3:0 gegen Armenien – die ÖFB-Frauen fahren trocken den Pflichtsieg ein

Ein Feuerwerk war es nicht, was das österreichische Frauen-Team in der EM-Quali gegen Armenien lieferte – aber das nie gefährdete 3:0 brachte trotz der nicht vollends überzeugenden Leistung immerhin die drei Punkte ein. Die Mannschaft vom Kaukasus war klar unterlegen und hatte nie wirklich eine Chance.

Österreich – Armenien 3:0

„Das war eine unserer besten Leistungen“, sagt Frauen-Teamchef Dominik Thalhammer über das Spiel in Dänemark – trotz der 0:3-Niederlage gegen das klare Spitzenteam der Gruppe. Das andere Extrem wartete bei der Heimpartie in Bruck an der Mur – Armenien ist der Punktlieferant der Gruppe 7. Alles andere als ein klarer Sieg für das österreichische Team wäre eine herbe Enttäuschung – das sagt auch Kapitänin Marlies Hanschitz, die allerdings verletzt fehlte. Auch Nina Burger, Melanie Fischer und Ines Ruiss standen dem Teamchef gegenüber dem 1:1 gegen Tschechien zum Quali-Start nicht zur Verfügung.

Österreich übernimmt sofort die Kontrolle

Anders als zuletzt setzte Thalhammer gegen Armenien auf ein 4-2-3-1. Auffällig war, dass die Außenverteidigerinnen Gröbner und Trödthandl extrem viel nach vorne machen konnten, weil sie vom Gegner absolut nichts zu befürchtet hatten. Erwartungsgemäß kontrollierte Österreich den Ballbesitz, und wenn die AV vorne waren, ließ sich Bayern-Legionärin Schnaderbeck zurückfallen und sicherte mit Höller und Wenninger ab.

Der Ball war also viel in der armenischen Hälfte, aber es gelang dem ÖFB-Team nicht, über einen längeren Zeitraum hinweg so kombinationssicher zu agieren, dass man den Gegner wirklich ins Wanken bringen hätte können. Feiersinger (gemeinsam mit Gröbner) und Tasch (gemeinsam mit Trödthandl) trugen den Ball immer wieder gut über die Flanken nach vorne, aber die Anspiele in die Zentrale kamen nicht an.

Defensive Armenierinnen

Der armenische Teamchef Vagharshak Aslanyan stellte sein Team in einem recht defensiven 4-4-2 auf, in dem die Außenverteidigerinnen hinten blieben, zwei sehr defensive Sechser im Zentrum standen und im Grunde einzig Gayane Kostanyan für die offensiven Momente zuständig war. Die Kapitänin ist die mit Abstand beste Spielerin in ihrer Mannschaft und holte sich viele Bälle auch aus dem Mittelfeld.

Das hatte aber zur Folge, dass die Angriffe von Armenien eigentlich immer gleich aussahen: Ball erkämpfen im Mittelfeld, und Kostanyan rennt mit dem Kopf durch die Wand nach vorne, ist dort weitgehend auf sich alleine gestellt und wird entweder aufgehalten, oder versucht einen Abschluss. Armenien blieb aber während der gesamten Spielzeit recht harmlos und Anna-Carina Kristler im österreichischen Tor hatte praktisch nichts zu tun.

Aus dem Spiel gibt’s kaum Chancen

Das Problem bei Österreich im Spiel nach vorne: Von den Flanken wurde Gstöttner zu wenig bedient und aus dem Zentrum fehlte die Präzision in der Spieleröffnung vor allem bei Jasmin Eder. So konnte sich Armenien dicht zusammen stellen und die Räume schließen. So mangelte es an Ideen und in weiterer Folge vor allem an Tempo, um den defensiven Gegner auszuspielen. Und kamen doch einmal Bälle zu Maria Gstöttner in die Spitze, konnte sie diese nicht verarbeiten. Es wurde zu viel auf eigene Faust probiert, zu wenig auf Zusammenspiel geachtet.

Marion Gröbner konnte sehr viel nach vorne marschieren – hier geht sie in einen Zweikampf mit Innenverteidigerin Khachatryan

So musste ein grober individueller Schnitzer der armenischen Linksverteidigerin Vardine Khanzatyan herhalten, die im eigenen Strafraum den Ball gegen Laura Feiersinger vertendelte und Österreich nach knapp zwanzig Minuten doch das 1:0 ermöglichte. Khanzatyan wurde zur Strafe sofort ausgewechselt, statt ihr ging Ghukasyan vom rechten Mittelfeld nach links hinten, Stepanyan kam neu für die linke Flanke.

Viele Pässe kommen nicht an

In der Folge ließ die Passgenauigkeit im Zentrum ziemlich nach und die Armenierinnen konnten das Spiel etwas von ihrem Tor weghalten. Nicht, dass Österreich wirklich in Gefahr gekommen wäre, den Ausgleich zu kassieren, aber das Zurücklehnen war schon sehr auffällig. Da nützte es auch nicht viel, dass die Außenverteidigerinnen, weil sich die armenischen Mittelfeld-Außen immer wieder ins Zentrum orientierten, oft Platz ohne Ende hatten – vor allem Trödthandl konnte machen, was sie wollte.

Kurz vor der Pause wurde die etwas eingeschlafene Partie dann vorentschieden, wieder half aber Armenien durchaus mit. Die ansonsten eigentlich ganz gute Torfrau, Anna Karapetyan, konnte eine Ecke von der rechten Seite nicht festhalten, Daniela Tasch staubte zum 2:0 ab. Damit ging’s in die Pause.

Unspektakuläre zweite Hälfte

Ähnlich lief das Spiel auch nach dem Seitenwechsel: Spielkontrolle Österreich, aber wenig Konkretes. Das Gestalten des Spiels gegen einen tief stehenden Gegner klappte kaum, und so war auch das dritte Tor für Österreich keine echte Kombination, sondern ein schneller Konter – Laura Feiersinger trug den Ball nach vorne, legte für Gstöttner quer, und die zuvor sehr glücklos agierende Neulengbach-Stürmerin erzielte das 3:0.

Weil auch das ÖFB-Team wusste, dass nichts mehr passiert, fehlte dann auch weiterhin der Nachdruck.

System-Umstellung zum Ende

Unglücklich also, dass sich kurz vor Schluss eines längst gewonnen Spiels die nach einer Stude eingewechselte Manhart kurz vor dem Ende verletzte – so stellte Thalhammer für die Schlussminuten auf ein 4-2-2-2 um – Makas, die statt Manhart auf dem Feld war, war nun zweite Spitze neben Gstöttner; Rappold (statt Prohaska) und Feiersinger kamen über die Flügel.

Die Armenierinnen überließen dem ÖFB-Team bis zum Schluss die Flügel völlig, Gröbner und Trödthandl hatten alle Freiheiten und waren über den Spielverlauf deutlich mehr in der gegnerischen Hälfte als in der eigenen. Die Österreicherinnen müssen sich aber durchaus vorferwerfen lassen, daraus nicht mehr gemacht zu machen.

Fazit: Mühsamer Arbeitssieg

Feuerwerk war es beileibe keines – aber am Ende zählen gegen einen individuell klar unterlegenen Gegner am Ende nur die drei Punkte. Es fiel durchaus auf, dass einige Mannschaftsstützen fehlten. Man merkte deutliches Defizite im Zusammenspiel, vor allem die Doppelsechs mit Schnaderbeck und Eder funktionierte nicht wunschgemäß.

Auf den Flügeln hatte das ÖFB-Team komplett freie Hand und ständige Überzahl, die Bälle in dem Strafraum kamen aber überhaupt nicht an. Spielerisch war es keine großartige Leistung, letztlich nützte man zwei individuelle Fehler zu den ersten zwei Toren und verwaltete den Sieg unspektakulär über die Zeit.

Am 19. November in Portugal wird eine Leistungssteigerung her müssen.

(phe)

PS: Dänemark gewann das Parallelspiel in Portugal erwartungsgemäß mit 3:0. Tabelle nach 3 Spielen: Dänemark 9, Tschechien (-1 Spiel) 4, Österreich 4, Portugal 3, Armenien 0.

Höller, Tasch, Prohaska, Gstöttner, Wenninger, Eder, Schnaderbeck, Feiersinger, Trödthandl, Kristler, Gröbner

Alle Fotos: Tom Schaffer

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.