Bullen von Metalist vorgeführt – 0:4!

Ein Desaster zum Auftakt: Salzburg startet das Fußball-Jahr 2012 mit einer 0:4-Lehrstunde gegen Metalist Kharkiv. Daran ist aber nicht nur Douglas‘ Mega-Bock zum ersten Gegentor nach 20 Sekunden schuld. Die Bullen offenbarten zu viele Schwächen, die gnadenlos ausgenützt wurden, und statt helfende Impulse zu geben, trat Bullen-Coach Moniz nur selbst gelegte Feuer aus.

Red Bull Salzburg - Metalist Kharkiv 0:4

Dass Metalist auf jeden Fall eine Klasse über die Bullen zu stellen ist, war klar – umso blöder natürlich für die Salzburger, dass das Spiel praktisch schon mit 0:1 angepfiffen wurde. Die demonstrative Passivität, mit der Douglas erst den Rückpass verpasste und danach noch Taison fasziniert hinterherblickte, als dieser nach nur 20 Sekunden das 1:0 für sein Team erzielte, sind schon beinahe ein Entlassungsgrund.

Salzburg bekommt kein Passspiel aufgezogen

Aber auch in der Folge kam Salzburg überhaupt nicht ins Spiel. Die Ukrainer, die sich vor genau einem Jahr mit immerhin sechs der auch diesmal auflaufenden Spieler in ihrem ersten Spiel nach der Winterpause daheim ein 0:4 gegen Bayer Leverkusen eingefangen haben, übten mit aggressivem Pressing Druck auf die Salzburger aus, mit dem diese nicht zurecht kamen.

Das führte dazu, dass sich die Bullen offensichtlich gar nicht mehr zu passen trauten: Die Bälle wurden viel zu lange gehalten, man verlor sich in Einzelaktionen. Mendes da Silva und Cziommer schafften es nicht, das Spiel vernünftig zu eröffnen, Zárate wurde von Villagra komplett aus dem Spiel genommen, Svento brachte kaum einen Pass an den Mann. Jantscher auf der rechten Seite versuchte es zwar, nach vorne zu arbeiten, seine Zuspiele waren aber furchtbar und zudem ließ er Hierländer defensiv ziemlich hängen.

Blanco und Taison narren die Bullen

Metalist nützte die Verunsicherung, die das frühe Tor bei den Gastgebern verursacht hatte, gnadenlos aus. Douglas wurde natürlich mit Vorliebe angebohrt, aber die eigentliche Gefahr ging von Taison und Blanco aus. Diese beiden rochierten ständig, kamen immer wieder aus anderen Ausgangspositionen auf Hierländer zu, zogen oftmals Mendes da Silva auf diese Seite und konnten ziemlich machen, was sie wollten.

Nominell spielte Wuschelkopf Taison auf der Außenbahn und Blanco auf der Zehn, aber dieses Duo ließ solche Zuschreibungen durch ihr extrem flexibles Spiel eigentlich gar nicht zu. Es ist nach dem Verlauf der ersten Hälfte auch alles andere als überraschend, dass das 2:0 und das 3:0 über diese Flanke vorbereitet wurden.

Eigenwillige Umstellung von Moniz…

Einigermaßen erstaunlich waren indes die Wechsel von Ricardo Moniz. Nach einer halben Stunde nahm er den Unsicherheitsfaktor Douglas aus dem Spiel und brachte Maierhofer. So rückte von vorne bis hinten alles eine Position zurück: Soriano auf die Zehn, Leonardo auf die Acht, Mendes da Silva in die Innenverteidigung. Am System, einem relativ statischen 4-2-3-1, änderte sich dadurch nichts.

In der Theorie hatte Salzburg nun einen Flügelstürmer, der auch auf der Zehn spielen kann, im defensiven Mittelfeld und einen Spieleröffner in der Innenverteidigung. Das ist grundsätzlich ja auch nicht verkehrt, ist aber wohl eher eine Option, wenn man einen defensiveren Gegner ausspielen will. Nicht aber, wenn der eh schon bessere Gegner weiter nachsetzt und dem bemitleidenswerten Mendes, der seit letzten April ein einziges Match über 90 Minuten absolviert hatte, auf einer ungewohnten Position die Spieler um die Ohren laufen.

…der nur noch selbst gelegte Feuer austritt

Mit diesem Wechsel hat sich Moniz in eine unangenehme Ecke hineinmanövriert. Denn mit seinem nächsten Wechsel – zur Halbzeit kam mit Pasanen ein gelernter Innenverteidiger für Mendes – trat er im Grunde nur ein selbst gelegtes Feuer aus. Ebenso wie mit seinem dritten Wechsel, als er mit Lindgren einen gelernten defensiven Mittelfeldspieler für Zárate brachte, sodass Leonardo wieder nach vorne rücken konnte. Hilfreiche Impulse von der Trainerbank sehen anders aus.

Metalist-Coach Miron Markevich hatte da schon längst erkannt, dass es die Bullen gar nicht darauf anlegen, über die Flügel zu kommen, sondern so gut wie ausschließlich durch die Mitte nach vorne kommen wollten. So stellte er im Laufe der zweiten Hälfte sein System von einem 4-2-3-1 auf ein 4-3-1-2 um: Marlos (statt Cristaldo) und Devic (statt Taison) spielten da ganz vorne, Juan Manuel Torres (statt Cleiton) dahinter; Blanco und Sosa flankierten Edmar dahinter.

So liefen sich die Salzburg nur noch mehr im dichten Zentrum fest, ohne Aussicht, da jemals gewinnbringend durch zu kommen. Es wurde auch nicht versucht, das Flügelspiel zu forcieren – Svento und vor allem Hierländer waren von ihren zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr vorhandenen Gegenspielern so verschüchtert, dass sie gar nichts mehr nach vorne unternahmen, und Jantscher blieb auf sich alleine gestellt und somit wirkungslos. Dass Devic in der Nachspielzeit einen Konter zum 4:0 abschließen konnte, hatte kaum noch mehr als kosmetischen Wert.

Fazit: Metalist nützt Salzburgs Schwächen gnadenlos aus

Mangelnde Spielpraxis kann keine Ausrede sein, denn Metalist hat noch länger kein Pflichtspiel in den Beinen – es zeigte sich aber wieder einmal, wie schon in der Gruppenphase vor einem Jahr, dass Salzburg mit Pressing überhaupt nicht umzugehen weiß. Schon damals waren es die einzigen beiden Partien, in denen der Gegner nicht presste (das 1:1 und das 0:0 gegen Juventus), in denen man eine gute Figur machte. Hier wurde Salzburg keine Zeit am Ball gelassen, wodurch man sich komplett zerfleddern ließ.

Metalist hat die Schwachstellen von Salzburg – Douglas; fehlende Hilfe für Hierländer, kein Plan gegen Pressing – gnadenlos ausgenützt und konnte zusätzlich durch die hervorragende Technik der einzelnen Spieler ein deutlich höheres Tempo gehen, als die Bullen verkraften konnten. Dazu kamen noch die Umstellungen von Moniz, die die eh schon verunsicherte Mannschaft eher noch weiter aus der Bahn warfen als ohnehin schon. Das 0:4 ist auch in er Höhe ein korrektes Ergebnis.

(phe)

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.