Mein EM-Rezept: Georg

Im Laufe des Österreich-Nigeria Länderspiels habe ich mir nunmehr eine Formation und taktische Ausrichtung überlegt, die zum Erfolg führen könnte. Dabei berücksichtigt: Die individuelle Stärke der jeweiligen Spieler und der Kader, soweit man ihn sich zusammenreimen kann.

Im Tor findet sich Macho, der heute sein Comeback nach dem Crouch-KO gegen England gegeben hat. Hundertprozentig war er leider nicht, ist aber die beste Alternative. Payer fällt aus und Manninger ist mir nicht konstang genug. Die Viererkette besteht aus Garics, Stranzl, Prödl und Pogatetz – sie hat sich grundsätzlich bewehrt. Das Match heute hat gezeigt, dass eine 3er Variante keine Option darstellen wird. Das Mittelfeld setzt sich aus Fuchs, Korkmaz Ivanschitz und Harnik zusammen. Ersterer wird mir gerne als Schwachpunkt angelastet, ich halte ihn weiterhin für die richtige und beste Option am linken Flügel. Harnik ist ein wenig unter Vorbehalt zu sehen, da er bei Werder zum Saisonende kaum im Profiteam spielte. Das Linz und Hoffer Sturmduo gab es heute über eine halbe Stunde lang und ist insgesamt recht experimentell. Der Rapidler ist geeignet für schnelle Vorstöße, der Portugal-Legionär dagegen eher der klassische Knipser (wenngleich es ihm im Team immer noch nicht gelungen ist) mit einer größenbedingten Eignung für Kopfbälle.

Ich gehe davon aus, dass alle von mir aufgestellten Kicker bei der EM dabei und größtenteils auch in Hickes Startformation sein werden. Die Ersatzbank spare ich aus, großartig viel ernsthafte Auswahl bietet sich hier aber eh nicht. Ganz grob werfe ich mal Macho, Gercaliu, Leitgeb, Aufhauser und Kienast als denkbares Bankquintett hin.

Nun eine kleine Aufstellung der wichtigsten Laufwege. Das Spiel soll hauptsächlich über die Flügel in die Gegnerhälfte getragen werden, und speziell in den letzten zwei Fünfteln des Feldes sehr variabel ablaufen können, auch was die Verlagerung des Angriffs ermöglicht (wird bei der Passspiel-Grafik verdeutlicht). Für Rückzüge ins Mittelfeld und neuen Angriffsaufbau (Stichwort „Einschnüren“) sollen vor allem die Innenverteidiger nachrücken (gelbe Pfeile), damit der Ball auch weiter entfernt vom feindlichen 16er zirkulieren kann.

Zur Verstärkung der Defensive hingegen bewegt sich der innere, vordere Teil der Mittelfeldraute zurück (lila Pfeile). Die Flügel sind ohnehin doppelt gesichert, mit fuchs und Korkmaz sind da zwei schnelle Spieler, die das Leder flott nach vorne tragen als auch Angriffe über die Seiten abfangen können. Durch die Verlagerung der Offensivkräfte als auch der Vorgerückten nach links oder rechts kann die Spielausrichtung diktiert oder zumindest forciert werden.

Tormäßig sind die vordersten Vier hauptsächlich in der Pflicht, durch Kombinationen in den Strafraum, oder durch Schüsse aus der zweiten Reihe von Ivanschitz und Harnik.

Kommen wir schlussendlich noch zum Passspiel. Wie bereits erwähnt, soll das Spiel über die Aussenbahnen in die andere Spielhälfte bewegt werden. In einer defensiveren Auslegung ist das auch über die Mitte möglich. Die hauptsächlichen Anspielwege sind auf der Grafik unterlegt, sie beziehen sich auf eine Offensivbewegung des Teams, nicht berücksichtigt (auch zwecks Übersichtlichkeit) sind die aufgerückten Innenverteidiger. Die Bälle von Korkmaz zu Hoffer bzw. Fuchs zu Linz sind keine weiten Bälle über 50 Meter, sondern Flanken oder kürzere Pässe, da die zwei hinteren über Außen in den Angriff mitgehen. Zwischen ihnen sowie Harnik, Ivanschitz und den Stürmern kann sich der Ball dann um den 16er bewegen und wenn nötig an die nachgekommenen Innenverteidiger zwecks Neuaufbau abgegeben werden.

Die Stärken dieses offensiv ausgerichteten 4-2-2-2 liegen speziell in der Angriffsflexibilität und der möglichen Einschnüren ab der Hälfte, sowie der Absicherung der Flügel über das ganze Feld. Schwächen bestehen möglicherweise im Spielaufbau aus der mittleren Defensive in der eigenen Hälfte. Ebenso könnte sie auch anfällig für schnelle Konter im Zentrum sein. Andererseits ist sie selbst in ihrer Defensiven Auslegung (offensives Mittelfeld zurückgezogen, Harnik ersetzt durch einen dezidiert defensiven Spieler) ebenfalls flotte Gegenstöße in der Mitte brauchbar – wobei ich im Falle des Falles eher auf 4-3-2-1 bzw. 4-4-1-1 umschichten würde, wenn das Ziel lautet, eine Führung über die letzte Distanz zu halten.

Das wäre also mein Rezept um bei der Heim-EM, die ja in 10 Tagen startet, möglichst weit vorzustoßen. Meine Werten Ballverliebt-Kollegen (aber selbstverständlich auch alle anderen Fußball-Blogger, die so lieb sind und dann hierher trackbacken) sind eingeladen, ihre eigene taktischen und strategischen Kreationen in ähnlich bebildeter Ausführlichkeit zu präsentieren oder dieses hier in die Mangel zu nehmen :)

Über Georg Pichler

Journalist und zumindest digitaler Superkicker. In echt hütet er meistens das Kastl und das recht gut. Zukünftiger ÖFB-Präsident. Kein Fan, mag aber Sturm Graz.