Copa, Platz 3: Guerrero nützt den Platz

Drei Tore und ein Assist – Paulo Guerrero krönt ein starkes Turnier mit einer tollen Leistung und ermöglicht so im Duell der krassen Außenseiter im kleinen Finale seinem Team aus Peru einen 4:1-Sieg und somit den dritten Platz. Erstaunlich, denn keines der vier Tore war ein direktes Resultat des eigentlichen Plans der Peruaner.

Peru - Venezuela 4:1

Ein Spiel, bei dem man nochmal was gewinnen, aber nicht wirklich etwas verlieren kann – so veränderten beide Teamchefs ihre Formationen zu etwas offensiver orentierten Systemen. Veneuzelas César Farías brachte Orozco in die Startaufstellung und stellte ihn an die Spitze einer Raute hinter den Stürmern Fedor und Maldonado. Im defendiven Mittelfeld kehrte Rincón nach abgesessener Sperre zurück, er spielte dort grundsätzlich alleine, wiewohl Sejías von der linken Seite sich nach innen orientierte, wenn Orozco – und das machte er gerne – Richung linker Außenbahn zog.

Überzahl im Zentrum bringt Peru Übergewicht

Sergio Markarían hingegen opferte einen Abwehrspieler, ging auf eine Dreierkette, und hatte dafür einen zusätzlichen Mann im Mittelfeld. Corzo arbeitete als gelernte Außenverteidiger deutlich mehr nach hinten als Yotún auf der linken Seite, sodass die Abwehr von der rechten Flanke her verstärkt wurde, wenn es notwendig war.

Mit dem personellen Vorteil im Mittelfeld hatte Peru aber relativ wenig Probleme, den Ball zu kontrollieren und man versuchte, das eher eng stehende Zentrum der Venezolaner über die Flanken zu umspielen und so auch deren Abwehrkette auseinander zu ziehen. Ersteres gelang recht gut, zweiteres weniger. Peru hatte mehr Ball, aber kaum zwingende Torchancen.

Venezuelas Mittelfeld wird flacher

Nach einer halben Stunde erkannte Venezuela, dass Rincón alleine gegen zwei potentielle Ballverteiler – Lobatón und Cruzado – auf Dauer nicht mithalten kann, weswegen Sejías nun tiefer und zentraler stand aus der Raute vermehrt eine flache Mittelfeldreihe wurde. So wurde der Platz für Peru besser abgeschnitten und der Ball weiter vom eigenen Tor ferngehalten. Eigene Angriffe, die es durchaus gab, scheiterten aber ein ums andere Mal daran, dass Maldonado und Fedor ins Abseits tappten.

Nachdem Peru durch das besser stehende Mittelfeld der Venezolaner noch weniger durchkam, nützten sie kurz vor der Halbzeit aber eine Situation, in der der Gegner aufgerückt war, zu einem schnellen Konter über Guerrero, der durch das entblößte Zentrum schnell Richtung Tor zog und er dort die mitgelaufene hängende Spitze Chiroque bediente – doch noch das 1:0 vor der Pause.

Starker Start, dann dezimiert

In der Halbzeit brachte Farías dann mit Lucena – dem Elferschießen-Pechvogel im Semfinale – einen echten zentralen Mittelfeldmann statt Seíjas, und prompt war das Spiel der Venezolaner deutlich sicherer nach hinten und damit agierten auch die Offensivspieler deutlich sicherer, zumal zum gewohnten 4-4-2 zurückgekehrt wurde. Venezuela hatt die erste Viertelstunde nach Wiederanpfiff im Griff und der Ausgleich lag in der Luft, ehe Tomas Rincón nach einem heftigen Einsteigen gegen Lobatón die rote Karte sah.

Was natürlich zur Folge hatte, dass Peru erst den zurück gewonnen Platz im Mittelfeld ausnützte – ein langer Ball fand Guerrero, der nach einem Doppelpass mit Chiroque das 2:0 schoss – und sich dann gegen die zehn Mann zurücklehnen konnte und auf Konter spielen.

Anschluss und Entscheidung

Peru überließ Venezuela nun die Initiative, aber ohne das Rückgrat im Mittelfeld fehlten gegen die ja im ganzen Turnier schon defensiv sehr gut stehenden Peruaner die Mittel. Weswegen das Spiel entschieden schien, ehe Arango zehn Minuten vor Schluss doch auf 1:2 verkürzen konnte.

Peru kam nun wieder etwas ins Schwimmen und zitterte sich eher dem Ende entgegen, aber da Venezuela nun natürlich aufmachte mit Macht auf den Ausgleich drängte, ergaben sich mehr Räume. Die Guerrero mit zwei späten Treffern ausnützte und so jenen 4:1-Endstand herstellte, der wohl um ein Tor zu hoch ausfällt.

Fazit: Guerrero nützt den Platz – viermal

Peru hatte von Beginn an den Vorteil, im Zentrum besser aufgestellt zu sein, verpasste es aber, daraus wirklich Kapital zu schlagen. Denn so gut die Mannschaft defensiv steht, so sehr fehlen und Farfán und ohne Pizarro die kreativen Elemente, wenn man selbst das Spiel machen will. So fielen letztlich alle vier Tore aus Situationen, in denen Guerrero gegen ein entblößtes (beim ersten), dezimiertes (beim zweiten) oder aufmachendes (beim dritten und vierten) Zentrum durch seine Beweglichkeit und sein Tempo den Platz ausnützen konnte.

Dennoch kann auch Venezuela mit dem Turnierverlauf überglücklich sein, Platz vier ist der größte Erfolg der Verbandsgeschichte. Und man muss Farías zu Gute halten, dass er mit der Maßnahme, eine Raute spielen zu lassen – obwohl es nicht funktioniert hat – positiven Fußball spielen wollte. Dass das nicht die Stärke seiner Mannschaft ist, wurde zwar deutlich, aber auch in der im Herbst startenden WM-Qualifikation wird Venezuela nur sehr selten tatsächlich selbst für die Spielgestaltung sorgen müssen.

(phe)

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Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.