Carling Cup 2010/11 | Finale
Wembley, 27. Februar 2011
Birmingham City - Arsenal FC
2-1
Tore: 28' Zigic, 89' Martins bzw. 39' Van Persie

Schock-Niederlage gegen Birmingham – Arsenals Titeldürre geht weiter

Der englische Torhüter? Birminghams Ben Foster hielt sensationell. Aber der aus Polen… Arsenals Wojciech Szczesny bescherte mit seinem Patzer kurz vor Schluss dem Außenseiter sensationell den 2:1-Finalsieg im Ligacup. Womit die Gunners weiterhin auf einen Titel warten müssen!

Birmingham City – Arsenal FC 2:1

Ohne Cesc Fàbregas musste Arsenal in diesem Finale auskommen – doch auch ohne ihren Kapitän waren die Gunners gegen den Abstiegskandidaten natürlich der haushohe Favorit. Aber Birmingham entpuppte sich schnell als Gegner, den man nicht mal eben so im Vorbeigehen schlägt, um die fünfeinhalbjährige Titeldürre zu beenden – 26 Punkte und 14 Plätze Differenz in der Premier League zum Trotz.

Das Team des Schotten Alex MacLeish hielt schon in der Anfangsphase gut dagegen, machte die Räume eng und ließ Arsenal nicht so richtig zur Entfaltung kommen. Das 4-1-4-1 von Birmingham entpuppte sich als das genau richtige System gegen die Grundformation von Arsenal: Sechser Barry Ferguson kümmerte sich hauptsächlich um Tomas Rosický, der diesmal in der Zentrale spielte, und Craig Gardner sollte die Kreise von Jack Wilshere einengen. Der Offensiv-Hub der Blauen war Lee Bowyer: Der Routinier, der einst mit Leeds im Champions-League-Halbfinale gestanden war, orientierte sich aus seiner halblinken Position oftmals zu Zigic in die Spitze und hielt so Alex Song beschäftigt.

Birmingham frech

Und zu allem Überfluss für die Gunners fing Birmingham nach einer Viertelstunde auch noch an, wie wild Pressing zu spielen. Die Folge: Die von Beginn an eher behäbige Spielanlage von Arsenal – waren sich die Gunners ihres Sieges schon von Anpfiff weg zu sicher? – wurde auf das Empfindlichste gestört, und wenn es schnell ging, neigte der Spielaufbau schrecklich ungenau zu werden. Nur in den seltenen Fällen, in denen es über wenige Stationen mit hohem Tempo und ohne Fehlpass in den gegnerischen Strafraum ging, wurde Birmginham-Schlussmann Ben Foster geprüft.

Die Angriffsbemühungen des Außenseiters stellten sich in erster Linie in schnellen Kontern dar, die so lange nach Fußball aussahen, solange 2,02m-Hüne Nikola Zigic nicht beteiligt war. Denn der Serbe ist groß, kann so Gegenspieler binden, aber mit den Ball an den Füßen ist er von Premier-League-Format weit entfernt. Was bei seiner Größe aber verschmerzbar ist, wenn er seinen Körper hinhält und die Kopfballduelle gewinnt – so wie beim 1:0 für Birmingham in der 28. Minute.

Nun war Arsenal gefordert, und der Favorit riss sich auch etwas am Riemen. Die Qualität der Einzelspieler ist bei den Gunners natürlich deutlich höher, und so hätte man Szenen wie beim Ausgleich elf Minuten später durchaus öfter erwarten können: Birmingham hatte im eigenen Strafraum zwar klare Überzahl, aber dennoch kam Arshavin zum Schuss. Dieser prallte zwar an die Latte, aber in der Folge warf sich Van Persie so in den Ball, dass dieser im Tor war.

Arsenal mit Kraftvorteilen

Am grundsätzlichen Charakter des Spiels änderte sich auch nach der Pause zunächst nichts. Birmingham ging nach wie vor ein hohes Tempo und machte die Räume eng und hielt die Zeit, welche den Arsenal-Spielern am Ball blieb, äußerst gering. Ein erstes Zeichen, dass MacLeish nicht nur sich hinten rein stellen wollte und auf einen Lucky Punch hoffen, war sein Wechsel in der 51. Minute, als er mit dem Chilenen Jean Beausejour einen offensivstarken Linksaußen für Wilshere-Bewacher Gardner (der wohl einen Schlag mitbekam) brachte. Der Lohn für die couragierte Leistung und den durchaus mutigen Wechsel: Faheys Lattenkracher in der 58. Minute.

Je länger die zweite Halbzeit aber ging, desto mehr musste Birmingham ihrem kräfteraubenden Spiel Tribut zollen. Der Platz für Arsenal mehrte sich ab der 65. Minute deutlich und die Einwechslung von Nicklas Bendtner (für Van Persie) brachte ebenfalls neuen Schwung in das Spiel der Gunners. Auch Samir Nasri, der insgesamt blass blieb, versuchte nun vermehrt Verantwortung zu übernehmen und holte sich die Bälle, wie es Fàbregas’ Spiel ist, weit hinten – auch, weil Alex Song eine sehr diskrete Partie ablieferte und nicht allzu viel fehlerfreies beitragen konnte.

Die Chancen für Arsenal ergaben sich in dieser Phase dann beinahe im Minutentakt und es erschien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis der verdiente Führungstreffer für den Favoriten fällt. Aber der sensationell aufspielende Ben Foster im Birmingham-Tor hielt alles – auch, nachdem mit Marouene Chamakh (für den schwachen Arshavin) eine neue Sturmspitze für Arsenal das Feld betrat.

MacLeish bleibt mutig

Und wie reagierte Alex MacLeish auf die nun drückende Überlegenheit des Gegners? Mit einem zweiten Stürmer! Obafemi Martins betrat in der 83. Minute für Keith Fahey den Platz und der Außenseiter spielte nun in einem recht klassischen 4-4-2. Auswirkungen auf das Spiel selbst hatte diese Umstellung nicht, außer, dass sich die Gunners nun “nur” noch acht Spielern gegenüber sah, die bei Ballverlust schnell zurückrückten und Arsenal tief erwarteten. Dennoch trug der Birmingham-Coach mit diesem Wechsel letztlich zum Sieg seines Teams bei.

Denn in der 89. Minute waren sich der davor (und auch in den letzten Spielen) absolut tadellose Goalie Wojciech Szczesny und Verteidiger Laurent Koscielny bei einem ebenso langen wie harmlosen Ball in ihre Richtung nicht einig, wer denn nun klären soll. So tat es letztlich keiner der beiden, von Szczesny prallte der Ball ab – und Martins musste nur noch einschieben. Zu diesem Zeitpunkt war das 2:1 für Birmingham zwar schon längst äußerst glücklich.

Aber wer die Tore nicht macht, kriegt sie.

Fazit: Birmingham spielt frech und wird belohnt

Natürlich war Arsenal über die 90 Minuten gesehen die bessere Mannschaft mit vor allem in der zweiten Hälfte den klar besseren Chancen. Aber Birmingham spielte, anders als das lange gehemmt und behäbig wirkende Team von Arsenal, erfrischnend beherzt und glaubte an die eigenen Chance. So lange die Kräfte mitspielten, hielt der Abstiegskandidat den Titelanwärter bei einem nicht unverdienten Unentschieden; was an einem mutigen Auftreten und einer guten taktischen Marschrichtung lag.

Womit die Titeldürre von Birmingham – es war der erste Titel seit 1963 – ein Ende hat, und die von Arsenal weitergeht.

(phe)

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.