Zu viele Spiele? Blödsinn!

Mir kommt jedes Mal das Grausen, wenn bei schwachen Leistungen (aktuell ganz gerne bei der Austria gesehen) gejammert wird, was die armen Hunde nicht für ein unglaubliches Pensum haben ableisten müssen, seit der letzten Sommer-“Pause”.

Abgesehen davon, dass ohnehin die Sinnfrage gestellt werden muss, bezügich einer 10er-Liga (erstens) mit 36 Spieltagen, und einem Saisonstart Mitte Juli (zweitens), ist das Argument mit den ach so vielen Spielen nichts anderes als hanebüchener Schwachsinn. Der arme Sanel Kuljic hat in den letzten sechs Monaten also 32 Spiele absolviert. Mir kommen die Tränen! In den vergangenen 12 Monaten hat beispielsweise ein Steven Gerrard 73 (in Worten: Dreiundsiebzig) Spiele absolviert – Liga, Europacup, FA-Cup, Ligacup, Länderspiele. Und zwar keinen Kuljic-Standfußball ur-österreichischer Prägung, sondern 90 Minuten Vollgas. Und er beschwert sich nicht nur nicht, er bringt sogar dennoch seine Leistung.

Anderes Beispiel: Eishockey. In der österreichischen Eishockeyliga gab es seit Mitte September 27 Spiele zu absolvieren – in zweieinhalb Monaten. Verglichen mit den um die 30 Spielen der Fußball-Teamkicker in den letzten fünf Monaten… ja. Freitag, Sonntag, Dienstag – jede Woche. Und im Eishockey geht es nicht so bewegungsarm zu, wie im heimischen Fußball. Warum beschwert sich wohl da keiner über zu viele Spiele? Weil es nicht zu viele Spiele sind. In den USA sind es noch mehr, und da sind die Reisewege auch einer Spur länger.

Und um den Kreis zur Austria (und den offensichtlichen Jugendfeind Zellhofer) zu schließen: Da spielte in Ried nun Rubin Okotie nicht, weil der zuletzt einmal durchgespielt, und einmal 70 Minuten gespielt hatte. Den armen Burschen kann man doch nicht überfordern…! Fürchterlich. Hier fällt auf: Zellhofer hatte in Pasching die älteste Mannschaft der Liga und weigerte sich standhaft, den nachweislich talentierten Burschen aus dem Nachwuchs die Chance zu geben. Bei Rapid kam ein Ümit Korkmaz kaum auf Einsätze, dafür so vielversprechende Jungtalente wie Peter Hlinka und Radek Bejbl. Und wäre ihm bei der Austria nicht der liebe Onkel aus Kanada im Genick, ich bin mir sicher, er würde mit Freuden auf Okotie und Schiemer verzichten und dafür Lafata und Troyanski spielen lassen.

War das polemisch? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht zu unrecht.

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.