Drogba führt pomadige Ivorer zu 1:0-Erfolg, Angola feiert 2:1-Zittersieg

Wie war das, ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es unbedingt muss? Genau das beherzigten die Ivorer bei ihrem ersten Auftritt bei diesem Afrika-Cup. Eine äußerst magere Leistung brachte Drogba und Co. den 1:0-Sieg. Deutlich aufregender war da schon das 2:1 von Angola gegen Burkina Faso im wohl entscheidenden Spiel um den zweiten Platz im Viertelfinale.

Côte d'Ivoire - Sudan 1:0

Côte d’Ivoire – Sudan 1-0 (1-0). 1-0 Drogba 39′

Die Grundaufstellung der Ivorer versprach einiges an Offensive: Denn weil Yaya Touré als vorderster Spieler im 4-3-3 ausgesprochen hoch agierte, stand der Turnierfavorit im Grunde mit einem 4-2-4 auf dem Platz. Touré spielte nicht ganz, aber fast auf einer Höhe mit Drogba, flankiert wurden die beiden von Gervinho (rechts) und Kalou (links).

Das Problem bei der ganzen Sache war allerdings, dass die Außenverteidigier, vor allem Siaka Tiéné auf der linken Seiten sehr konservativ spielten und oftmals weit hinten verblieben. So war es an den beiden zentralen Mittelfeld-Spielern, Gosso und Tioté, die vorderen vier mit Bällen zu versorgen. Dabei wurde zu selten der Weg über die Flügel gesucht – seltsam, denn das war genau der Bereich des Feldes, den die Sudanesen im Mittelfeld am wenigsten verteidigten.

Mitte dichtmachen

Dafür standen mit Ala Eldin und Nizar zwei Spieler zentral recht tief und der linke Mann im nominellen 4-4-1-1, Mohamed Ahmed Bashir, drückte sehr weit in die Mitte hinein und rückte hie und da auch etwas weiter nach vorne auf. Lediglich Amer Kamal auf der linken Seiten hielt diese zumeist, bzw. rückte auch immer wieder mal nach hinten, um gegen die vier ivorischen Angreifer einen fünften Verteidiger zu haben.

Was den defensiv eingestellten Sudanesen zusätzlich in die Hände spielte, war das äußerst überschaubare Tempo, das die Ivorer und Co. an den Tag legten. Dieses erlaubte es dem Außenseiter, in die Zweikämpfe zu kommen und den Favorien vom eigenen Tor fern zu halten. Das Spiel plätscherte vor sich hin, die Ivorer hatten deutlich mehr Ballbesitz, es schaute aber im Endeffekt recht wenig dabei heraus.

Sudan bestraft behäbige Ivorer nicht

Was vom Sudan aber, anders als es Sambia gegen Senegal gemacht hatte, nicht bestrafte – das Umschalten nach Ballgewinn ging recht langsam von Statten, der Sicherheitsgedanke war immer an oberster Stelle. Nur einmal passten sie hinten nicht auf, als die Ivorer kurz vor der Pause die Abwehr mit einem flinken Spielzug auseinander zogen: Weiter Seitenwechsel auf Kalou auf der linken Seite, dieser flankt zur Mitte und Drogba ist zur Stelle und versenkt per Kopf zum 1:0. Ein gelungener, richtiger Spielzug, und schon krachte es.

Dafür haben die Ivorer nach der Pause endgültig alles getan, damit es im eigenen Tor kracht – aus einer vor dem Seitenwechsel schon recht uninspirierten Darbietung wich nun sämtliches Leben. Mit dem 1:0 im Rücken wurde nur noch abgewartet, dass die Zeit vergeht und die Sudanesen somit förmlich dazu eingeladen, auf den Ausgleich loszugehen.

Bemüht, aber harmlos

Der Außenseiter bemühte sich dabei, den Ball besser in den eigenen Reihen zirkulieren zu lassen und halbwegs flott den Weg nach vorne zu suchen, aber im Endeffekt fehlte dabei die Durchschlagskraft. Teamchef Mohamed Abdalla stellte daraufhin ein wenig um und installierte im Mittelfeld ein T – also mit Ala Eldin als alleinigen verbliebenen Sechser und davor mit drei Mann auf einer Linie.

Doch all dem fehlte die letzte Konsequenz und die wirkliche Überzeugung, dass man den Ivorern tatsächlich ein 1:1 abtrotzen könnte. Der Sudan war nach der Pause zwar das deutlich aktivere Team – was angesichts der geradezu peinlichen Pomadigkeit der Ivorer auch keine Kunst war – echte Gefahr für das Tor von Boubacar Barry konnten sie aber nicht erzeugen. Womit es beim 1:0 für Drogba und Co. blieb.

Fazit: Zumindest Kräfte gespart

Das war alles andere als beeindruckend von den Ivorern – gegen das wirklich nicht besonders gute Team aus dem Sudan ein mattes 1:0 nach Hause zu verwalten und dabei jeden Schweißtropfen zu viel tunlichst zu vermeiden ist kein Ruhmesblatt. Andererseits muss man ihnen zugute halten, dass es in der Vorrunde bei solchen Turnieren eben nur darum geht, die nötigen Punkte zu holen, und wenn man dabei Kräfte schonen kann, umso besser. Und Kräfte geschont wurden hier absolut, weil es den Sudanesen letztlich an der Qualität fehlte, den überaus langsam agierenden Ivorern tatsächlich gefährlich zu werden. Das chancenlose Vorrunden-Aus ist hier vorprogrammiert.

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Angola – Burkina Faso 2-1 (0-0). 1-0 Mateus 47′ / 1-1 A. Traoré 57′ / 2-1 Manucho 68′

Angola - Burkina Faso 2:1

Beide Mannschaften wussten: Wer dieses Duell gewinnt, hat die Vorentscheidung auf den Platz im Viertelfinale schon auf seiner Seite. Entsprechend vorsichtig gingen auch sowohl Angola als auch Burkina Faso ans Werk.

Die Angolaner spielten in einem 4-4-1-1, in dem Flavio eine sehr mobile hängende Spitze gab und in dem es vor allem über die Flügel nach vorne gehen sollte. Hier waren auch die Außenverteidiger sehr gefragt: Wenn Linksverteidiger Miguel nach vorne marschierte, orientierte sich Sechser Gilberte etwas zurück auf die Seite, um abzusichern. Auf der anderen Seite hatte Airosa ebenso durchaus Vorwärtsdrang. Die Angolaner verzeichneten deutlich mehr Ballbesitz, es fehlten aber die zündenden Ideen, wie man wirklich zu Chancen kommen sollte.

Pitroipa und Koulibaly bereiten Probleme

Die Mannschaft aus Burkina Faso spielte in einem recht klaren 4-2-3-1, auch hier orientierte sich der Zehner Alain Traoé durchaus nach vorne und auch hier marschierten die Außenverteidiger ziemlich nach vorne. Vor allem auf ihrer linken Seite entwickelten die Burkiner einiges an Druck, weil Paul Koulibaly extrem viel nach vorne machte und der kleine, wendige Jonathan Pitroipa mit seiner Schnelligkeit und seiner Technik den Angolanern einige Probleme bereitete.

Burkina Faso versuchte deutlich klarer als der Gegner, schnell in sich bietende Räume zu stoßen und versuchten sich daher immer wieder an schnellen Flankenwechseln. Miguel legte hier oftmals kein gutes Stellungsspiel an den Tag und Kaboré hätte mitunter viel Platz gehabt, technsiche Schwächen in der Ballannahme kosteten aber Zeit und so konnten auch die Burkiner ihre Angriffe kaum einmal fertig spielen. So neutralisierten sich die Teams in der ersten Hälfte: Angola hatte mehr Ballbesitz, die Burkiner versuchten die Räume besser auszunützen, aber heraus kam letztendlich kaum Nennenswertes.

Zwei Tore aus heiterem Himmel

Die zweite Hälfte begann mit einem Aussetzter ausgerechnet des offensiv so aktiven Koulibaly, der sich erst von Mateus austanzen ließ und dann nicht gut nachsetzte – der Flügelspieler von Sporting Braga nützte den Platz um zum etwas aus heiterem Himmel fallenden 1:0 einzuschießen. Die Strafe für Koulibaly, ihn sofort aus dem Spiel zu nehmen und statt seiner Panadeteguiri zu bringen, mutet etwas harsch an.

Die Angolaner fühlten sich mit der Führung sicher und hatten das Spiel im Griff, auch weil nun der Druck über die linke Seite ohne Koulibaly merklich nachließ. So brauchte es einen gelungenen Freistoß von Alain Traoré – und einen Torhüter, der eher das Mauer-Eck abdeckte als jenes, das er eigentlich bewachen sollte – um zum Ausgleich zu kommen. Auch der war nicht wirklich abzusehen.

Zweiter unverständlicher Wechsel

Dann nahm Burkina Fasos Teamchef Paulo Duarte einen eher seltsamen Wechsel vor: Statt Sechser Rouamba brachte er Stürmer Aristide Bancé. Was wohl als Signal gedacht war, das Führungstor anzugehen, entpuppte sich als eher schädlich für seine Mannschaft. Bancé wanderte ziemlich wirr am Feld umher, oft völlig unpassend zum Spielverlauf – mal stand er ganz vorne, dann wieder vor der eigenen Abwehr, mal kurbelte er auf der einen Seite, um kurz darauf auf der ganz anderen Spielfeldseite völlig ab vom Schuss zu stehen.

Nicht nur, dass seine Mannschaft einen ziemlich verwirrten Eindruck machte und die Ordnung im Mittelfeld komplett im Eimer war, nein, der frühere Mainzer mit den blond gefärbten Haaren vertendelte dann auch noch vor dem eigenen Strafraum den Ball an Angola-Stürmer Manucho, der aus 20 Metern abzog und zum 2:1 traf.

Burkina Faso packt die Brechstange aus

Erst jetzt war der starksige Bancé wirklich von Nutzen: Denn mit ihm vorne drin, und dort blieb er nun weitgehend, kann man die Brechstange in Form von langen Bällen mit realistischen Erfolgssaussichten auspacken. Bei Angola wurde die Formation nun etwas defensiver, weil mit Dédé ein defensivere Gegenspieler für Pitroipa und Panedeteguiri kam.

Doch auch, wenn die Angolaner auf fast schon beleidigend offensichtliche Art und Weise an der Uhr drehten, wirkten sie von der Grundordnung weiterhin deutlich gefestigter als die Burkiner, die mit ihren wütenden Angriffen nun natürlich die Schlussphase deutlich dominierten. Doch die Angolaner überlebten auch die aufgrund ihrer Spielverzögerungen durchaus angebrachten sechs Minuten Nachspielzeit und zitterten den 2:1-Sieg über die Zeit

Fazit: Angola hat kaum Ideen, nützt aber die Fehler aus

Letzlich sind die Mannschaften von ihrem Leistungspotential her auf einer Ebene anzusiedeln. Die Angolaner nützten zwei individuelle Abwehrfehler mit zwei sehenswerten Schüssen zu zwei Toren, die beide aber weitgehend aus dem Nichts fielen. Die Angolaner waren als Mannschaft kompakter, aber die Burkiner versuchten – zumindest bis zur Einwechslung von Bancé – mit gezielterem Zusammenspiel zum Erfolg zu kommen. Der Sieg für Angola war im Endeffekt natürlich eher glücklich, aber man muss ihnen zugestehen, dass sie zwei Fehler des Gegners eiskalt ausgenützt haben (wenn so schon selbst keine zündenden Ideen hatten) – und die Burkiner ihre Druckphase nicht in Zählbaren ummünzen konnten.

Weshalb sie nun wohl schon ein kleines Wunder brauchen, um ins Viertelfinale einzuziehen.

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.