Das Bullen-Motto: Raus auf die Flügel!

Drei baugleiche Tore – Alan verwertet Flanke – entschieden die Bullen ihr Europacup-Spiel in Lettland schon vor der Pause für sich. Klar ersichtlich war die Offensiv-Strategie von Ricardo Moniz: Über die Flügel zum Erfolg kommen.

Metalurg Liepaja - Red Bull Salzburg 1:4

Unter Ricardo Moniz waren die unter dem eiskalten Stevens-Regiment eingefrorenen Bullen merklich aufgetaut – nun hat der Holländer seine erste Vorbereitung als Cheftrainer hinter sich. Und das Credo von Moniz wurde beim ersten Pflichtspiel der neuen Saison, dem EL-Qualispiel in Lettland, auch deutlich: Selbst agieren und über die Flügel zum Erfolg kommen.

Die Letten kamen in einem etwas eigentümlichen 4-3-2-1 daher, in dem allerdings die Außenpositionen im Mittelfeld von der Dreierkette durchaus besetzt wurden. Die Besonderheit dabei: Mit Prohorenkovs stand nur ein Spieler vor dem zentralen Trio der Salzburger mit Cziommer, Leitgeb und Lindgren; die beiden hängenden Spitzen der Letten gingen oft erst zum Mann, wenn dieser den Ball hat. Dafür stand die Abwehr sehr hoch und die Salzburger Flügelstürmer hatten praktisch immer zwei Gegenspieler.

Gute Defensivstrategie der Letten

Was genau zur Spielweise der Bullen passte – denn das Grundprinzip war, aus der Zentrale heraus die Außenstürmer Zárate und Jantscher einzusetzen, die dann in den Strafraum flanken sollten. Durch die hohe Verteidigungslinie der Letten und die strikte Bewachung der Salzburger Flügel schafften es die Bullen nicht wirklich, dieses Spiel aufzuziehen.

Womit die Gäste zwar ein deutliches Plus an Ballbesitz für sich verbuchen konnten, damit aber keine echte Gefahr für das Metalurg-Tor ausstrahlten. Erst ein beherzter Alleingang von Svento auf der linken Seite, der die Letten am falschen Fuß erwischte, erreichte sein Ziel: Der in der Mitte bediente Alan drehte sich noch gekonnt um Kapitän Tamosauskas herum und versenkte zum 1:0.

Jetzt klappt das Bedienen der Flanken

Einmal durchbrochen, knickten die Hausherren merklich ein. Weil die Außen im Mittelfeld nun etwas aufrückten, um selbst mehr nach vorne tun zu können, bekamen Jantscher und Zárate nun den Raum, den sie bei den langen, hohen Bällen auf sie brauchten. Eine Hereingabe von links von Jantscher nützte Alan alsbald zum 2:0, eine von rechts von Zárate kurz vor der Pause zum 3:0 – womit die Entscheidung längst herbeigeführt war.

Für die zweite Halbzeit stellte Metalurg-Coach Vladimirs Osipovs dann auch ein 4-4-2 um, indem er Kavaliauskas etwas nach hinten beorderte und Valskis leicht hinter Kamess in die Spitze ging. Nun war das Zentrum zwar etwas mehr in der Hand der Salzburger, wodurch auch Rasmus Lindgren etwas mehr ins Spiel fand – am Neuzugang war die erste Hälfte völlig vorbeigelaufen – aber am Gesicht des Spiels änderte sich nichts. Salzburg versuchte weiter, die Flanken zu bedienen und die Letten versuchten weiterhin, das zu verhindern.

Anschlusstor ohne Auswirkung

Nach einer Stunde erzielte zwar auch Metalurg ein Tor, nachdem Kalns von der zu weit nach hinten gerückten Bullen-Abwehr etwas zu viel Platz bekam. Aber im Grunde hatten die Salzburger das an Intensität deutlich nachlassende Geschehen sehr sicher im Griff. So konnte Moniz eine Viertelstunde vor Schluss noch Neuzugang Leonardo (statt Jantscher) bringen, der zwar auch vom Flügel kam, aber eher zentraler als Jantscher vor ihm, sodass er mehr ein Mittelding aus zweiter Spitze und Rechtsaußen gab.

Ein Pfostenschuss der Letten ließ zehn Minuten vor Schluss die Zuschauer noch einmal aufschrecken, aber gegen Ende drehten die Bullen dann doch noch ein wenig mehr am Tempo statt an der Zeit. Der 25m-Hammer von Cziommer zum 4:1-Endstand war dann noch ein schöner Schlusspunkt.

Fazit: Über die Flügel zum Erfolg

Das Rezept der Bullen war recht offensichtlich: Die Flügel bedienen, das Spiel in der Offensive so breit wie möglich machen. Die Zentrale war im Spiel nach vorne komplette Tabuzone, Leitgeb und Cziommer hatten ganz klar den Auftrag, den Außenstürmer steil zu schicken. Sobald die Letten ihre hohe Verteidigungslinie nicht mehr so gut halten konnten und ihre Mittelfeld-Flügel nach dem ersten Tor aufrückten, klappte das auch immer besser. So steht ein am Ende nie wirklich gefährderter Sieg, nach dem man das Rückspiel als Test unter Wettkampfbedingungen sehen kann.

(phe)

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.