Fünf zu Null

Totalhoheit von Panionios beim letzten Freistoß im Austria-Strafraum. Einer hat die Abseitsfalle nicht mehr rechtzeitig geschnallt und dann hats ENDLICH „Bumm“ gemacht. Ich hätte mich sehr über einen Sieg gefreut, immerhin ist die Austria der letzte Klub, der noch Punkte für die 5-Jahreswertung sammeln könnte. Mir wäre es auch egal gewesen, wenn die Austria mit einem Eiertor in der 93ten noch gewonnen hätte, nur um wenigstens noch darauf hoffen zu können, dass „wir“ nicht wieder traditionellerweise nach der Winterpause international nicht mehr vorhanden sind.


Aber sei es drum, Panionios hat 1 zu 0 gewonnen, und gemessen an den letzten 65 Minuten des Spiels mehr als verdient. „Wir wollen ein Finale in Istanbul“, ließ man noch verlauten. 25 Minuten lang war den Griechen entweder noch zu kalt, oder die Austria tatsächlich engagiert, dann war der angesprochene Wille auch schon wieder gebrochen. Weil der südeuropäische Mittelständler selbst über keine Wunderkicker im Mittelfeld verfügt, und auch echte Knipser zu fehlen scheinen, lag ein Pünktchen bis zur Nachspielzeit noch im Bereich des Möglichen. In etwa fünf Hundertprozentige inklusive Stangenschuss und Kreuzeck-Aussennetz hatten die Gäste bis dahin vergeigt. Dann musste sich Fornezzi als insgesamt bester Austrianer aufgrund eines offensichtlich eingeschlafenen Defensivkickers einer Übermacht aus sage und schreibe 5 Panionios-Spielern geschlagen geben.

Von der spektakulären Unfähigkeit Chancen zu verwerten auf der einen, und überhaupt noch irgendein koherentes Spiel zusammenzubringen auf der anderen Seite war auch der sonst hartgesottene ORF Kommentator schier überwältigt, und analysierte treffend: „Es ist unfassbar was hier geboten wird, keines der beiden Teams ist fähig den ball ins Tor zu befördern.“ Bei den Hellenen war er wenigstens regelmäßig im Strafraum, bis es letztlich klingelte. Die zweite Hälfte der Austria war furchtbar, desolat, beschämend – einfach ein Level von „mies“ das ich gerade nicht in Worte fassen kann. Vielleicht muss man dieses Wort auch erst erfinden.

Ein ganz besonderes Gustostückerl bot dann auch der heute verhalten bemühte, aber komplett ineffiziente Young’ster Okotie in der Halbzeitpause: Er schaffte es auf zwei Fragen zwei komplett zusammenhanglose, offensichtlich schlecht und parolenartig auswendiggelernte Antworten zu geben. Die Qualität seiner Aussagen war hart an der Grenze zu jener von Ex-Sturm Goalie Beppi Schicklgruber im UI-Cupfinale anno dazumal – ich glaube es war gegen Schalke 04. Bloß waren sie weit weniger durchsetzt von ursprünglichem Dialekt, und daher akustisch verständlicher.

Ich weiß eigentlich nicht mehr, warum ich mir das überhaupt antue, zu internationalen (wo immerhin die Chance besteht, dass der Gegner wenigstens schön spielt) Spielen unserer Vereine oder Bundesligapartien das TV-Gerät anzustellen. In Ersteren wird man maßlos enttäuscht, bei Zweiteren erwischt der ORF immer konsequent die Partien in denen sich noch weniger tut als sonst und entsprechend wenig Tore fallen. Erneut hoffe ich, dass aufgrund der Beteiligung der jungen Truppe von Sturm Graz nächsten Sonntag ein halbwegs ansehnliches Spiel (für unsere Verhältnisse) stattfinden könnte. Viel wahrscheinlicher ist eine kreativitätsarme Fehlpassorgie mit wenigen Highlights.

Ich bin wohl ein verdammter Masochist.

Über Georg Pichler

Journalist und zumindest digitaler Superkicker. In echt hütet er meistens das Kastl und das recht gut. Zukünftiger ÖFB-Präsident. Kein Fan, mag aber Sturm Graz.