Slovan wollte nur das Remis – Bullen bestrafen das mit 3:0

Es war eine zähe bis öde Partie. Was an den Gästen aus der Slowakei lag, die nur auf das 0:0 spielten, den Salzburgern kaum einen Platz ließen. Das führte aber nicht zum Erfolg – weil die Bullen den Wall überwanden und dann den sich bietenden Platz ausnützen konnten.

RB Salzburg - Slovan Bratislava 3:0

Slovan Bratislava hat in der Qualifikation immerhin die Roma eliminiert. Wie das möglich war, wurde beim Spiel in Salzburg recht schnell deutlich: Mit einer strikten Defensiv-Taktik, die darauf ausgerichtet war, dem Gegner schon im Mittelfeld die Möglichkeit zu nehmen, sich konstruktiv in den Strafraum zu spielen. Das klappte gegen eine ohne wirkliches Flügelspiel antretende, eher eindimensionale Roma wundserbar. Und damit bereitete man auch den Bullen Probleme.

Slovan macht das Mittelfeld dicht

Das sah im Detail so aus, dass vor der Viererkette noch eine weitere defensive Dreierkette im Mittelfeld eingezogen wurde; die Außenspieler im Mittelfeld hatten ebensfalls durchaus Aufgaben in der Defensive. Salzburg ist eine Mannschaft, die ihre Angriffe am Liebsten nach dem Strickmuster „Vom Zentrum auf die Flügel und dann flanken“ aufzieht. Die Hauptabsicht vom Slovan-Trainer und Slowakei-Teamchef Vladimír Weiss war, die Pässe aus dem Zentrum auf die Flügelspieler Jantscher und Zárate zu unterbinden.

Das Zauberwort war „Überzahl“ – jeder Flügelspieler hatte eigentlich immer drei Spieler gegen sich. Den gegnerischen Mittelfeld-Außen, der nach hinten arbeitete. Den Außenverteidiger, der aggressiv dagegen ging. Und dazu noch den Gegner aus dem Halbfeld, der gleich drei Aufgaben in sich vereinte: Den Passweg abzudecken, auf den Außenspieler aufpassen, und dazu noch Druck auf das Salzburger Mittelfeld auszuüben.

Zähe Partie

Außerdem vermieden es die Slowaken praktisch völlig, Fouls in Strafraumnähe zu begehen. So hatte Salzburg zwar viel Ballbesitz, aber keine passenden Passwegen nach vorne, keinen Platz, um Bälle in die Gasse zu spielen, kein nennenswertes Flügelspiel und auch keine Standards, die die Situation noch retten konnten. Und durch die Mitte geht bei den Bullen sowieso von der ganzen Spielanlage her wenig.

Die Folge war ein recht zähes Spiel, in dem Slovan Bratislava nie wirklich den Anschein erweckte, auf einen Sieg aus zu sein – ein torloses Unentschieden schien den Slowaken absolut zu genügen. Dementsprechend bescheiden waren auch die eigenen Angriffsbemühungen, die sich meist auf lange Bälle auf Ex-Austrianer Filip Sebo beschränkten. Er turnte oft hart an der Grenze zum Abseits (und zuweilen darüber), kam aber kaum in die Position, das Salzburger Tor zu gefährden.

Doch noch ein typisches Bullen-Tor

So ging das eine Stunde lang, ehe es Salzburg einmal doch gelang, Jantscher auf der Flanke zu bedienen (Svento spielte einen kurzen Pass aus dem Strafraum nach außen), seine Flanke fand Leonardo, und dieser kam gegen drei andächtig zuschauende Slovan-Verteidiger völlig frei zum Kopfball. Letztlich also doch ein typisches Tor des Salzburger Teams unter Ricardo Moniz.

Nun war Slovan natürlich schon gezwungen, sich nach vorne zu orientieren, und das tat der slowakische Meister auch. Guédé gab nun de facto einen Zehner, die Mittelfeld-Außen drückten weiter nach vorne, und die Außenverteidiger marschierten nun wesentlich fleißiger nach vorne als vor dem Rückstand.

Slovan macht auf, Salzburg den Sack zu

Das nun entstandene 4-2-3-1 von Slovan versuchte nun, Druck auf die Salzburger Defensive auszuüben, aber was vorher komplett harmlos war, wurde nach dem Rückstand auch nicht wirklich dauerhaft gefährlich. Im Gegenzug entstanden aber Löcher in der zuvor so eng gestaffelten Defensive, was den Salzburgern letztlich auch das 2:0 ermöglichte: Leonardo ließ sich zwischen Abwehr und Sechser fallen, wurde nicht wirklich angegriffen, und sein gefühlvoller Chip auf Zárate hebelte die Abseitsfalle aus. Die Entscheidung.

Was auch die Slowaken wussten und ihre Bemühungen nun weitgehend einstellten. Der Widerstand war gebrochen. Die letzte Viertelstunde tickte nur noch die Uhr herunter, eher Svento in der Nachspielzeit sogar noch das 3:0 zu erzielen. Womit auch das direkte Duell entschieden sein sollte.

Fazit: Slovan legte es auf ein 0:0 an – klappte nicht

Es ist schon ein wenig enttäuschend, dass Vladimír Weiss von Anfang an nichts anderes als das 0:0 wollte. Wobei man aber sagen muss: Eine Stunde lang hat Slovan das mit extremer Disziplin gespielt, fast nichts – nur einen einzigen Freistoß in halbwegs gefährlicher Distanz. Nachdem der Wall einmal überwunden war, fehlten aber die Mittel im Spiel nach vorne.

Die Salzburger haben, wenn man es positiv auslegen will, die nötige Geduld gezeigt und auf ihre Chance gewartet und diese dann genützt. Wenn man es negativ auslegen will, haben jedoch auch ihnen eklatant die Ideen und ein wirklich taugliches Konzept im Spiel nach vorne gefehlt. So oder so: Die wenigen Tormöglichkeiten wurden verwertet, und in diesem Geduldsspiel war das letztlich ausreichend.

(phe)

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.