WM-Qualifikation für 2014
Tórsvøllur, Tórshavn, 15. Oktober 2013
Färöer - Österreich
0-3
Tore: 16' Ivanschitz, 64' Prödl, 67' (p) Alaba

Österreich erfüllt mit 3:0 auf den Färöern die Pflicht – mehr aber auch nicht

Ein Allzeit-Klassiker, von dem jeder, der ihn gesehen hat, noch seinen Enkelkindern erzählt, war das 3:0 von Österreich auf den Färöern ja nicht. Eher ein unterkühlte Vorstellung, die dafür gereicht hat, drei Punkte mitzunehmen um damit unbeschadet von dieser Insel wieder wegzukommen. Was angesichts der Lage in der damit zu Ende gegangenen WM-Quali verständlich ist, aber keinen hohen Entertainment-Faktor hatte.

Färöer - Österreich 0:3 (0:1)
Färöer – Österreich 0:3 (0:1)

Arnautovic gesperrt, Janko gesperrt, Almer angeschlagen: Teamchef Marcel Koller war beim Trip auf die Färöer-Inseln zum Umstellen gezwungen. Und nicht nur das Personal war ein anderes wie beim 1:2 in Schweden, sondern auch das System und natürlich, letztlich hatte das Spiel ja keine Auswirkungen mehr auf die WM-Quali, auch die Intensität.

Kavlak auf der Acht, Alaba auf der Zehn

Wie schon beim 0:6 in Wien stellte Färöer-Teamchef Lars Olsen auch im Heimspiel ein 4-4-1-1 auf, mit zwei grundsätzlich defensiven Viererketten. Die beiden Offensiv-Spieler übten keinerlei Druck auf die österreichischen Innenverteidiger aus, dahinter versuchten sich die restlichen acht Färinger darin, die Räume eng zu machen. Alles wie gehabt also.

Anders als in der Friends, als Dragovic den Solo-Sechser in einem 4-1-4-1 gegeben hatte, ließ Koller in Tórshavn in einem 4-2-3-1 spielen. Neben Dragovic kam Kavlak als Achter in die Mannschaft, dieser ging viel vertikal und konnte so aus dem freieren Raum heraus mit Anlauf in bzw. zwischen die färingischen Viererketten stoßen. Eine interessante Überlegung, der aber ein wenig die Unterstützung von Harnik und Klein fehlte.

Dragovic indes verschob hauptsächlich horizontal und sicherte mit den Innenverteidigern Prödl und Pogatetz ab. Alaba auf der Zehn spielte nicht die bei Koller übliche Rolle als Pressing-Maschine (wogegen hätte er auch pressen sollen?), sondern als Gestalter, der sich auch mal tiefer fallen ließ.

Links ganz okay, rechts ziemlich schlecht

Sobald Österreich den Ball im Bereich von Alaba und Kavlak hatte, also zwischen den Ketten der Färinger, doppelten diese auf den Ballführenden und aufgrund der fehlenden Bewegung der Mitspieler im ÖFB-Team stockte das Spiel nach vorne natürlich merklich; zumal sich die Gastgeber zwar schon etwas mehr zutrauten als noch bei der Verprügelungs-Aktion in Wien, aber sich nur selten dazu hinreißen ließen, aus der Grundordnung zu kommen. Wenn das doch einmal geschah, verabsäumte es Österreich, die Umschaltphase schneller und konsequenter auszunützen.

Das Auseinanderziehen es färingischen Abwehrverbundes wurde in erster Linie über die linke Seite von Fuchs und Ivanschitz probiert. Wenn auch selten in höherem Tempo, hinterlief Fuchs seinen Vordermann und bot sich an, sodass Ivanschitz im Idealfall zwei Anspiel-Optionen hätte, nämlich Alaba und eben Fuchs. Auf der rechten Seite aber passierte überhaupt nichts: Klein war ein offensiver Totalausfall und seine (wenigen) Flanken brachten nichts, Harnik war eigentlich kaum vorhanden.

Vertikalität prallt am Strafraum ab

Dem Geschenk von Färöer-Goalie Nielsen, der Andreas Ivanschitz an dessen 30. Geburtstag das Tor zum 1:0 ermgölichte, zum Trotz: Schwungvoll und konsequent war Österreich nicht. Auffallend war aber schon, dass vor allem Alaba aus dem Zentrum heraus versuchte, Vertikalität ins Spiel zu bringen und er band auch seine Nebenleute darin ein. Das ging auch im Ansatz oft gut, nur fehlte demjenigen, der mit dem Ball dann in den Strafraum kam, dort gegen die vielen Gegenspieler die Optionen. Derart auf sich alleine gestellt, rannten sich Hosiner und Co. oft fest.

So hatte Österreich das Spiel zwar grundsätzlich im Griff, es gelang aber viel zu selten, so viele Spieler im Aufbau mit entsprechendem Tempo vor den Ball zu bekommen, dass die Färinger damit existenzielle Probleme hatten. Es gab schon immer wieder Chancen, aber dass die Tore nach einer Stunde aus einem Eckball und einem (geschenkten) Elfmeter resultierten, war dann doch kein Zufall.

Mit dem Doppelschlag in den Minuten 64 und 67 im Rücken war das Spiel gelaufen, das wussten auch alle, und so spielten Österreich dann auch. Statt dem müden Fuchs und dem verletzten Harnik kamen Suttner und Sabitzer, aber natürlich änderte das nichts mehr am Spiel. Die Färinger kamen gegen eine immer desinterresierter wirkene österreichische Mannschaft noch zu ein paar Halbchancen. Diese blieben aber ungenützt.

Fazit: Gewonnen, aber aus dem Spiel kam zu wenig

Ein Tor aus einem Torwart-Fehler, eines aus einem Eckball und eines aus einem Elfmeter: Wenn das Ziel war, möglichst unbeschadet von dieser vermaledeiten Insel runter zu kommen, ist es gelungen. Überzeugend war der Auftritt aber nicht. Die Rolle von Kavlak, der aus der Tiefe heraus zwischen die zwei Ketten der Färinger stoßen konnte, war von der Überlegung her logisch, wurde aber zu wenig ausgenützt.

Die rechte Seite mit Klein und Harnik war ein Totalausfall, Hosiner konnte sich nicht empfehlen; die Pässe von Ivanschitz waren oft ungenau und erforderten Extra-Arbeit vom Empfänger, Pogatetz spielte einige erstaunliche Fehlpässe und Alaba rieb sich auf. Wieder wurden gegen einen defensiven Gegner wenige Chancen wirklich heraus-*gespielt*. Die Leistung reichte, um die bösen Geister der Vergangenheit nicht wieder auferstehen zu lassen und sich mit 17 Punkten und +10 Toren zu Europas bestem Gruppendritten zu machen. Mehr aber auch nicht.

(phe)

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.

  • tf

    wäre Leitgeb für die spezielle vertikale Kavlak Aufgabe nicht besser geeignet?

  • Chevy

    naja, gebe grundsätzlich recht, aber die rechte Seite hab ich jetzt nicht so schwach gesehen. Klein ging schon oft nach vor, wechselte mit Harnik und hatte einige Flankenversuche, aber diese brachte er halt nicht an den Mann.
    Harnik war ziemlich ident wie alle anderen Spieler, auch wenn der mit der Flanke aufs 1:0 und den herausgeholten 11er vielleicht sogar der Garant für den Sieg neben Ivanschitz war.

    Was mir generell ungut aufgestossen ist: Unbedingt nochmals ablegen wollen und zu selten den schuß wagen. Minimum 3x wurde aus aussichtsreicher position nochmals versucht zu passen, das geht halt bei so eng stehenden färingern nicht und mit unserer fehlenden präzision wie gestern.

    naja, seis drum, auch wenns recht schwach war wars letztendlich (aufgund des schnellen patscherte 1:0) ein sicher eingefahrener sieg.

  • Lemming

    Dragovic macht seine Sache auf der 6 gut. Trotzdem würde ich ihn lieber bald wieder als IV sehen, weil es mir lieber ist wenn einer der beiden IVs auch ordentlich das Spiel eröffnen kann.

    Harnik hab ich gestern nicht als so schwach empfunden, sonst stimme ich euch wie eigentlich eh fast immer voll zu :)

    • Patocka

      Ganz meiner Meinung. Ich finde genau aus dem Grund Dragovic besser in der IV. Pogerl gehört nicht ins Nationalteam. Auch Prödl ist erschreckend schwach.Warum bekam Ortlechner keine Chance? Und mit den 6ern hat Koller sowieso versagt. Gegen D den dauernd verarzten Kavlak nicht gleich ausgewechselt, mit 10 kann man nicht gegen D spielen. Und wieso war jetzt Baumgartlinger nicht dabei wenn er nicht 100% fit ist. Als Tourist? Da hätte er dann z. B. Pehlivan oder Meilinger holen können.

    • torshavn

      Aus meiner Sicht muss unsere zukünftige Innenvertreidigung Dragovic-Hinteregger sein…Pogatetz und Prödl sind einfach zu große Unsicherheitsfaktoren.

  • Pingback: Link11: Offensiver “Joyride” der Nationalelf | Fokus Fussball()

  • traunstroem

    Sehr gute Analyse, kann da eigentlich nur zustimmen. 2 Punkte waren für mich erschreckend. Erstens war Kavlak sehr schwach und hätte meiner Meinung nach bereits in der Halbzeit rausmüssen. Und zweitens sah man so gut wie nie ein dynamisches Hinterlaufen der AVs. Mit Dragovic als Absicherung hätten die doch viel höher spielen können.

    Off Topic: Die Nachberichterstattung hat mich wieder einmal verzweifeln lassen. Zum einen wurde die ganze Zeit wieder von einem 4-1-4-1 gesprochen nur weil Dragovic wieder im Mittelfeld spielte und die Frage an Marcel Koller, ob das Team so wie es heute aufgetreten ist, so gespielt hat wie er es sich immer wünschen würde oder ob es auch noch irgendwo Verbesserungspotential geben würde war wirklich ein Witz!

    Wie schaut es denn mit den Rechten bei der nächsten Quali aus, bleibt das so? Nicht das der ORF so super wäre, aber immer noch um Welten besser als ATV (oder Puls4).

    • torshavn

      Hab gestern gelesen, dass die Rechte für die nächste EM- und auch WM-Quali wieder zur Gänze beim ORF liegen, d.h. sowohl Heim- als auch Auswärtsspiele.

      ATV wirds sicher wehtun, aber auch ich finde den ORF (trotz aller berechtigten Kritik) nach wir vor klar besser.

  • Peter

    Danke für den Artikel, das Spiel war wohl nicht nur für die Spieler eine lästige Pflicht! ;-)

    Eines möchte ich aber schon relativieren:
    “Wieder wurden gegen einen defensiven Gegner wenige Chancen wirklich heraus-*gespielt*.”

    Ich kann mich dunkel an Zeiten vor Koller erinnern, wo es am gegnerischen Sechzehner komplett vorbei war, aber sowas von, absoluter Gefrierpunkt. Da wurde dann auf Einzelaktionen gehofft.
    Und den Kunstrasen muss man leider schon als Faktor miteinbeziehen, der hat die Burschen öfter ausgebremst, als mir lieb war. Vor allem schnelle Kombinationen wurden dadurch leider oft zu unpräzise durch das dichte Abwehrgeflecht.
    Die “Linie” des Schiedsrichters hat außerdem zu vielen ruppigen Zweikämpfen geführt. Kein Wunder und auch kein Vorwurf, dass man sich da nicht mehr verletzen will und eher nachgibt.

    Zur Einordnung der Partie auch noch die anderen Heimergebnisse der Färöer:

    Färöer 0:3 Deutschland:
    Erstes Tor in der 22. Minute, das zweite erst nach einem Elfer wegen Notbremse in der 74. Minute.

    Färöer 1:2 Schweden:
    Die Färöer gehen in der 57. sogar in Führung, erst ein Assist und ein Tor von Ibrahimovic drehen das Spiel.

    Färöer 1:4 Irland:
    Das 0:1 fällt erst kurz nach der Pause, dazu ein Eigentor zum 1:3.

    Und da ging’s sehr wohl noch um mehr!