Champions League: Kein italienisches Team im Viertelfinale

So schaut es zumindest aus. Milan ist raus, Inter fliegt nächste Woche im Nachtragspiel gegen Liverpool (da wär ich heut fast umsonst ins Pub getingelt) und Roma hats heute sauschwer gegen Real. Gut, man kann den italienischen Klubs in diesem Jahr wirklich nicht gerade Losglück nachsagen. Aber ich, als absoluter Hasser von Fußballitalien (Schauspieler schau ich mir lieber in Filmen an, Maurer finde ich auf der Baustelle vor der Haustür und Korruption gibt’s eh in der heimischen Politik schon genug), freu mich trotzdem.

Nicht überraschend ist, dass im Viertelfinale wahrscheinlich nur noch drei Nationen vertreten sein werden. Vier englische, drei spanische und ein portugiesischer oder deutscher Klub dürften es sein, wenn nicht irgendeine größere Überraschung passiert. Das mag nun den ein oder anderen negativen Aspekt haben, repräsentiert momentan die Fußballwelt aber ganz gut (denn abgesehen von Milan sind auch die ganzen italienischen Klubs eh nicht titeltauglich – und selbst denen hat gegen Arsenal nicht mal Schiedsrichter Konrad Plautz helfen können). Durch die Nationenarmut in der Königsliga erfährt der UEFA-Cup auch wieder eine Aufwertung. Dort tummelt sich Europas attraktive zweite und dritte Klasse. Und für mich ist der UEFA-Cup trotzdem noch interessant: Drei englische Teams sind da im Achtelfinale ja auch noch dabei.

Wie hoffnungslos die Lage in Österreichs Klubfußball ist, sieht man daran, dass es eine Frechheit wäre, wenn ein rot-weiß-roter Verein unter den letzten 16 Klubs vertreten wäre. Jedes der dortigen Teams würde hierzulande Meister werden. (tsc)

Über Tom Schaffer

Journalist und als langjähriger Mittelfeldmotor stolzer zweifacher steirischer Jugendvizemeister. Fan des Offensivkicks und des englischen Fußballs.

10 Gedanken zu „Champions League: Kein italienisches Team im Viertelfinale

  1. In England liegt der Ausländer-Anteil bei knapp 70%, in Italien z.B. nur bei knapp 25% – die aufstrebenden Talente in Italien (oder Spanien oder Frankreich) bekommen sicher mehr Spielpraxis als ihre Altersgenossen in England.

  2. carragher ist ein innenverteidiger – ein überragender in defensiven belangen. ein fehlerloser beim rausspielen. crouch und cole sind nicht überragend, weil sie in einer überragenden liga spielen. und walcott spielt sich halt grade erst rein.

    und ob die engländer bei den 16 anderen klubs jetzt das dreifache verdienen, stelle ich hier jetzt einfach mal so in frage. sie müssen auch nicht besser sein, als ihre pendants in den anderen ligen. sie müssen nur nicht schlechter sein. und sie müssen nur nicht weniger spielen. denn genau da behauptest du ja englands problem auszumachen. ich seh das nicht.

  3. Terry und Ferdinand, okay. Carragher ist kampfstark, aber fußballerisch kaum mehr als Durchschnitt. Scholes wird nicht jünger, Cole ist gut, aber nicht überragend, gleiches gilt für Crouch; Walcott spielt zu wenig.

    Natürlich gibt’s auch gute Spieler bei den anderen 16 Klubs – aber die sind nicht besser als ihre Pendants in Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland oder Holland, nur weil sie das 3-fache verdienen.

  4. du pickst dir da sachen raus. jedem dieser spieler kann man jetzt 5 spieler entgegenwerfen die im jugendalter auf die insel geholt wurden und zu stars wurden.

    dass sich jeder englische klub mehr leisten kann als andere in europa ist leicht erklärt. die premier league ist die attraktivste liga der welt. deshalb ist sie auch die meistgesehenste liga der welt, weil die leute gerne attraktiven fußball sehen. dort wo leute zusehen, fließt auch geld hin. dort wo geld hinfließt, wird auch geld ausgegeben. es is natürlich leicht das geld in der PL zu sehen und sich dann anzuscheissen, aber diesen status hat sich diese liga hart erarbeitet – und die anderen haben es versaut, dasselbe zu erreichen.

    PS: ich bezweifle gar nicht, dass es in der seria a einige offensivmannschaften gibt (wobei juve zu erwähnen ein bisserl höhnisch wirkt). aber die fußballmentalität ist einfach insgesamt das gegenteil von dem, was ich mag.

    PPS: terry, ferdinand, carragher, gerrard, cole, lampard, scholes, cole, rooney, walcott, crouch – kommt langsam in die jahre (gibt ja noch genug material bei den anderen 16 klubs), ist aber auch 2010 noch konkurrenzfähig – gegen jeden gegner. wer behauptet es scheitere in england am spielermaterial, muss blind sein.

  5. Aston Villa hat vor 2 Jahren den 30-jährigen Kapitän vom PSV Eindhoven gekauft (Bouma).

    Portsmouth hat sich damals Benjani Mwaruwari gekauft, der den Durchbruch in Frankreich (Auxerre) längst geschafft hat.

    Dimitar Berbatov war Torschütze vom Dienst in Leverkusen, bevor er zu Tottenham ging, auch Paul Stalteri war schon Deutscher Meister. Ähnliches gilt für Anriy Voronin (war nicht Meister, aber der war auch schon 30).

    Thomas Gravesen war mit dem HSV und Real schon CL, bevor er zu Everton ging.

    Martin Petrov war schon in Wolfsburg in internationaler Klassespieler, bevor er zu Man City ging.

    Obafemi Martins war schon bei Inter, jetzt ist er in Newcastle. Oder Marek Matejovsky – warum sollte ein Stammspieler der tschechischen Nationalmannschaft nach Reading gehen? Das ist kein gezieltes Einkaufen von bis dato praktisch unbekannten Talenten, das ist beinahe Kolonialismus.

    Ich verstehe es, wenn sich die Topclubs auch mit Topspielern eindecken. Aber ich finde es bedenklich, dass es sich jeder dahergelaufene Mittelständler leisten kann, die europäischen Ligen abzugrasen wie Kühe ihre Weide. Und so lange das so bleibt, wird das Englische Nationalteam nie etwas gewinnen. Ich prophezeie dir: Das Three-Lions-Team wird auch in Südafrika nicht dabei sein. Und ich werde sie nicht vermissen – denn er englische Fußball hat mit dem, was derzeit in der Premier League gespielt wird, wenig bis gar nichts zu tun.

    Der Grund, warum die Premier League so weit vorne ist, sind die ausländischen Spieler – und nicht die paar Engländer, die mitspielen dürfen.

    „allein aus den top 4 klubs england (den legionärreichsten) kannst du trotzdem immer noch eine spitzen-nationalmannschaft englands zusammenstellen.“

    Ich wiederspreche. Es gibt nur zwei bis maximal drei herausragende englische Spieler, derzeit: Gerrard und evtl noch Rooney und Lampard. Und Aus. So lange nicht mehr Engländer in den CL-Teams spielen, wird auch das Nationalteam nicht besser. Aber es muss mich ja nicht ich damit herumärgern.

    EDIT: Aber Schu dir mal ein Spiel der Fiorentina, der Roma, auch von Juve, oder Genoa an. Das ist toller Offensivfußball – ganz entgegen des Image.

  6. ich gewinne lieber mit wehenden fahnen. das ist es, was die englischen klubs im moment machen. aber das ist mentalitätssache. wie schon gesagt, wer die effizienz über die attraktivität stellt, der soll das machen. es ist seine zeit, die ihm gestohlen wird. ;)

    zu den ausländerbemerkungen ist aber schon noch was anzumerken. zum einen ist england per se viel multikultureller und internationaler als große teile des sonstigen europas – kann man wenn man möchte auf die kolonialzeit zurückführen.

    zum anderen gibt es kein „blindwürtiges“ zusammenkaufen in der premier league. in england werden stars gemacht und nur wenige stars gekauft. das ist perfektioniertes einkaufen.

    und zum dritten bin ich es leid die lächerlichen ausländerdebatten auch noch beim fußball führen zu müssen. wenn man sich einen legionär leisten kann und der besser ist als ein nachwuchskicker, dann soll man ihn einkaufen. das problem das du hier womöglich aus österreich in die welt projezierst (wo schlechte legionäre gute eigenbauler vertreiben weil die manager so mehr geld mitschneiden), gibt es in england so nicht. allein aus den top 4 klubs england (den legionärreichsten) kannst du trotzdem immer noch eine spitzen-nationalmannschaft englands zusammenstellen. und die legionäre sind zu 98% eine fußballerische bereicherung für den klub, die liga und den fußball.

  7. Im Endeffekt zählt das Ergebnis. Und lieber gewinne ich unspektakulär, als mit fliegenden Fahnen unterzugehen. Und die 7 Trümmer gegen Man Utd fallen da nicht wirklich ins Gewicht. Wir reden hier von 444 Toren in 405 Spielen.

    Aber der Punkt, warum ich ein Freund Italiens bin, ist nicht die Art und Weise, Fußball zu spielen. Natürlich ist der Fußball der Premier League schöner anzusehen, aber ich kann diese Liga trotzdem nicht leiden. Wenn in einer Liga 70% Ausländer spielen und bis zum Letzten die Vereine die Spieler mit Geld zuscheißen (mit einem x-fachen des auch nicht armen Italien-Fußball), hat sie für mich das Gesicht verloren. In Italien hat (bis auf Extrembeispiel Inter) praktisch jede Mannschaft minimum acht einheimische Spieler in den Reihen. Das finde ich viel ehrlicher, als das blindwütige Zusammenkaufen aus aller Welt, wie es die englischen Teams tun.

  8. ich lass keine verteidigung für italien gelten. von mir aus sollen die leute diesen unattraktiven memmenfußball mögen. jeder wie er will. ich will das nicht. und ich werde das auch nie wollen.

    nur: tordurchschnitte und erhaltene gegentore sagen ja bitte garnichts. englische klubs haben am wenigsten gegentore bekommen. und wie das? weil manchester, arsenal, chelsea und liverpool fast jeden gegner seit jahren am anderen strafraum festnageln.

    dass italienische klubs viele tore kriegen is klar, wenn roma gegen manu mit sieben trümmerl nach hause geschickt wird. ;) zumal für die italiener der ac milan ja wohl einiges rausreisst… etc. etc.

    die blanken zahlen sagen da doch nichts aus. die italiener spielen nach wie vor diesen „effizienten“ defensivfußball. milan ist die ausnahme. manchmal rutscht vielleicht auch einem anderen team mal ein 2:0 aus. das kann man jetzt gern mit statistiken wegzureden versuchen, aber mir wirds trotzdem weiterhin bei jedem einzelnen spiel in italien die haare aufstellen. ;)

    aber was mich noch mehr nervt als die ausrichtung des kicks ist, dass die italienische fußballkultur das unsympathische jammern, beissen, schimpfen, schwalben reissen und schauspielern und nach-jedem-luftzug-schwerverletzt-liegenbleiben geradezu zelebriert. und ja, das passiert anderswo auch. es geht mir prinzipiell anderswo auch auf den keks. aber in dieser intensität gibt es das nur in italien.

  9. Ich muss den italienischen Fußball mal verteidigen. Korruption, okay, das sind die Italiener leider gut drin. Schauspieler gibt’s aber anderswo auch. Und das mit dem Maurermeister-Fußball ist eine Mär, die seit Jahren keine allgemeine Gültigkeit mehr hat (gut, Milan jetzt als Ausnahme, aber die sind so alt, die können einfach nicht schneller).

    Tore pro Spiel in den Nationalen Meisterschaften:
    2,2 Frankreich
    2,3 Portugal, Griechenland
    2,4 Türkei, Russland
    2,6 Italien
    2,6 Spanien
    2,7 Österreich
    2,8 England
    3,0 Holland

    Auf nationaler Ebene sind also die Franzosen weit weniger torgefährlich wie die Italiener die ach-so-offensivstarken Portugiesen auch. In Spanien fallen nur unwesentlich mehr Tore. Und auch was die Defensive in internationale Bewerben angeht, täte man den Italienern Unrecht, sie pauschal als Maurermeister zu bezeichnen. Die wenigsten Gegentore haben in der CL (seit 1992) nämlich MIT ABSTAND die Engländer, dann die Spanien, dann die Franzosen, und dann erst die Italiener.

    Und was die Nationalmannschaft betrifft, so spielt sie nicht vordergründig defensiv, sondern ökonomisch. Warum sollte ich in einem Spiel drei, vier oder fünf Tore schießen, wenn ich mit weniger Kraftverschleiß auch gewinne? Ob 1:0 oder 10:0, mehr als drei Punkte wird ein Sieg nicht wert.

    Die Aufteilung im Viertelfinale ist aber mit fünf Nationen nicht so schlecht. Nur, dass es gleich vier Engländer (Korrektur, englische Mannschaften – Engländer spielen da ja kaum) sind, stößt mir etwas sauer auf. Aber dazu Italien, Spanien Türkei, Deutschland mit je einem vertreten, finde ich ganz gut.

    Und, ach ja: GRAZIE ROMA! Grazie per eliminare il Real!

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