon seit einigen Jahren; ehrlich gesagt auch nicht mehr so intensiv, seitdem das deutsche Pendant spielverlagerung dabei ist. Nichts desto trotz: Vielen Dank! Erst durch euch bin ich zur Taktik gekommen!

    Habe eine Freundin, die auf sehr hohem Niveau in Dtl. gespielt hat und erschreckenderweise erlebe ich jedes Mal folgende Diskussion, wenn ich sie zum spielen mitnehme: Die Kerle -die zwar im Verein spielen; jedoch selber nicht viel können- mosern zu Beginn immer endlos rum. Jeder denkt, dass eine Frau in einem von großer Athletik geprägtem Spiel bei den Herren auf gar keinen Fall mithalten kann. Kurze Zeit später folgt dann die große Ernüchterung; das ist eigentlich der schönste Moment :-)

    Ansätze zur Erklärung gibt es wohl eine ganze Menge; angefangen von der Thematik „Fußball als Männerdomäne“ über die Tatsache, dass fast jeder Mann schon einmal selbst gespielt hat (und dadurch natürlich die Weisheit mit Löffeln gefressen hat), bis hin zum -eindeutigen- Qualitätsvorsprung der Herren auf Profiebene. Aus meiner Erfahrung kann ich letztendlich nur sagen, dass es sich -zumindest im Breitensport- primär um massive Vorurteile handelt.

    Dass ihr dieses Thema jetzt anschneidet, hat sich aber bei eurer Berichterstattung letzthin abgezeichnet: Ich habe einige Spiele der dt. Nationalmannschaft gesehen und war -wie viele andere auch- ziemlich entgeistert; nicht so sehr von einzelnen Akteuren, sondern vom Zusammenspiel der Mannschaft. Da war ich von den Damen irgendwie mehr gewohnt. Problematisch ist da aber wohl mehr das gemeinsame Agieren und Umsetzen einzelner mannschaftstaktischer Maßnahmen als die jeweilige individuelle Leistung. Im Herrenbereich hat sich auf der professionellen Ebene in den letzten Jahren so unendlich viel bewegt; dass die Damen da -in Relation- irgendwie nicht mitgekommen sind, ist mitunter den schlechteren Bedingungen; vielleicht aber auch dem Verschlafen gewisser Trends geschuldet.

    Btw: Ich würde meine Hand dafür jetzt nicht ins Feuer legen; glaube mich aber zu erinnern, dass Steffi Graf als Nr.1 der Welt gegen Ivan Lendl -seines Zeichens ebenfalls damalige Nr.1- in einem Showkampf gegeneinander antraten. Graf hat haushoch gewonnen. Und das Lendl so ein Gentleman ist, wage ich zu bezweifeln…

Die Kommentare sind geschlossen.