0:3-Lehrstunde für die Austria: Atlético ist dem Meister einfach viel zu stark

Es war eine Lehrstunde, die die Austria im Champions-League-Heimspiel von Atlético Madrid erteilt bekam. Der spanische Top-Klub war dem heimischen Meister viel zu stark, und dieser machte auch nicht den Fehler, das Spiel nicht mit dem nötigen Ernst anzugehen. Eine humorlose, professionelle Vorstellung und ein 3:0-Sieg, der sehr wenig mit Taktik zu tun hatte, sondern schlicht damit, dass Atlético einfach viel höhere Qualität hat als die Austria.

Austria Wien - Atlético de Madrid 0:3 (0:2)
Austria Wien – Atlético de Madrid 0:3 (0:2)

Das Wichtigste gleich mal vorneweg: Atléti war der Austria in allen Belangen haushoch überlegen. Die inidviduelle Klasse des spanischen Tabellenzweiten, der über sehr weite Strecken der letzten anderthalb Jahre vor Real lag, das auch derzeit tut und den Lokalrivalen zuletzt zweimal im Bernabéu besiegt hat, lag so weit über jener des österreichischen Meisters, dass der Spielverlauf und das Ergebnis nur sehr wenig mit Taktik zu tun haben. Darum hier auch nur eine kurze Übersicht über den inhaltlichen Aspekt dieses Spiels.

Atléti: Überzahl im Zentrum, Feuer frei für die AV

Cholo Simeone stellte sein Team in einem 4-4-1-1 auf, in dem die Mittelfeld-Außen Arda und Koke allerdings recht weit einrückten. Das hatte zur Folge, dass die Madrilenen im Zentrum zumeist eine 4-gegen-3-Überzahl hatten, die sich noch ausbaute, wenn Raúl García sich in diesen Bereich fallen ließ. Jenes Mittelfeld-Pressing, das die Austria in der ersten halben Stunde gegen Porto so exzellent gezeigt hatte, griff ob der personellen Unterlegenheit gar nicht.

Das eigentliche Risiko beim Einrücken der Mittelfeld-Außen ist ja, dass man dem Gegner auf den Außenbahnen theoretisch eine 2-gegen-1-Überzahl überlässt. Weil aber die Außenverteidiger der Austria recht defensiv agierten und Simeone das ohne Zweifel auch so erwartet hat, konnte er dieses Risiko eingehen. Mit der Folge, dass die Außenverteidiger der Gäste, vor allem Filipe Luís – einer der Atlético-Urgesteine – auf der linken Seite, Feuer frei am Weg nach vorne hatten.

Das schnelle 1:0 für die Spanier entstand folgerichtig aus einem Zusammenspiel von Koke und Filipe Luís. Letzterer startete in die Schnittstelle zwischen Rogulj und Dilaver, wurde von Koke bedient, legte zur Mitte und Raúl García schloss ab. Das ging der Austria deutlich zu schnell. Wie auch das zweite Tor, dass aus einem blitzsauberen, Atlético-typischen Konter fiel. So konnten die Gäste recht schnell einen Gang zurückschalten.

Erzwungene Änderung nicht von Nachteil

Nenad Bjelica war nach einer Viertelstunde gezwungen, den angeschlagenen Marko Stankovic auszuwechseln. Mit dem neu ins Spiel gekommenen Roman Kienast wurde aus dem anfänglichen 4-1-4-1 nun eher ein 4-4-1-1 bei der Austria. Mit Kienast funktionierte das Anpressen der gegnerischen Spieleröffnung etwas besser, auch weil er von Haus aus etwas höher stand als Mader und Stankovic, die davor einen längeren Anlauf zum Gegenspieler hatten und Atlético daher leichter drumherum spielen konnte.

Philipp Hosiner knallte den Ball vor der Pause an die Latte, die beste Chance der Austria. Man hatte aber nie das Gefühl, dass Atlético wackeln würde. Man hatte aber ständig das Gefühl, dass Atlético problemlos zulegen kann, wenn es nötig ist. Spätestens nach dem 3:0 acht Minuten nach dem Seitenwechsel war alles klar und Simeone konnte weiter dazu übergehen, Stammspieler zu schonen.

Der bärenstarke Filipe Luís durfte sich die komplette zweite Halbzeit ersparen, Diego Costa hatte seine Schuldigkeit nach einer Stunde getan. Atléti spielte danach in einem 4-1-4-1 weiter, mit Raúl García an vorderster Front, in der Schlussphase statt ihm mit Adrián. Seriös und professionell wurde das Spiel über die Zeit geschaukelt. Nach dem Motto: Wenn sich noch was ergibt, fein, wenn nicht, auch egal.

Fazit: Atlético um mehrere Nummern zu groß

Natürich hat die Austria nur dann eine Chance gegen einen übermächtigen Gegner wie diesen, wenn alles zusammen passt, alle einen glanzvollen Tag erwischen und die andere Mannschaft es nicht mit dem nötigen Ernst angeht. Nur: Der frisch genesene Stankovic war eben doch noch nicht ganz genesen, Jun war meilenweit von einer guten Form entfernt, Rogulj hatte einige Stellungsfehler, und Hosiner fehlt die Eiseskälte vor dem Tor, die ihn letzte Saison ausgezeichnet hat.

Zudem machte Atlético einfach keine billigen Fehler. Technisch ist diese Mannschaft eine Augenweide, da flippert bei der Ballannahme kein Ball weg, das wird problemlos aus dem Nichts das Tempo verschärft, da kommen Pässe wie blind an, da gibt es immer eine offene Anspielstation, da wird auch vor dem Tor nicht lange gefackelt. Darum hätte kein taktischer Winkelzug dieser Welt dafür sorgen können, dass die Austria dieses Spiel gewinnt.

Dafür war er Qualitäts-Unterschied einfach zu groß.

(phe)

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.