Wie schneiden Aufsteiger in der österreichischen Bundesliga ab?

Ralf Rangnick hat am Wochenende in einem Interview gesagt, es würde zwar für Altach sprechen, dass der Kleinverein und Aufsteiger so weit vorne in der Bundesliga mitspielen kann, aber auch gegen das Gesamtniveau der österreichischen Bundesliga (was Rapid-Trainer Zoran Barisic kurioserweise dazu treibt, Altach vor Respektlosigkeiten zu verteidigen, obwohl Rangnick ja eher alle anderen als Altach kritisiert). Ich habe mir deshalb angesehen, wie es um die Aufsteiger in Österreich im 21. Jahrhundert (also alle Teams, die vor der Saison 1999/2000 in die Bundesliga aufgestiegen sind, seither gibt es nur einen Absteiger) sportlich bestellt ist.

Das sind die Ergebnisse:

Das Jahr 1

  • Keiner der 16 Aufsteiger ist nach seinem Aufstieg sofort wieder abgestiegen.
  • Der letzte Aufsteiger, der sportlich direkt wieder absteigen musste, war Vorwärts Steyr (1998 trotz Lizenzproblemen aufgestiegen, 1999 abgestiegen).
  • Keiner der 16 Aufsteiger wurde nach seinem Aufstieg sofort Meister oder Vizemeister.
  • Die besten Aufsteiger waren Grödig (3., 2014), Admira (3., 2012), unter Vorbehalt Altach (3., 2015) bzw Ried (4., 2005)
  • Die Aufstiegssaison endete im Schnitt auf Platz 6 (5,813).
  • Die Aufstiegssaison endete in 8 Fällen in der oberen Tabellenhälfte (50%).

Fazit: Das erste Jahr meistern Aufsteiger relativ gut. Die Liga ermöglicht zwar keinen Durchmarsch an die Spitze, scheint aber in der unteren Tabellenhälfte wenig Niveau-Abstand zur zweiten Liga zu bieten.

Das Jahr 2

  • Einer von 15 Aufsteigern ist sportlich im zweiten Jahr nach seinem Aufstieg abgestiegen (Admira 2002, der Lizenzentzug des FC Tirol rettete die Südstätter aber).
  • Einer der 15 Aufsteiger wurde im zweiten Jahr nach seinem Aufstieg Vizemeister (SV Ried, 2007).
  • Die Folgesaison wird im Schnitt eine Position (1,13) schwächer und als 7. (7,13) beendet.
  • Die Folgesaison endete in 3 Fällen in der oberen Tabellenhälfte (20%). (Ried 2. (2007), Pasching 3. (2003), Mattersburg 5. (2004)).
  • Nur vier Aufsteiger beendeten die Folgesaison besser als die Aufstiegssaison (27%).

Fazit: Das verflixte zweite Jahr ist nicht immer aber in vielen Fällen tatsächlich härter für Aufsteiger. Woran das liegt, darüber kann man hier nur spekulieren. Vielleicht lernen die anderen Teams nach vier Aufeinandertreffen den Newcomer einfach besser kennen, vielleicht kann man Spitzenspieler nach dem Aufstieg noch halten, die dann aber doch höhere Aufgaben anstreben. Vielleicht überpowern manche im ersten Jahr aber auch finanziell und müssen dann zurückschrauben. Dazu gibt es sicherlich noch viel zu recherchieren, Diskussionen über die Gründe sind unter dem Artikel gern gesehen.

Die Zeit danach und was sonst noch auffiel

  • Keiner der 16 Aufsteiger wurde hinterher jemals Meister.
  • Der letzte Aufsteiger, der Meister werden konnte, war der GAK (1995 aufgestiegen, 2004 Meister)
  • Von 16 Aufsteigern sind bisher 10 wieder abgestiegen, im Schnitt passierte das nach 4,7 Saisonen.
  • 4 der 6 noch nicht wieder abgestiegenen Vereine sind erst kürzer als 4,7 Saisonen in der Bundesliga. (Admira (4), WAC(3), Grödig (2), Altach (1))
  • 2 der 6 noch nicht wieder abgestiegenen Vereine sind länger als 4,7 Saisonen in der Bundesliga. (Wr. Neustadt (6), Ried (10))
  • Die Aufsteiger, die es am längsten in der Bundesliga hielt, waren Mattersburg (10 Saisonen) bzw. Ried, das kommende Saison zum 11. Mal in Folge erstklassig ist.
  • In den 16 beobachteten Saisonen gab es 13 verschiedene Aufsteiger.
  • Nur 4 aktuelle Bundesliga-Vereine waren konstant erstklassig

Fazit: Langfristig schaffen es nur wenige Klubs, in der Bundesliga Fuß zu fassen. Es gibt aber kaum Fahrstuhlklubs, Aufsteiger bleiben doch relativ lange erstklassig.

“Fun” Fact

  • Der letzte Meister, der sportlich abgestiegen ist, war SpG Wattens-Wacker Innsbruck (1977 Meister, 1979 abgestiegen). In der modernen Ära folgen die aus Innsbruck stammenden Klubs, die ebenfalls Meister wurden (1990 FC Tirol/2002 FC Tirol Innsbruck) und sportlich abstiegen (2007 Wacker Innsbruck) nicht derselben Traditionslinie.

Anmerkungen:

Falls jemand Fragen zu diesen Daten hat. Das statistisch auszuwerten ist aufgrund zahlreicher nicht-sportlicher Faktoren gar nicht so einfach. So habe ich diese Faktoren bereinigt:

  • Wegen des Lizenzentzugs des FC Tirol 2002 musste die Admira nicht absteigen (wurde als Tabellenletzter aber so gewertet)
  • Der Lizenzwechsel von Pasching nach Kärnten bedeutet: Pasching ist 2002 in die Bundesliga gekommen und 2010 als Kärnten wieder abgestiegen
  • Wegen der Strafpunkte des GAK, musste Innsbruck 2007 nicht absteigen (wurde als sportlicher Tabellenletzter hier aber so gewertet).
  • Für die beiden jüngsten Aufsteiger Grödig und Altach fehlen logischerweise Daten, hierfür habe ich die aktuellen Tabellenplätze in der laufenden Meisterschaft herangezogen.

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  • Kai

    Der Umkehrschluss könnte lauten: je länger ein Verein erstklassig ist, desto wahrscheinlicher bleibt er es auch. Jetzt könnte manch einer sagen, ja no na, je länger erklassig, desto besserer Name für Verpflichtungen von Spielern und Trainern, desto größere Fanbases, desto finanzstarke Sponsoren, desto zahlungskräftigere TV-Verträge (ITA, SPA ua.).

    Interessant wäre für mich daher eine andere Frage, vor dem Hintergrund, dass alle Vereine ihr möglichstes Tun, um gute Ergebnisse zu liefern, und auch große Traditionsvereine nicht vor sportlichen wie wirtschaftlichen Fehlern gefeit sind (siehe Rapid Ende 80-er, Tirol Ende 90-er, uva.): In wie weit schafft es der gute Name eines großen Vereines, eine sportliche wie wirtschaftlcihe Misere zu überwinden? Bzw. greifen andere Mechanismen, und wenn ja welche Mechanismen greifen, damit Traditionsvereine wieder zurück finden?

    • Tradition und Name sind wirtschaftliche Faktoren. Wirtschaftliche Faktoren sind sportliche Erfolgsfaktoren. Sportliche Erfolgsfaktoren speisen wiederum Tradition und Namen. Es ist ein Kreislauf. ;)

      Der gute Name kann eine zeitlang Misswirtschaft und sportliche Fehler überbrücken – aber halt nicht ewig, weil er dann schwindet, damit auch die Fanbase und mit ihr das finanzielle Rüstzeug. Wobei: Wenn ein solcher Klub dann wieder einmal eine Saison über seinen Verhältnissen spielt, kann er oft auch die Tradition des großen Namens reaktivieren und dadurch schneller wieder wirtschaftlich wachsen. Außerdem haben große Klubs meist auch eine bessere Infrastruktur, die dann auch schon wieder eine bessere Basis für potentielle Einnahmen ist.

      • Kai

        Die Mechanismen auf der Makro-Ebene sind selbsterklärend. Mich interessiert stark die Mikro-Ebene.

        Beispiel Tirol: der Verein war Meister, EC-Halbfinalist, hat diverse Titel gewonnen und viele Starspieler und -trainer beherbergt, ist Landeshauptverein, hat ein Stadion, viele Fans, großen Namen, und spielt in der 2. Division: was ist das Selbstverständnis dieses Vereins und wie wirkt sich das aus? Dort meinte man, man müssen sofort in die 1. Liga zurück, und hat das für kurze Zeit nur durch einen finanziellen Kraftakt bewerkstelligen können. Heute hat der Verein über € 1 Mio Schulden, und derzeit keinen Perspektiven, wieder erstklassig zu werden. Bei Last sah man ähnliches, nur mit € 4 Mio Schulden, und erst seit der Umstrukturierung gibt es wieder eine positive Perspektive für den Verein.

        Wenn ein kleiner Verein zufällig in eine hohe Liga aufsteigt und kurz darauf wieder absteigt, dann gehen die Leute zum Business as usual über. Aber wie wird das zB. in (voraussichtlich) Hamburg sein? Der Verein hat nicht nur einen großen Namen und Spieler mit dem Anspruch Bundesliga, sondern auch Manager und Verantwortliche, die das Selbstverständnis haben, HSV sei einfach ein Bundeligist. Wie laufen diese Prozesse innerhalb der handelnden Personen ab, die die Grundlage der Restrukturierung bilden sollen?

        Bei Rapid anfang der 90-er hat das insoferne gut funktioniert, als dass die handelnden Personen das Modell des politisch induzierten Zwangssponsorings eingeführt und damit den Verein gerettet haben. Aber das ist wieder eine andere Geschichte … ;)

        • Die Frage ist sicher interessant, die Antwort wird aber von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein, wie du ja anhand deiner genannten Beispiele schon siehst. Allein schon die Definition einer “Misere” ist sehr unterschiedlich. Bei Liverpool heißt das “ein paar Jahre nicht CL zu spielen”, bei Dortmund hieß es “drohender finanzieller Kollaps”, bei Hamburg ists “drohender Abstieg”, bei Innsbruck derzeit “wie zum Teufel schaffen wir es, überhaupt einen Profiverein in der Stadt zu haben?”.