Premier League 2010/11 | 35. Spieltag
Emirates, 1. Mai 2011
Arsenal FC - Manchester United
1-0
Tore: 56' Ramsey

Ramsey macht das Titelrennen wieder auf

Bis vor dem Spiel galt ein ein Scheitern von United im Titelrennen etwa so wahrscheinlich wie eine Absage der königlichen Hochzeit. Doch ein starker Auftritt von Arsenal und das 1:0-Goldtor von Aaron Ramsey machen alles wieder spannend!

Arsenal - Man Utd 1:0

Cesc Fàbregas konnte mal wieder nicht ran. So kam Aaron Ramsey, genesen von seinem Schienbeinbruch und zurück von seiner Leihstation in Cardiff, zu einem Einsatz im zentralen offensiven Mittelfeld, und der Waliser nützte seine Chance absolut.

Die Gunners übernahmen von Beginn an die Spielkontrolle – das gelang aus zwei Gründen. Erstens, weil United das zuließ: Pressing auf den Ballführunden war praktisch gar nicht zu erkennen, oft wurde ein Sicherheitsabstand zum Gegenspieler eingehalten, so richtig in die Zweikämpfe kamen die Gäste auch nicht. Und zum anderen, weil Arsenal es hervorragend verstand, den beiden wichtigsten Spielern im 4-4-1-1 von United praktisch keine Zeit am Ball zu lassen: Rooney war isoliert und Carrick kam gar nicht erst wirklich dazu, das Spiel von hinten zu lenken. Ramsey und Wilshere machten hier einen tollen Job.

Und so konnten vor allem Sagna und Walcott die Tatsache ausnützen, dass Park oftmals sehr weit nach innen eingerückt war und so noch mehr Platz auf dieser Seite war. Zudem ließ sich Ramsey immer wieder auf die Höhe von Wilshere fallen, sodass es den Gunners auch im sonst recht engen Zentrum gelang, die Ballhoheit füt sich zu haben. Die Folge: Ballbesitz für Arsenal in Ausmaßen, die man sonst nur von Barcelona kennt.

Die Taktik von United war ganz deutlich auf Konter ausgelegt, aber die Gäste kamen nur selten wirklich dazu. Zu gut war Rooney bei Alex Song aufgehoben, zu gut passten die Außenverteidiger von Arsenal auch defensiv auf – und so hing Hernández vorne komplett in der Luft. In der ganzen ersten Hälfte gab es nur ein, zwei Situationen, in denen Arsenal hinten wirklich zittern musste – selbst kam man aber auch nicht zum Torerfolg. Weil Vidic und Ferdinand gewohnt gut standen, und weil sich Referee Foy in einen kniffligen Szene die Hand von Vidic knapp nicht am Ball sah.

Valencia für Anderson

Besonders enttäuschend bei Manchester war aber Anderson. Weder konnte für Impulse nach vorne sorgen, noch so einen Gegenspieler binden um Carrick mehr Zeit am Ball zu ermöglichen. Somit nur folgerichtig, dass Ferguson den Brasilianer in der 56. Minute vom Platz nahm, um Valencia zu bringen. Ein Wechsel, der zwar hervorragend funktionierte, aber auch das Gegentor ermöglichte.

Denn nachdem Song einen Ball im Mittelfeld abgefangen hatte – nicht seine einzige gute Aktion in einem starken Spiel – und Van Persie auf der rechten Seite bis zur Grundlinie durchging, konnte sich Ramsey im Rückraum von Park lösen, der gerade erst auf die Anderson-Position gegangen war. Dort, wo eigentlich der zweite zentrale Spieler neben Carrick stehen sollte, war so niemand mehr, und Ramsey netzte zum verdienten 1:0 für Arsenal ein.

Dennoch: Die Umstellung im Mittelfeld von United zeigte Wirkung. Valencia spielte nun rechts, Nani ging auf die linke Seite und Park eben ins Zentrum. Zumindest zwei der drei Zonen profitierten enorm: Valencia konnte mit seinen agilen Flankenläufen Clichy ordentlich nach hinten pressen, und Park zeigte im Zentrum deulich mehr Präsenz, Einsatzbereitschaft und Sicherheit als Anderson zuvor. Das starke Arsenal-Dreieck im Zenturm Song-Wilshere-Ramsey war in seiner Wirkung nun deutlich gebremst. Lediglich Nani hatte mit Sagna etwas Probleme.

Dennoch kam Manchester deutlich besser ins Spiel, Walcott kam nun kaum noch zur Geltung und Arshavin spielte ein ebenso anonymes Spiel wie Nasri, für den er in der Halbzeit gekommen war. Die Gäste waren dem Ausgleich in der Schlussphase deutlich näher, in den letzten Minuten setzte Ferguson alles auf eine Karte und stellte auf ein 4-4-2 um – mit Rooney im Mittelfeldzentrum neben Park und Owen (für Carrick gekommen) neben Berbatov (für Hernández gekommen) in der Spitze. Und hatte am Ende auch noch Pech – weil es nach Clichys Tritt in die Wade von Owen den fälligen Elfmeter nicht gab.

Fazit: Arsenal lange besser, United stellte aber gut um

Dank des starken Zentrums mit Song, Wilshere und Ramsey konnte Arsenal die zwei United-Schlüsselspieler Carrick und Rooney lange sehr gut unter Kontrolle halten, hatte das Spiel im Griff und ging fast zu spät, aber hochverdient in Führung. Doch Sir Alex reagierte richtig auf den Spielverlauf (wenn auch wohl in diesem Fall etwas zu spät) und hätte sich dank der starken Schlussphase einen Punkt durchaus verdient.

So ist die Meisterschaft drei Spiele vor Schluss wieder richtig offen – und Chelsea hat es im direkten Duell sogar in der eigenen Hand, United die Tabellenspitze und in weiterer Folge womöglich auch den Titel noch wegzuschnappen. Für Arsenal war der Sieg vor allem psychologisch wichtig, nachdem die Niederlage im Ligacup-Finale die Saison komplett zum Entgleisen gebracht hatte. Sechs Punkte Rückstand bei noch drei Spielen scheint für den Titel aber dennoch schon zu viel Rückstand zu sein.

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.