Live vor Ort: U21-Länderspiel Österreich – Irland 1:1

Wie im Vorfeld berichtet spielten am gestrigen Abend in Wiener Neudorf die U21 Nationalmannschaften von Österreich und Irland ein freundschaftliches Ländermatch. Zusammen mit Pezi und Andi habe ich mich von Wien aus auf den Weg nach Süden gemacht.

Kein ruhiger Spielaufbau

Teamchef Manfred Zsak begann vor angeblich 3.000 Zusehern mit einer 4-4-2-Formation. Vor Torhüter Olejnik Hinten sorgten Erbek, Schiemer, Hoheneder und Baumgartlinger für die Verteidigungsarbeit. Im Mittelfeld starteten zentral mit Junuzovic und Kavlak zwei offensive Spieler, an den Flanken waren Klein und Debütant Drazan zu sehen. Im Sturm begannen Twente Enschede-Legionär Marko Arnautovic und Rubin Okotie.

Alles in allem eine sehr offensive Variante, der auffälligerweise ein defensives Mittelfeld zu fehlen schien. Die mangelnde Initiative der beiden Außenverteidiger in der Offensive führe ich darauf zurück, dass ohne defensiv orientierte Mittelfeldspieler hinten zu viel zu tun war. Auch war bei den Österreichern ein eklatantes Problem beim Spielaufbau feststelltbar. Trotz zweier technisch versierter Zentralspieler konnte man kein Kurzpassspiel aufziehen. Wenn etwas versucht wurde, dann mit Einzelaktionen über die Außenbahn (der glanzlose Drazan probierte es einige Male) oder mit weiten Pässen auf die Stürmer, die selten präzise waren. In der Zentrale klaffte ein Loch.

Ohne Blackies

Zsak verzichtete völlig auf Spieler aus der jungen Sturm-Garde. Gut: Jantscher und Beichler waren abwechselnd in der Schweiz im U20-Team dabei (verloren 0:1). Wenn aber Drazan nach zwei halben Top-Matches für die U21 einberufen wird, dann hätten die (älteren) beiden Sturm-Spieler das nach wochenlangen starken Leistungen aber auch verdient.

Und mit den einberufenen Sonnleitner oder vor allem Stankovic hätte ich auf jeden Fall gerechnet. Die beste Nachwuchskaderschmiede Österreichs und aktuellen Tabellenführer einfach auszublenden, ist jedenfalls seltsam.

Spielverlauf

Obwohl das Match mit einem recht hohen Tempo begann – beide Mannschaften übten sich in Forechecking und gingen in Wettbewerbsmanier an den Gegner heran – wollte das Spiel nicht so recht Fahrt aufnehmen. Die Torchancen fehlten, denn sie zu erspielen war da auf dem kleinen Platz schwer. Für die Stürmer und Flügelspieler blieb wenig Raum. Nicht umsonst fiel das Führungstor der Iren (15.) durch einen Weitschuss (den ich nicht genau gesehen habe, er soll allerdings haltbar gewesen sein).

Danach passierte sehr lange wenig, außer dass sich Zlatko Junuzovic verletzte (29. Sulimani). Im zeitweise recht ruppigen Spiel sollte er nicht der Letzte gwesen sein. Insbesondere das Ausscheiden von Rubin Okotie (75.) war für die Österreicher schmerzhaft, war er doch der klare Aktivposten im Sturm. Okotie kämpft, rennt und trickst im Moment in toller Form. Er bestätigte für mich meine Forderung, dass er schnellstmöglich im A-Kader aufscheinen sollte.

Von Marko Arnautovic (zeigte in den letzten Minuten auch Verletzungs-Erscheinungen, legte aber das Ausgleichstor in der 93. in einer sehenswerten Aktion vor) war ich weniger begeistert. Zweifellos besitzt der Holland-Legionär große technische Fähigkeiten. Er schupft den Ball über Gegner, gibt ihnen mit der Ferse Saures und versucht, das Spiel für seine Mitspieler schnell und direkt zu gestalten. Er hat aber nach wie vor vor allem ein Manko: Er weiß über seine Fähigkeiten bescheid und rennt fast überhaupt nicht. Vielleicht ist es unfair das zu sagen, aber ich hatte das Gefühl, dass er etwas zu selbstzufrieden über den Platz wandert. Es mag Gründe für Zsak geben, dass er es nicht tat, aber bei mir wäre Arnautovic zur Halbzeit in der Kabine geblieben.

Wechsel

Das war, was Drazan und Erbek tatsächlich widerfuhr. Vor allem Ersterer wirkte bei seinem ersten Auftritt im U21-Team noch zu zaghaft und verunsichert. Für das ganz große Team ist es bei ihm noch zu früh. Ich hoffe, er bekommt bei Rapid in nächster Zeit einige Einsätze.

[ad#bv_test]Für die beiden kamen Madl und Schicker. Schicker legte seine Rolle als Außendecker deutlich aktiver als Erbek an und versuchte sich über die Flanken einzuschalten. Das gleang einige Male und brachte Schwung ins ÖFB-Angriffsspiel. Immer wieder kamen die Österreicher am 16er zu Weitschüssen. Die fielen allerdings meist ziemlich harmlos aus – man kennt das ja vom A-Team. Irgendetwas macht man in diesem Land beim Schusstraining (und Flankentraining) falsch.

Auch Saurer (er kam für Baumgartlinger) war bemüht, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Gelungen ist es ihm einige Male tatsächlich. Das wichtigste Mal war natürlich der den Ausgleich.

Fazit

In einem enttäuschenden Spiel vor einem zahlreichen aber eher mauen Publikum (es waren übrigens Peter Schöttel und Karl Daxbacher zu erblicken) gab es ein gerechtes Unentschieden. Die Österreicher waren zwar bemühter, insbesondere in der zweiten Hälte, erwiesen sich dabei aber als über weite Strecken zu ideenlos. Klar ist es auf einem kleinen Platz gegen eher destruktiv eingestellte Iren nicht einfach.

Für höhere Aufgaben hat sich nur Rubin Okotie aufgedrängt. Bei Kavlak und Kapitän Schiemer bin ich mir nicht ganz sicher. Kavlak habe ich zu wenig Beachtung geschenkt. Schiemer managte seine Abwehr zusammen mit Hoheneder zwar ganz souverän, wurde aber auch kaum gefordert. Dass hier nur über Spieler von Wiener Vereinen philosophiert werden kann, liegt an der Tatsache, dass Junuzovic sich zu früh verletzte und Stankovic keine Chance bekam.

Letzeres nehme ich Zsak schon ein wenig übel. Auch dass in der ersten Hälfte so wenig im Spielaufbau funktionierte, schreibe ich ihm zu. Das System war einfach zu wenig auf Offensive durch die Hintermannschaft ausgerichtet. Mit seinen Wechseln hat er sich hingegen geschickt angestellt.