Sternstunde der ÖFB-Frauen: Verdiente 3:1-Sensation gegen Dänemark!

Besser kann es nicht laufen! Da wird erstmals ein Heimspiel der ÖFB-Frauen im Fernsehen übertragen, und dann gibt es gleich so eine Sternstunde. Denn nicht nur, dass vor 2600 Zusehern in St. Pölten ein 3:1-Sieg gegen den haushohen EM-Quali-Gruppenfavoriten Dänemark gelang. Nein, dieser war auch noch hochverdient! Weil es eine exzellente Strategie gab, dem Gegner die Spielgestaltung zu erschweren. Und, im Gegensatz zu Dänemark, die taktische Disziplin immer gewahrt blieb.

Österreich - Dänemark 3:1 (1:0)
Österreich – Dänemark 3:1 (1:0)

Sportlicher Druck? Nein, den gab es bei Österreich in diesem Spiel nicht. Das Playoff-Ticket in der EM-Quali hat das Team nach fünf Siegen en suite (3:0 gg Armenien, 1:0 in Portugal, 4:2 in Armenien, 1:0 gegen Portugal und 3:2 in Tschechien) bereits fix. Und selbst ein Sieg gegen Eigentlich-gefühlt-eh-schon-lange-Gruppensieger Dänemark würde am Gang in die Entscheidungsspiele etwas ändern. Denn auch dann würde Dänemark ein Heim-Remis gegen die schon längst eliminierten Portugiesinnen reichen, um alles klar zu machen.

Außen pressen, innen zustellen

Dass sein Team gegen die auf dem Papier klar stärkeren Däninnen sicher nicht die Ballbesitz-Statistik gewinnen wird, wusste Teamchef Dominik Thalhammer natürlich. Darum musste die Strategie natürlich sein, danach zu trachten, dass Dänemark – zuvor mit 25:0 Toren und sechs Siegen aus sechs Spielen absolut unangefochten – zumindest nicht dazu kommt, die Gefährlichkeit im Spiel nach vorne ausspielen kann. Die Strategie dazu beinhaltete auch Pressing. Was aber nicht hieß, dass auf jene blindwütig zugesprintet wurde, die im dänischen Team gerade den Ball hatte. Nein, das lief deutlich differenzierter ab.

Auf die Außenverteidigerinnen von Dänemark wurde Druck ausgeübt. Die jeweilige Außenspielern im österreichischen Mittelfeld und eine der beiden Stürmerinnen machten hier vor allem in den ersten zehn Minuten schnell die Zeit für die dänischen AV knapp. Die beiden Innenverteidigerinnen vom Favoriten wurden diesbezüglich jedoch beinahe komplett in Ruhe gelassen. Hier achtete Österreichs Sturm-Duo Feiersinger / Burger darauf, dass aus dem Zentrum die Passwege zur dänischen Doppelsechs im 4-2-3-1 von Teamchef Kenneth Heiner-Møller zugestellt war.

Dänemark ohne Risiko

Das funktionierte zumeist hervorragend, auch, weil bei Dänemark eine Mischung aus ungeschickter Raumaufteilung und fehlendem Antrieb zu erkennen war. Österreich gelang es gut, jede der dänischen Reihen von der nächsten gut zu kappen. Die beiden Sechser kamen durch die gute Strategie von Österreich oft nicht richtig an den Ball – und wenn doch, wurde sofort Druck ausgeübt. Und vorne machten sich die vier Offensiv-Kräfte aus Dänemark zwar alle fein zwischen den Linien breit, aber vom Spiel selbst waren sie immer wieder abgeschnitten.

Bei Dänemark (rot, von r. nach l.) war jede Reihe von der nächsten zumeist abgeschnitten. Auffällig vor allem die extrem hohe und strikt an der Außenlinie gehaltene Positionierung von Katrine Veje (links außerhalb des Bilds)

Was das Team aus Dänemark aber über weite Strecken der ersten Hälfte kein Grund für Hektik oder gar Panik war. Im Wissen, dass ein selbst ein Punkt schon fix reicht, um den Gruppensieg auch rechnerisch in der Tasche zu haben, lief der Ball immer wieder lange in der Abwehr-Kette hin und her. Man hatte den Eindruck, bei Dänemark galt das Motto „Wenn’s leicht geht, gewinnen wir halt – und wenn nicht, langt uns ja ein 0:0 auch.“ Risiko-Pässe, wie sie angesichts der Raumaufteilung beider Teams oft notwendig gewesen wären, wurden tunlichst vermieden.

Auffällig war im Spiel nach vorne das Stellungsspiel von Katrine Veje auf der linken dänischen Angriffsseite. Denn während ihr Pendant auf der Gegenseite, Sanne Troelsgaard, oft von Haus aus etwas eingerückt stand, klebte Veje an der Außenbahn und das auch noch extrem hoch. Das sorgte, wie Viki Schnaderbeck nach dem Spiel sagte, durchaus für etwas Unbehagen im österreichischen Team.

Spiel nach vorne

Weil dem dänischen Team eine Spieleröffnung aus der Abwehr heraus schwierig bis unmöglich gemacht wurde, mussten oftmals lange Bälle von hinten in Richtung der Offensiv-Akteure zwischen den Reihen herhalten. Zumeist hatte die österreichische Defensive das im Griff – auch, weil sich beide Viererketten tendenziell zusammen schoben und nach außen verteidigt wurde. Damit hatten die dänischen Außen-Spielerinnen Veje und Troelsgaard zwar durchaus die Möglichkeit, auch mal zur Grundlinie durchzugehen. Aber wirklich gefährlich wurde Dänemark nur, wenn man schon im Strafraum drin war. Hier hatte Österreich zweimal brutales Glück – einmal, als Troelsgaard aus kürzester Distanz über das leere Tor schoss (21.), und einmal, als es nach einem Freistoß im Getümmel weder Harder noch Nadim schafften, den Ball aus ebenfalls kürzester Distanz über die Linie zu bugsieren (36.). Ein Lob darf an dieser Stelle auch an ÖFB-Goalie Anna-Carina Kristler gehen: Sie ging immer wieder beherzt aus ihrem Tor, wenn es das Spiel erforderte und entschärfte so einige potenziell brenzlige Situationen.

Bei Österreich war eigener Spielaufbau nicht gefragt, sondern schnelles Umschalten nach Ballgewinn. Zumeist erfolgte dieser im zentralen Mittelfeld, woraufhin entweder Feiersinger oder Burger auf das Tor zuliefen. Konsequent im Mannschaftsverbund nachgerückt wurde in diesen Situationen allerdings nicht, in der Regel lief eine bis zwei Österreicherinnen (manchmal Puntigam, meistens Aschauer) mit. Vor allem Laura Feiersinger ließ in einigen dieser Situationen allerdings den unbedingten Zug zum Tor etwas vermissen; schlug eher noch einen Haken, als den schnellen Abschluss zu suchen.

Kurz vor der Pause, kurz nach der Pause

Das machte Verena Aschauer in der 42. Minute besser: Wegen eines von ihr ausgeführten Eckballs war sie ausnahmsweise auf der rechten Seite zu finden, sie kam an der Strafraumgrenze an den Ball, wurde von zwei Däninnen nur durchgewunken und bedankte sich mit einem starken Abschluss ins lange Eck – Stine Pedersen im dänischen Tor war chancenlos.

Das erste Pflichtspiel-Gegentor für die Skandinavierinnen seit dem 3. Oktober 2010 (das war im Play-Off der Quali zur WM in Deutschland), oder nach 679 Spielminuten mit sieben Zu-Null-Partien. Dem rund 100 Sekunden nach dem Wiederanpfiff gleich das zweite folgte: Nina Burger zeigte großen Willen, stand nach einem gescheiterten Schussversuch sofort wieder auf und wurde von Laura Feiersinger bedient. Mit etwas Glück – der Ball wurde abgefälscht – verwertete sie zum 2:0.

Dänemark rückt auf, aber nicht nach

War die dänische Spielgestaltung in der ersten Hälfte eher lauwarm, war auch die Reaktion auf das von niemandem erwartete 0:2 halbgar und nicht wirkte nicht fertig durchdacht. Einen Rückstand – noch dazu einen von zwei Toren – konnte Dänemark eben schon lange nicht mehr üben.

Nach dem 0:2 rückte Gajhede auf und unterstützte die Offensive – aber die dänische Abwehr rückte nicht entsprechend nach und lud mit dem enstehenden, ziemlich massiven Freiräumen Österreich geradezu zum Kontern ein.

Aus der dänischen Doppelsechs rückte nun Mariann Gajhede auf, spielte nun eher auf einer Höhe mit der offensiven Dreierreihe. Das Problem dabei war, dass die Abwehrkette nicht entsprechend mit aufrückte. Logischer Effekt: Zwischen Abwehr und Mittelfeld war nun sehr viel Raum, den die verbliebene Spielerin auf der Sechs, Kapitänin Katherine Petersen, nicht abdecken konnte. Waren es zuvor vier Offensiv-Kräfte, die sich nicht um Abwehr-Arbeit scherten, waren es nun sogar fünf Däninnen, und die Räume in deren Rücken nützte Österreich zu einem Konter nach dem anderen. Das erinnert frappant an die zweite Hälfte im Quali-Spiel in Prag im Juni – auch dort warf der Gegner nach dem Rückstand (in noch deutlicherem Ausmaß als Dänemark hier) das Hirn über Bord.

Thalhammer setzt mit Wechsel positives Signal

Eine Viertelstunde vor Schluss setzte der österreichische Teamchef mit einem Wechsel das Signal „nicht das 2:0 verwalten, sondern auf das 3:0 gehen“. Für Elisabeth Tieber – die ihre defensiv ausgelegte Aufgabe auf der rechten Mittelfeld-Seite in ihrem ersten Länderspiel seit 15 Monaten sehr ordentlich erfüllte – kam mit Lisa Makas eine Stürmerin. Der damit verbundene Positionswechsel von Laura Feiersinger auf die Außenbahn war wohl auch eine Reaktion auf die immer mehr Vorwärtsdrang entwickelnde dänische Linksverteidigerin.

Die aber auch nichts daran ändern konnte, dass das Angriffsspiel von Dänemark schlampig und ohne Nachdruck blieb und man den Eindruck hatte, dass der Favorit das Spiel so ab der 70. Minute mehr oder weniger verloren gab. Das war es dann endgültig, als nach einem weiteren Konter Aschauers Schuss an die Latte klatschte und Nina Burger mit all ihrem Torriecher dort stand, wo ein Knipser zu stehen hat. Das 3:0, die Blamage für Dänemark war besiegelt.

Danach legte es auch der österreichische Teamchef darauf an, das Mittelfeld zuzumachen. Mit der Einwechslung von Jasmin Eder für Nina Burger (86.) stand Österreich in den Schlussminuten mit einem 4-1-4-1 auf dem Feld; mit Schnaderbeck als Absicherung hinter Puntigam und Eder. Dass Dänemark in der Nachspielzeit noch das Ehrentor gelang (Nadim verlängerte einen langen Ball per Kopf ins Tor), kümmerte keinen mehr so wirklich.

Fazit: Eine verdiente Sensation

Gegen große Frauenfußball-Nationen wie Frankreich, Norwegen, Russland, England oder eben auch Dänemark stand in der Bilanz des ÖFB-Teams bislang eine dicke, fette Null. Nicht mal ein Remis hat es gegen eines dieser Teams jemals gegeben. Und jetzt das – nicht nur, dass Dänemark mit 3:1 besiegt wurde, nein, es war auch noch eine absolut verdiente Sensation.

Weil Österreich es mit der geschickten und ausgefeilten Strategie gegen die dänische Spieleröffnung bravourös schaffte, dem dänischen Team das mögliche Vorhaben einer schnellen Anfangs-Offensive vergällten. Weil es der Doppelsechs des Favoriten dank der exzellenten Vorstellungen von Viki Schnaderbeck und Sarah Puntigam nie gelang, Struktur ins dänische Spiel zu bringen.

So wurde Dänemark dafür bestraft, nicht ernsthaft nach praktikablen Alternativen im Spielaufbau zu suchen und die wenigen großen Chancen kläglich zu vergeben. Es fehlte ein funktionierender Plan B, sodass es Österreich in der zweiten Hälfte leicht gemacht wurde, immer wieder Nadelstiche zu setzen und gleichzeitig hinten kaum in Bedrängnis zu kommen.

Der Sieg in Tschechien hat dem Team das Wissen vermittelt, dass man auch wichtige Spiele gegen gute Gegner positiv gestalten kann. Mit diesem Gefühl im Rücken und der Tatsache, dass das Playoff-Ticket bereits fix ist, hat das junge österreichische Team (Durchschnitts-Alter der Startformation: 22,1 Jahre!) mit diesem 3:1 endgültig die Meisterprüfung abgelegt. Womit das Ende dieser Quali wohl tatsächlich erst der Anfang zu sein scheint.

(phe)

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.