Wr. Neustadt – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Sat, 25 Jul 2015 09:05:18 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Erste Liga: LASK rauf, FAC runter – und dazwischen? https://ballverliebt.eu/2015/07/23/erste-liga-lask-rauf-fac-runter-und-dazwischen/ https://ballverliebt.eu/2015/07/23/erste-liga-lask-rauf-fac-runter-und-dazwischen/#comments Thu, 23 Jul 2015 19:53:50 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=11296 Erste Liga: LASK rauf, FAC runter – und dazwischen? weiterlesen ]]> Große Namen wie Lustenau, Innsbruck und St. Pölten schwebten in der abgelaufenen Erste-Liga-Saison ebenso wie die No-Name-Klubs von Horn, Hartberg und FAC bis weit in den Mai hinein in akuter Abstiegsgefahr. Die beiden Absteiger Horn und Hartberg wurden von den Austrias aus Salzburg und Klagenfurt ersetzt. Heißt: Mindestens einen großen Namen wird es heuer erwischen.

Das ist vermutlich der größte Spannungsmoment der nun startenden neuen Saison, in der von den Vorzeichen her vorne ein souveränes Solo des LASK erwartet wird. Hier unsere Vorschau auf die Erste Liga, Ausgabe 2015/16. Die wohl nicht viel weniger dramatisch wird als die letzte.

SC Wiener Neustadt

Wr. Neustadt
Wr. Neustadt: Komplett neuer Kader. Außen und im Zentrum gut, vorne wohl nicht so.

Bis auf die Trikotfarbe und das Stadion hat der SC Wr. Neustadt nach dem Abstieg so gut wie nichts mit dem SCWN vor dem Abstieg zu tun. Günter Kreissl, der nun nicht nur Sportchef, sondern auch Trainer ist, musste eine komplett neue Truppe zusammen stellen. Herausgekommen ist ein Kader, der mit Sinn und Verstand zusammengesetzt sein dürfte. Gerade in der Mittelfeld-Zentrale gibt es mit Sittsam, Duran, Rusek, Saurer vier ordentliche Kandidaten, links spielen Hütter und Harrer wie schon letztes Jahr bei Kapfenberg zusammen; Seebacher, Duran und auch Takougnadi können rechts spielen.

Leise Bedenken gibt es aber hinten und vorne anzumelden. U-20-Teamstürmer Maderner fehlte es in der Bundesliga an Torgefährlichkeit, die Optionen auf der Zehn (Julian Salamon, Manfred Fischer, Nikola Ivic) sind bestenfalls Liga-Durchschnitt. Hintern sollen Remo Mally und Andreas Pfingstner den Laden vor Martin Fraisl (der Petr-Cech-Gedächtnishelm-Träger kam vom Sportklub) dichter halten als das in der Bundesliga Vereinig und Susac gemacht haben.

Vom System her ist am ehesten ein 4-2-3-1 (mit Tendenzen zum 4-4-1-1) zu erwarten. Wie Kreissl die Spielanlage plant, muss man sehen. Für passives Konterspiel (wie unter Kolvidsson) ist die Abwehr vermutlich zu unsicher, für Halligalli-Fußball die Abteilung Attacke zu unbeständig. Prognose: Wr. Neustadt spielt im breiten Liga-Mittelfeld mit und sollte den Klassenerhalt schaffen.

FC Liefering

Liefering
Liefering: Riesen-Reservoir, viele Optionen, offensiv ausgerichtet, kaum einer über 20.

U-20-Teamkapitän Lukas Gugganig ging nach Frankfurt, diverse andere Talentierte – Prevljak, Pires, Atanga und Laimer – zur Bullen-Kampfmannschaft, Rasner zu Grödig, Roguljic zu Kroatiens Vizemeister Hajduk Split: Liefering wird personell wieder einmal ein völlig anderes Gesicht haben als in der Vorsaison, mit Thomas Letsch ist auch ein neuer Trainer statt des beförderten Peter Zeidler am Werk.

Was nicht nicht ändern wird: Dass Liefering, das mit viel Abstand jüngste Team der Liga, als einzige Mannschaft das Liga-Motto „Heute für Morgen“ wirklich lebt. Der aggressive Pressing-Fußball, der bei allen Salzburger Bullen-Abteilungen praktiziert wird, bleibt als Fundament erhalten, in erster Linie füllten Talente aus der eigenen Akademie und von anderen Red-Bull-Niederlassungen die frei gewordenen Plätze auf. Sie werden eine gewisse Zeit brauchen, um sich an das höhere Tempo gewöhnt zu haben, aber große inhaltliche Reibungsverluste sind nicht zu erwarten.

In den Testspielen spielte Liefering durchgängig ein 4-4-2, mit großer personeller Fluktuation. Auch das wird sich in der Meisterschaft nicht ändern, letzte Saison setzte der Vizemeister 36 verschiedene Spieler ein. Es ist natürlich auch wieder mit großen Leistungs-Schwankungen zu rechnen: Glanzvolle Siege gegen Top-Teams sind ebenso drin wie zünftige Debakel gegen Abstiegskandidaten. Prognose: Liefering wird wieder problemlos in der oberen Tabellenhälfte landen.

LASK Linz

LASK
LASK: Der deutlich beste Kader der Liga mit sehr proaktiver Spielanlage Marke Glasner.

Nach der totalen Implosion im Frühjahr blieb beim LASK kaum ein Stein auf dem anderen. Es erfolgte ein weitgehender Re-Boot und die Investitionen bestätigen, was man ohnehin wusste: Die Linzer wollen rauf und mit den Möglichkeiten müssen die Linzer auch rauf.

Das bedeutet auch eine totale Abkehr vom hölzernen Mal-schauen-Fußball, wie er unter Karl Daxbacher gespielt wurde, hin zum proaktiven Nach-vorne-Verteidigen und Hochpressing-Spiel der Marke Oliver Glasner. Wie zerstörerisch das für die Gegnerschaft sein kann, deutete man schon in der zweiten Halbzeit beim 7:2 im Cup in Parndorf an: Da brettern Ullmann und Drazan (links) bzw. Ranftl und Kerhe (rechts) brutal nach vorne, da lenken Hinum und Michorl (oder auch Reiter und Erdogan) im Mittelfeld-Zentrum, da rennen Dovedan und Gartler (oder auch Dorta, Fröschl, Pellegrini und Fabiano) vorne die Spieleröffnung an und vollstrecken.

Dass das IV-Duo mit Cabrera und Ramsebner – defensiv top – in der Spieleröffnung nicht die Créme de la Créme darstellt, wird dabei vermutlich zu verschmerzen sein. Außerdem gibt es in der Defensive nicht allzu viele Alternativen, sollte von der Stammbesetzung jemand ausfallen. Dennoch: Der Kader und der Plan, den Glasner und Angerschmid mit ihm haben, ist in Kombination viel zu stark für die Konkurrenz. Die Linzer können sich nur selbst schlagen. Prognose: Der LASK steigt auf.

Kapfenberger SV

Kapfenberg
Kapfenberg: Gute Abwehr, brauchbares Mittelfeld. Aber vorne kann es eng werden.

Das Sturmduo mit Witteveen und Poljanec ist weg, die Außenspieler Suppan, Hütter und Harrer ebenso – der KSV ist bekannt dafür, nicht direkt gut zu zahlen. Auf der anderen Seite kam neben Liefering-Talent Haas nur der spanische Stürmer Sergi Arimany von einem spanischen Viertligisten als Neuzugänge von Format.

In Ermangelung von Mittelstürmern – Arimany ist der einzige nennenswerte Angreifer – stellte Trainer Kurt Russ auf 4-3-3 um. Die Defensive ist guter Liga-Durchschnitt, das Mittelfeld-Zentrum ebenso. Aber die Frage nach der offensiven Durchschlagskraft wird im Laufe der Saison wohl die wichtigste sein. Verletzt sich Arimany, oder erweist er sich als Flop, hat Kapfenberg ein gravierendes Problem, das sehr schnell dazu führen kann, dass der KSV im Abstiegsstrudel landet.

Kurt Russ ist einer der innovatieren Trainer der Liga, der auch mit einem mäßigen Kader das Optimum heraus halten kann. Aber Zaubern kann der frühere Teamspieler auch nicht. Prognose: Kapfenberg kann im Mittelfeld landen. Die Abstiegsgefahr lauert aber.

SKN St. Pölten

St. Pölten
St. Pölten: Hohe Qualität im Zentrum, aber vermutlich relativ leicht ausrechenbar.

Nach der Horrorsaison mit zwei Trainerwechseln und ständiger Abstiegsangst ist in der NV-Arena nun wieder Hoffnung und Aufbruchstimmung zu spüren. Am Kader hat sich dabei nicht so viel verändert, die prominenteste Änderung gibt es auf dem Trainerposten: Karl Daxbacher schwingt nun das Zepter in der Coaching-Zone.

Zu erwarten ist ein typisches Daxbacher-4-4-2, mit einem defensiven Anker in der Zentrale (Neuzugang Flo Mader) und einem deutlich offensiveren Nebenmann (Lukas Thürauer), beides Spieler mit einiger Routine. Auch vorne gibt es eine klare Aufteilung: Ein Strafraum-Knipser und ein mobiler Partner, der sich auch einmal etwas in Richtung Mittelfeld fallen lässt – hier kommt Neuzugang Daniel Beichler ins Spiel.

Der SKN verfügt über einen gut besetzten Kader und einen erfahrenen Trainer, der aber nicht gerade als Innovator gilt. Der Fußball, den St. Pölten spielen wird, wird eher biederer Natur sein und sich bis zu einem gewissen Grad auf individuelle Klasse verlassen. Diese ist fraglos vorhanden, aber für den letzten Schritt wird noch einiges fehlen. Prognose: St. Pölten spielt im vorderen Bereich mit, wird aber nicht Meister.

FC Wacker Innsbruck

Innsbruck: Routiniert, aber ohne Vision. Ganz okay, ohne echtes Entwicklungs-Potenzial.
Innsbruck: Routiniert, aber ohne Vision. Das echte Entwicklungspotenzial ist nicht da.

Gerade noch hatte sich Wacker am letzten Spieltag gerettet. Die Basis des Klassenerhalts war eine sichere Defensive, denn Tore gab es so gut wie keine. Von den Erfahrungen und den zur Schau gestellten guten Nerven sollen die Tiroler nun profitieren und nicht wieder hinten hinein rutschen.

Der neue General Manager, Alfred Hörtnagl, zeichnet für diesen Kader und die bislang erfolgten Neuzugänge noch nicht verantwortlich, dazu ist er noch nicht lange genug im Klub. So wirkt auch die Zusammensetzung der Mannschaft eher visionslos: Fast keiner der Stamm-Kandidaten ist jünger als 25 Jahre, der erhoffte Retter im Angriff ist Italien-Heimkehrer Thomas Pichlmann. Mit Florian Jamnig konnte sich letztes Jahr nur ein Spieler aus Tiroler Produktion in die Mannschaft spielen, und der ist auch schon 24 Jahre alt. Wacker ist derzeit eine Ansammlung von durchschnittlichen Zweitliga-Spielern und ein paar Routiniers, die nirgendwo anders mehr untergekommen sind. Dem eigenen Nachwuchs traut man es recht offensichtlich nicht zu, gut genug für die Erste Liga zu sein oder zu werden.

Kurz: Der Kader sieht so aus, als wollte man sichergehen, halbwegs mitzuschwinmmen, ohne unterzugehen. Das ist natürlich auch den engen finanziellen Grenzen geschuldet. Wacker ist gut genug und vor allem erfahren genug, nicht wieder so viel zittern zu müssen wie letztes Jahr. Aber das Entwicklungspotenzial innerhalb des aktuellen Kaders ist gleich Null. Prognose: Innsbruck wird im Graue-Maus-Stil im Mittelfeld mitspielen. Nicht mehr, nicht weniger.

SC Austria Lustenau

Lustenau
Lustenau: Ist die Abwehr wirklich besser? Der Spielaufbau stringenter? Der Angriff stärker?

Besonders glorreich verlief auch die letzte Saison von Austria Lustenau nicht. Die Vorarlberger wechselten zweimal den Trainer und blieben nur mit Mühe in der Liga – ehe neben einigen Flops (Strandvall, Fall) auch einige Stützen (Kobleder, Pürcher) den Klub verließen.

Die Replacements rekrutieren sich aus den Reserve-Teams von Nürnberg (Wießmeier, Ex-U-20-Teamspieler des DFB), St. Gallen (Grabher) und der eigenen (Bruno) bzw. gleich aus Kickern, die bislang ohne Klub waren (Dossou). Dazu kamen zwei Spieler von Absteiger Horn (Tursch, Kreuzriegler). Kurz: In den dringenden Verdacht, deutlich besser als in der letzten Saison aufgestellt zu sein, gerät Lustenau nicht.

Die Frage wird sein, ob es Trainer Lassaad Chabbi schafft, dem spätestens seit der Kolvidsson-Entlassung vor einem Jahr etwas ziellos vor sich hin mäandernden Truppe ein Gesicht, eine Idee, eine Identität zu verpassen. Auch darunter litt Lustenau in jüngster Vergangenheit – und natürlich an fehlender Kontinuität und Ruhe. Das ist natürlich in erster Linie die Schuld von Präsident Hubert Nagel, der sich standhaft weigert, einen Sportchef zu verpflichten, sondern alles selbst macht. Die Gutsherren-Art, mit der der Klub damit geführt wird, macht ihn zum Teil einer aussterbenden Spezies. Prognose: Lustenau ist ein heißer Abstiegskandidat.

Floridsdorfer AC

FAC:
FAC: Vom Kader her ein besserer Regionallist – Kämpfen alleine wird sicher nicht reichen.

Kaum war Hans Kleer durch Peter Pacult ersetzt worden, wurde noch deutlicher, dass es dem FAC eigentlich an der individuellen Qualität fehlt, um in der Ersten Liga mitzuspielen. Aus einem gut eingestellten, zumeist kompakten und unangenehm zu spielenden Team wurde ein heilloser Haufen, der in den sieben Spielen unter Pacult zweieinhalb gute Halbzeiten gespielt hat und reichlich Glück hatte, die Klasse zu halten.

Nun sind mit Taktgeber Sargon Duran und Goalie René Swete noch zwei wichtige Spieler abhanden gekommen. Einzige Hoffnung ist (neben dem kroatischen Stürmer Brekalo) die Kooperation mit der Austria, über die man Tino Casali (der ja eine großartige U-20-WM gespielt hat) und Alexander Frank bekommen hat. Dazu soll Csaba Csizmadia – wer erinnert sich noch? Der war mal in Mattersburg – die Abwehr stabilisieren. Nur: Ob das wirklich reicht?

Trainer Peter Pacult ist bei seinem Stammklub zwar sicherlich mit vollem Herzen dabei, aber sein Zugang einst bei Rapid (und noch viel mehr in Dresden und auch in Leipzig) ist nicht direkt innovativ. Mit dem von der individuellen Qualität wohl mit Abstand schwächsten Kader der Liga wird aber etwas mehr notwendig sein als voller Einsatz, um sich über Wasser zu halten. So wie es Hans Kleer gemacht hat, solange Sportchef Eigl ihn arbeiten ließ. Prognose: Es wäre ein Wunder, wenn der FAC nicht absteigt.

SV Austria Salzburg

A. Salzburg: Der Aufstiegs-Kader wurde nur punktuell verstärkt, Kontinuität ist gefragt.
A. Salzburg: Der Aufstiegs-Kader wurde nur punktuell verstärkt, Kontinuität ist gefragt.

An der sportlichen Qualifikation besteht nach zwei recht souveränen Regionalliga-Titeln in Folge kein Zweifel, aber die Infrastruktur ist beim Aufsteiger noch nicht Erstliga-tauglich. Das eigene Stadion in Salzburg-Maxglan ist noch im Umbau, bis weit in den Herbst hinein werden fast alle „Heimspiele“ im rund eine Autostunde entfernten Schwanenstadt steigen. Das ist, gerade als Neuling in dieser engen Liga, ein signifikanter Nachteil.

Keinen großen Umbau nahmen Sportchef Gerhard Stöger und Trainer Jörn Andersen hingegen am Spielersektor vor. Hier wurde eher punktuell verstärkt – ein routinierter Spielmacher (Ex-Bulle Tchoyi), zwei Profi-erfahrende Außenspieler (die Ex-Sturm-Spieler Kaufmann und Bukva), dazu einige Talente (Burghuber von Ried, Grubeck von der Austria). Ansonsten vertraut man weitgehend dem erfolgreichen Team, das den Aufstieg geschafft hat – obwohl da kaum Spieler mit Erfahrung im Profi-Bereich dabei sind. Und da die Westliga die deutlich schwächste der drei Regionalligen ist, dient sie für die Innviertel-Filiale (Burghuber, Reifeltshammer, Huspek, Zirnitzer und Bammer spielten in Ried, auch Grubeck stammt aus dem Innviertel) nur bedingt zur Vorbereitung auf die Erste Liga.

Ist das eigene Stadion bezugsfertig, wird es für jeden Gegner noch unangenehmer, gegen Salzburg zu spielen. Der fanatische (zuweilen auch deutlich ZU fanatische) Anhang kann zu einem Pluspunkt werden, sollte es im Saisonverlauf eng in Richtung der Abstiegsplätze werden – und das ist durchaus wahrscheinlich. Für die Austria geht es vornehmlich darum, sich zu akklimatisieren und dann zu etablieren. Prognose: Austria Salzburg sollte den Klassenerhalt schaffen, ein Platz im Mittelfeld wäre aber schon ein Erfolg.

SK Austria Klagenfurt

Klagenfurt
Klagenfurt: Die Qualität ist da, aber es kann dauern, bis der neue Kader eine Einheit ist.

Den genau gegensätzlichen Zugang als der Mitaufsteiger aus Salzburg wählte man bei Austria Klagenfurt. Die Mannschaft, die die Regionalliga Mitte nach belieben dominiert hat und in der Relegation gegen Parndorf Nervenstärke und Charakter gezeigt hat, als man kurz vor dem Scheitern stand, wurde mutwillig zerrissen und in Rekordzeit mit 15 (!) Neuzugängen ein de facto komplett neues Team aus dem Boden gestampft. Kein Wunder andererseits, der Präsident heißt ja auch Peter Svetits. Nur fünf Spieler aus dem Aufstiegskader (Dmitrovic, Prawda, Rep, Eler und Miesenböck) haben realistische Chancen auf einem Stammplatz.

Nun muss Trainer Bender mal wieder ein Mannschaft aus vielen neuen Teilen formen, dazu kommt auch noch die Tatsache, dass das Klagenfurter Publikum mit dem Verein – der in seiner fünfjährigen Existenz schon dreimal fast gegen die finanzielle Wand gefahren wurde – auch wegen der düsteren Vergangenheit im Klagenfurter Fußball nie richtig warm wurde. In der Regionalliga-Zeit verloren sich oft kaum 500 Leute ins EM-Stadion. Selbst wenn dieser Wert verzehnfacht würde (4.500 kamen in der Relegation), wirkt das riesige Stadion noch recht leer.

Die Heimbilanz im Aufstiegsjahr (14-2-0) war dennoch beeindruckend und im Kader steckt genug Qualität, um sich keine Sorgen machen zu müssen. Entscheidend werden zwei Punkte sein: Zum einen, wie schnell es Manfred Bender gelingt, aus den vielen neuen Einzelteilen eine funktionierende und harmonierende Mannschaft zu formen. Und zum anderen, wie der erratische Führungsstil von Peter Svetits und die latente Unruhe, die von ihm ausgeht, auf den Verein und die Mannschaft abfärbt. Prognose: Bleibt alles ruhig, landet Klagenfurt im sicheren Mittelfeld. Bleibt nicht alles ruhig, kann auch schnell alles in sich zusammenbrechen.

Ausblick

Läuft alles normal, rennt der LASK allen davon, mit Liefering, St. Pölten als Verfolger. Dahinter wird es mit Wacker, Salzburg, Klagenfurt, Kapfenberg, Wr. Neustadt und Lustenau ein breites Mittelfeld geben, das in erster Linie versuchen wird, nicht den FAC in die Regionalliga zu begleiten. Wenn nicht einer früh abreißt (Lustenau? Kapfenberg? Neustadt?), wird der Abstiegskampf wie letzte Saison die halbe Liga oder mehr umfassen.

Wie da junge Spieler entwickelt werden sollen, wie es ja das eigentliche Motto der Liga ist? Sollte man vielleicht mal bei den Bundesliga-Oberen nachfragen.

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Nur 0:0 gegen Admira, aber Wr. Neustadt ist auf gutem Weg https://ballverliebt.eu/2015/03/08/nur-00-gegen-admira-aber-wr-neustadt-ist-auf-gutem-weg/ https://ballverliebt.eu/2015/03/08/nur-00-gegen-admira-aber-wr-neustadt-ist-auf-gutem-weg/#respond Sun, 08 Mar 2015 11:55:32 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=10886 Nur 0:0 gegen Admira, aber Wr. Neustadt ist auf gutem Weg weiterlesen ]]> Vorletzter gegen Letzter: Natürlich war das NÖ-Duell kein fußballerischer Leckerbissen. Einige grundsätzliche Erkenntnisse über die beiden Abstiegskandidaten gab das 0:0 aber durchaus. So machen die Neustädter unter Helgi Kolvidsson weiterhin einen recht stabilen Eindruck und hat sehr gute Karten im Abstiegskampf. Bei der Admira hingegen dürfte es richtig eng werden.

Wr. Neustadt - Admira 0:0
Wr. Neustadt – Admira 0:0

Nach der Winterpause stellte Helgi Kolvidsson, der im November Heimo Pfeifenberger als Neustadt-Coach abgelöst hatte, in einem 4-4-2 bzw. einem 4-4-1-1 auf. Mit seiner Viererkette und den beiden defensiven Mittelfeld-Leuten davor (in der Regel O’Brien und Freitag) macht Neustadt die Mitte gut zu. Vor allem gegen bessere Teams wird mit den beiden Ketten gut verteidigt und dann über die Außenbahnen gekontert.

Kompakt aus dem Schneckenhaus

Dazu rücken auch die beiden Sturmspitzen oft mit in Richtung Seitenlinie. So wird einerseits mit den beiden Außenspielern aus Mittelfeld und Abwehr Überzahl hergestellt, andererseits wird so versucht, einen der Innenverteidiger aus der Position zu ziehen und so Platz für den Sturmpartner zu schaffen. Das ist nicht besonders kompliziert, aber es funktioniert: So gab’s ein 3:3 bei Sturm, so gab’s einen 1:0-Sieg über die Austria.

Gegen die Admira – also ein Team, das sich von der individuellen Klasse her auf Augenhöhe befindet – traute man sich deutlich weiter aus dem Schneckenhaus heraus und machte nicht nur die Räume für die gegnerische Mannschaft eng, sondern auch die Zeit für die Admiraner am Ball knapp. Das Pressing war weder extrem aggressiv noch hochklassig kompakt, erfüllte aber den Zweck und provozierte blinde Nirwana-Bälle seitens der Admira.

Eindimensionale Admira

Die Südstädter schafften es so kaum, einen vernünftigen Aufbau von hinten heraus aufzuziehen. Mit Windbichler (gelernter Innenverteidiger) und Kerschbaumer (erst seit Winter in der Bundesliga) fehlte ein kompetentes Kreativspiel aus dem Mittelfeld-Zentrum. Oft genug trauten sich die Innenverteidiger der Admira auch nicht den kurzen Pass auf das zentrale Mittelfeld-Duo zu spielen. Neustadt agierte da schließlich relativ aggressiv.

Stattdessen wurde oft der lange Pass in die Spitze gesucht, und da im speziellen jener auf Benjamin Sulimani, der in Erwartung der Pässe etwas zurückrückte und die Bälle ablegte – entweder auf Sturmpartner René Schicker oder auf die (in der Regel rechte) Außenbahn. Viel schaute dabei aber selten heraus.

Wie überhaupt das Flügelspiel der Admira wenig brachte. Lukas Grozurek kam selten gewinnbringend an Tobias Kainz vorbei und erarbeitete sich nur zwei Chancen, zudem war sein Zusammenspiel mit den Kollegen selten konstruktiv.

Admira stellt auf 4-2-3-1 um

ab ca. 65. Minute
ab ca. 65. Minute

Am grundsätzlichen Bild der Partie – Wr. Neustadt reifer, aber beide Teams weitgehend ohne echte Torgefahr – änderte sich lange wenig, bis Admira-Coach Walter Knaller und sein Mehr-als-nur-Co-Trainer Oliver Lederer mit einigen Wechseln das System umstellten.

Mit Markus Lackner kam ein zusätzlicher Mann für die Mittelfeld-Zentrale (statt Stürmer Schicker), wo die Admira in der 2-gegen-2-Besetzung überhaupt nicht Fuß fassen hatte können, dazu kam Bajrami für den schwachen Grozurek. Die Admira stand nun in einem recht klaren 4-2-3-1, aber anstatt wie gewünscht mehr Zugriff im Zentrum zu haben, hatte nun Sulimani – nun Solo-Stürmer – keine Abnehmer mehr für seine Ablagen.

So konnte sich Neustadt (wo es drei mehr oder weniger positionsgetreue Wechsel gab) in der Schlussphase immer mehr in der gegnerischen Hälfte festsetzen und Gegenstößte der Admira oft schon im Keim ersticken oder diese zumindest rechtzeitig abfangen – auch, weil der Abstand zwischen den Reihen bei der Admira ein wenig gar groß wurde.

Selbst gelang es aber aufgrund vieler Ungenauigkeiten im eigenen Aufbau kaum, wirkliche Chancen zu erarbeiten. Das Team von Kolvidsson war inhaltlich besser und dem Sieg näher, aber es gelang kein Tor mehr. Es blieb beim 0:0.

Fazit: Neustadt wird wohl drinbleiben

Kein Wunder daher, dass Knaller nach dem Spiel auf Sky von „Schadensbegrenzung“ sprach. Er hatte auch gesehen, dass Neustadt die deutlich reifere und deutlich besser funktionierende Spielanlage hatte, so simpel sie auch war. Die Abwehr steht recht gut, die Mittefeld-Außenspieler zeigen durchaus Vorwärtsdrang und mit Philip Hellquist wurde im Winter ein Stürmer verpflichtet, der spielintelligent ist und nicht viele Chancen braucht. Neustadt hat beste Karten, die Klasse auch in dieser Saison zu halten.

Die Entwicklung bei der Admira hingegen, die im Herbst in einigen Spielen vor allem inhaltlich einige interessanter Ansätze gezeigt hat (wie etwa in der zweiten Hälfte beim 0:0 bei Rapid), sieht zunehmend aus wie ein eindimensionaler und nicht wirklich spielstarker Abstiegskandidat. Natürlich wurde mit dem Remis der Rückstand auf Neustadt (derzeit 2 Punkte) nicht größer und das Heimspiel gegen den Nachbarn hat man auch noch vor sich.

Aber die Eindrücke aus den letzten Wochen und auch aus diesem Spiel legen die Prognose nahe, dass Neustadt auch gegen andere Teams eher und mehr punkten dürfte als die Admira.

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Kick-Off zur Bundesliga – ja, jetzt schon. https://ballverliebt.eu/2010/07/16/kick-off-zur-bundesliga-ja-jetzt-schon/ https://ballverliebt.eu/2010/07/16/kick-off-zur-bundesliga-ja-jetzt-schon/#respond Fri, 16 Jul 2010 10:05:46 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=2465 Kick-Off zur Bundesliga – ja, jetzt schon. weiterlesen ]]> Seit 59 Tagen ist die alte Saison vorbei. Nicht mal eine ganze Woche ist seit dem WM-Finale vergangen. Und doch startet an diesem Wochenende die neue Saison der österreichischen Bundesliga. Ballverliebt wirft einen Blick auf die zehn Teams – und wagt Prognosen!

RED BULL SALZBURG

Starke internationale Auftritte und der Meistertitel – in Salzburg war es eine richtig erfolgreiche Saison. Auch, wenn es die Bullen in der Meisterschaft etwas spannender gemacht haben als notwendig, wurden sie ihrer Favoritenrolle durchaus gerecht. Und auch in der neuen Saison wird die Vergabe der Meisterschale nur über die Salzburger gehen. Obwohl es zwei wichtige Neuerungen gibt: Zum einen ist der Kunstrasen in der EM-Arena nun Geschichte – ab sofort wird ganz normal auf Naturrasen gespielt – und zum anderen hat mit Marc Janko der Topscorer der letzten beiden Jahre den Verein in Richtung Holland verlassen. Nicht direkt im Streit mit Erfolgstrainer Huub Stevens, aber das gespannte Verhältnis zwischen Trainer und Torjäger war ein offenes Geheimnis. Ihn soll in der Spitze nun Gonzalo Zarate ersetzen, oder eben Roman Wallner.

Der ehemalige Problem-Boy, der im Winter vom LASK gekommen war, setzte sich aber noch nicht als echter Stammspieler durch. Zudem kam mit Jakob Jantscher (von Sturm) und Stefan Hierländer (von Kärnten) auch auch von der Liga-Konkurrenz durchaus Klasse, und David Mendes da Silva vom AZ Alkmaar hat immerhin schon eine Handvoll Länderspiele für den frischgebackenen Vize-Weltmeister absolviert. Die spannendste Frage zur neuen Saison wird aber die um den Torhüter betreffen. Mit Tremmel und Walke kamen gleich zwei Keeper, die sich um die vorläufige Nachfolge des verletzten Kapitäns Eddie Gustafsson streiten. Und in weiterer Folge geht es natürlich auch darum, wann und in welcher Verfassung Gustafsson nach seinem Schien- und Wadenbeinbruch zurück kommen wird. Sportlich kann das Ziel nur Meistertitel heißen – und wenn irgendwie möglich natürlich der Einzug in die Champions League, dem Traumziel seit dem Einstieg von Red Bull…

Prognose: Salzburg ist Favorit, darf sich aber nicht viele Durchhänger erlauben.

FK AUSTRIA WIEN

Ausgeglichen besetztes Team, starkes Mittelfeld, sichere Defensive – und wäre nicht über weite Strecken der letzten Saison das Sturmduo Jun/Okotie ausgefallen, wer weiß, womöglich wäre die Austria Meister geworden. Darum gehen die Violetten natürlich auch als ernsthafter Titelkandidat in die neue Saison. Weil aus der Stammformation des Teams, welches fast noch Salzburg eingeholt hätte, mit Joachim Standfest nur ein einziger Spieler wegbricht, und wie schon letztes Jahr mit Augenmaß statt mit der Brechstange nach Neuzugängen gesucht wurde. So kann Trainer Karl Daxbacher, der in sein drittes Jahr bei der Austria geht (so lange hat seit 30 Jahren noch kein Austria-Coach überlebt) auf ein eingespieltes Team zurück greifen, das sich mit dem starken Frühjahr auch noch mächtig Selbstvertrauen geholt hat.

Lediglich die Personalie Aleksandar Dragovic könnte noch für Kopfschmerzen sorgen: Ob das Riesentalent in der Innenverteidigung bleibt oder nicht vor Ende August doch noch ins Ausland wechselt, steht noch nicht fest. Während die erste Garnitur kaum wirklich schlechter besetzt ist als jene der Salzburger, fehlt es am Verteilierkreis fraglos an den Alternativen. Schon Florian Klein als Rechtsverteidiger ist ja eigentlich eine Notlösung. Wie sehr sich der Konflikt mit einigen rechtsradikalen Störenfrieden im Anhang – Ausschreitungen brachten der Austria ein Geisterspiel im Europacup ein – auf das Sportliche auswirkt, muss man sehen. Für das Geschehen auf dem Platz war das zumindest in der vergangenen Saison kein echtes Problem.

Prognose: Die Austria ist ein ernsthafter Titelkandidat, sofern der Lauf aus dem Frühjahr übernommen werden kann. Ein Europacup-Platz sollte sich in jedem Fall problemlos ausgehen.

SK RAPID WIEN

Zum Triumphmarsch war das Abschneiden in der letzten Saison zu wenig, zum Trauergesang aber zu gut. Es war vor allem der schlimmer Hänger zum Start der Rückrunde, der Rapid nach dem Herbstmeistertitel die Meisterschaft kostete. Ja, theoretisch war bis zum letzten Spieltag eine Chance auf den Teller da – aber de facto hatte sich die Sache schon im fünftletzten Spiel für Rapid erledigt. Zudem zeigte ausgerechnet die Austria eine wesentlich bessere Spätform und fing Rapid sogar noch vom zweiten Platz ab. Dass Pacult trotzig meinte, Rapid wäre dennoch die Nummer eins in Wien, mag als Aussage für die Fans gewertet werden, die Ausrechenbarkeit des Spiels wurde den Hütteldorfern aber letztlich zum Verhängnis. Ja, Steffen Hofmann holte sich die Torjägerkrone, aber es war weithin sichtbar, dass diese Mannschaft ohne die Ideen ihres Kapitäns nur noch die Hälfte wert ist.

Nimmt man Hofmann aus der Partie, ist schon viel gewonnen, und an dieser Eindimensionalität hat Rapid nicht gearbeitet: Es wurde weiterhin kein Spieler geholt, der hinter Hofmann aufräumen könnte, mit Branko Boskovic verließ ein nicht unwichtiger Stammspieler im Mittelfeld den Verein. Der Kader ist fraglos weiterhin erstklassig und Rapid wird zweifellos auch in der neuen Saison wieder eine gute Rolle spielen. Aber ob es für den ganz großen Wurf reicht? Die Austria hat mehr Verantwortungsträger im Mittelfeld, Salzburg den deutlich gewiefteren Trainer. So wird es letztlich an Steffen Hofmann hängen bleiben, die hohen Erwartungen des Umfelds umzusetzen.

Prognose: Rapid wird einen Europacup-Platz erreichen. Wenn es mehr werden soll, müssen die Konkurrenten Schwächen zeigen.

SK STURM GRAZ

Zwei Jahre nach dem letzten großen Schnitt steht bei den Grazern wieder ein komplette Umbau an. Fünf Stammspieler sind sicher weg, wahrscheinlich folgt auch noch Daniel Beichler. Keine leichte Situation für Sportdirektor Kreuzer und Trainer Foda, die sich ob des Qualitätsverlustes wohl oder übel von der ernsthaften Hoffnung verabschieden müssen, sich über einen der ersten drei Plätze in der Bundesliga für den internationalen Bewerb zu qualifizieren. Vor allem fehlt es bei Sturm mal wieder an den Alternativen von der Bank: Fällt ein Leistungsträger aus, wird es eng; viel Druck auf die Stammspieler wird von der Bank nicht ausgeübt werden können. Mit Joachim Standfest wurde ein routinierter, aber harmloser neuer Rechtsverteidiger geholt, auf links ist noch Dominic Pürcher aus dem eigenen Nachwuchs erste Wahl – möglich aber, dass hier noch nachgebessert wird, eine Verpflichtung von Pa-Saiku Kujabi steht im Raum.

dünne Decke wird aber auch im Mittelfeld deutlich, genauso wie im Angriff. Kaum hatte sich Klemen Lavric so richtig eingelebt, ist der Slowene auch schon wieder weg, und hinter Roman Kienast und Rückkehrer Imre Szabics (der in den letzten Jahren allerdings so gut wie keine Einsätze in Augsburg bekam) gibt es nur noch Oldie Mario Haas und das ewige Talent Dominic Hassler. Der Europacup, der dem Team letztes Jahr zwar viel an Erfahrung brachte, aber auch viel an Kraft kostete, ist wahrscheinlich nicht allzu lange ein Thema – ein erneutes Vordringen bis in die Gruppenphase wäre für den Cupsieger eine kleine Sensation. Viel mehr muss aber das Augenmerk darauf liegen, zumindest Vierter zu werden, und auf den Cup zu hoffen.

Prognose: Sturm wird um den vierten Platz kämpfen müssen. Ein Top-3-Platz erscheint unrealistisch.

SC MAGNA WIENER NEUSTADT

Es gab im Frühjahr nur eine Mannschaft, die sich tatsächlich signifikant gesteigert hatte – und das war der Cup-Finalist aus Wiener Neustadt. Unter dem neuen Trainer Peter Schöttel ging es für die Niederösterreicher nur noch nach oben, in der Rückrundentabelle schlossen die Neustädter nur knapp hinter Sturm Graz ab. Das weckt natürlich den Ehrgeiz, in der zweiten Bundesliga-Saison den nächsten Schritt zu machen und die Grazer zu überflügeln. An ein Vordringen in die Top-3 glaubt zu Recht niemand, aber die eingespielte Mannschaft blieb in weiten Teilen zusammen. Lediglich Ronald Gercaliu zog es nach Deutschland, und Daniel Dunst verpokerte sich bei den Vertragsverhandlungen. Viele Neue stießen auch nicht zur Mannschaft, sodass sich Schöttel von Beginn an auf das Spiel selbst konzentrieren kann, ohne zuvor eine Heerschar von Neuzugängen integrieren zu müssen. Sicherlich kein Nachteil.

Was sich allerdings zum Nachteil entwickeln könnte, ist der Mangel an Alternativen in der Abteilung Attacke: Neben Kapitän Aigner, dem nach seinem Kreuzbandriss genesenen Sadovic und dem nicht allzu torgefährlichen Viana stünden nur noch Spieler aus der Reserve zur Verfügung. Dafür verfüngt die restliche Mannschaft über viel Entwicklungspotential, schließlich stellten die Niederösterreicher in der abgelaufenen Saison das jüngste Team der Liga. Vor allem Ramsebner, Grünwald, Reiter und Stanislaw taten sich in der letzten Saison so gut hervor, dass der verletzungsbedingte Ausfall von Vaclav Kolousek niemandem auffiel und der Tscheche nach seiner Genesung wie ein Fremdkörper im Team wirkte.

Prognose: Wiener Neustadt wird im sicheren Mittelfeld landen, bei günstigem Verlauf ist der vierte Platz möglich.

SV MATTERSBURG

Der neue Jugendstil ist eingekehrt in Mattersburg: Im Frühjahr hatte die Mannschaft einen Altersschnitt von nur noch 24,7 Jahren. Weil der Klassenerhalt ob des Kärnten-Desasters längst feststand, baute Trainer Lederer einige Talente in die Mannschaft ein, die ihre Chancen mit einem durchaus ansprechenden Frühling durchaus zu nützen verstand. Spieler wie Patrik Farkas und Lukas Rath, die zur U19-EM fahren, und Dominik Doleschal haben sich absolut festgespielt; auch Manuel Seidl ist erst 21 Jahre alt. In der Tat gibt es kaum noch echte Routiniers: Der ungarische Stürmer Robert Waltner ist so einer, Urgestein Michael Mörz ebenso.

Aber ansonsten bekommt auch in der neuen Saison die Jugend eine Chance. Neu gekommen ist mit Patrick Bürger der Torschützenkönig der zweiten Liga, er war in Mattersburg vor einigen Jahren schon einmal gescheitert. Die Chancen, diesmal mehr zum Spielen zu kommen, stehen gut. Denn Ilco Naumoski dreht, so hat man den Eindruck, immer mehr durch. Die ersten fünf Spiele verpasst der Mazedonier, weil er in einem Testspiel den Schiedsrichter auf das Übelste beleidigt hatte… Das Primärziel der Bürgenländer ist es im siebenten Bundesliga-Jahr (Rekord für das Bundesland) natürlich, nicht in den Abstiegsstrudel zu rutschen. Aber eigentlich würde Mattersburg ganz gerne wieder in Richtung obere Tabellenhälfte schnuppern.

Prognose: Mattersburg landet im sicheren Mittelfeld.

LASK LINZ

Einmal Neustart, bitte: Kaum ein Stein blieb bei den Linzern auf dem anderen. Aus dem Kader wurde alles entfernt, was irgendwie nach Ballast aussah, darunter mit Prager allerdings auch der Spielgestalter und alle drei Torhüter, dafür kamen neun neue Leute. Wie auch Alexander Zickler! Der 36-jährige Deutsche soll gemeinsam mit dem 38-jährigen Christian Mayrleb den „Greisensturm“ bilden. In der Hinterhand hat Kraft nur bislang noch unerfahrene Talente, wie Lukas Kragl. Er war es, der Salzburg-Keeper Gustafsson die Knochen durchtrat, er war es aber auch, der in der Schlussphase der letzten Saison für deutlich Belebung neben Mayrleb sorgen konnte. Im Mittelfeld wurde der Kader ausgedünnt, kein Wunder, hier herrscht komplette Überladung.

Der neue Kapitän Rene Aufhauser soll gemeinsam mit dem bewährten Simbabwer Justice Majabvi für die Absicherung sorgen, für den Spielaufbau fehlen allerdings die Alternativen. Krammer konnte sich bei der Austria überhaupt nicht durchsetzen, und ob Kaufmann und Sobkova wirklich Bundesliga-Niveau haben, ist noch offen. Lediglich die Defensive, welche Kraft in seinem halben Jahr in Linz deutlich stabilisieren konnte, blieb nahezu unverändert. Und hinten steht mit Thomas Mandl ein Torhüer, der zwar einst schon diverese Länderspiele hinter sich gebracht hat, aber nach Jahren in der zweiten Liga sich erst einmal wieeder in der Bundesliga beweisen wird müssen.

Prognose: Der LASK wird den siebenten Platz kaum signifikant verbessern können.

SV RIED

Bei Ried von „atmosphärischen Störungen“ zu sprechen, wäre wohl eine Untertreibung. Vor allem die Ausmusterung von Publikumsliebling Herwig Drechsel wirkte sich äußerst negativ auf die interne Stimmungslage aus. Dass nebenbei auch noch eine sportliche Talfahrt zu verkraften war, wie es sie seit dem letzten Abstieg 2003 nicht mehr gegeben hatte, half Trainer Gludovatz dabei natürlich nicht. Nun muss der älteste Trainer der Bundesliga eine komplette Saison mit einem Kader in Angriff nehmen, in dem die Alternativen im Grunde komplett fehlen: Im Angriff etwa gibt es neben dem Spanier Nacho, der allerdings eine schwache Saison spielte, wohl erst einmal nur den jungen Hammerer; der 20-Jährige verfügt die geballte Erfahrung von zwölf Bundesliga-Einsätzen.

Auch im Mittelfeld ist vom verletzungsanfälligen Hackmair nur noch junges Talent auf der Bank, selbiges gilt für die Verteidigung, die im Frühjahr wahrlich nicht geglänzt hat und mit Thomas Burgstaller nun auch noch einen wichtigen Spieler an Sturm Graz verloren hat. Aber ist tatsächlich alles schlecht in Ried? Fix ist, dass Paul Gludovatz mit seinen Innviertlern am Scheideweg steht. Entweder, das Risiko mit dem eigenen Nachwuchs geht auf, oder die Rieder gehen damit unter. Die Erfahung von Gludovatz spricht für ersteres. Die Leistungen aus dem Frühjahr aber eher nicht.

Prognose: Ried muss höllisch aufpassen. Es wäre keine Überraschung, sollten die Innviertler in den Abstiegskampf rutschen.

KAPFENBERGER SV

Wieder hat Kapfenberg ein Jahr überstanden – zwar mit weniger Punkten als im ersten Jahr nach dem Aufstieg, aber ob der Implosion bei Kärnten viel souveräner. Und das, obwohl mit Marek Heinz der Startransfer des letzten Jahres floppte. Der junge Deni Alar und der erstaunliche Srdjan Pavlov, der den Sprung um vier Ligen schnell vollzogen hatte, stahlen dem routinierten Tschechen die Show. zudem zog Trainer Gregoritsch ihm noch dazu den jungen Tieber vor – Heinz hat den Verein nach einem Jahr nun wieder verlassen. Ebenso jedoch wie sämliche Außenverteidiger! Und solche wurden auch nicht geholt, so müssen wohl mit Schmid ein defensiver Mittelfeldspieler und mit Tromsö-Heimkehrer Taboga ein Innenverteidiger auf die Außen ausweichen.

Der Rest der Mannschaft blieb jedoch praktisch unverändert, was ein nicht zu unterschätzender Faktor sein könnte. Mit dem jungen Steirer Dieter Elsneg kam eine weitere Alternative für den Angriff von Sampdoria Genua, aber ansonsten wird es ziemlich an der Mannschaft aus dem letzten Jahr sein, auch diesmal den Klassenerhalt zu bewerkstelligen. Was sicher nicht mehr so leicht wird wie in der vergangenen Saison. Da die Obersterier das allerdings wissen und sich von Haus aus darauf einstellen, sind sie darauf vorbereitet.

Prognose: Kapfenberg wird gegen den Abstieg kämpfen, aber durchaus nicht ohne Chance.

FC WACKER INNSBRUCK

Zwei Jahre lang hieß es für den zehnmaligen Meister Gratkorn statt Sturm und Jungbullen statt Europacup-Salzburger. Doch die Tiroler setzten sich in einem packenden Dreikampf gegen die Admira und Altach durch und kehren ins Oberhaus zurück. Dorthin, wo der chronisch klamme Traditionsklub hingehört – zumindest vom Namen. Denn den Aufstieg haben die Innsbrucker weniger ihrer Klasse, sondern mehr ihrer Nervenstärke zu verdanken. Sie hatten die Geduld, auf Chancen zu warten und weil hinten alles dicht war, reichte es am Ende. Nun zog es mit Spielmacher Fabiano und Staubsauger Sara zwei absolute Stützen des Aufstiegsteams aber in die Ferne!

Walter Kogler weiß ganz genau, dass er mit seiner Mannschaft vom ersten Spieltag an gegen den Abstieg kämpfen wird müssen. Dafür holte er sich mit Jauregi einen Verteidiger mit Primera-Division-Erfahrung, mit Ernst Öbster ein ewiges Talent aus dem Bullen-Stall, mit Abraham einen Mann für das defensive Mittelfeld und mit Andi Bammer eine Alternative für den Angriff. Dazu noch den Slowenen Miran Burgic, der beim schwedischen Meister AIK Solna zum Stamm gehörte. Mit dieser Mannschaft wird der Aufsteiger aber wohl auskommen müssen, große Nachbesserungen geben das knappe Budget kaum her.

Prognose: Innsbruck spielt gegen den Abstieg. Der Klassenerhalt kann nur gelingen, wenn die Neuzugänge einschlagen.

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