2:2 in Dublin – Reaktionen auf Junuzovic‘ Ausfall bestimmen das Spiel

Ein Lucky Punch von David Alaba in Minute 92 rettete Österreich das 2:2 im WM-Quali-Spiel in Irland! Wichtig – aber letztlich durchaus glücklich. Weil der irische Ausgleich und die Verletzung von Junuzovic nach einer halben Stunde das Spiel in Richtung der Iren kippen ließ. Aufgrund der unterschiedlichen Reaktionen von Marcel Koller und Giovanni Trapattoni auf diese Umstände: Der eine wechselte etwas kurios, der andere gab das Signal zum bedingungslosen Pressing.

Irland - Österreich 2:2 (2:1)
Irland – Österreich 2:2 (2:1)

Ein übler Crash mit James McCarthy war’s, der das Spiel für Zlatko Junuzovic beendete – und der Auslöser dafür war, dass die Partie kippte. Weil die beiden Mannschaften höchst unterschiedlich auf den Ausfall reagierten. Und jene aus Irland die passendere Reaktion zeigte.

Das Spiel bis zur Junuzovic-Verletzung

Österreich machte von Beginn an klar, dass man nicht auf die Iren warten wollte, sondern übernahm sofort selbst die Initiative. Garics und Fuchs bombten auf den Außenbahnen massiv nach vorne, Alaba interpretierte wie gewohnt seine Position auf der Acht recht offensiv. Rechtsaußen Harnik rückte relativ früh ein, Arnautovic auf der gegenüberliegenden Seite blieb eher draußen. Dass Österreich die Kontrolle hatte, war auch dadurch möglich, dass das Pressing der Iren eher halbherzig vollzogen wurde – zwei Meter vor dem Ballführenden blieben sie meist stehen.

In der Anfangsphase gehörte das Mittelfeld ganz klar den Österreichern, dennoch haperte es ein wenig daran, Personal vor den Ball zu bekommen. So fehlte der letzte Punch aus dem Spiel heraus. Dennoch gab es die verdiente Führung, weil Junuzovic gegen Ciaran Clark nachsetzte, den Ball eroberte und im Rücken der Abwehr durch war. Harnik musste beim Stanglpass von Junuzovic nur noch „Danke“ sagen.

Ganz ohne defensive Gefahr verlief aber dennoch auch die Anfangsphase nicht. Die Pressing-Linie der Österreicher war verhältnismäßig hoch, die Abwehrkette rückte aber nicht entsprechend nach. So entstand ein ziemliches Loch, in dem die Iren – wenn die den Ball erobert hatten – die beiden Stürmer Long und Sammon steil schicken konnten. Das Duo vorne war extrem giftig im Jagen des Balles, so wie man es bei dieser auf äußerste Direktheit aufgebauten Spielanlage auch nötig ist.

Reaktionen von Koller und Trap…

Nachdem die Iren in Minute 25 durch einen von Pogatetz recht sinnlos verursachten Elfmeter zum 1:1 gekommen waren und sich Junuzovic verletzt hatte, waren Reaktionen gefragt. Von beiden Teamchefs.

Ab der 27. Minute
Ab der 27. Minute

Marcel Koller entschied sich dafür, Junuzovic nicht eins zu eins durch Andreas Ivanschitz zu ersetzen, sondern brachte mit Julian Baumgartlinger einen Sechser und zog Kavlak nach vorne auf die Zehn. Nominell. Denn Kavlak spielte diese Position wesentlich tiefer als Junuzovic zuvor und konnte so auch überhaupt keinen Druck auf die irischen Innenverteidiger ausüben. Diese waren davor oft dazu gezwungen gewesen, lang auf Long und Sammon nach vorne zu dreschen.

Die andere Anlage der Zehner-Position bei Österreich hatte eine ziemlich massive Reaktion bei Irland zur Folge. Weil sie wussten, dass Kavlak auf dieser Position nicht annähernd so eine große Torgefahr ausstrahlt wie Junuzovic, trauten sich Whelan und McCarthy in der irischen Zentrale nun, rücksichtslos zu pressen, und das auch bedingungslos durchzuziehen. Vor allem auf David Alaba hatten es die Iren nun abgesehen, er wurde grundsätzlich gedoppelt.

…und ihre Auswirkungen auf das Spiel

Innerhalb von Minuten kippte die Partie komplett. Hatte bis zum Ausgleich und zur Junuzovic-Auswechslung Österreich das Spiel ganz gut im Griff, spielte (und holzte) nun nur noch Irland. Nicht nur, dass Whelan und McCarthy höher standen und aktiver nach vorne arbeiteten, auch die Flügelspieler waren nun deutlich agiler.

James McClean vor allem setzte wiederholt zu Dribblings quer über das Feld an, auch um so zusätzlich Verwirrung zu stiften. Der körperlich sehr robuste Walters (natürlich ist der robust, er spielt schließlich bei Stoke) setzte Fuchs defensiv zu, auch weil Arnautovic ihn kaum helfen konnte – der Bremer war selbst mit Irland-RV Séamus Coleman beschäftigt. Dass sich die Hausherren für den Druck, den sie nun ausübten, noch vor der Halbzeitpause nach einer Ecke mit dem 2:1 belohnten, war durchaus verdient.

Alaba und Arnautovic

Dass Alaba – seinem Ausgleichstor tief in der Nachspielzeit zum Trotz – dem Spiel seinen Stempel nicht wie erhofft (und gewohnt) aufdrücken konnte, liegt eben in erster Linie daran, wie er von den Iren bearbeitet wurde. Dadurch, dass ständig zwei bis drei Gegenspieler auf ihn zuliefen, wenn er den Ball hatte, fiel es ihm sehr schwer, gewinnbringende Aktionen nach vorne anzubringen. Hinzu kam, dass es im Zentrum kaum Hilfe von Kavlak gab, der zunehmend am Rande der gelb-roten Karte wandelte.

Seine besten Aktionen hatte Alaba, wenn er auf die linke Seite rausdriftete und mit Arnautovic zusammen spielte. Die Doppelpässe der beiden in die Schnittstelle zwischen irischen Außen- und Innenverteidigern provozierte so manche Ecke. Dass Arnautovic nach dem Spiel im ATV-Studio von Toni Pfeffer gebasht wurde, als hätte Arnautovic dem Ex-Teamverteidiger die Frau ausgespannt, ist von Pfeffer alles andere als korrekt. Arnautovic‘ Körpersprache ist nun mal so, wie sie ist.

Davon darf man sich aber nicht täuschen lassen. Natürlich zeigte der Bremer schon bessere, effektivere Spiele im Nationalteam. Er machte aber auch in dieser Partie so gut wie keinen Blödsinn, gab kaum Bälle billig her und war in seinen Aktionen darum bemüht, den Ball in Richtung gegnerischem Tor zu bringen. Allerdings versäumte er es, das Spiel schnell zu machen und die Iren mit Hilfe seiner überlegenen Technik auszuspielen. Es war keine Glanzleistung, aber auch weit davon entfernt, einen derartigen Shitstorm zu rechtfertigen.

Da gab es andere Kandidaten. Aber wenn die Alternative zu einem nach Monaten auf den Bänken von Niedersachsenstadion und Upton Park sitzenden Pogatetz ein sich in der Un-Form seines Lebens befindender Prödl ist, kann das halt zum Problem werden. Dass Fuchs lieber einen 40-Meter-Einwurf auf Dragovic abfeuert, anstatt kurz auf Pogatetz zu schupfen, kommt sicher nicht von ungefähr.

Zunächst ändert sich nur wenig

Koller korrigierte die offensichtlichen Mängel in der Halbzeit nicht, und so wurde eine Situation in Minute 50 durchaus sinnbildlich für das ÖFB-Team in dieser Phase: Bei einem Freistoß an der Mittellinie wurde vorne keine Anspielstation gefunden, Risiko-Pass wollte man keinen riskieren, also wurde der Ball zurück auf Dragovic gespielt. Die Iren setzten sofort zum Forechecking an, der Ball wurde zurück auf Lindner gespielt, und gegen zwei auf in zustürmende Iren blieb ihm nur, den Ball ins aus zu dreschen – Einwurf für Irland tief in der österreichischen Hälfte.

Schlussphase
Schlussphase

Nach einer Stunde kam Janko für den mit der Physis von O’Shea und Clark überforderten Hosiner dann Janko, zehn Minuten später Weimann für den auf der Zehn eher verschenkten Kavlak. Zeitgleich ließ der Druck der Iren auch merklich nach und sie verlegten sich darauf, die Führung mit ihren zwei gut stehenden Viererketten zu verteidigen, während vorne Long und Sammon eher wieder auf lange Anspiele lauerte. Auch die Außenspieler McClean und Walters sorgten immer wieder für etwas Entlastung.

Mit dem Wechsel Weimann für Kavlak wurde natürlich auch provoziert, dass sich Whelan und McCarthy wieder etwas zurückzogen. Das Offensiv-Trio im ÖFB-Mittelfeld mit Harnik, Arnautovic und Weimann rochierte recht fleißig, dazu war eben die Zehner-Position wieder besetzt. Dazu lauerte vorne nun der robuste Janko.

Absoluter Druck fehlt

Dennoch wirkte die Schluss-Offensive der Österreicher ein wenig kopflos, wodurch auch der absolute Druck und in letzter Konsequenz auch die echten Torchancen fehlten. Einmal legte Harnik am langen Pfosten für Janko, doch Irland-Goalie Forde war dazwischen. Ansonsten aber war es in erster Linie ein Hoffen auch den Lucky Punch.

Der in der 92. Minute in Form vhon David Alabas Weitschuss dann auch kam. So rettete er nicht nur den glücklichen Punkt für Österreich. Sondern auch sich selbst vor den mäßigen Kritiken, die nach einem für ihn sehr schwierigen Spiel gedroht hätten. Für die Iren ist dieser Ausgleich bitter, weil man trotz der zurückgezogenen Anlage in der letzten halben Stunde eben kaum einmal in Gefahr kam, ein Gegentor zu kassieren.

Fazit: Ein extrem wichtiger, aber recht glücklicher Punkt

Keine Frage: Die Entscheidung, nach Junuzovic‘ Verletzung den wesentlich weniger offensiv orientierten Kavlak auf die Zehn zu stellen, ließ – natürlich neben Pogatetz‘ dummem Elfer-Foul und dem folgenden Ausgleich – ein Spiel aus der Hand gleiten, dass Österreich bis dahin mit einer recht ansprechenden Vorstellung weitgehend im Griff hatte. Die Reaktion von Trapattonis Iren war wesentlich progressiver, was mit der Führung belohnt wurde und das ÖFB-Team sichtlich verunsicherte. Ein irischer Sieg wäre durchaus verdient gewesen.

Für Österreich ist es natürlich extrem wichtig, dass man doch noch das 2:2 retten konnte. Das erste Mal seit September 2010, dass dem ÖFB-Team in der Nachspielzeit ein entscheidendes Tor gelang – damals gelang das nach einer hochnotpeinlichen Leistung gegen Kasachstan, nachdem Constantini beim Fahrradfahren eingefallen war, Strafraum-Stürmer Linz auf die Zehn zu stellen; sowie dem legendären 4:4 in Belgien im Oktober 2010.

Nicht nur, weil man vor allem sich selbst zeigte, dass man auch aus einem über weite Strecken schlecht laufenden Spiel etwas mitnehmen kann. Sondern auch, weil man es nach der Hälfte der Qualifikation immer noch selbst in der Hand hat, den zweiten Gruppenplatz zu erreichen. Das war in den letzten Versuchen unter Constantini (man erinnere sich an das 0:2 gegen Belgien), Brückner (man erinnere sich an das 1:1 auf den Färöern) und Krankl (man erinnere sich an das 3:3 bei den „irreregulären“ Nordiren und an das 0:1 im „Trauerspiel von Tiraspol“) da ja schon nicht mehr der Fall.

Das ist ja schon immerhin etwas, ehe es im Juni daheim gegen Schweden geht.

(phe)

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.