Was uns beim wurschtigen Österreich – Niederlande auffiel

In etwa einer Woche beginnt die EURO 2016. Österreich ist bekanntlich dabei und alle, die Fußball nicht nur jeden zweiten Sommer interessant finden, wissen, was die Mannschaft kann. Deshalb war das letzte Testspiel vor dem Ernstfall gegen die Niederlande am Samstag so spannungsentladen, wie kein anderes Spiel der österreichischen Fußballgeschichte, an das ich mich bisher erinnern konnte.

Die 0:2-Niederlage muss mangels konsequenter Ernsthaftigkeit des Spiels auch niemanden nervös machen. Ja: Es war zum ersten Mal seit dem 0:3 gegen Deutschland im September 2013, dass Österreich kein Tor erzielt hat. Aber die Spieler haben sich sichtbar vor engen Situationen zurückgenommen, um sich nur ja nicht zu verletzen und sich vor allem in der fast komplett wertlosen zweiten Hälfte gelegentlich den ein oder anderen Meter erspart, den sie im Bewerb laufen würden. Wenn man aus dem Spiel etwas lernen will, muss man sich deshalb schon ein bisserl anstrengen. Wir haben uns ein paar Erkenntnisse abgerungen.

Startaufstellung
Startaufstellung – Österreich im bekannten 4-2-3-1/4-4-2-System, die Niederlande in einem 4-2-3-1/4-3-3-Mix.

1. Auch die spielschwächste Innenverteidigung ist kein Beinbruch: Eine der wenigen Positionen über die vielleicht noch Unklarheit herrscht, ist die des zweiten Innenverteidigers neben dem wohl gesetzten Aleksandar Dragovic. Tottenham-Legionär Kevin Wimmer scheint derzeit Kollers letzte Wahl dafür zu sein. Gegen Holland durfte Sebastian Prödl sich beweisen (gegen Malta Martin Hinteregger). Gezeigt hat sich dabei, was man schon wusste: Österreich hat an dieser Position zwar unterschiedliche Stärken und Schwächen, aber in keinem Fall ein nennenswertes Problem.

Dass Hinteregger sicherer mit dem Ball am Fuß ist, hat er auch am Samstag nach seiner Einwechslung schnell bewiesen (er spielte eigentlich fast nur flach und vertikal). Doch obwohl das Duo Dragovic-Prödl das spielerisch wahrscheinlich Schwächste aller möglichen Kombinationen ist, konnte sich auch Prödl immer wieder in den Spielaufbau einschalten. Seine Vertikalpässe waren wesentlich seltener als Hintereggers, dafür sorgten sie fast immer für Gefahr. Nahezu alle Chancen von Österreich liefen über Prödl als eine der letzten Stationen vor dem Abschluss. (Er leitete z.B. in den ersten Minuten zwei Chancen ein, weshalb ihm Janssen beim vierten Versuch doch mal reingrätschte und dafür die Gelbe Karte sah.) Seine Initiative war wichtig, denn da Wijnaldum großteils enge Manndeckung gegen Baumgartlinger spielte, mussten Impulse aus der Abwehr kommen – und vom extrem konservativen und praktisch immer horizontal abspielenden Dragovic kam keiner.

Auch ansonsten hatte Watford-Legionär Prödl sich nichts vorzuwerfen. Die Gegentore entstanden an anderer Stelle (beim 0:1 verlor Dragovic einen wichtigen Zweikampf im Mittelfeld und Klein verzichtete auf Deckungsarbeit im Fünferraum; auch das 0:2 entstand auf der rechten Abwehrsseite) und gewann praktisch alle seine Zweikämpfe.

2. Martin Harnik wird in Frankreich erstmal erste Wahl bleiben: Harnik ist nach einer verkorksten Stuttgart-Saison sichtbar noch nicht in Top-Form, aber er dürfte seinen Startplatz trotzdem nicht verlieren. Marcel Sabitzer bekam gegen die Niederlande seine Chance, war sichtbar um ein Zeichen bemüht war und spielte nicht schlecht, trotzdem kam von ihm und über seine Seite einfach zu wenig, um ein Plädoyer für eine Veränderung der Stammformation in letzter Minute abzuliefern. Und Alessandro Schöpf wurde dort gar nicht erst ausprobiert.

3. Das Koller-Team hat auf eine seiner verlässlichsten Varianten verzichtet: Wann immer man in der Vergangenheit einem guten Mittelfeld gegenüberstand, hatte Österreich die Option zur Hand, mit einem hohen Ball auf Janko Meter zu machen, der dann verlängerte oder ablegte. Darauf hat man gegen die Niederlande ohne ersichtlichen Grund fast vollständig verzichtet. Vielleicht um den noch nicht ganz Match-fitten Janko (eine der noch offenen Hürden) die Ellbogen zu ersparen, die er dabei regelmäßig ins Genick bekommt (was vielleicht auch gegen die extrem sportliche Portugal-Abwehr ein schmerzhaftes Thema werden könnte)? Stattdessen wurde stets versucht, die Bälle flach oder per Kombination nach vorne zu bringen. Auch diese Dinge kann man besser, als es am Samstag zu sehen war, aber klar ist: Diese Selbstlimitierung wird man sich bei der EURO eher nicht auferlegen.

4. Österreichs Standards sind zu harmlos: Man schwärmt gerne davon, wie super Zlatko Junuzovic und David Alaba ihre Freistöße schießen können. Doch im Team klappen die direkten Freistöße schon länger nicht mehr so richtig (falls jemand aus dem Stand weiß, wann das letzte direkte Tor war, bitte posten) und auch indirekte Standards sorgen viel zu selten für Gefahr, geschweige denn Zählbares. Auch gegen die Niederlande konnte man da nichts Erinnerungswürdiges produzieren. Bei der Pressekonferenz nach dem Spiel deutete Marcel Koller an, dass man da in Frankreich womöglich noch einen Trainingsschwerpunkt setzen wird.

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