Zwei Männer gegen Aserbaidschan

Mit einem 3:0-Heimsieg sichert sich das österreichische Nationalteam die nächsten drei Punkte in der EM-Quali. Ein Ergebnis, das besser war als die Partie  und von zwei Leuten entschieden wurde. Der eine durfte als Star glänzen, der andere bekam als graue Eminenz wenig vom Lob ab.

Ich schicke voraus: Der Sieg war verdient, aber weit unter den Möglichkeiten. In Wirklichkeit hätte Aserbaidschan einen abschussreifen Gegner geboten, wenn der Teamchef nicht auf Nummer Sicher gegangen wäre. Aber alles der Reihe nach.

Österreich - Aserbaidschan (Startformationen)

Österreich begann mit Macho im Tor, Klein als Rechtsverteidiger, Fuchs als Kapitän auf der gegenüberliegenden Seite und dem Duo Schiemer/Prödl in der Innenverteidigung. Den 6er durfte West-Brom-Legionär Scharner nebst dem etwas offensiveren Junuzovic geben, davor agierten Arnautovic, Linz und Harnik. Als Solospitze wurde Stefan Maierhofer nominiert.

Das prophezeihte Geduldsspiel blieb vorerst glücklicherweise aus, denn schon nach drei Minuten sprang der aufgerückte Sebastian Prödl bei der ersten Ecke in die klaffende und höchst einladende Lücke, die ihm des Gegners Abwehr da lies. Schon da wahr zu erahnen, das selbige nicht übermäßig sattelfest ist. Danach folgten die großen 20 Minuten der Gäste, da Teamchef Constantini offenbar erstmal Rückzug anordnete und die ballunsicheren Gäste im Mittelfeld auf einmal Räume vorfanden, die sie sich selbst niemals herausgespielt hätten. Gegen Ende der nicht ungefährlichen Druckphase wurde dem Neo-Bremer Marko Arnautovic sein relativ unbehelligtes Dasein auf der rechten Seite langweilig, und so tauschte er mit dem bis dato links auflaufenden Martin Harnik die Plätze.

Mit der Konsequenz, dass das ohnehin linkslastige Spiel nun endgültig auf diese Seite abdriftete und in der Offensive wieder mehr funktionierte. Die rechte Seite wiederum war bis auf vereinzelte Vorstöße sowohl in der ersten, als auch in der zweiten Spielhälfte quasi tot. Wofür es mehrere Gründe gibt. Zum Einen hatte Harnik nicht seinen besten Tag und wurde zum anderen auch nicht oft angespielt, da Arnautovic zunehmend die Fäden beim Spiel nach vorne in die Hand nahm. Erschwerdend kam hinzu, dass Notoption Florian Klein einen extrem biederen RV gab, der im Strafraum (bzw. dessen Nähe) brav ackerte, sich am Spiel nach vorne aber so gut wie gar nicht beteiligte.

Constantini reagierte – spät, aber doch – auf die taktische Vorlage, die ihm Arnautovic da lieferte, und beorderte das Team zum Pressing 20 Meter nach vorne. Mit Erfolg: Zum Ende der Halbzeit hatten die Hausherren wieder das Heft in der Hand.

Österreich - Aserbaidschan (Ende der 1. HZ)

Druck von links

Einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg leistete auch der Mainzer Christian Fuchs. Er ackerte die linke Seite vom Strafraum bis zur Mittelline und fallweise auch weit in die gegnerische Hälfte ab und traute sich ein paar Ausflüge Richtung Mitte. Nur dank seines Drucks aus der Defensive konnte sich Arnautovic mehr und mehr in Szene setzen, denn so musste er relativ wenig nach hinten arbeiten. Mit dem Einsatz seiner individuellen Klasse entstand so ein Brandherd, den Aserbaidschan über das ganze Spiel hinweg nicht löschen könnte. Problematisch erwies sich an Fuchs‘ Spielweise allerdings, dass die Abwehr in vielen Situation de facto als Dreierkette agieren und reagieren musste, wenn der umtriebige Kapitän sich wieder weiter vorne aufhielt.

Kurz nach der Pause klingelte es dann erneut im Kasten von Agayev. Arnautovic dribbelte sich in die Mitte durch, spielte Maierhofer an, dessen zweiter Versuch, den Ball zurückzulegen, schließlich gelang. Arnautovic genügte dann ein Haken und ein leichter Stellungsfehler des Goalies von Aserbaidschan. Zwei Minuten später nahm Constantini den einsamen Harnik vom Feld und ließ  Veli Kavlak auflaufen, der sich zentraler betätigte, aber auch nicht all zu viel bewirken konnte – von der späteren Vorlage zum 3:0 abgesehen.

Doch noch Offensive

Auch Linz durfte wenig später seinen nicht besonders ergiebigen Arbeitstag beenden, es kam Hoffer. Constantini hatte angesichts des Zwei-Tore-Vorsprungs aber ein wenig Mut geschöpft und baute die Formation kurzerhand in ein 4-1-3-2 um. Leider wirkte Maierhofer meistens wie ein Fremdkörper und kam im gesamten Match nicht über 2-3 brauchbare Szenen hinaus. Auch Rennsau Jimmy Hoffer verpuffte eher wirkungslos und konnte selten Verteidiger binden. Die Gäste standen nun konzentrierter hinten und waren sichtlich froh, sich hauptsächlich auf Arnautovic konzentrieren zu können, verließen ihre Hälfte dafür rund 20-25 Minuten so gut wie gar nicht.

Hier zeigte sich, wie viel eigentlich drinnen gewesen wäre. Mit schnellen Angriffen und hohen Bällen zeigte sich die Defensive der Vorderasiaten nicht nur einmal überfordert (weswegen wohl die Devise „Drei auf Einen“ vorherrschte) und das Mittelfeld war dem Druck aus dem vorgezogenen Pressing kaum gewachsen. Man hätte das Spiel wohl erfolgreich über 90 Minuten so anlegen und einen wesentlich höheren Sieg einfahren können, doch nach 80 Minuten hatte der österreichische Nationalcoach schon wieder genug vom Sturmlauf.

Und wieder zurück

Wenige Minuten nach einem Beinahe-Elfer für Aserbaidschan, etwa 12 Minuten vor Ende der regulären Spielzeit, erfolgte der letzte Umbau – in das vom Start bekannte 4-2-3-1. Baumgartlinger ersetzte Junuzovic und rückte als zweiter DM neben Paul Scharner. Jimmy Hoffer erbte undankbarerweise die einstige Position von Roland Linz, auf der er ähnlich wenig bewirkte. Didi Constantini wollte also ein 2:0 verwalten und beorderte 7 Leute in die Defensive.

Österreich - Aserbaidschan (Schlussphase)

Und so passierte bis in die 92. Minute nicht viel. Die nunmehr müde wirkenden Azeris erarbeiteten sich aus dem geschenkten Raum keine Chancen und Österreich blies nur halbherzig zum Gegenangriff. Ein letzter, schneller Gegenstoß sowie ein Adlerauge-Paß von Veli Kavlak bescherten Arnautovic die Möglichkeit zum Doppelpack, die er dankend nutzte.

Fazit

Es wäre ungefähr ein 6:0 drinnen gewesen. Vielleicht hatte Aserbaidschan nur einen schlechten Tag erwischt, vielleicht lag es auch am Blitztor für Österreich. Entgegen der Einschätzung des Teamchefs erwies sich dieser Gegner als wesentlich leichter als zuletzt Kasachstan. Mit ein wenig Mut zum (geringen) Risiko hätte man die Gegner in die komplette Unsicherheit treiben und in die eigene Hälfte schnüren können, ja müssen. Dazu hätte es aber eine Aufstellungsvariante mit zwei Stürmern oder wenigstens einer hängenden Spitze und einem offensiv ausgerichteteren Mittelfeld mit sinnvoller Besetzung an der 10er-Position bedurft.

20 Minuten lang demonstrierte das Team auch, wie es hätte funktionieren können, bis sich der Teamchef mit einem mageren 2:0 gegen ein inferiores Gastteam abfand. Wer schon so viel Respekt vor einem klaren Underdog zeigt, wird – so muss man befürchten – beim Auswärtsspiel in Belgien unschönen Mauerbau betreiben.

(gepi)

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ANMERKUNGEN VON TOM

Heute haben wir also erfahren, was passieren muss, damit Dietmar Constantini seine Eier findet: Sein Team muss zuhause gegen wahnsinnig schwache Azeris 2:0 führen, dann darf auch einmal nach vorne gespielt werden. Kurz zumindest, denn beim ersten gefährlichen Gegenstoß (dem Fast-Elfmeter für die Gäste), wird dann auch ganz schnell wieder zugemacht.

Bis zum 2:0 war die Spielweise so dermaßen ängstlich, dass einem die Haare ausfallen. Bis zu sechs Mann müssen im Heimspiel gegen Aserbaidschan zurück bleiben, um die Solospitze zu decken. Selbst der eine Außenverteidiger, der aufrücken durfte (normalerweise Fuchs), blieb meist auf Höhe des Mittelfelds wieder stehen.

Österreichisches Abwehrverhalten im Angriff

Dazu kommt, dass die Abwehrreihe dabei auch noch so tief und weit hinter dem Mittelfeld steht, dass selbst einem technisch limitierten Gegner genügend Raum geboten wird. Rückt die Mannschaft da in der Vertikale enger zusammen, wären die Azeris schnell ratlos. Doch die Ängstlichkeit war leider erwartbar. Drei andere Schocker nicht unbedingt, die Constantini heute parat hatte.

Erstens musste Linz nicht wirklich eine hängende Spitze spielen (strange genug), sondern eher den Zehner geben – den offensiven Mittelfeldregisseur. Nun ist dieser „Roligoal“ ja auf seine Art ein Guter, aber dies ist sicher nicht diese Art – auch wenn er sich wie schon gegen Kasachstan redlich bemühte. Ihm ist für die daraus resultierende Leistung deshalb keine Schuld zu geben. Wie die APA das in ihrer Meldung tut, wenn sie von einem „schwarzen Tag“ von Linz spricht. Würde der Teamchef Sebastian Prödl auf diese Position stellen, was ähnlich unpassend wäre, käme auf so eine Interpretation wohl niemand.

Warum nicht ein Arnautovic den Lenker macht und an seiner Stelle Kavlak oder Jantscher den linken Flügel (was nur eine von einer Reihe potentieller Möglichkeiten wäre) besetzt? Eine spannende Frage. Spannend auch, ob wir das in der Ära Constantini noch einmal sehen dürfen. Deren Dauer ist mit dem heutigen Sieg wohl bis zum Ende der EM-Quali fixiert, zumindest falls kein großer Gegner das ÖFB-Team „spanisch“ vom Platz fegt.

Schocker Nummer 2 wäre ein Constantini-Sager bei der Pressekonferenz: Mit der vielleicht wichtigsten taktischen Umstellung des Abends hatte er nichts zu tun. Dass Harnik und Arnautovic nach 20 Minuten Platz tauschten, weil sie bemerkten, dass wenig läuft, wenn der Stuttgarter links und der Bremer rechts spielen, war allein der Verdienst der beiden Spieler. Ihre Rochade war laut eigener Aussage des Trainers nicht von ihm verordnet oder erdacht.

Drittens muss man sich wundern, warum Franz Schiemer die Innenverteidiger-Position einnehmen musste. Nun weiß man, dass Schiemer diese Position von früher kennt. Er hat sie gespielt, bevor er bei Salzburg erst auf die rechte Seite gestellt und dann fürs defensive Mittelfeld umgeschult wurde. Aber mit Aleksandar Dragovic saß eigentlich der beste IV der heimischen Liga auf der Bank und wäre die logische Variante gewesen. DiCo hatte dafür eine „sehr überzeugende“ Antwort parat: Weil Paul Scharner der bessere defensive Mittelfeldspieler als Schiemer ist.

Das große Constantini-Glück heute war das schnelle Tor von Prödl nach einer Standardsituation – mit ziemlicher Sicherheit hätte das Spiel sonst ganz ähnlich unerträglich gewirkt und wäre zur Geduldsprobe geworden, wie jenes gegen Kasachstan. Und dann teilt Constantnini natürlich noch das Glück Österreichs, dass mit Arnautovic endlich wieder Spieler mit dem gewissen Etwas das Nationaltrikot tragen kann. Das mussten heute übrigens auch jene österreichischen Sportjournalisten einsehen, die in den letzten Wochen jeden noch so stupiden Rotz über Arnautovic zum Skandal aufgebauscht haben.

(tsc)

Über Georg Pichler

Journalist und zumindest digitaler Superkicker. In echt hütet er meistens das Kastl und das recht gut. Zukünftiger ÖFB-Präsident. Kein Fan, mag aber Sturm Graz.

27 Gedanken zu „Zwei Männer gegen Aserbaidschan

  1. Spielen wir gut und verlieren, dann wird hier bei uns gelobt und „schade“ gsagt. Spielen wir schlecht, dann wird gekloppt. ;)

    Und sich immer noch auf Brückner und Hickersberger rauszureden (wobei erster ein erkennbares Konzept hatte und zweiter zumindest am Ende auch sowas in der Art und die Ausrede an sich schon komisch ist), ist halt nach so langer Zeit als Teamchef auch keine Option mehr. Constantini müsste längst einen Plan erkennen lassen, stattdessen bestreitet er ja bei jeder erstbesten Gelegenheit, dass es sich überhaupt auszahlt, sowas zu haben. Und so sieht das Spiel der Mannschaft leider auch aus (denn die Möglichkeit, dass er nur blöd redet, die hab ich schon in Erwägung gezogen).

    Dass ich mir heute trotzdem einen Sieg wünsche, ist klar. Eine Niederlage in Belgien würde den Trainer auch nicht den Kopf kosten, dementsprechend wärs in jedem Fall sinnlos, was anderes zu wollen. Aber selbst wenn die Mannschaft heute gewinnt, dann wirst du hier eine positive oder negative Kritik des „Wie“ vorfinden. Darauf kommts uns nämlich beim Blick auf den langfristigen Erfolg eben schon an.

  2. Ich glaube die Kritik ist ein bisschen falsch rübergekommen. Die Analyse vom Spiel ist gut und sehr schön unüblich genau! Dass jemand manchmal mit Kleinigkeiten nicht übereinstimmt ist ja ganz normal. Mich stört die generelle Haltung der Österreicher der Nationalmannschaft gegenüber. Spielen wir gut und verlieren trotzdem heißt es typisch österreichisches Verlierergen. Spielt man schlecht bis nicht gut und gewinnt wird auf dem wie herumgehackt!

    Und grad weil seit geraumer Zeit Jahre vertrödelt worden sind, sollte man hinter dem Team stehen. Das Chaos ohne jeglichem erkennbaren Plan kommt nicht von DiCo. Hickersberger und vorallem auch Brückner haben da schon ihren Teil beigetragen! Und es ist ja auch allen aufgefallen, dass DiCo versucht ein neues österreichischen JUNGES Team für die ZUKUNFT aufzubauen! Für den Geschmack von manchen geht das zu schnell (siehe Pacult, auch ich fand einige Einberufungen zu früh) . Der Weg aus der Depression hoffentlich in die Nähe vom Fußballthron ist über diese jungen Spieler. Und dafür bin ich ihm dankbar!

    „der Teamchef ausnahmsweise mal taktisch alles richtig macht“ – wie schon erwähnt: anderer Mensch anderes Empfinden und andere Ideen. (wichtig bei Mensch: jeder von diesen macht Fehler!)

    Und auch die Färöer haben gezeigt, dass es „kleine“ oder „schlechte“ Mannschaften sehr wohl auch verstehen hinten dicht zu machen. Was dann mit einem gelungenen Konter sehr schlecht für die gegnerische Mannschaft aussieht.

    @Garics: ich würde ihn auch am stärksten einschätzen. Jedoch wirst du es auch in jedem anderen Land und Verein so beobachten können. Stellt sich jemand öffentlich (dumm) gegen der Trainer so hat er nichts mehr im Team verloren. Und sonst einen RV finden der konstant gut Leistung bringt ist nicht so einfach bei uns!Ich finde es auch sehr schade aber es war wohl mehr die (eigen)Schuld vom Spieler und nicht so wie es gerne von den DiCo Kritikern dargestellt wird: „hat Constantini sich zerstritten.“

    Ich würde auch einiges anders machen, aber ich habe auch noch nie (auch zB Mourinho bei Real, Guardiola bei Barca) einen Trainer gesehen bei dem ich mit jeder Entscheidung zufrieden war. Aber die sind alle dort wo sie sind weil sie es besser wissen als der Großteil der Anderen (zB wir).

    Hoffen wir also für heute, dass die Hoffnung auf eine Qualifikation (die mit einem Unentschieden aus einem der ersten beiden Spiele schon weg wäre) wenn überhaupt sehr spät am Schluss stirbt!

  3. @max

    wer respektlos reinpostet, kriegt auch keinen respekt zurück. einer der mit „wisst ihr überhaupt was ein fremdkörper ist?“ antanzt, wird ein „lern lesen“ als echo hoffentlich verkraften können. wenn du das fragwürdig findest, dann viel spaß beim fragen. ;)

    Zu deinem anderen Ansatz. Du hast schon recht, es geht um Ergebnisse – zwar nicht nur, aber im Endeffekt vor allem. Aber es geht nicht um die Erfolge gegen Aserbaidschan und Kasachstan, sondern um die langfristige Entwicklung des österreichischen Nationalteams, damit es irgendwann auch sein tatsächlichse Potential ausschöpfen kann. Das würde meiner Ansicht nach auch Erfolge gegen starke Teams möglich machen (und zwar keine zufälligen, sondern richtig erarbeitete, verdiente). Und diese langfristige Arbeit sehen wir einfach nicht.

    Mit dem aktuellen Spielerpool muss man Gegner wie Aserbaidschan und Kasachstan deutlich schlagen können – oder zumindest an die Wand spielen. Österreich hat gegen Kasachstan die Nachspielzeit gebraucht und gegen Aserbaidschan wärs ohne das glückliche frühe Tor (für das Berti Vogts seine Mannschaft am liebsten gekillt hätte, weil der Abwehrfehler so deppert war) nicht anders gewesen. Und das können wir per Analyse nicht nur auf schlechte Tagesleistungen von Spielern, sondern vor allem auf Teamcheffehler zurückführen.

    Unmittelbar nach der Führung brachte Österreich für eine Phase von 10 Minuten gegen Aserbaidschan zuhause den Ball kaum aus der eigenen Hälfte. Das ist ist eine Mannschaft mit genau einem Legionär in der türkischen Liga, und deren Spieler rebellieren, wenn Vogts ein ganz normales Trainingsprogramm durchziehen will.

    Es darf nicht sein, dass man so einer Mannschaft komplett hilflos gegenübersteht, wenn Arnautovic sich mal verletzt, weil Constantini seine Spieler nicht gemäß ihren Fähigkeiten und im Rahmen eines durchdachten Gameplans einsetzt. Sowas ist im internationalen Fußball eine absolute Mindestvoraussetzung für das was du forderst: Für Erfolg.

    Nicht einzelne Spiele sind für eine Mannschaft wichtig, sondern die Marschrichtung. Niemand von uns wäre Constantini böse, nur weil wir uns nicht für die Euro 2012 qualifizieren. Wenn aber dieses große Potential in Österreich verschissen wird, weil jemand ohne Plan am Steuer Jahre vertrödelt, dann ist Feuer am Dach. Und das ist leider, was sich seit geraumer Zeit abzeichnet.

    Der Mannschaft ist seit dem ersten Spiel unter Constantini in allen Bereichen die den Trainer angehen (Taktik, System, Eingespieltheit, klare Vorgaben, Aufklärung über den Gegner) so gut wie keine Weiterentwicklung anzumerken.

    Kleines Beispiel? Constantini hat seit seinem Antritt in 13 Spielen sechs verschiedene Rechtsverteidiger eingesetzt. Vier davon sind mit dieser Position quasi nicht vertraut, weil sie sie entweder seit Jahren oder überhaupt noch nie gespielt haben. Mit einem der beiden anderen – dem besten den Österreich hat – hat Constantini sich zerstritten.

    Und deshalb sorgen wir uns sehr um den Erfolg, den du als allein wichtig empfindest (was dir unbenommen sein soll).

  4. „Bin davon überzeugt, dass die Leute die über die letzten beiden SIEGE nörgeln auch über ein mögliches Unentschieden morgen schimpfen werden.“

    Das hat mit dem Ergbnis nichts zu tun, sondern mit der Leistung. Und die war einmal unterirdisch und einmal zumindest schwach.

    Wenn gegen Belgien mit einer Leistung wie gegen KAZ gewonnen würde (unwahrscheinlich genug), würden wir uns genauso über eine solche Nicht-Leistung ärgern. Wenn die Mannschaft gut spielt und der Teamchef ausnahmsweise mal taktisch alles richtig macht (unwahrscheinlich genug), würden wir uns auch sehr darüber freuen, wenn’s keine Punkte gäbe.

    Wir hören nämlich nicht beim Ergebnis auf, uns Gedanken über das Spiel zu machen, sondern gehen einen Schritt weiter – anders als fast alle anderen Medien in diesem Land.

  5. Also ich versteh nicht warum hier geschrieben wird, dass Österreich Aserbeidschan mit einem Kantersieg nachhause schicken muss. Egal was für Gegner, ob daheim oder auswärts: 2 Spiele – 2 Siege – kein Gegentor – 6 Punkte
    Es geht beim Fußball halt nicht um Tore im Überfluss (bestes Beispiel wahrscheinlich West Wien United – Saison 08/09 – 3. Klasse Wien) sondern um Punkte! Und grad wenn man sich die Ergebnisse der letzten Jahre anschaut sollte man froh über diese Punkte sein!

    Bin davon überzeugt, dass die Leute die über die letzten beiden SIEGE nörgeln auch über ein mögliches Unentschieden morgen schimpfen werden.

    Ich steh vor dem vermutlich leichtesten Spiel dieser Saison am nächsten Wochenende und will nur die 3 Punkte und keinen Kantersieg!

    Lg Max

    Ps: @Tom Schaffer: „@scenic lesen ist viel leichter als man denkt, du schaffst es anscheinend nicht.“ Auf seiner eigenen Seite beleidigend (wenn auch nur ein bisschen) zu werden ist sehr fragwürdig!

  6. wieder mal eine recht fesche und treffende analyse.

    eine anmerkung zum abwehrverhalten: hätten wir einen teamchef, den die position des avs interessiert, wüsste er, dass man die viererkette nicht aufgeben muss, wenn sich einer der avs nach vorne vertschüsst. der iv auf der entsprechenden seite schiebt nach außen, einer der 6er (dafür haben wir die doch unter anderem?!) rückt in die iv position, die ganze linie steht dann natürlich höher, aber dort gehört sie im angriff auch hin.

    aber ein wenig müsste man sich natürlich, ach, eh schon wissen…

  7. @scenic lesen ist viel leichter als man denkt, du schaffst es anscheinend nicht.

    ganz abgesehen davon, dass da noch eine menge mehr steht, als das was du „zusammenfasst“, wird klein zwar als zu defenisv gesehen, fuchs für seine vorstöße aber eigentlich gelobt. die zurückbleibende dreierkette mit dem dann davorstehenden defensiven 3er-mittelfeld kritisieren wir nicht für offen gelassene lücken, sondern für den mangelnden mut, weil man auf eine einzelspitze von aserbaidschan 6 spieler aufpassen lässt.

    maierhofer ist trotz seinem redlichen pensum an kampf und laufbereitschaft nunmal nicht der stürmer gewesen, der gebraucht worden wäre. diese analyse wirst du akzeptieren müssen.

    wie im vergleich dazu janko gespielt hätte wurde hier überhaupt nicht angesprochen. warum du uns vorwirfst, wir würden janko mit maierhofer vergleichen, ist mir nicht so richtig ersichtlich.

    die kasachstan-analyse findest du in unserem archiv über die suchfunktion.

  8. Maierhofer war in seiner Rolle als (fast durchgehend einziger) Stürmer praktisch nicht wahrnehmbar, ich kann mich diesbezüglich nur an 2 gefährlichere Szenen erinnern. Er arbeitete nach hinten, war aber auch da selten wahrnehmbar. Einen Vergleich zu Janko – der ggen KAsachstan auch nicht unbedingt brilliert hat – schlage ich nicht.

    Und ja, ein vorrückender AV, er dann eben eine Dreierkette hinterlässt (und vor selbiger immer noch defensiv arbeiten kann, wenn nötig) ist nicht unbedingt eine Kritik. Und Klein hat eben über weite Strecken sehr bieder gespielt und war damit einer der Gründe, warum nur sehr wenige Vorstöße über Rechts liefen.

    Was soll daran nicht stimmig sein?

  9. Ich fasse das Gelesene zusammen: AV Klein war zu brav und defensiv, AV Fuchs zu offensiv und hinterließ oft 3 Verteidiger und eine Lücke – diese Kritik ist nicht gerade stimmig. Auch dass Mayerhofer wie ein Fremdkörper wirkte… sorry, aber wisst ihr was ein Fremdkörper ist? Janko war gegen Kasachstan ein Fremdkörper, wollt ihr dessen Leistung mit Mayerhofers unzäligen Ballkontakten und ständiger Präsenz vorne, hinten, überall vergleichen???

  10. So, hab noch mal mein erstes Comment gelesen. War wohl etwas missverständlcih ausgedrückt.
    Hätte besser schreiben solllen:
    „… so wie eigentlich die meisten 4er-Ketten mit modernen AVern funktionieren im Angriffsfall.“

  11. @Phil und Tom

    Ja, das ist schon klar, dass es da verschiedene Ausprägungen gibt, die dann auch – im Idealfall (also nicht beim ÖFB) – auch dem Gegner angepasst eingesetzt werden können. Und ja, so kann mans natürlich stehen lassen, wenn man es als defensiv ansieht, dass „nur“ ein AVer mitgeht.

    Dennoch ist gerade diese Variante, eben mit dem einen AVer, der die Seite unterstützt, über die gespielt wird, und die restlichen drei, die dann zur 3er-Kette werden mMn die weitverbreitetste.

  12. @Einer

    Stimmt nicht ganz, es gibt noch andere Varianten.

    Einer der 6er kann zum Beispiel zurückfallen und zum Libero werden und beide Außenverteidiger aufrücken – und gegen eine Solospitze und einen deutlich unterlegenen Gegner (was gestern der Fall gewesen wäre) bleiben auch schon mal nur 2 IVs zurück und etwas davor noch ein Sechser.

    Außerdem ists in der gängigen Praxis der gestern gezeigten Variante auch so, dass einer der DMs weiter mit nach vorne geht und der aufgerückte Verteidiger deutlich weiter mit vor rückt. Das gestern war zwar im Ansatz bekannt, in der Ausführung aber extrem gehemmt und ängstlich.

  13. Einspruch: Eine Viererkette mit moderenen AV funktioniert so, dass BEIDE Außen nach vorne gehen, und sich der Sechser zentral zwischen die IV zurückfallen lässt. Geht üblicherweise schneller und sicherer (kein Querverschieben nötig).

  14. „Zur Grafik: Die österreichische Vierer-Abwehr war im Angriffsfall eigentlich eine mit drei Verteidigern. Einer der Außenverteidiger (normalerweise der, der das Spiel eröffnete) rückte ins Mittelfeld auf (oder ging ganz selten weiter mit nach vorne), die anderen verschoben seitlich.“

    … so wie eigentlich jede 4er-Kette mit modernen AVern funktioniert im Angriffsfall.

  15. man sollte vielleicht noch anfügen, dass die linke seite insofern besser war, weil rechts die raumaufteilung nicht stimmte. die flügelspieler agierten entlang der seitenauslinie, der nächste anspielbare mitspieler in der zentrale war der st…ürmer. da klaffte einen riesenloch dazwischen, das gefüllt werden müsste. deshalb würde ich sagen, dass die rechte seite absichtlich aufgegeben wurde – oder schlimmer, dass dico das nicht ganz bemerkte. links wurde diese lücke geschlossen, weil scharner aufrückte bzw junuzovic sich weiter nach links orientierte, während über österreichs rechte seite diese lücke offen blieb.

  16. Bravo, blendfreie Analyse mit Durchblick! Gehe konform, das man mit mehr Mut ohne ständiger Angst DiCos Defensivvorgaben zu vernachlässigen ein eindeutigeres und überzeugenders Resultat erzielt hätte. Was mir auffiel, dass nach dem 2:0 > Minute 50-70 > zwar hoher Ballbesitz und große Spielfreude, ausgehend von Arnautovic,
    zu sehen waren, der Ball lief wirklich gut in den eigenen Reihen, aber in letzter Konsequenz wenig zwingende Torchancen herausgearbeitet wurden. Man sah ja, wie sich AZB bei den leider zu wenigen Angriffen über deren Flanken schnell schwer tat und ins Schwimmen kam. Denke mit Hoffer statt Linz von Beginn an und Harnik später in gewohnter Rolle als Joker über rechts man mit forciertem Flankenspiel öfter Torgefahr erzeugt hätte. Aber irgendwie kam man hier zu selten durch. Rechts eigentlich gar nie…

  17. Zur Grafik: Die österreichische Vierer-Abwehr war im Angriffsfall eigentlich eine mit drei Verteidigern. Einer der Außenverteidiger (normalerweise der, der das Spiel eröffnete) rückte ins Mittelfeld auf (oder ging ganz selten weiter mit nach vorne), die anderen verschoben seitlich.

    An sich keine blöde Variante, gegen einen Gegner wie Aserbaidschan scheint mir das aber zu ängstlich, wenn auf diese Weise bis zu sechs Personen mit defensiven Aufgaben zurück bleiben.

  18. Naja, da gibt’s nicht viel zu erläutern. Fuchs ging oft nach vorne, woraufhin sich die verbleibende Verteidigung zu einer Dreierkette umformte und Fuchs mit den beiden ZM ein Dreier-Mittelfeld bildete.

  19. Schöne Analyse!
    Wollt Ihr vielleicht noch die Graphik zum österreichischen Abwehrverhalten in ein paar Worten erläutern?

  20. gute analyse, bis auf die zeilen über Hoffer. Hoffer war aktiver als Linz und wurde auch gerne über Fouls gestoppt. Die wenige Zeit die Hoffer noch hatte, war aktiver, gefährlicher und Aserbaidschan hatte mit ihm mehr Mühe als mit Linz.

    Bei Fuchs sollte man noch hinweisen, dass er sehr fehleranfällig war und seine Passes zu ungenau waren.

    Bei SM sollte man auch darauf hinweisen, dass er brandgefährliche Szene zu Beginn der 1. HZ hatte, dies aber im heimischen Strafraum. Hier sah man gut, was mangelnde Technik ausmacht. Ansonsten war seine Einstellung top, er sprühte vor Einsatzfreude.

  21. Dank Constantini bin ich auf diesen Blog gekommen, alshat er für mich in seiner (hoffentlich limitierten) Zeit als Teamchef was Gutes gebracht, danke für die beeindruckende Analyse!

  22. Hervorragende Analyse.

    Ich habe auch den Eindruck, dass Arnautovic nicht das Spiel ohne Ball hat, dass es auf der rechten Seite braucht. Auf links ist er zumindest mit Ball schwerer auszurechnen. Leider haben wir bei Werder im Moment keinen Linksverteidiger wie Fuchs, der ihm Räume öffnen kann.

    Interessant, dass sich Harnik und Arnautovic den Wechsel selber verordnet haben.

  23. „Erschwerden kam hinzu, dass Notoption Florian Klein einen extrem biederen Linksaussen gab,“
    schon Rechtsaußen, oder?

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