Russland 2018: Das war die WM-Quali

210 Nationalteams haben sich um einen der 31 freien Plätze bei der WM in Russland beworben. Es hat zweeinhalb Jahre gedauert, aber stehen die Länder fest, die es geschafft haben. Zwei sind zum ersten Mal dabei, einige große oder zumindest gewohnte Namen fehlen (Italien, Holland, USA, Chile, Elfenbeinküste, Kamerun, Ghana).

 

Hier die Übersicht: So lief die Qualifikation für die WM-Endrunde in Russland 2018.

EUROPA (13 Teilnehmer + Russland)

Deutschland hatte wie gewohnt überhaupt gar keine Probleme, auch Belgien war nicht wirklich gefordert und Frankreich ließ die Sache knapper aussehen, als sie wirklich war. Spanien gab sich keine Blöße und Polen sah schon früh wie der sichere Gruppensieger aus, ließ sich mit dem Fixieren aber unnötig viel Zeit. England kam in einer schwachen Gruppe zu den Pflichtpunkten, begeisterte dabei aber nicht; während Serbien in einer ausgeglichen mäßigen Gruppe die wenigsten Punkte liegen ließ und sich nach acht Jahren mal wieder für ein Turnier qualifiziert. Portugal hechelte der Schweiz lange hinterher und überholte sie am letzten Spieltag – und Island profitierte in einer engen Gruppe vom kroatischen Kollaps.

Die Schweiz hielt sich im Playoff schadlos und mühte sich gegen die defensiven Nordiren zur vierten WM-Teilnahme in Serie; Kroatien machte schon im Hinspiel alles klar, Dänemark im Rückspiel. Und Schweden schaffte die Überraschung und kegelte Italien raus: Der vierfache Weltmeister agierte zu planlos und wird bei der WM ebenso fehlen wie das erschreckend phantasielos agierende Team aus Holland.

SÜDAMERIKA (5 Teilnehmer)

Brasilien zeigte sich gut erholt vom 1:7 im Halbfinale der Heim-WM und zwei schwachen Copa-América-Turnieren und dominierte vor allem die zweite Hälfte der WM-Quali unter dem neuen Teamchef Tite nach Belieben (10 der letzten 12 Spiele gewonnen). Uruguay lag fast durchgehend auf dem zweiten Platz und holte auch am Ende die nötigen Punkte vor der Schlussrunde.

Dahinter gab’s ein Hauen und Stechen, bei dem Argentinien praktisch ausschließlich dank Messi gerade noch so den Kopf aus der Schlinge zog und Kolumbien mit erstaunlichen Punktverlusten fast noch rausgerutscht wäre. Das ist Chile, Sieger der letzten beiden Kontinental-Turniere, tatsächlich passiert: Peru schoss mit 11 Punkten aus den letzten 5 Spielen noch vorbei.

Paraguay hatte den Playoff-Platz am Silbertablett, verdaddelte ihn aber mit einer peinlichen Heimniederlage zum Abschluss gegen Schlusslicht Venezuela. Ecuador brachte nach starkem Start nichts mehr auf die Reihe und Bolivien ist froh, zumindest nicht Letzter geworden zu sein.

NORD- und MITTELAMERIKA (3 Teilnehmer)

Drei K.o.-Runden fanden in der Concacaf-Zone statt, ehe es in die Zwischenrunde ging. Und keiner soll sagen, dass es in dieser Phase keine prominenten Namen gäbe! Zugegeben: Lang dauerte die Amtszeit von Patrick Kluivert als Teamchef von Curaçao (der Heimat seiner Mutter) nicht, aber immerhin überstanden seine Mannen zwei Runden, eliminierten dabei auch Kuba.

Als eher dümmlich muss man das Aus von Barbados bezeichnen: Man hatte zwar beide Spiele gegen Aruba gewonnen, dabei aber im Rückspiel einen gesperrten Spieler eingesetzt. So durfte Aruba ins Duell gegen St. Vincent gehen. Dort zog man nur knapp den Kürzeren.

Den sechs in der Weltrangliste am besten klassierten Teams der Region blieben die Zwergen-Runden erspart. Das heißt aber auch: Jamaika, Gold-Cup-Finalist von 2015, musste ebenso schon ran (und tat sich gegen Nicaragua besorgniserregend schwer) wie auch Kanada – also jenes Land, das 1986 mit einer Truppe von Hallenfußball-Profis bei der WM aufgekreuzt war und auch in den dreißig Jahren danach nie einen Fuß in die Türe zur Relevanz brachte. Bei den Herren zumindest, denn Kanadas Frauen gehören zu den Besten der Welt.

In der Zwischenrunde mussten die Großen dann doch einsteigen und die US-Amerikaner gewannen auswärts weder gegen Trinidad noch gegen Guatemala. Wegen neun Punkten und 14:1 Toren daheim ging’s aber nochmal gut. Kanada fehlte nur ein Tor zum Einzug ins Hexagonal, Jamaika krachte mit Pauken und Trompeten raus, was Winfried Schäfer seinen Job kostete. Nicht der letzte deutsche Teamchef in der Concacaf-Zone mit diesem Schicksal.

Denn nach einer Heimpleite gegen Mexiko und einer 0:4-Ohrfeige in Costa Rica zum Start ins „Hexagonal“ war auch Jürgen Klinsmann seinen Posten als US-Teamchef los. Aber auch unter Nachfolger Bruce Arena gab es keinen einzigen Auswärtssieg und mit einer Niederlage in Trinidad im letzten Spiel verpasste die heillos überalterte US-Truppe tatsächlich sogar das Playoff.

Null Probleme hatte dafür Mexiko, sich souverän als Gruppensieger durchzusetzen; auch die Qualifikation von Costa Rica, Überraschungs-WM-Viertelfinalist von 2014, stand nie wirklich im Zweifel. In der turbulenten letzten Runde hüpfte Panama noch auf Rang drei und darf erstmals bei einer Endrunde mitmachen; Honduras bekam noch die Chance über den Umweg Playoff.

ASIEN (5 Teilnehmer)

Helmut Kronjäger redete immer gerne und voller Faszinazion vom Himalaya-Königreich Bhutan, wo er im Zuge seiner Trainer-Karriere auch einmal tätig war. Es war ihm aber leider nicht mehr vergönnt, den sensationellen Zwischenrunden-Einzug seiner ehemaligen Schützlinge mitzuerleben – Kronjäger, der in Österreich vor allem als Ried-Trainer in Erscheidung getreten war, starb wenige Monate vor der Überraschung gegen Sri Lanka an Lymphdrüsen-Krebs.

In der Zwischenrunde hatte Bhutan freilich nichts mehr zu melden. In den acht Gruppen wurden die zwölf Teilnehmer an der Finalphase ermittelt. Australien kam durch eine Niederlage in Jordanien ein wenig ins Schwitzen, Japan durch einen Punktverlust in Singapur, aber im Ganzen gaben sie die Favoriten fast durchgehend keine Blöße. Bis auf China: Jenes Land, das hunderte Millionen für die eigene Liga ausgibt, brauchte die Schützenhilfe von den Philippinen, um im Ranking der Gruppenzweiten gerade noch Nordkorea zu überholen.

Der Iran kristallisierte sich vor allem dank der bekannt trockenen Defensive (nur 2 Gegentore in 10 Spielen) früh als erstes Team heraus, das sich aus Asien qualifizieren würde. Südkorea verlor zwar in Katar und China, zitterte sich aber gerade noch zum direkten WM-Ticket. Japan startete mit einer Heimniederlage gegen die Emirate, erlaubte sich danach aber keinen Fehltritt mehr, bis die Qualifikation fix war. Und Saudi-Arabien startete dank viele Elfmetertore in den ersten Spielen erfolgreich, kam aber dann ein wenig ins Schlingern. Ein Sieg zum Abschluss gegen die schon feiernden Japaner brachte den Saudis dann aber doch die erste WM-Teilnahme seit 2006 ein.

So blieb für Asien-Meister Australien vor allem wegen zu vieler Unentschieden (bei nur einer Niederlage) nur der Umweg über das doppelte Playoff – eine Enttäuschung. Für Syrien war der dritte Platz allerdings ein riesiger Erfolg. Die Socceroos setzten sich mit Glück durch – Syrien traf in der 120. Minute des Rückspiels nur den Pfosten.

AFRIKA (5 Teilnehmer)

In der afrikanischen Quali für die WM 2014 war nach einer aufgeblähten Gruppenphase ein finales Playoff ausgespielt; diesmal war es umgekehrt: Viele Teams wurde vor der finalen Gruppenphase aussortiert. Das Debüt des Südsudan dauerte nur zwei Spiele und Äthiopien – vor vier Jahren erst im letzten Playoff gescheiterte – musste schon hier gegen den Inselstaat São Tomé zittern.

Im bekannt unberechenbaren Afrika selbst die Besten in eine K.o.-Runde um einen Platz in der Gruppenphase zu schicken? Mutig, bedenkt man die sonst eher risikoscheue Modus-Gestaltung von FIFA und Kontinentalverbänden. Aber es ging alles noch mal gut. Nur Marokko und Libyen kamen als Ungesetzte weiter (wobei das bei Marokko wiederum eh der Papierform entsprach). Aber, ja: Ghana, Ägypten und Burkina Faso, allesamt Afrikacup-Finalisten der letzten Jahre, kamen nur mit Bauchweh durch.

Schmerzen bekamen in der Finalrunde (deren sechs Spieltage sich über 13 Monate hinzogen) recht schnell Kamerun, Algerien und Ghana – dass diese drei Arrivierten die WM verpassen würden, zeichnete sich früh ab. Nigeria zog unter Gernot Rohr nach einigen Chaos-Jahren durch. Ägypten machte die erste WM-Teilnahme seit 28 Jahren im vorletzten Spiel endgültig fix, Tunesien die erste seit 12 Jahren im letzten.

Die Ivorer bezahlten bitterlich für den Fehler, einen der unfähigsten Teamchefs Europas engagiert zu haben (Marc Wilmots), dafür wurde Marokko dafür belohnt, einen der fähigsten Teamchefs auf dem afrikanischen Kontinent verpflichtet zu haben (Hervé Renard). Und der Senegal profitierte davon, dass die Niederlage in Südafrika annulliert wurde, weil der Referee das Spiel verschoben hatte. Die Löwen der Teranga gewannen das Wiederholungsspiel und sagen „Danke“.

OZEANIEN (kein Teilnehmer)

Ja, natürlich. Es ist unfair, auch 16 Jahre später immer noch auf dem 0:31 herumzuhacken, in das die US-Samoaner damals gelaufen sind – vor allem, weil das wegen divereser blöder Umstände eine bessere U-17 war. Aber: Diesmal hätte dem Team sogar nur ein Tor gefehlt, um die Vorrunde zu überstehen. Respekt, beim nächsten Mal wird’s was. So waren es die Cousins von der Nachbarinsel, die sich bei der Ozeanien-Meisterschaft prügeln lassen durften.

Diese Ozeanien-Meisterschaft (die am Ende nicht ganz unerwartet Neuseeland gewann, allerdings im Finale erst im Elferschießen gegen Gastgeber Papua-Neuguinea) fungierte auch als Zwischenrunde für die kontinentale WM-Qualifikation, in der die OFC ihre Teams diesmal ganz besonders mit dem Sammeln von Flugmeilen triezte.

Schließlich mussten sechs Teams in eine weitere Gruppenphase, nach die die beiden Staffelsieger noch in Hin- und Rückspiel den einen Teilnehmer am Playoff gegen den Südamerika-Fünften zu ermitteln. Nicht, dass es Neuseeland in der Vergangenheit nicht auch schon mal verkackt hätte (hust, Vanuatu 2004, hust, Neukaledonien 2012, hust), aber man hätte die All Whites auch leichter aussieben können.

INTERKONTINENTALE PLAY-OFFS

Vor vier Jahren waren die beiden Duelle schon nach den Hinspielen (5:0 bzw. 5:1) entschieden, diesmal machten es die vier beteiligten Teams etwas länger spannend. Australien brauchte nach dem Lattenglück im asiatischen Entscheidungsspiel diesmal ein Eigentor und zwei Elfmeter, um auch Honduras zu eliminieren. Und die Neuseeländer, bei denen mittlerweile Andi Heraf als Verbands-Sportdirektor werkt, hielt Peru zwar lange bei Null, aber nicht lange genug. Australien ist zum vierten Mal in Folge dabei, Peru fährt erstmals seit 1982 wieder zu einer WM.

Das heißt: Es sind einige Länder dabei, die das schon lange nicht mehr waren (Peru, Ägypten) und zwei, für die es überhaupt das erste Mal sein wird (Island, Panama). Am 1. Dezember wird ausgelost.

ZUM VERGLEICH: Hier unsere Übersicht über die WM-Quali für Brasilien 2014.

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.