Žilina zahlt Lehrgeld – in Rubel

Spartak Moskau gewinnt gegen den slowakischen Meister Žilina letztlich klar mit 3:0 – weil sich die Slowaken in der ersten Hälfte beinahe in die Hose gemacht hätten und in der zweiten Hälfte zwar mehr porbierten, aber die eklatanten Abwehrschwächen nicht abstellen konnten.

Spartak Moskau - MŠK Žilina 3:0

Außenseiter Žilina – slowakischer Meister und in der Qualifikation über Sparta Prag in die Champions League gekommen – war im ersten Spiel gegen Chelsea chancenlos, verlor 1:4. Auswärts bei Spartak Moskau war widerum extreme Vorsicht auf dem Spielplan: Die Außenverteidiger im 4-2-3-1 (Guldan rechts, Mráz links) standen sehr weit innen, die Sechser Pečalka und Vittor schalteten sich praktisch nicht ins Offensivspiel ein.

Somit spielten die Slowaken aber den Gastgebern in die Hände: Spartak-Trainer Valeri Karpin (ja genau, der langjährige Spanien-Legionär) stellte zwar ebenso ein 4-2-3-1 auf, ließ dieses aber ganz anders interpretieren – viel offensiver. So war Sheshukov der einzige echte Sechser, weil sich Alex oft nach vorne einschaltete und seinen kongenialen Zwilling Ari den Rücken freihielt und gleichzeitig gut bedienen konnte – Pečalka und Vittor ließen die beiden ziemlich gewähren. Hinzu kam, dass Dmitri Kombarov auf der linken Seiten Freiheiten genoss, die er wohl selbst kaum für möglich gehalten hatte. Dagegen viel Aiden McGeady auf Spartaks linker Angriffsseite schon etwas ab. Eben weil RV Lubomir Guldan als Schwachstelle ausgemacht worden war, die konsequent angebohrt wurde.

Rilke, gelernter Stürmer, ließ nämlich auf seiner Mittelfeldseite die Defensivarbeit komplett sein und überließ Kombarov dem völlig überforderten LV Guldan. Die Folge: Kombarov holte rennen, passen und flanken, wie es ihm gerade passte. Und weil die slowakischen Innenverteidiger Piaček und Šourek regelmäßig zu weit weg von den schnellen, quirligen Gegenspielern waren, hatte Goalie Dúbravka alle Hände voll zu tun. Ihm alleine war es zu verdanken, dass Žilina zur Pause nur mit 0:1 im Rückstand war (nach einer Ecke), und nicht schon aussichtslos im Hintertreffen. Die Defensive schlampig und viel zu weit weg, die Offensive praktisch nicht eingebunden: Rilke rechts war bei LV Makejev in guten Händen, Matján machte links gegen Parshivljuk keinen Stich. Oravec als nominelle Solospitze machte nur leere Meter und Kapitän Róbert Jež kam nicht ins Spiel.

Und hatten die Slowaken doch einmal den Ball, wurde gewartet, bis sieben, acht Mitspieler vorm Ball stehen – und damit die komplette Mannschaft von Spartak hinter selbigem. Die Slowaken zeigten in der ersten Hälfte wie man es nicht macht – darum stellte Trainer Pavel Hapal in der Pause auch um. Er brachte Stürmer Momadou Ceesay für Pečalka, stellte somit auf ein 4-4-2 um. Jež übernahm nun den defensiveren Part von Pečalka, war somit deutlich mehr ins Spiel eingebunden und hatte vorne mit Ex-Admiraner Oravec und dem schlacksigem Gambier Ceesay zwei Anspielstationen, zudem trauten sich Matján und Rilke auf den Seiten nun viel mehr. Gerade an Róbert Jež, nun mit Abstand beste Spieler seines Teams, war der gesteigerte Willen zu sehen.

Was sofortigen Effekt hatte: Die Slowaken kamen sofort viel besser ins Spiel, weil sie höher standen, die Ballkünstler der Gastgeber so aus dem Spiel waren und sie selbst angesichts der nun deutlich gesteigerten Spielanteile auch das Selbstvertrauen steigern konnten. Dummerweise wurden die Schwächen in der Defensive dadurch aber nicht behoben: Guldan war weiterhin ein Unsicherheitsfaktor, die Innenverteidiger weiterhin zu zögerlich und nicht immer auf der Höhe des Geschehens. So fiel das 2:0 für Spartak nach einem weiten Ball von Alex auf Kombarov, der sich gegen Gulban durchsetzte, flanken konnte und erneut Ari in der Mitte keinen Gegenspieler hatte, der ihn am Tor hindern konnte.

Nun konnte sich Spartak natürlich genüsslich zurücklehen und die Slowaken machen lassen, und die Gegner weiter hinten erwarten. Hapal brachte nun Vladavić für Rilke, der Ex-Salzburger ging auf die linke Seite, wo er sofort aktiv wurde – aber nicht effektiv. Wie überhaupt Žilina es noch einige Minuten versuchte, spätestens ab der 75. Minute aber die Köpfe schon merklich hängen ließen. Die Offensivbemühungen wurden nun immer kläglicher. Kein Wunder, dass Trainer Hapal sich mit mürrischem Blick immer tiefer in seinen Sessel vergrub.

Das 3:0 in der Nachspielzeit war dann ein Spiegelbild des zweiten Tores: Der für den starken Kombarov eingewechselte Maidana flankt auf den für Sturmspitze Welliton eingetauschten Ibson, der markiert das 3:0 – den Endstand.

Fazit: Spartak hatte die erste Hälfte komplett im Griff und hätte gegen die biederen und beinahe ängstlichen Slowaken schon wesentlich höher führen müssen. Žilina kam nach der Umstellung deutlich verbessert aus der Kabine, die nicht auf internationalem Niveau agierende Abwehr und mangelnde Kreativität und Geradlinigkeit in der Offensive ließen aber nicht zu, dass die Slowaken Zählbares holen konnten. Somit geht der 3:0-Sieg der Russen in Ordnung.

(phe)

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.