Europacup-Bilanz 2025/26: Öster-reich, punkte-arm

4,55 Punkte für die Fünfjahreswertung! Die Ausbeute von Rapid alleine in der Vorsaison war größer als jene Ausbeute, die das österreichische Europacup-Quintett in der laufenden Spielzeit 2025/26 eingefahren hat. Das waren vergleichsweise mickrige 4,1 Punkte, damit liegt die heimische Bundesliga im Ranking dieser Saison auf Platz 28.

In den vergangenen 30 Jahren war Österreich nur zweimal schlechter – in der Saison 2006/07 (als Pasching, Mattersburg und Ried in ihrer jeweils ersten Quali-Runde gescheitert sind und Salzburg im Europa-League-Playoff und die Austria alle UEFA-Cup-Gruppenspiele verloren hat) und in der Saison 2012/13 (als Salzburg gegen Düdelingen flog, Rapid fünf von sechs EL-Gruppenspielen verloren hat und die Admira wie Ried in der Quali blieben).

Und diese Saison? Bis auf die Austria hat keiner auf ganzer Linie versagt. Aber ohne einen signifikanten Ausreißer nach oben ist es einfach nicht genug, wenn drei Teams in den Ligaphasen nur gelegentlich Zählbares holen.

Was die einzelnen Peaks waren? Nun, 2000/01 war die starke CL-Saison von Sturm Graz, 2004/05 kam die Austria ins UEFA-Cup-Viertelfinale, 2009/10 waren alle vier Vertreter in der Europa-League-Gruppenphase, Salzburg war 2013/14 im EL-Achtelfinale, 2017/18 im EL-Semifinale sowie 2021/22 im CL-Achtelfinale. Der letzte Peak war das Conference-League-Viertelfinale von Rapid im letzten Jahr.

Der fünfte Europacup-Platz für den Sommer 2027 ist verloren, weil Österreich im der Fünfjahres-Wertung vermutlich auf Platz 17 zu liegen kommt – den fünften Teilnehmer gibt es ab Rang 15 aufwärts. Für die nächste Saison fällt das Champions-League-Achtelfinale von Salzburg aus der Wertung, Österreich startet bestenfalls auf Platz 19 – und womöglich sogar noch weiter hinten, schließlich kann man sich gegen punktende Konkurrenz nun nicht mehr wehren.

Sturm Graz (1,2 Punkte für die 5JW)

Der FK Bodø/Glimt war letztes Jahr im Semifinale der Europa League und hat nun in der Champions League auch die Ligaphase überstanden, darf sich in der K.o.-Runde mit Inter messen. Gegen diese top eingespielte Mannschaft im Champions-League-Playoff zu verlieren, war für Sturm keine Schande. Dass es am Polarkreis ein 0:5 gegeben hat, war unschön, aber das Rückspiel hat der Meister immerhin 2:1 gewonnen.

In der Europa League gibt es aber auch schöne Gegner und mehr realistische Möglichkeiten, Punkte zu holen. Zum Start war Sturm zwar gegen das Hochpressing-Spiel von Midtjylland überfordert (0:2), dafür hielt man sich vor allem dank einer starken ersten Hälfte daheim gegen die Rangers schadlos und besiegte die Schotten 2:1. Auswärts bei Celtic verlor Sturm trotz Führung (1:2), ehe man danach in einem stimmungsvollen und intensiven Heimspiel mit etwas Glück Nottingham bei einem 0:0 hielt.

Sturm Graz – Nottingham Forest 0:0

Bis hierhin war die Bilanz okay, doch dann schlug die schlingernde Liga-Form auch auf den Europacup durch. Bei Panathinaikos gab es ohne echte Gegenwehr ein 1:2 und gegen Roter Stern setzte es die erste internationale Heimniederlage nach fünf Spielen (0:1). Im Winter verlor Meistertrainer Jürgen Säumel den Machtkampf mit Sportdirektor Michael Parensen, unter Nachfolger Fabio Ingolisch holten sich extra harmlose Grazer ein 0:3 bei Feyenoord ab – eines von nur zwei Spielen, das die Rotterdamer nicht verloren haben.

Das Aus stand damit schon vor dem letzten Spiel fest, immerhin verabschiedete man sich gegen die trotz Ergebnisdruck recht harmlosen Norweger von Brann Bergen mit einem verdienten 1:0-Sieg. Damit war die Bilanz der Grazer zwar nicht beeindruckend, es war aber doch die beste aller heimischen Teilnehmer. Europacup-Note: 3 minus – sehr viel mehr war in der qualitativ gegenüber den letzten Jahren etwas ausgebluteten Mannschaft kaum drin.

Salzburg (1,1 Punkte für die 5JW)

Kaum zwei Wochen von der Klub-WM in Amerika daheim, mussten die Bullen gleich gegen jenen SK Brann ran, gegen den die Grazer Saison später endete. Trotz schlechter erster Halbzeit auswärts übersprang der Vizemeister diese Hürde relativ locker (4:1 und 1:1). Brügge lieferte man auswärts ein Duell auf Augenhöhe und verlor durch ein spätes Gegentor 0:1, im Heimspiel waren die Bullen schon 2:0 voran, doch sie gaben die Chance auf das CL-Playoff auch mit individuellen Schnitzern noch her, verloren in der Nachspielzeit noch 2:3.

RB Salzburg – FC Basel 3:1 (3:0)

Ob es gegen die Rangers das Champions-League-Ticket gegeben hätte? Nun ja. In der Europa League startete Salzburg stark und mit Chancen gegen den FC Porto, kassierte aber in der Nachspielzeit noch das 0:1. Es sollte lange das letzte wirklich gute Spiel bleiben. In Lyon lieferte man ein besonders minderbemitteltes Trauerspiel ab und verlor (nur!) 0:2, gegen Ferencváros daheim verloren die Bullen nach 2:0-Führung noch mit 2:3. Dieses Match und das gegen Porto waren es, die am Ende den Einzug in die K.o.-Runde gekostet haben. Gute Punkte kosteten sie sowieso.

Gegen die Go Ahead Eagles aus den Niederlanden gab es einen trockenen Arbeitssieg (2:0) und in Bologna einen lange couragierten Auftritt, der aber in einer 1:4-Niederlage mündete. In Freiburg traf ein Österreicher – gegen die Österreicher. Philipp Lienhart netzte zum 1:0 für Freiburg, das Weiterkommen war de facto außer Reichweite. Nach der Weihnachtspause spielte man aber einen indisponierten FC Basel aus und wahrte mit einem 3:1 die theoretische Chance. Zum Abschluss lag Salzburg bei Aston Villa schon 2:0 vorne, aber als Unai Emery mehr Stammspieler ins Spiel warf, war es um Salzburg geschehen – Endstand 2:3. Ein Sieg mit +2 hätte angesichts der anderen Spiele gereicht, aber das war nicht wirklich realistisch. Europacup-Note: 4 – kein komplettes Desaster, aber zu selten konkurrenzfähig genug

SK Rapid (1,0 Punkte für die 5JW)

Im siebenten Anlauf hat es endlich ein Team in die Hauptrunde der Conference League geschafft, das aus den österreichischen Europacup-Entscheidungsspielen kommt. Rapid zeigte in den drei Quali-Runden teilweise soliden Fußball (2:0 und 4:2 gegen Dečić Tuzi), mal Kampfgeist (2:2 und 2:2 mit dem Sieg im Elferschießen gegen Dundee United), mal Resilienz (1:2 und 2:0 gegen Győr). Danach zeigte Rapid nichts mehr davon. Gar nichts.

SK Rapid – Universitatea Craiova 0:1 (0:1)

Bei Lech Posen lief Rapid mit einer geradezu erschütternden Darbietung in ein 1:4-Debakel und daheim gegen die Fiorentina gab es eine 0:3-Niederlage, es war zu diesem Zeitpunkt die fünfte Pflichtspiel-Pleite in Folge. Besser wurde es nur bedingt. Gegen Universitatea Craiova war es bei der 0:1-Niederlage planloses Stückwerk, bei Raków Częstochowa bekam Rapid mit dem 1:4 das nächste schlimme Debakel umgehängt, Peter Stöger – so optimistisch und mit so viel Schwung in die Saison gestartet – wurde entlassen.

Ja, man hatte mit einer langen Verletztenliste zu kämpfen, aber das allein war es sicher nicht. Unter Interimscoach Stefan Kulovits unterlagen die Grün-Weißen daheim Omonia Nicosia trotz einer an sich eh okayen Darbietung mit 0:1, zum Abschluss hätte Rapid bei Zrinjski Mostar sogar fast gewonnen – ein Gegentor in der Nachspielzeit brachte den Bosniern den 1:1-Ausgleich. Europacup-Note: 4 – aber nur, weil man in der Quali im Sommer drei teils komplizierte Runden überstanden hat. Der Herbst war zum Schämen.

Austria (0,5 Punkte für die 5JW)

Der geniale Schwung und die wiedergewonnene Connection mit dem eigenen Anhang – was die Austria im Frühjahr so stark gemacht hatte, war im Sommer wie weg gepustet. Ein 2:0 daheim und ein 5:0 auswärts beim FC Spaeri sieht super aus, ist gegen einen georgischen Zweitligisten aber ziemlich relativ.

Baník Ostrava – Austria Wien 4:3 (2:1)

Schwieriger war da schon Baník Ostrava und da war denn endgültig alles weg, nämlich auch die defensive Stabilität. Sie war der Schlüssel dazu gewesen, dass die Austria bis zuletzt im Titelkampf war, aber die luftige Restverteidigung und die eklatante Anfälligkeit für schnelle Gegenstöße fiel den Violetten ziemlich auf den Kopf – ebenso wie die schlechte Chancenverwertung. Trotz rascher Führung kassierte die Austria auswärts ein 3:4. Daheim musste die Austria vorallem nach dem sehr ungeschickt hergegebenen Elfmeter einen tschechischen Block ausspielen, dafür fehlten die Ideen und es blieb beim 1:1. Europacup-Note: 5 – die Austria hat einen recht unbeholfenen Eindruck hinterlassen.

WAC (0,3 Punkte für die 5JW)

Der Cupsieger und Fast-Meister aus Kärnten hatte zwei Chancen, in eine Ligaphase zu kommen. Zunächst lieferten die Wolfsberger gegen PAOK eine ziemlich resiliente Darbietung im Toumba, diszipliniert gestaffelt hielt man die Griechen bei einem 0:0, auch im Rückspiel ließ der WAC gegen den ziemlich blassen FC PAOK nicht viel zu, nützte aber die wenigen guten Chancen aus Umschaltmomenten nicht. So schlug in der 114. Minute ein Weitschuss hinter Nicolas Polster ein – das 0:1.

PAOK Thessaloniki – Wolfsberg 0:0

PAOK hat in der Europa League eine deutlich bessere Figur abgegeben als gegen den WAC und steht in der K.o.-Runde, ist vermutlich spürbar stärker als Omonia Nicosia. Dennoch war die damals noch von Didi Kühbauer trainierte Truppe gegen die Zyprer im Conference-League-Playoff über 180 Minuten gesehen deutlich unterlegen, was auch Kühbauer selbst einräumte – obwohl der WAC erst im Elfmeterschießen unterlag. Daheim gab es sogar einen 2:1-Sieg, wobei nur ein Polster in Gala-Form und der Chancenwucher von Omonia den WAC im Spiel gehalten hatten, ehe am Ende sogar noch der sehr schmeichelhafte Lucky Punch gelang.

Auf Zypern gewann Omonia 1:0 und der WAC rettete sich nur irgendwie ins Shoot-Out. Markus Pink vergab als einziger. Das war schade, aber ob in der Ligaphase – angesichts der Unruhe mit zwei Trainerwechseln und ausgedehnten Form-Dellen in der Liga – wirklich viel mehr Punkte herausgeschaut hätten als bei Rapid? Europacup-Note: 3 minus – viele Punkte gab es nicht, aber die international unerfahrene Truppe war zweimal wirklich nahe dran.

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.