T minus 9

Vor zehn Jahren und acht Monaten ging Österreich in Spanien mit 0:9 unter. Nun wartet das vierte Aufeinandertreffen mit dem amtierenden Europameister seit dem Kegelabend von Valencia.

Ein 1:3 und ein 1:1 gab es in den seitherigen Spielen im Happel-Stadion, eine 0:4-Pleite (mit den letzten drei Toren erst kurz vor Schluss) in Spanien, alle Spiele unter Teamchef Otto Barić. Und auch, wenn die spanische Mannschaft nichts mehr mit der damaligen zu tun hat, und die österreichische noch viel weniger, darf man davon ausgehen, dass es diesmal wohl eher keine neun Gegentore werden. T minus 9, quasi.

Wenn man von keinen Überraschungen bei der Aufstellung des ÖFB-Teams ausgeht (was bei Constantini erfahrungsgemäß gefährlich ist, obwohl er angekündigt hat, nicht viel zu experimentieren), wird es ein 4-4-1-1 geben, mit einem ganz und einem halbdefensiven zentralen Mittelfeldspieler. Womöglich auch ein verkapptes 4-2-3-1, mal sehen.

Im Tor steht wie gewohnt Helge Payer, hinten zentral wie ebenso gewohnt Aleks Dragovic und Kapitän Scharner. Links darf man den zuletzt wieder einmal leicht verletzten Christian Fuchs erwarten, rechts sollte Gyuri Garics sein Team-Comeback geben. Erstmals seit dem Kamerun-Spiel im August würde der Atalanta-Legionär dann wieder das Team-Trikot tragen, und nach seiner überaus wahren und unterstützungswerten Kritik dem Teamchef gegenüber wird er unter ganz besonderem Druck stehen. Garics darf sich vor allem deshalb auf einen Einsatz einstellen, weil Constantinis potentielle Alternativen verletzt fehlen (Schiemer), nachweislich dafür ungeeignet sind (Scharner), oder noch nie in dieser Mannschaft gespielt haben (Klein) – und große Experimente hat der Teamchef gegen Spanien ja nicht vorhergesagt.

Im Mittelfeld startet die Flügelzange von Sturm (Jantscher links und Hölzl rechts, obwohl der technich beschlagenere Kavlak hier wohl die bessere Wahl wäre), zentral defensiv wartet auf Yasin Pehlivan wohl eine der schwierigsten Spiele seiner noch jungen Karriere. Neben ihm steht entweder wieder Jules Baumgartlinger (die defensivere Variante), oder Christoph Leitgeb. Der Pluspunkt des kurzfristig nachnominierten Leitgeb: Unter Stevens hat er gelernt, eine echten Sechser zu spielen und dabei die Offensive nicht völlig aus den Augen zu verlieren. Gegen einen weniger starken Gegner wie Spanien wäre diese zentrale Rolle, offensiver angelegt, die von Andi Ivanschitz. Das nächste Länderspiel kommt nach der Winterpause, auch hier gilt: mal schauen.

Als Stoßstürmer vorne dürfte Marc Janko beginnen, der aber in der letzten Woche nicht hundertprozentig fit war. Als hängende Spitze bzw. Als Bindeglied im (sonst unter Constantini schon normal gewordenem) Kraterloch zwischen Sturmspitze und defensivem Mittelfeld soll Roman Wallner vorgesehen sein. Ob er seine Rolle mehr als hängende Spitze interpretiert, oder (was gegen die spielstarken Spanier wahrscheinlich gescheiter wäre) als zentraler Mittelfeldmann, wird sicherlich auch vom Spielverlauf abhängen. Es könnte aber sicherlich nicht schaden, dem spanischen Weltklasse-Mittelfeld Personal ebendort entgegenzustellen.

Für die Spanier selbst ist der Auftritt in Wien kaum mehr als ein letztes Schaulaufen nach einem recht erfolgreichen Jahr und wohl nicht viel mehr als ein lockeres Austrudeln nach dem starken 2:1 gegen Argentinien in Madrid am vergangenen Samstag. Für die Mannschaftsstützen von Barcelona und Real Madrid wartet zudem ab dem Wochenende wieder das beinharte Kopf-an-Kopf-Rennen in der Meisterschaft, vor allem Barcelona hat noch zwei harte und enge CL-Partien vor sich. Das heißt natürlich nicht, dass nicht auch in Wien einiges von den spanischen Stars zu erwarten ist, aber es ist für das Team von Teamchef Del Bosque auch nicht gerade ein zentrales Entscheidungsspiel.

Play-Off
Neben dem „Gurkenspiel“ gegen Spanien warten noch sechs Playoff-Partien für die WM-Endrunde: Allen voran das ultimative Entscheidungsspiel in Afrika, das zum Hass-Duell hochstilisierte Aufeinandertreffen von Afrikameister Ägypten mit den starken Algeriern, wirft die Schatten voraus. Nachdem sich die Ägypter mit dem entscheidenden Tor gegen Algerien in der 95. Minute am Samstag noch in dieses Spiel gerettet hatten, wittern die Unterlegenen unfaire Behandlung – das könnte sich in einer Nervenschlacht, wie sie zu erwarten ist, durchaus entladen. Gut, dass dieses Finale auf neutralem Boden im Sudan stattfindet.

Neben Urugay (gegen Costa Rica) und Frankreich (gegen Irland), die nach 1:0-Auswärtssiegen in den Hinspielen so gut wie durch sind, ist auch in Europa bei drei Begegnungen noch nichts entschieden: Die Russen fahren als hoher Favorit nach Slowenien, haben nach dem (zu knappen) 2:1 im Hinspiel aber kein beruhigendes Polster. Griechenland muss mit einem 0:0 im ersten Spiel nach Donetsk in die Ukraine, bei einem Scheitern verabschiedet sich Griechenlands Europameister-Teamchef Rehhagel wohl in die Trainer-Pension. Und in Zenica versuchen die offensiv so starken Bosnier, gegen Portugal das 0:1-Defizit aus dem hochklassigen Spiel am Samstag in Lissabon zu drehen.

Und auch…
…die U21 ist im Einsatz, in der EM-Quali gegen Aserbaidschan. In Wiener Neudorf (wo das Herzog-Team eine Heimat gefunden zu haben scheint) zählen nach dem enttäuschenden 2:2 in Albanien zuletzt nur drei Punkte. Wie’s geht, haben die Burschen von der U20 gezeigt, die Italien in einem Testspiel mit 1:0 geschlagen haben. Bravo, Burschen!

(phe)

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.