Österreich – Kroatien: Spielbericht

„Kroatien reicht ein Elfer zum Sieg gegen Österreich. Der Schiri ist trotzdem nicht schuld. Hicke ist Wiederholungstäter. Gercaliu ging unter. Harnik und Korkmaz zeigen wie es geht. Wir haben zu wenig Routine im Angriff.“

So könnte man die heutige Partie mit wenigen Worten umschreiben. Aber wenige Worte sind langweilig, darum hier eine ausführliche Fassung:

Nur 4 Minuten dauerte es, dann bekam der rotweißrote Euro-Traum seinen ersten, herben Dämpfer. Ein ungeschicktes Foul von Aufhausern bescherte den Kroaten einen knapp verwandelten Elfmeter sowie Auftrieb für die restliche Spielhälfte. Überhaupt dauerte es über eine halbe Stunde, bis das Team den Schock verarbeitet hatte und sich nicht mehr in der Defensive einschnüren ließ. Mit etwas Pech hätte die Pausenführung unserer Gegner auch um ein bis zwei Tore höher ausfallen können. Erschwert wurde die Situation zudem noch von der Hitzköpfigkeit von „Mad Dog“ Pogatetz, der sich nach dem Penalty lange Zeit nicht beruhigen konnte. Nur der Nachsichtigkeit des nicht umunstrittenen, niederländischen Schiris war es zu verdanken, dass er infolge einer sehr heftigen Attacke gegen einen Kroaten knapp ausserhalb des Sechzehners nicht mit der Ampelkarte vom Platz gestellt wurde.

Halbzeit eins war absolut nicht EM-reif. Wenn doch kurz etwas lief, und das war praktisch nur in den letzten der ersten 45 Minuten der Fall, dann über Martin Harnik. Jedoch verfehlte es das restliche Mittelfeld gnadenlos, ihn ordentlich zu unterstützen, und auch das Stellungsspiel im Strafraum war mitunter wenig brauchbar.

Besserung kam in Hälfte Zwo: Hicke hatte Pogatetz offenbar wieder gezähmt (auch gezwungenermaßen, weil für seine Position gleich qualifizierter Ersatz weit und breit nicht in Sicht ist), nach anfänglichem Zaudern kam wieder so etwas wie Angriffslust auf. Säumel musste für Vastic weichen, der aus dem offensiven Mittelfeld heraus eine immerhin passable Leistung als Ballverteiler erbrachte. Schließlich erkannte der Bundestrainer auch, dass Gercaliu ein latenter Unsicherheitsfaktor geworden war. Schon vor der Pause zeigte der Red Bull Rückkehrer einige Male, dass er sowohl mit der Spielgeschwindigkeit als auch seinen direkten Gegenspielern stark überfordert war. Er tat also, was er von Beginn an hätte tun sollen, und brachte Korkmaz, der Links fortan für Furore sorgen sollte. Gegen Nigeria als auch gegen Malta hatten sowohl Harnik als auch der Flügelflitzer von Rapid Wien auf den Flügeln ihr Können aufgezeigt, warum Hickersberger zwei Spiele und eine Stunde benötigte um den Schluss zu ziehen, dass man sie daher gleichzeitig einsetzen sollte, wird mir ein Rätsel bleiben.

Roland Linz dürfte müde oder angeschlagen gewesen sein (hatte aber generell nicht den besten Tag), als Joker hätte ich mir alledem aber Hoffer statt Kienast gewünscht. Seit Minute 70 zeigten sich die Kroaten stehend KO und kamen in der Restzeit bloß zu einem ansatzweise gefährlichen Konter. Zwanzig Minuten drückte und drang die österreichische Equipe also auf den Ausgleich, es mangelte schlußendlich immer am letzten Pass oder der Kaltschnäuzigkeit – summa summarum also der Erfahrung und Routine.

Auf der Leistung der zweiten Halbzeit „aufzubauen“, wie es der ORF Kommentator sagte, ist jedoch Blödsinn. Hier wurde schon soviel gebaut, dass sich justament gezeig hat, dass da etwas steht. Wenn man es stehen läßt – in Form der Aufstellung und Spielanlage – dann kann man diese Leistung gegen die Polen auch mitnehmen. Vielleicht klappt es dann auch vorne.

Drei Punkte sind drin, und auch zwingend nötig, will man nicht genötigt sein die Deutschen schlagen zu müssen. Denn: Weil es heute keinen Punkt gab, wird es gegen unseren großen Nachbarn mindestens einer werden müssen, und selbst dann langt es eventuell nur mit fremder Hilfe. Und bei aller Hoffnung die die zweiten 45 Minuten der heutigen Partie gemacht haben: Drei Punkte gegen den WM-Dritten von 2006 wären zwar schön, sind aber alles andere als wahrscheinlich. Auch wenn dessen Sieg gegen unseren nächsten Gegner heute ausgesprochen glanzlos war.

Genauso dumm wie die gebetsmühlenartige Wiederholung des Verbs „aufbauen“ war auch übrigens das Shiribashing im ORF. Sicher hat der Mann Fehler gemacht, und das Hands hätte man geben können. Letzten Ends hatten wir es aber selbst am Fuß, und die Chancen auf einen oder gar drei Punkte leider vergeben.

Über Georg Pichler

Journalist und zumindest digitaler Superkicker. In echt hütet er meistens das Kastl und das recht gut. Zukünftiger ÖFB-Präsident. Kein Fan, mag aber Sturm Graz.

8 Gedanken zu „Österreich – Kroatien: Spielbericht

  1. Eben Tom, darum ist die Suche nach Ausreden ein Was-Wäre-Wenn-Spiel das genau nichts bringt. Der Elfer in der 4ten war regelkonform. Ein späterer Elfer für uns wäre es auch gewesen, natürlich. Sicher war es Pech, dass wir ihn nicht bekommen haben und die Kroaten schon.

    Nur, niemand kann garantieren, dass unser Elfer ein Tor geworden wäre. Genausowenig wie niemand garantieren kann, dass das Spiel nicht grundsätzlich anders verlaufen wäre, wenn der Holländer Pogerl – auch regelkonform – vom Platz gestellt hätte. Fängt man einmal damit an, sich in Hypothesen und Annahmen über ein gelaufenes Spiel zu ergehen, verliert man den Blick auf das Wesentliche.

    Und das Wesentlich war mMn: Wir waren HZ2 klar besser, aber nicht fähig aus unseren Strafraumszenen gute Chancen zu machen. Und die Chancen die wir hatten, haben wir auch nicht zu Toren gemacht. Wir hatten es – ich wiederhole mich – selbst am Fuß, aber die Chance auf 1 oder gar 3 Punkte verheizt. Und den Vorwurf muss sich das Team trotz aller anderen Umstände gefallen lassen.

  2. @georg: gut, ich mein. ist es nicht etwas ungerecht den österreichern vorzuwerfen, kein tor geschossen zu haben und sie sollen sich net auf den schiri „rausreden“? die kroaten haben ohne ihne ja auch keines gemacht, obwohl sie sicher net aufgehört haben, es zu versuchen. österreich war imo die bessere mannschaft, zumindest ein unentschieden wär gerecht gewesen. obs ein 1:1 oder ein 0:0 gewesen wäre, ist zweitrangig. wenn der schiri in der 4. den elfer nicht gibt, wär das spiel ohnehin völlig anders verlaufen. ob besser, werden wir nie erfahren.

    @hump: normalerweise ein klares gelbfoul, und pogatetz hatte zu dem zeitpunkt bereits gelb.

  3. @fan: ich habe mir die Wiederholung des Pogatetz Fouls mehrfach angesehen. Fakt ist, es war auf jeden Fall kein Schlag ins Gesicht, und der Kroate ist sehr theatralisch zu Boden gegangen. Es war sicher ein höchst unnötiges Gerangel, aber selbst wenn da etwas mit dem Fuß war – wenn jemand so gekünstelt fliegt, dann zieht kein Schiri eine Karte.

    Nachdem sich der Schiedsrichterlänger Zeit gelassen hat und mit seinem Walkie Talkie mit den anderen 5 Schiris gesprochen hat, glaube ich, daß diese heimlich die Wiederholung studiert haben ;)

  4. Im Vergleich zur Schweiz gab Österreich eine weitaus bessere Figur ab. Ausscheiden werden wir dennoch , das war Heute die Entscheidung um den 3en Platz in der Gruppe, Schade.

  5. Das er umstritten war ist richtig. Genauso dass er sich im angesprochenen Sinn auch nicht logisch verhalten hat. Am Fuß hatten wir es trotzdem selber. Stellt sich natürlich die Frage wie gut er die Szene beim österreichischen gesehen hat.

    Ja, wir hatten nicht besten Schiri. Nein, Kroatien hätte gut und gerne auch ohne Elfer in der 1. HZ in Führung gehen können. Wären sie vielleicht sogar, wäre ihnen das nicht zuvorgekommen.

  6. dafür nicht.

    aber ich würd doch sagen, dass die entscheidung den gebbaren elfer für kroatien in der 4. zu geben, den gebbaren für österreich später aber nicht, eine gewisse spielentscheidende komponente hatte. ;) den kleinen hauch gastgeberbonus (den es überall sonst immer gibt) hat er dem heimteam jedenfalls nicht gerade zugeatmet …

    keine ausrede, aber eine legitime feststellung über einen nicht besonders sattelfesten schiedsrichter.

  7. Der Schiri darf trotzdem keine Ausrede für unser Verfehlen sein, mit dem Ball vor dem Strafraum was vernünftiges zu machen.

  8. Hätte die Euro in Kroatien stattgefunden, Eröffnungsspiel gegen Österreich und eine solche Strafraumszene zu Ungunsten der Kroaten… wir hätten einen Hollander weniger auf dieser Welt.
    Auch wenn er bei Heißsporn Pogatez in folge sehr zurückhaltend war
    aber dann hääte er auch die Eier haben müssen und in der Schlußphase beim Foul an uns auf den punkt zeigen müssen.
    Da war niet loek

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