Testspiel
Tivoli, Innsbruck, 28. März 2017
Österreich - Finnland
1-1
Tore: 62' Arnautovic bzw. 76' Jensen

1:1 gegen Finnland – so ist Arnautovic schwer zu ersetzen

Österreich probiert im Testspiel gegen Finnland einiges aus. Es wurde eine Halbzeit lang wieder im 3-4-3 gespielt, Schöpf durfte als Arnautovic-Ersatz versuchen. Beides klappte nicht ganz nach Wunsch. Am Ende steht ein 1:1, bei dem Österreich mehr vom Spiel hatte, aber wenig Konkretes zeigen konnte.

Österreich – Finnland 1:1 (0:0)

Grundsätzlich spielte Österreich wieder in jenem 3-4-3, das in ähnlicher Form auch bei 2:0-Sieg über Moldawien zum Einsatz kam. Durch die abweichende personelle Besetzung kam es aber natürlich auch zu einem etwas anderen Spiel. Änderungen gab es vor allem im Hinblick auf das Irland-Spiel im Juni, in dem Ilsanker und Arnautovic gelbgesperrt sein werden. Statt Arautovic spielte Schöpf als Linksaußen, statt Ilsanker spielte Alaba wieder im Zentrum.

Der Aufbau

Passmap von Österreich gegen Moldawien (Grafik: @11tegen11): Ilsanker spielte extrem tief. Alaba agierte gegen Finnland höher.

Stefan Ilsanker hatte seine Rolle sehr defensiv angelegt und sich sehr nahe zur Dreierkette positioniert, David Alaba war nun sehr viel mehr Achter als Sechser. Das hatte zur Folge, dass das Aufbauspiel durch das Zentrum einen deutlich größeren Raum einnahm wie noch gegen Moldawien.

Alaba (der alleine in der ersten Hälfte 43 Ballkontakte verzeichnete, die Meisten von allen Österreichern) war der Dreh- und Angelpunkt. Er wurde im Aufbau gesucht, er hatte auch einen sehr großen Bewegungsradius. Er tauchte auf der rechten Außenbahn genauso auf wie ganz vorne. Auch wenn er wieder nicht die ganz große Wirkung entfaltete, wirkte auch Zlatko Junuzovic dadurch sicherer, dass er einen Nebenspieler vor sich hatte, der offensiver spielt als das Ilsanker getan hatte.

Im Gegenzug lahmte der Aufbau über die Flügeln aber etwas. Natürlich: Suttner hat nicht die technischen Fähigkeiten und die spielerischen Möglichkeiten wie Alaba. Er ist grundsolide, aber bietet nichts Überraschendes. Und Schöpf hat andere Qualitäten als ein Arnautovic. So blieb das Tandem Suttner/Schöpf auch eher blass. Und rechts bot sich das gleiche Problem wie gegen Moldawien.

So war Martin Harnik vorne so gut wie isoliert.

Gegen den Ball

Erstaunlich war die über weite Strecken der ersten Hälfte sehr zurückgezogene Positionierung der Wing-Backs Lazaro und Suttner. Nicht selten ergab sich so ein 5-4-1, selbst wenn der Ball noch weit in der gegnerischen Hälfte war. Auch in Pressing in schärferer Form gab es nur in einer kurzen Phase etwa zwischen 25. und 30. Minute zu sehen.

Der Aufbau von hinten aus dieser 5-4-1-Formation (in der die Flügelstürmer Schöpf und Sabitzer die Außenpositionen im Mittelfeld besetzten) erfolgte nicht selten über einen Pass der Außenspieler der Dreierkette (Dragovic bzw. Hinteregger) auf die zurückgezogenen Außenstürmer, welche den Ball dann auf die Achter bzw. die Wing-Backs ablegten. Da aber die Wing-Backs oft weit hinten standen, kam so nie wirklich Tempo rein.

Finnland zeigte sich als technisch und spielerisch recht limitiertes Team, das aber um diese Schwächen herumspielen wollte. Bälle, die man vorne erobert, muss man nicht selbst nach vorne bringen, so presste Sturmspitze Teemu Pukki im Verbund mit jeweils einem bis zwei Mitspielern aus der Mittelfeld-Kette auf die österreichische Verteidigung. Das sorgte zwar selten für echte Gefahr, bremste aber den Aufbau im ÖFB-Team durchaus.

Völlige Umstellung in 2. Halbzeit

Ab 58. Minute

Koller erklärte den 3-4-3- bzw. 5-4-1-Versuch in der Halbzeit für beendet und führte einige Wechsel durch. So stand in der zweiten Hälfte das gewohnte 4-2-3-1 auf dem Feld, nur halt mit einer eher ungewohnten personellen Besetzung. Lainer und Grillitsch durften ihr Länderspiel-Debüt geben.

Die signifikanteste Änderung war aber die Einwechslung von Arnautovic, während Alaba nicht mehr mit dabei war. Arnautovic zeigte sofort den Unterschied zwischen seiner Technik-Dribbling-Spielweise auf dem linken Flügel und jener des geradlinigeren Schöpf. Der Stoke-Legionär tanzte diverse finnische Gegenspieler aus, leitete gefährliche Aktionen ein und harmonierte auch ganz gut mit Aushilfs-Linksverteidiger Martin Hinteregger. Und dann markierte er auch noch aus einer Ecke (einer Ecke!!!) das Tor zum 1:0.

Finnland adaptierte das System nach rund einer Stunde, indem Nottingham-Legionär Thomas Lam etwas nach hinten rückte. So ergab sich ein 4-2-3-1 mit Debütant Fredrik Jensen auf der Zehn. Mit dem zweiten defensiven Mittelfeldspieler reagierte Finnlands Teamchef Kanerva auf die Formation von Österreich, in der es nun einen klaren Zehner gab (Schöpf).

Durch diese Maßnahme und angesichts des Umstandes, dass Junuzovic im Laufe der zweiten Hälfte fast völlig untertauchte – und Alaba gar nicht mehr dabei war – fehlten eklatant die Ideen. Das österreichische Zentrum schob nur noch quer, ein Eindringen in den Strafraum gab es nur durch Einzelaktionen. Ja, das war alles andere als die Einser-Besetzung, aber ein wenig besorgniserregend war dieser Ideenschwund schon.

Finnland bekam das Spielgeschehen schnell beruhigt und kam durch einen Weitschuss von Jensen zum 1:1-Ausgleich. Dieser war durchaus verdient, denn obwohl man wenig Kreativität versprühte, so setzte Suomi dennoch Maßnahmen, die Österreich recht effektiv bremsten.

Fazit: Nicht alle Personalien überzeugten

Was wollte Koller mit diesem Test? Ganz klar: In der ersten Hälfte austesten, ob Schöpf für die Arnautovic-Position in Frage kommt. Da man den direkten Vergleich schon in diesem Spiel selbst geliefert bekam, kann die Erkenntnis nur lauten: Ein Arnautovic in guter Form ist in Irland wohl nicht zu ersetzen.

Auch in der zweiten Halbzeit mit dem gewohnten System konnte es nur um personelle Tests gehen. Hinteregger als Linksverteidiger war ganz gut. Lainer als Rechtsverteidiger brachte wenig, machte beim Debüt aber auch nichts dramatisch falsch. Ebenso Grillitsch, der im Mittelfeld-Zentrum keine Anpassungs-Schwierigkeiten offenbarte.

Dass es das erste Tor nach einem Eckball seit Ewigkeiten gab, ist erfreulich – hatte aber weniger mit einer spannenden Variante zu tun, als mehr mit dem Genie eines Marko Arnautovic. Dass Finnland noch den Ausgleich erzielte, ist ärgerlich, aber das nackte Resultat war zweitrangig. Finnland ist zwar weit von europäischer Spitze entfernt, aber doch signifikant besser als es zuletzt Moldawien war.

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.

  • Peda

    “Was wollte Koller mit diesem Test?” Das frage ich mich auch.

    Mich hat gewundert, dass die “Konkurrenten” auf einer Position meist gemeinsam auf dem Platz standen:
    LV/LAV: Suttner und Alaba eine Halbzeit lang nebeneinander, dann beide ausgewechselt und Hinteregger zweckentfremdet (der das aber sehr gut gemacht hat). Alaba hat wiederholt gezeigt, dass er im Zentrum nicht effektiv ist, dazu fehlt ihm die Übersicht. Er braucht das Spielfeld vor sich, entweder von hinten (nach Abkippen im Nationalteam oder als Halbverteidiger bei Bayern) oder vom Flügel (LV, LAV, LA) kommend. Nur weil er sich überall am Feld einmischt, spielt er noch lange nicht gut, in meinen Augen.
    RV/RAV: Lainer und Lazaro eine Halbzeit lang gemeinsam auf dem Platz – OK, das ist ob der Salzburger Eingespieltheit irgendwie nachvollziehbar. Aber Lazaro spielt im Team kaum RA und so hatte Lainer keine wirklich Anbindung an die gewohnten Abläufe.
    DM: eine Halbzeit lang kein Sechser am Feld, die letzten zehn Minuten aber beide gemeinsam. Gegen Irland wird wahrscheinlich Baumgartlinger spielen, aber da macht es doch mehr Sinn einen “Platzhalter” spielen zu lassen als keinen. Dass zumindest für eine halbe Stunde das Werderduo zu sehen war, fand ich dagegen sehr wichtig und richtig.
    OM: da starten gleich alle vier Alternativen – Schöpf und Junuzovic, sowie Alaba und Sabitzer, die Koller auch schon dafür zweckentfremdet hatte. Zur Halbzeit waren es nur noch zwei, aber 80. kein einziger mehr.
    ST: die Halbstürmer Sabitzer und Harnik gemeinsam für die ersten 45 Minuten, die Mittelstürmer Janko und Gregoritsch gemeinsam für die letzten 20 Minuten – aber nie eine Kombination daraus.

    Ich weiß nicht, wie ihr das seht, aber dadurch war meiner Meinung nach nie eine brauchbare Struktur am Feld und es lassen sich nur schwer Rückschlüsse auf die Leistungen der einzelnen Spieler ziehen.

    Für mich sah es nicht danach aus, als ob Koller an einer Strategie für Irland bastelte, sondern an einer Ausrede. Und offenbar hatte er damit Erfolg, denn sie steht heute überall als Überschrift in den Sportteilen:
    Arnautovic ist nicht zu ersetzen.

    • Peda

      Sorry, jetzt sind mir meine Notizen im Kommentar stehen geblieben. *rotwerd*

      Könnt ihr die ersten fünf Zeilen löschen – oder zumindest ignorieren? ;-)

  • Thomas

    Hat sich da die falsche Passmap reingeschlichen?

  • martidas

    Übrigens, Grillitsch hat mir sehr gut gefallen!

  • martidas

    Wirklich gute Analyse. Aber Janko nicht einmal zu erwähnen ist schon etwas seltsam. Deutlicher als gegen Moldawien und Finnland kann man seine Unersetzbarkeit für das Team kaum zeigen. Auch wenn er heute unglücklich agierte, seine bloße Präsenz im Strafraum sorgt einerseits für Chancen, andererseits für echte Torgefahr und zusätzlich bindet er extrem gut die Innenverteidiger an sich. Gerade gegen tief stehende Gegner ist er sowas wie der ständige Rettungsanker des eher harmlosen Offensivspiels. Wenn er gegen Irland nicht von Start an spielt, dann wäre ich doch sehr verwundert.

    Taktisch kann man sich ja aber das Team in alle Richtungen auslassen, eine interessante Diskussion entstand aber heute über das vorhandene Spielermaterial. Die meisten unserer Spieler eignen sich eigentlich ideal für ein stakes Pressing. Schnell, spielstark, sie können mit dem eroberten Ball auch etwas anfangen und die Räume gut nutzen. Nur sind die Gegenstrategien gegen starkes Pressing derzeit den taktischen Möglichkeiten des Pressing überlegen (irgendwie ist das Team also auch Opfer einer internationalen Entwicklung). Nur was machen wir jetzt mit den Spielern?

    Irgendwie krankt das Team an der Mischung an Spielern die ein Spiel gestalten können (Alaba, Arnautovic, Hinteregger, Baumgartlinger, usw.) und Spielern, die ideal sind um Druck auszuüben (Burgstaller, Schöpf, Junuzovic, Harnik usw.). Deshalb ist da auch immer diese seltsame Unwucht zwischen wirklich konsequenten Spielaufbau und wirklich konsequenten Pressing. Eine geniale Lösung für dieses Problem konnten wir aber auch nicht finden.

    Lustigerweise fehlt dem Team trotz wirklich tollen Spielermaterials ein Spielertyp, der derzeit aus der Mode ist. Ein echter Zehner, der ein Offensivspiel auch aus der Ruhe und dem Stand aufziehen kann, den Pass aus dem Nichts kann und Ordnung und Struktur ins Offensivspiel bringt. Arnautovic übernimmt diese Aufgaben mehrheitlich, ist aber am Flügel in diese Richtung natürlich limitiert.

    Es bleibt spannend. Und eigentlich ist es ja auch egal wie wir in Irland gewinnen. Der unverdienteste, glücklichste und schmutzigste Sieg wäre mir genauso recht.

  • thomas

    tja wird wohl nichts mit der quali, ja es ist theoretisch möglich aber leider schon vergurkt. ich finde 3 punkte aus den spielen gegen irl, wales und serbien sind das optimum aktuell, wird so nicht reichen. mk hat stabilität ins team gebraucht aber die konstanz ging leider 2016 verloren. wer wird sein nachfolger sein? ich sehe da leider keine besseren. hoffentlich kein herzog oder schachner.