Asiencup, Tag 6: Gutes Coaching, Schlechtes Coaching

Was war denn das, bei China – Nervosität? Arbeitsverweigerung? Schlechtes Coaching? Wahrscheinlich ein Mix aus allem. Denn während China-Teamchef Gao Hongbo sein Team gegen Katar noch weiter runterzog, zeigten die Verantwortlichen beim Gastgeber und auch bei Usbekistan ein gutes Händchen.

Katar – China 2:0 (2:0)

Katar - China 2:0

China spielte im ersten Spiel gegen Kuwait nicht besonders gut. Man kam erst wirklich ins Spiel, als der Gegner dezimiert war – und kam zu einem Sieg. Einem trügerischen, wie sich heraus stellen sollte – denn die Leistung der chinesischen Mannschaft gegen den mit dem Rücken zur Wand stehenden Gastgeber aus Katar war absolut indiskutabel.

Dabei begannen auch die Kataris extrem nervös. An flüssiges Kombinationsspiel war nicht zu denken, wiewohl es Katar durchaus versuchte, die Partie früh unter Kontrolle zu bringen und das Team aus China gar nicht erst zur Entfaltung kommen zu lassen. Das klappte zwar ausgezeichnet – die Roten brachten es nicht zu Stande, mal zwei Pässe hintereinander an den Mann zu bringen – aber selbst agierten die Kataris ebenso zerfahren. Kurz gesagt: Die ersten 20, 25 Minuten dieses Spiels waren ein regelrechter Graus, Fußball zum schreiend Davonlaufen, einfach nur schrecklich.

Die wichtigste Änderung, die Katar-Teamchef Bruno Metsu gegenüber der verlorenen Eröffnungspartie vornahm, war jene auf der Position der hängenden Spitze im 4-4-1-1: Statt Jaralla durfte Yusuf Ahmed ran. Dieser ist war nicht so schnell wie Jaralla, bringt aber ein deutlich körperbetonteres und kampfstärkeres Spiel mit – sicherlich eine Reaktion Metsus auf die derbe Gangart der Chinesen bei deren 2:0 über Kuwait. Der 22-jährige neue Mann war ein guter Griff: Er hatte seine Nerven noch am Ehesten im Zaum, brachte mit seinen wuchtigen Vorstößen aus der Etappe Zhao Reng durchaus ins Schwitzen und versprühte auch so etwa wie Torgefahr.

Angetrieben von Yusuf Ahmed fand Katar als erste der zwei Teams einigermaßen zu ihrem Spiel. In der Offensive (und auch bei weiten Bällen von hinten) rückten Hamid Ismael und El-Sayed nach vorne auf, sodass hier vier Mann auf einer Linie standen – auch etwas, womit die Chinesen nicht so recht zu Rande kamen. Und als Ahmed in der 27. Minute per Traumtor die Führung erzielte, war die Richtung des Spiels endgültig vorgegeben. Denn während sich die Nerven der Gastgeber merklich beruhigten, war es um jene der Chinesen nun endgültig geschehen. Zumal die Kataris nun die Schwächen der Chinesen verstärkten, indem sie sich ans Pressing trauten.

Da half auch der chinesische Teamchef Gao Hongbo nicht wirklich mit. Denn in der 42. Minute, quasi als Höchststrafe, nahm er seine Spitze im 4-4-1-1, Gao Lin, vom Platz. Ja, dieser hatte wie alle seiner Kollegen ein fürchterliches Spiel bis dahin abgeliefert. Aber beruhigt man seine völlig neben sich stehende Mannschaft, indem man demonstrativ noch vor der Halbzeit einen Spieler der Lächerlichkeit preisgibt? Wie zur Strafe schoss Katar noch vor dem Pausenpfiff das 2:0 – durch wen sonst als Yusuf Ahmed.

Gao Hongbo stellte für die zweite Pause um, indem er wie schon in der ersten Partie Hao Junmin von Schalke 04 einwechselte, und zwar vor den linken Mittelfeldmann Yu Hai. Der Neue ging auf die rechte Außenbahn, Qu Bo von dort auf die linke. Effekt? Keiner. Das „Offensivspiel“ der Chinesen offenbarte sich weiterhin ausschließlich in Mondbällen in die Spitze, weil weiterhin jeder zweite Pass – mindestens – keinen Mitspieler fand. Zwischendurch schaffte es Rechtsverteidiger Zheng Liping sogar, einen simplen Drei-Meter-Pass zum Sechser Yu Tao am geplanten Empfänger vorbeizuschieben.

Metsu nahm nach einer Stunde Matchwinner Ahmed vom Platz, um statt seiner Jaralla zu bringen, Mit seiner Schnelligkeit stellte nun er die längst weichgekochte chinesische Defensive vor neue Probleme. Wo es nach 75 Minuten auch mit dem numerischen Gleichstand vorbei war – denn Innenverteidiger Zhao Peng verletzte sich und die Chinesen hatten schon drei Mal gewechselt… So musste Zhao Liping von links in die Zentrale gehen, der zentrale defensive Mittelfeldspieler Yang Hao musste nach rechts hinten. Das kostete der Mannschaft aus China den letzten Rest Ordnung – womit die Niederlage besiegelt war.

Fazit: Was die Chinesen in diesem Spiel ablieferten, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Zugegeben, es war nicht ganz so schlecht wie das, was die Inder zeigten, aber weit davon entfernt war es nicht. Der Ausgang und der Verlauf des Spiels hatte sehr wenig mit Taktik- und Systemfragen zu tun, sondern viel mehr mit der unfassbaren Schwäche des Teams aus China. Das somit den zu Beginn des Spiels ebenso halbtoten Gegner aus Katar wieder zum Leben erweckte – angetrieben von Yusuf Ahmed, dem mit Abstand besten Mann am Platz, kam der Gastgeber zu einem hochverdienten 2:0-Sieg, der nun sogar das Tor zum Viertelfinale ganz weit aufstößt: Ein Sieg im letzten Spiel gegen Kuwait, und Katar ist weiter – gut möglich, dass sogar ein Remis reicht…

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Usbekistan – Kuwait 2:1 (1:0)

Usbekistan - Kuwait 2:1

Die Usbeken waren nach ihrem Auftaktsieg gegen Gastgeber Katar natürlich einer deutlich komfortableren Ausgangsposition als die Kuwaitis, die diese Spiel im Grunde schon gewinnen mussten, um sich eine ernsthafte Chance auf das Viertelfinale zu wahren. Dennoch zogen sie sich mehr zurück, traten in einem eher defensiv interpretierten 4-4-1-1 an und die Usbeken hatten von Beginn an kaum Probleme, das Spiel in die Hand zu nehmen.

Vadim Abramov hatte gegenüber der ersten Partie einige Veränderung vorgenommen, blieb dem 4-2-3-1 aber grundsätzlich treu. Maxim Shatskich, der gegen Katar auf der rechten Seite eher anonym blieb, ging in die Mitte, Djeparov aus dem Zentrum auf die linke Seite statt des in der Auftaktparte starken Kasanov. Tursunov ging dafür auf Rechts – und Andrejev ersetzte den verletzten Linksverteidiger Jurajev. Andrejev hatte eine zentrale Aufgabe im Spiel der Usbeken: An ihm war es, den quirligen und trickreichen Fahad Al-Enezi zu neutralisieren. Das gelang dem 22-Jährigen recht gut – und damit lahmte das komplette Angriffsspiel der Kuwaitis.

Diese ließen hinten oftmals zu viel Platz zwischen Mittelfeld- und Abwehrkette, in der sich die Usbeken genüsslich ausbreiten konnten. Schon nach zehn Minuten merkte Shatskich, dass gegen das harmlose Kuwait-Mittelfeld keine fünf Mann notwendig waren. So konnte sich der langjährige Dynamo-Kiew-Stürmer weiter in die Spitze bewegen; im Gegenzug ließ sich Geinrich gerne ins Mittelfeld fallen. De facto spielten die Usbeken nun aber ein 4-4-1-1, zuweilien gar ein 4-4-2 mit Shatskich als zusätzlicher Anspielstation an vorderster Front. Außerdem pressten sie konsequent, sobald der Ball verloren war. Die Folge: Weit über 60% Ballbesitz.

Das große Manko der Zentralasiaten war aber, wie schon im ersten Spiel, der fehlende Zug zum Tor. Die Angriffe wurden zu langsam aufgezogen, es fehlte das Tempo, um die Kuwaitis entscheidend ins Wanken zu bringen. Nach den (seltenen) Vorstößen von Kuwait verabsäumten es die Usbeken auch, schnell genug in die Spitze zu spielen – am Mittelkreis versandeten diese Aktionen. Wenig überraschend also, dass kurz vor der Pause ein leicht abgefälschter Freistoß herhalten musste, um die verdiente 1:0-Pausenführung zu fixieren.

Für die zweite Halbzeit brachte Kuwait-Teamchef Goran Tufegdzic statt des im defensiven Mittelfeld überforderten Al-Ateeqi mit Hamad Al-Enezi einen zusätzlichen Stürmer, seine Mannschaft ging nun auch wesentlich aggressiver zu werke, presste und überraschte die Usbeken damit sichtlich. So hatte sich ein Ausgleich schnell angedeutet, und durch einen berechtigten Elfmeter, der von Bader Al-Mutwa souverän verwandelt wurde, war es schon in der 50. Minute so weit.

Abramov erkannte das Problem und reagierte: Shatskich, der sich nicht in notwendiger Weise um die Defensivarbeit kümmerte, musste für Kasanov weichen. Damit schlug der usbekische Teamchef zwei Fliegen mit einer Klappe: Zu einen konnte er nun den defensiv stärkeren Djeparov ins Zentrum ziehen, zum anderen die zuvor nach vorne (wegen der Beschäftigung mit Fahad Al-Enezi) wenig effektive linke Seite mit Kasanov neu beleben. Was sofort gelang: Wenige Augenblicke am Platz, wurde Kasanov schon zum ersten Mal gefährlich, einige Minuten später bereitete er mit einem beherzten Lauf zur Grundlinie und einer Flanke zurück vor den Strafraum das 2:1 der Usbeken durch Djeparov vor.

Kuwait steckte nicht auf und kämpfte weiterhin um den Punkt, gegen die umsichtige usbekische Defensive erreichten sie aber nicht allzu viel. Dann hatten die Usbeken auch noch Glück: Alexander Geinrich blieb die (zwingende) gelb-rote Karte nach einem geharnischten Tritt an das Knie von Hussain Fadel erspart. Erneut reagierte Abramov richtig und nahm den Stürmer sofort vom Platz. In der Nachspielzeit hatte Kuwait dann doch noch eine gute Chance auf den Ausgleich – aber der gute Usbeken-Keeper Nesterov entschärfte den gefährlichen Schuss von Al-Enezi.

Fazit: Der Schlüssel zum Sieg für die Usbeken waren die richtigen Wechsel von Vadim Abramov. Vor allem der Tausch von Kasanov für Shatskich und die damit verbundenen Umstellungen innerhalb der Formation drehten ein Spiel, dass zu entgleiten drohte, doch noch zu Gusten der Usbeken, die somit mit anderthalb Beinen im Viertelfinale stehen. Kuwait hat in der ersten Hälfte absolut enttäuscht, kam aber wie verwandelt aus der Pause und hätte sich einen Punkt wegen den unermüdlichen Einsatzes schon verdient gehabt. Letztlich fehlte aber die Cleverness und auch die qualitative Breite innerhalb der Mannschaft, um sich durchzusetzen. Womit nur noch ein mittleres Wunder dem Team ins Viertelfinale helfen kann.

(phe)

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.