Die (wenigen) Lehren des 0:0 von Österreich gegen die Slowakei

Mit einem Spiel, das nichts für Feingeister und Schönwetterfans war, verabschiedet sich Österreich in die Länderspiel-Winterpause. So unansehnlich, so zäh und so niveauarm das 0:0 in einem zu fast drei Vierteln leeren Happel-Stadion aber auch war, es gab schon ein paar Erkenntnisse.

Österreich - Slowakei 0:0
Österreich – Slowakei 0:0

Kein Alaba im Zentrum, kein Janko vorne, kein Hinteregger hinten: Die erste Hälfte zeigte an diversen Stellen zumindest personelle Experimentierfreude. Nach der Pause kamen dann einige Stammkräfte (Alaba, Hinteregger, Klein, später auch Janko).

Das Abwehr-Zentrum

Andreas Lukse zeigte bei seinem Länderspiel-Debüt im zarten Alter von 29 Jahren eine blitzsaubere Partie. Davor aber gab es sehr wohl einige sichtbare Probleme. Das Fehlen von Martin Hinteregger hatte zur Folge, dass es aus der Innenverteidigung heraus so gut wie keine Spieleröffnung gab. Dragovic, der noch eher dazu in der Lage wäre, hatte viel mit sich selbst zu tun: Kleine Ungenauigkeiten, kleine Konzentrationsfehler, kleine Ausrutscher. Nichts dramatisches, aber in Summe schon ein Indiz dafür, dass er bzw. warum er in Leverkusen nicht spielt.

Als Hinteregger im Spiel war, kam Zug in den ersten Pass. Statt kurzer Abspiele auf die Sechser rückte Hinteregger immer wieder etwas auf, packte seine präzisen langen Bälle aus und zeigte deutlich, warum er im Normalfall absolut die erste Wahl ist.

Defensiv kam die Abwehr nur dann in Schwierigkeiten, wenn die Slowaken schnell umschalteten, denn aus dem Spiel heraus waren sie gar nicht am Kreieren interessiert auch, weil sie das ohne Marek Hamsik gar nicht wirklich können. Auffällig war aber schon, dass sich die österreichische Abwehr recht schnell fallen ließ, wenn die Slowaken den Ball eroberten – die Mittelfeldkette aber nicht. Da hatte die Slowakei oft Platz, was die Gefahr in Umschaltmomenten erst wirklich erzeugte.

Das Mittelfeld-Zentrum

Wer wissen wollte, warum der Teamchef David Alaba im Zentrum für wertvoller hält als auf der linken Seite, sollte sich noch einmal die erste Halbzeit in ihrer geballten Grausamkeit ansehen. Ilsanker beschränkte sich auf seine Rolle als Zweikämpfer gegen eine kaum vorhandene slowakische Offensive und ließ ansonsten seinen Einsatz zu einem 45-minütigen Rückpass-Training werden.

Dergestalt auf sich alleine gestellt, war es für Julian Baumgartlinger natürlich schwierig bis unmöglich, die (einmal mehr unmöglich weit vor ihm stehenden) Mitspieler in der Offensive in Szene zu setzen. Die Folge waren auch hier Sicherheitsbälle und Fehlpässe im Aufbau.

Statt Ilsanker und Baumgartlinger besetzten nach dem Seitenwechsel Alaba und Dragovic das Mittelfeld-Zentrum im österreichischen 4-4-2. Dragovic gab nun den Beißer und Alaba den Kreator. Alaba profitierte in dieser Rolle auch davon, dass nun Hinteregger für die Eröffnung da war und er in einer höheren Position als Baumgartlinger spielen konnte. Das sorgte für etwas bessere Verbindungen in die vordere Reihe, weil der Abstand zu dieser nun nicht mehr ganz so groß war.

Ob das Sechser-Duo Dragovic/Wimmer, das in den letzten fünf Minuten spielte, so wirklich Zukunft hat, darf wohl leicht in Zweifel gezogen werden.

Die Außenbahnen

Lazaro und Onisiwo auf der rechten Seite war bei diesem ersten Versuch keine echte Granate. Gerade bei Lazaro wurde das fehlende Timing auf der nicht ganz gewohnten Position oft deutlich, was allerdings nicht nur an ihm lag. Zum einen war generell die Passgenauigkeit bei Österreich schwach, zum anderen sind mangels gemeinsamer Spielzeit die Abstimmungen mit Lazaro einfach noch nicht da.

Durch diese Defizite kam auch Karim Onisiwo auf der rechten Außenbahn kaum zur Geltung; im Zentrum bzw. auf der linken Seite nach der Halbzeit wurde es ein wenig besser. Flo Klein kehrte auf seine einstige Position zurück, auf der er von 2007 bis 2009 beim LASK seine ersten Bundesliga-Jahre absolvierte: Rechts im Mittelfeld. Ging so.

Links waren Suttner und Arnautovic, wie fast immer wenn sie zusammen spielen, auch kein Traumpaar. Arnautovic half, wenn nötig, stets hinten aus und zeigte nach vorne eher Einzelaktionen – diese strahlten auch noch am ehesten so etwas wie Gefahr aus. Eine signifikante Verbesserung stellte das Duo Stangl/Onisiwo in der Schlussphase eines ohnehin nur semi-ernsthaft betriebenen Spiels nicht dar.

Der Angriff

Martin Harnik und Lukas Hinterseer agierten zumeist auf annähernd einer Höhe. Das war gut in Pressing-Situationen, aber schlecht im Aufbau – weil es, wie erwähnt, das Loch zwischen ihnen und Baumgartlinger recht groß werden ließ. So fiel es den Slowaken nicht sonderlich schwer, Österreicher zu isolieren. Ein beliebter Move war, einen Österreicher offenbar bewusst frei zu lassen, den Pass dorthin zu locken und diesem dann die Optionen zu nehmen. Erkannte Österreich diese Situationen nicht, war der Ball weg. Erkannte Österreich diese Situationen schon, wurde der Rückzug angetreten.

Erst mit Arnautovic im Zentrum (etwa ab 65. Minute) gelang es besser, sich mit dem Aufbau (zumeist über Alaba) zu verbinden. Was aber nichts daran änderte, dass die Slowakei mit ihrer soliden Defensive sehr wenig zuließ.

Der Gesamteindruck

Torschuss abgeblockt, Nachschuss von der Linie geköpfelt, Chance zum zweiten Nachschuss verschludert. Diese Szene kurz vor der Halbzeit versinnbildlicht das Länderspiel-Jahr 2016 recht schön.

Das Spiel gegen die Slowakei war natürlich vor allem geprägt von unzähligen Fehlpässen im Aufbau, von fehlendem Tempo. Davon, dass im Zweifel stets der Rückzug nach ganz hinten, zu Lukse, angetreten wurde. Dass da schon einige kräftig out of position spielten.

Es lässt sich aber schon gut sehen, dass Hinteregger hinten, Arnautovic auf der Seite und, ja, die Präsenz von Alaba im Zentrum für das Funktionieren der Mannschaft von essenzieller Bedeutung sind. Auf die Frage, was nach Janko kommt, lieferten Harnik und Hinterseer in der ersten Hälfte keine Antwort.

Jetzt gibt es erst einmal viereinhalb Monate kein Länderspiel, und niemand wird nach diesem durchwachsenen Jahr wirklich traurig darüber sein.

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Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.