Von Wölfen und Vögeln

Der deutsche Ski-Trainer sagt, „die Österreicher gewinnen eh nichts, wir sind besser“, und lässt mit Felix Neureuther seinen besten Fahrer daheim, weil der sein einziges Rennen in Kitzbühel und damit auf einem minderwertigen österreichischen Hang gewonnen hat. Gibt’s nicht? Gibt’s doch!

Bei uns heißt der Trainer Dietmar Constantini, und der Athlet wahlweise Andi Ivanschitz oder Gyuri Garics. Im Kader für das Länderspiel gegen WM-Teilnehmer Dänemark steht weder der Stammspieler aus Deutschland, noch der Stammspieler aus Italien, aber dafür Patrick Wolf (der mit seinen 28 Jahren sage und schreibe 18 internationale Minuten gespielt hat, vor fast vier Jahren mit Ried gegen den europäischen Spitzenklub Sion) und Mario Reiter (der überhaupt noch keine Erfahrung auf internationaler Bühne hat). Constantini baut „auf andere Spieler“, wie er sagt. Ivanschitz ist also auch für die Qualifikation raus.

Was will uns Constantini damit sagen?

Garics kritisierte öffentlich Einberufungspolitik und mangelnde taktisches Know-How des Teamchefs. Von Beobachtern bekam er dafür Lob, vom beratungsresistenten Teamchef den blauen Brief. Andi Ivanschitz ging gegen Ende einer überragenden Herbstsaison mangels Vorbereitung die Luft aus, in den letzten Wochen wurde er erst von einer Gelbsperre gestoppt und dann von einer Grippe gelähmt. Dass er übergangen wird, nimmt er öffentlich mittlerweile mit einem souveränen Grinsen zur Kenntnis, in Deutschland wird Constantini nur mehr als Witzfigur wahrgenommen.

Woran das wohl liegt?

Wenn der Coach einer Mannschaft, die sich in den letzten 20 Jahren für genau ein einziges Turnier qualifiziert hat über die derzeit viert- und bald wohl drittbeste Liga Europas sagt, so gut könne die nicht sein, wenn ein dahergelaufener Österreicher ohne Training ihre Liga aufmischt, könnte das so ein Grund sein. Kaum verwunderlich also, dass mit Andi Ibertsberger ein weiterer Stammspieler aus dieser Liga seit Ewigkeiten nicht berücksichtigt wird (vom aktuellen Fall einmal abgesehen, Ibertsberger ist nicht ganz fit) – obwohl der jedes Wochenede spielt und das in der Regel auch nicht allzu schlecht. Kaum verwunderlich dann auch, dass ein unbequemer Spieler wie ein Garics dann halt ausgeladen wird. Die Aussage, Garics habe zwar Recht, er würde ihn aber trotzdem rausschmeißen, ist geradzu granios.

Sehr wohl verwunderlich aber, dass dann ein 28-jähriger Spieler, der selbst in der österreichischen Liga kaum mehr als Durchschnitt ist, einberufen wird. Wolf passt nicht mal ins Constantinis Beuteschema „jung“.

Wenn man nur die Einberufungen betrachtet, und das muss man zugestehen, sind es diesmal nur die Personalien Ivanschitz und Garics, die einem wirklich sauer aufstoßen müssen. Ansonsten ist Leitgeb dabei, es ist auch Kapitän Pogatetz wieder dabei, und endlich fehlen auch Jimmy Hoffer und Stefan Maierhofer. Es wäre der größte Hohn gewesen, wenn die beiden Tribünensitzer dabei wären, und das Stammspieler-Duo Ivanschitz/Garics nicht.

Dennoch, es fehlt ein rechter Außenverteidiger. Ach, Constantini wollte ja mit vier Innenverteidigern spielen – seltsam dann aber, dass zwei waschechte Linksverteidiger im Kader sind, die nicht im akuten Verdacht stehen, bald Innenverteidiger zu werden. Aber immerhin ist das Team links hinten gut bestückt. Und wenn er schon jemanden ausprobieren will, dann könnte das auch Adthe Nuhiu statt Patrick Wolf sein – der wäre wenigstens noch steigerungsfähig.

Immerhin, wir wissen nun, dass Andi Ivanschitz wohl Weltfußballer werden könnte, aber bei Constantini keine Chance hat. Und Garics? Man wird ja wohl noch hoffen dürfen.

Vielleicht auch auf eine Einsicht von ganz oben.

(phe)

Tor: Christian Gratzei, Jürgen Macho, Helge Payer. Abwehr: Aleksandar Dragovic, Christian Fuchs, Emanuel Pogatetz, Mario Reiter, Paul Scharner, Franz Schiemer, Andreas Ulmer. Mittelfeld: David Alaba, Julian Baumgartlinger, Ekrem Dag, Christopher Drazan, Andreas Hölzl, Jakob Jantscher, Veli Kavlak, Christoph Leitgeb, Christopher Trimmel, Patrick Wolf. Angriff: Daniel Beichler, Marc Janko, Roman Wallner.

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.