Zu wenig Ideen bei 1:3 gegen clevere Dänen

Die Chance auf das EM-Halbfinale und damit auf Olympia sind für Österreichs U-21-Team nach dem 1:3 gegen Dänemark im zweiten Gruppenspiel dramatisch geschrumpft. Die Dänen agierten geschickt gegen den Ball, explosiv im offensiven Umschalten und profitierten auch davon, dass Österreich beim Stand von 1:1 einen Elfmeter verschoss.

Österreich – Dänemark 1:3 (0:1)

Die Teams

Werner Gregoritsch nahm gegenüber dem 2:0-Sieg über Serbien zwei personelle Änderungen vor: Für den verletzten Wolf rückte Kvasina in die Mannschaft, der ganz vorne postiert war; dafür ging Honsak auf den linken Flügel. Und in der Abwehrkette spielte Friedl statt Ullman auf der linken Seite.

Bei Dänemark stellte Trainer Niels Frederiksen gegenüber dem 1:3 gegen Deutschland auf vier Positionen um. Im Sturmzentrum spielte Wind statt Ingvartsen, dazu kamen Sörensen und Maehle (statt Koefod und Pedersen) in der Abwehr zum Zug sowie Stage statt Jensen im Mittelfeld-Zentrum.

Dänemark spielte mit zwei Legionären aus England (Billig und Iversen), einem von Ajax (Nissen-Kristensen), zwei aus Deutschland (Dortmunds Bruun-Larsen und Sörensen von Regensburg), einem aus Belgien (Maehle) und einem aus Italien (Rasmussen).

Ballverliebt gibt es nur mit deiner Hilfe!

Ballverliebt braucht deine Hilfe zum Weitermachen. Wenn du Artikel wie diese, kritische Analysen und Podcasts von uns magst und weiter von uns lesen und hören willst, dann unterstütze uns bitte. Der Preis eines Getränks pro Monat hilft schon sehr. Mehr dazu findest du hier.

Become a Patron!

Was auffiel

Dänemarks Formation. Niels Frederiksen stellte sein Team in einem ungewöhnlichen System auf – einem 5-2-3. Der Clou war dabei die Arbeit von Sechser Billing und Achter Stage in Verbindung mit den Wings-Backs bzw. den situativ zurück rückenden Außenstürmern. Sie stellten gegen den ÖFB-Aufbau ein 5-3-2 her und verhinderten, dass Österreich in den Raum zwischen den Linien kam. Dies machte den von Haus aus eher auf Reaktion eingestellten Österreichern das Leben zusätzlich schwer.

Gegen den dänischen Aufbau. Dänemark war aber nicht nur in der Defensive Punktsieger, sondern auch im Aufbau. Sie wollten sich gar nicht lange im Mittelfeld aufhalten, brachten den Ball stattdessen oft von der Dreierkette hinten über die Halbfelder zum Außenstürmer, der sich wiederum etwas zurückfallen ließ, um die Pässe kurz zu halten. Hier stellte Dänemark wiederum schnell Überzahl in Ballnähe her und mit schnellen, kurzen Pässen wurden Räume aufgemacht – auch, weil die Wing-Backs weit aufrückten und ein 3-2-5 herstellten. Zudem wurde nach Ballgewinnen blitzschnell umgeschaltet. Das 1:0 nach einer halben Stunde durch Linksverteidiger Maehle war verdient.

Pressing hüben und drüben. Wenn den Dänen im Angriffsdrittel ein Ballverlust unterlief, wurde sofort ein Gegenpressing aufgezogen. So verhinderte Dänemark ein schnelles österreichisches Umschalten – mit dem Serbien große Probleme hatte. Auf der anderen Seite lief Österreich die dänische Eröffnung ebenso an, hier zeigten sich die Skandinavier aber mit großer Ruhe  und sehr resistent.

Umstellungen und Spielverlauf

Quasi mit Beginn der zweiten Halbzeit glich Österreich durch einen Lienhart-Kopfball nach einer Ecke aus. Xaver Schlager rückte nach dem Seitenwechsel deutlich weiter nach hinten ins Mittelfeld – so wurde aus dem 4-4-1-1 ein 4-1-4-1. Mit dem kompakteren Mittelfeld sollte wohl der dänische Druck besser absorbiert und leichte Überzahl im Halbfeld und auf den Außenbahnen hergestellt werden und effektiver auf den dänischen Aufbau gepresst werden.

Dänemark kontrollierte weiterhin den Ball, zwingende Chancen konnte sich die Dänen aber kaum herausspielen. Nur einmal wurde es sehr eng für ein hoch aufgerücktes Österreich, als Bruun-Larsen alleine auf Schlager zu lief und traf – aber der dänische Stürmer war knapp im Abseits. Fast im direkten Gegenzug wurde Horvath von Nelsson im Strafraum gelegt, aber der für Ljubic eingewechselte Baumgartner vergab den Elfmeter.

Nach dem 2:1 für Dänemark (77., die Dänen waren auf der rechten Angrifsseite hinter die ÖFB-Abwehrkette gekommen, Maehle verwertete die Flanke) zogen sich die Skandiavier zurück. Der für die linke Angriffsseite gekommene Andreas Olsen ging gegen den Ball ganz weit zurück, formte somit eine Sechser-Abwehr.

Dem ÖFB-Team gelang es nicht mehr, eine ernsthafte Torchance zu erspielen. Dafür machte Dänemark mit dem 3:1 in der 93. Minute endgültig den Deckel drauf und wahrt somit die Chance auf Halbfinale und Olympia.

Fazit: Es fehlten die Mittel im Aufbau

Gegenüber den individuell gut besetzten, aber taktisch eher einfältigen Serben waren die Dänen um eine Klasse stärker. Sie neutralisierten den österreichischen Aufbau sehr gut, kamen defensiv aus dem Spiel heraus so gut wie nie in Verlegenheit und behielten auch nach dem völlig aus dem Nichts erzielten Ausgleich die Ruhe. Auch wenn Österreich einen Elfmeter vergeben hat, war es doch ein absolut korrekter Sieg von Dänemark.

Dem ÖFB-Team fehlte es an der Idee, gegen die geschickte dänische Mannschaft in gute Abschlusspositionen zu kommen. Weil die Kanäle zu waren, konnte Horvath sein Tempo nie ausspielen, Schlagers Pressing verpuffte an den stets ruhigen Abwehrspielern, Kvasina sah kaum Bälle – und es fehlte die Kreativität im Zentrum.

Die reaktive Grundidee von Gregoritsch’ Strategie hat gegen Serbien perfekt gepasst, die Dänen konnten diese aber gut für sich nützen. Im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland (im Parallelspiel überlegener 6:1-Sieger gegen Serbien) wird es nun auf jeden Fall einen Sieg brauchen – ein 3:0 oder höher muss es sein – damit es noch für dass Halbfinale reicht.

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.