Messi kann auch für Argentinien glänzen – 4:1-Erfolg gegen Chile

Nach einer vom Niveau her eher mauen, aber sehr ausgeglichenen Copa América geht’s nun in die WM-Quali – und Argentinien versucht mit einem neuen Teamchef, den peinlichen Auftritt bei der Copa vergessen zu machen. Den Chilenen zog man mit starkem Pressing und einem im System funktionierenden Messi den Zahn.

Argentinien - Chile 4:1

Argentiniens neue Teamchef Alejandro Sabella formierte sein Team in einem 4-2-3-1, mit Messi als Zehner hinter Higuain, auf den Flanken waren José Ernesto Sosa und Angel di María aufgestellt. Eines der Hauptprobleme der Argentinier bei der Copa América war die Tatsache, dass man unter Batista nicht nur Messi nicht zum funktionieren brachte, sondern vor allem, dass das Flügelspiel praktisch gar nicht vorhanden war – was das Messi-Problem zu einem guten Teil mit verursacht hat.

Nun ist es so, dass Chile eine Mannschaft ist, die übrlicherweise ganz besonders über die Flügel kommt. Oder besser: Über die Flügel kam, denn unter Claudio Borghi verengte sich das Spiel der Chilenen merklich. Er setzte auf ein 3-1-4-2 mit zwei echten Zehnern in der Mitte (Valdivia und Matí Fernández), die Flügel waren jeweils die weitgehend alleinige Verantwortung von Isla und Beaugejour.

Platz hinter Isla

Das funktioniert üblicherweise recht gut, wenn die Chilenen im Zentrum mit ihrem Pressing und ihrem technisch beschlagenen Tempospiel das Geschehen kontrollieren. Das klappt aber nicht, wenn man den Kampf um die Pressing-Hoheit verliert, aber dennoch weit aufrückt. Genau das passierte vor allem Mauricio Isla in der Anfangsphase erstaunlich oft: Er war zu weit aufgerückt, und Angel di María nützte den freien Platz hinter Isla zu gefährlichen Angriffen.

So wie in der 7. Minute, als bei ein Freistoß der Chilenen in der Mauer landete, blitzschnell umgeschaltet wurde, und Di María den vielen Platz nützte, um mit einem präzisen Pass Higuain zu bedienen – das 1:0 für Argentinien war gefallen. Und nach disem Strickmuster kamen noch einige weitere Angriffe, ehe Gonzalo Jara die Zeichen der Zeit erkannte und sich vermehrt auf den Flügel orientierte.

Kaum ein Weg nach vorne

Chile kam gegen das starke Pressing der Argentinier überhaupt nicht dazu, aus dem Mittelfeld heraus die Spitzen zu bedienen. Der Ball wurde zwar durch schnelle Vertikalpässe schnell über die Mittellinie gebracht, dort ging es dann aber nur noch in die Breite. Banega und Braña machten das Zentrum zu, schalteten Fernández und Valdivia aus und beteiligten sich wie alle anderen fleißig daran, Druck auszuüben.

Hinzu kam, dass Solospitze Higuain ein Arbeitspensum an den Tag legte, das seinesgleichen sucht. Der Stürmer von Real Madrid ließ sich oft nach hinten fallen, um dann entweder mit Tempo auf die wegen der hoch stehenden Wing-Backs recht auseinandergezogene chilenische Dreierkette zu stürmen, oder aber die startenden Messi oder Di María zu bedienen. So wie beim 2:0.

Argentinien bestraft Chiles offensive Anlage…

Chile wurde für den Versuch, positiven Fußball nach vorne zu spielen, von den cleveren Argentiniern brutal bestraft, denn zumindest in der Anfangsphase tat sich die Albicelete schon schwer, das Spiel selbst konstruktiv nach vorne zu tragen. Da kamen Messi und Co. die Räume, die die Chilenen durch ihre offensive Spielweise offenließen, sehr entgegen.

Erstaunlicherweise änderte Claudio Borghi für die zweite Hälfte genau gar nichts; dumm also, dass das Defensivverhalten der ganzen Mannschaft, ganz speziell von Abwehrboss Waldo Ponce, mit „recht nachlässig“ noch sehr wohlwollend beschrieben werden kann. Die chilenische Hintermannschaft stand jender der Argentinier dabei zwar kaum wirklich etwas nach, aber die Argentinier sind einfach kaltschnäuziger im Abschluss. Auch wenn Higuain beim 3:0 nach einer Flanke von Di María (der davor von Messi bedient worden war) wohl im Abseits stand.

…Chile die schwache Gaucho-Abwehr aber nicht

Das größte Problem von Chile ist es schon länger, das war unter Bielsa schon nicht anders, dass die Chancenverwertung deutlich unterdurchschnittlich ist. Daran wäre Chile fast in der WM-Vorrunde gescheitert, daran ist Chile bei der Copa América eigentlich viel zu früh im Viertelfinale gegen Venezuela tatsächlich gescheitert.

Die argentinische Abwehr zeigte sich in diversen Situationen alles andere als sattelfest, aber es braucht schon eine ganz besondere Slapstick-Einlage, um sich tatsächlich ein Gegentor einzufangen. Was aber nichts machts, weil man kurz davor das Geschenk dankend zurück gab und Hinguain sein drittes Tor in diesenm Spiel ermöglichte. Dieses 4:1 machte den Deckel auf die Partie.

Spiel gelaufen

Die Argentinier stellten daraufhin den Nachdruck in ihrem Spiel ein und gewährten Chile mehr Platz und auch mehr Zeit am Ball, man blieb selbst aber durch schnelle Gegenstöße in die weitgehend entblößte Hintermannschaft von Chile immer wieder gefährlich, ja, Argentinien war auch in dieser Phase dem fünften Tor näher als Chile dem zweiten.

Viele wirklich geplante Aktionen brachten die beiden Teams nun nicht mehr so richtig zu Wege, es war eher ein recht wildes Hin und Her ohne größere Strategie dahinter – was wie eine offene Partie aussah, war aber letztlich nur das Lockerlassen der Zügel seitens der Argentinier, die genau wussten, dass das Spiel gewonnen war.

Fazit: Sabella bringt Messi mit Pressing ins Spiel

Der Schlüssel zum Sieg für Argentinien war nicht nur die gute Chancenverwertung gegenüber den vor dem Tor bekannt schlampigen Chilenen, sondern vor allem das gewonnene Pressing-Duell. Messi und Co. ließen Chile kaum Zeit am Ball, ließen sie somit nie ihr gefürchtetes Tempospiel aufziehen und zogen dem Team von Claudio Borghi relativ schnell den Zahn. Ohne Alexis Sánchez fehlt den Chilenen in der Vorwärtsbewegung jeglicher Nachdruck und in der Abwehr machte vor allem der sonst so zuverlässige Waldo Ponce einen erschütternd fahrigen Eindruck.

Nach den Katastrophen Maradona und Batista auf der Position des Teamchefs dürfte Argentinien mit Alejandro Sabella nun endlich einen Mann gefunden haben, der tatsächlich weiß, was er tut, und nicht nur von seinen Meriten als Spieler oder seinem Standing innerhalb des Verbandes profitiert, wie das seine zwei weitgehend sinnbefreiten Vorgänger gemacht haben.

Vor allem das Verwenden des konsequenten Pressing ließ Lionel Messi aufblühen. Das ist genau sein Spiel, das er von Barcelona kennt, und das er auch braucht, um seine Qualitäten voll ausspielen zu können. Das gelang vor allem im Zusammenspiel mit Di María und Higuain wirklich gut.

Sodass dieser 4:1-Sieg ein echter Indikator dafür ist, dass Messi im argentinischen Trikot durchaus funktionieren kann.

(phe)

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.