Venezuela – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Sun, 24 Jul 2011 09:55:47 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Copa, Platz 3: Guerrero nützt den Platz https://ballverliebt.eu/2011/07/24/copa-platz-3-guerrero-nutzt-den-platz/ https://ballverliebt.eu/2011/07/24/copa-platz-3-guerrero-nutzt-den-platz/#respond Sun, 24 Jul 2011 09:55:47 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=5415 Copa, Platz 3: Guerrero nützt den Platz weiterlesen ]]> Drei Tore und ein Assist – Paulo Guerrero krönt ein starkes Turnier mit einer tollen Leistung und ermöglicht so im Duell der krassen Außenseiter im kleinen Finale seinem Team aus Peru einen 4:1-Sieg und somit den dritten Platz. Erstaunlich, denn keines der vier Tore war ein direktes Resultat des eigentlichen Plans der Peruaner.

Peru - Venezuela 4:1

Ein Spiel, bei dem man nochmal was gewinnen, aber nicht wirklich etwas verlieren kann – so veränderten beide Teamchefs ihre Formationen zu etwas offensiver orentierten Systemen. Veneuzelas César Farías brachte Orozco in die Startaufstellung und stellte ihn an die Spitze einer Raute hinter den Stürmern Fedor und Maldonado. Im defendiven Mittelfeld kehrte Rincón nach abgesessener Sperre zurück, er spielte dort grundsätzlich alleine, wiewohl Sejías von der linken Seite sich nach innen orientierte, wenn Orozco – und das machte er gerne – Richung linker Außenbahn zog.

Überzahl im Zentrum bringt Peru Übergewicht

Sergio Markarían hingegen opferte einen Abwehrspieler, ging auf eine Dreierkette, und hatte dafür einen zusätzlichen Mann im Mittelfeld. Corzo arbeitete als gelernte Außenverteidiger deutlich mehr nach hinten als Yotún auf der linken Seite, sodass die Abwehr von der rechten Flanke her verstärkt wurde, wenn es notwendig war.

Mit dem personellen Vorteil im Mittelfeld hatte Peru aber relativ wenig Probleme, den Ball zu kontrollieren und man versuchte, das eher eng stehende Zentrum der Venezolaner über die Flanken zu umspielen und so auch deren Abwehrkette auseinander zu ziehen. Ersteres gelang recht gut, zweiteres weniger. Peru hatte mehr Ball, aber kaum zwingende Torchancen.

Venezuelas Mittelfeld wird flacher

Nach einer halben Stunde erkannte Venezuela, dass Rincón alleine gegen zwei potentielle Ballverteiler – Lobatón und Cruzado – auf Dauer nicht mithalten kann, weswegen Sejías nun tiefer und zentraler stand aus der Raute vermehrt eine flache Mittelfeldreihe wurde. So wurde der Platz für Peru besser abgeschnitten und der Ball weiter vom eigenen Tor ferngehalten. Eigene Angriffe, die es durchaus gab, scheiterten aber ein ums andere Mal daran, dass Maldonado und Fedor ins Abseits tappten.

Nachdem Peru durch das besser stehende Mittelfeld der Venezolaner noch weniger durchkam, nützten sie kurz vor der Halbzeit aber eine Situation, in der der Gegner aufgerückt war, zu einem schnellen Konter über Guerrero, der durch das entblößte Zentrum schnell Richtung Tor zog und er dort die mitgelaufene hängende Spitze Chiroque bediente – doch noch das 1:0 vor der Pause.

Starker Start, dann dezimiert

In der Halbzeit brachte Farías dann mit Lucena – dem Elferschießen-Pechvogel im Semfinale – einen echten zentralen Mittelfeldmann statt Seíjas, und prompt war das Spiel der Venezolaner deutlich sicherer nach hinten und damit agierten auch die Offensivspieler deutlich sicherer, zumal zum gewohnten 4-4-2 zurückgekehrt wurde. Venezuela hatt die erste Viertelstunde nach Wiederanpfiff im Griff und der Ausgleich lag in der Luft, ehe Tomas Rincón nach einem heftigen Einsteigen gegen Lobatón die rote Karte sah.

Was natürlich zur Folge hatte, dass Peru erst den zurück gewonnen Platz im Mittelfeld ausnützte – ein langer Ball fand Guerrero, der nach einem Doppelpass mit Chiroque das 2:0 schoss – und sich dann gegen die zehn Mann zurücklehnen konnte und auf Konter spielen.

Anschluss und Entscheidung

Peru überließ Venezuela nun die Initiative, aber ohne das Rückgrat im Mittelfeld fehlten gegen die ja im ganzen Turnier schon defensiv sehr gut stehenden Peruaner die Mittel. Weswegen das Spiel entschieden schien, ehe Arango zehn Minuten vor Schluss doch auf 1:2 verkürzen konnte.

Peru kam nun wieder etwas ins Schwimmen und zitterte sich eher dem Ende entgegen, aber da Venezuela nun natürlich aufmachte mit Macht auf den Ausgleich drängte, ergaben sich mehr Räume. Die Guerrero mit zwei späten Treffern ausnützte und so jenen 4:1-Endstand herstellte, der wohl um ein Tor zu hoch ausfällt.

Fazit: Guerrero nützt den Platz – viermal

Peru hatte von Beginn an den Vorteil, im Zentrum besser aufgestellt zu sein, verpasste es aber, daraus wirklich Kapital zu schlagen. Denn so gut die Mannschaft defensiv steht, so sehr fehlen und Farfán und ohne Pizarro die kreativen Elemente, wenn man selbst das Spiel machen will. So fielen letztlich alle vier Tore aus Situationen, in denen Guerrero gegen ein entblößtes (beim ersten), dezimiertes (beim zweiten) oder aufmachendes (beim dritten und vierten) Zentrum durch seine Beweglichkeit und sein Tempo den Platz ausnützen konnte.

Dennoch kann auch Venezuela mit dem Turnierverlauf überglücklich sein, Platz vier ist der größte Erfolg der Verbandsgeschichte. Und man muss Farías zu Gute halten, dass er mit der Maßnahme, eine Raute spielen zu lassen – obwohl es nicht funktioniert hat – positiven Fußball spielen wollte. Dass das nicht die Stärke seiner Mannschaft ist, wurde zwar deutlich, aber auch in der im Herbst startenden WM-Qualifikation wird Venezuela nur sehr selten tatsächlich selbst für die Spielgestaltung sorgen müssen.

(phe)

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Copa, SF2: Unverdient und ohne Sieg https://ballverliebt.eu/2011/07/21/copa-sf2-unverdient-und-ohne-sieg/ https://ballverliebt.eu/2011/07/21/copa-sf2-unverdient-und-ohne-sieg/#comments Thu, 21 Jul 2011 04:19:31 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=5377 Copa, SF2: Unverdient und ohne Sieg weiterlesen ]]> Wer ein Spiel nicht gewinnen will, wird es auch nicht gewinnen. Das zeigte Paraguay in diesem Halbfinale gegen Venezuela. Wer in einem Turnier fünf Partien spielt und keine einzige davon gewinnt, kann trotzdem ins Endspiel kommen. Auch das zeigte das erschreckend passive Team aus Paraguay…

Paraguay - Venezuela 0:0 n.V., 5:3 i.E.

Eine starke halbe Stunde gegen Ecuador, dann im zweiten Gruppenspiel eine ordentliche Leistung gegen Brasilien – dann war’s vorbei mit der Herrlichkeit bei Paraguay. Ohne vollen Erfolg, ohne jedes Tempo und ohne echten Siegeswillen, aber mit Glück im Elfmeterschießen (weil sich die Seleção einfach noch doofer anstellte) kam Paraguay dennoch ins Semifinale. Wo es gegen das neben Peru zweite Sensationsteam ging: Venezuela! Die Mannschaft des jungen Teamchefs César Farías hatte zwar im Viertelfinale gegen Chile keine Chance, war aber eiskalt bei Standards. Hatte im Halbfinale nichts zu verlieren. Und die gute Erinnerung, im Gruppenspiel gegen Paraguay durch zwei späte Tore noch ein 3:3 geholt zu haben.

Mühsames Spiel

Es entwickelte sich von Beginn an eine eher zähe Partie. Paraguay flutete die Mittelfeldzentrale, indem sich die beiden Außen, Barreto und Santana, sehr weit nach innen orientierten und die komplette Mannschaft extrem mit dem Ball mit verschob. So wurde das Spiel für Venezuela so schmal wie möglich gemacht. Im eigenen Spiel nach vorne wurde durch aufrückende Außenverteidiger – vor allem Marcos Cáceres auf der rechten Seite – versucht, das auszugleichen.

Außerdem wich vorne Nelson Valdez auf die rechte Seite aus und war immer wieder ein direkter Anspielpartner von Cáceres. In diesen Fällen fehlte dann allerdings die Unterstützung, Valdez konnte kaum Flankenbälle zu Barrios in die Mitte bringen. Die weit innen platzierten Barreto und Santana wurde hauptsächlich von den beiden venezolanischen Sechsern bewacht (Di Giorgi ersetzte hier den gesperrten Rincón), die Außen im Mittelfeld oder gar die Außenverteidiger ließen sich nicht nach innen ziehen.

Wenig Platz, wenig Chancen

Was zur Folge hatte, dass das paraguayanische Spiel stockte: Weil sich die gegnerischen Außen eben nicht aus der Position ziehen ließen, aber mit Rondón und Alejandro Moreno auch die beiden Stürmer nach hinten arbeiteten, entstand nirgendwo ein Platz, den Paraguay ausnützen hätte können. Und zu allem Überfluss rückten auch immer wieder einige Venezolaner so weit vor, dass Paraguay schon in der Spieleröffnung kaum Platz blieb.

Dennoch: Defensiv stand Paraguay recht sicher. Riveros und Ortigoza zeigten zwar wenig Wirkung nach vorne, in der Rückwärtsbewegung waren Rondón und Moreno aber gut aufgehoben. Das extreme Verschieben von Paraguay brachte zwar nach vorne nichts, hatte nach hinten aber den Effekt, dass auch Venezuela kaum Raum zur Spielgestaltung blieb. Wodurch sich Chancen praktisch nur aus Standardsituationen ergaben. Ein Kopfballtor von Vizcarrondo wurde wegen Abseits zur Recht nicht anerkannt, bei der einzigen wirklich herausgespielten Chance der ersten Hälfte wurde das Torgestänge getestet (42.).

Schlafwagenfußball

Hatte man schon in der ersten Halbzeit kaum einmal das Gefühl, dass eine Mannschaft wirklich bereit wäre, die Initiative zu übernehemen, stand in der zweiten dann schon „0:0“ in ganz großen Buchstaben über dem Spiel. Das Tempo war nun endgültig entwichen, die Partie spielte sich beinahe in Zeitlupe ab. Das Verhindern eines möglicherweise entscheidenden Fehlers stand an erster Stelle.

Da half auch die Einwechslung von Marcelo Estigarribia auf Seiten von Paraguay nichts. Der Flügelspieler von Newell’s Old Boys war in seinen ersten beiden Einsätzen bei dieser Copa ein ständiger, quirliger Unruheherd, aber in diesem Halbfinale fügte er sich nahtlos in das unglaublich langsam geführte Spiel beider Mannschaften ein. So war die Verlängerung nach 90 torlosen Minuten die logische Konsequenz.

Venezuela klar am Drücker…

Dort allerdings drückte Venezuela merklich auf’s Gas. Farías hatte schon kurz zuvor mit Maldonado einen gelernten Stürmer statt César González auf der rechten Seite gebracht. Das zeigte Wirkung: Während die Paraguayer schon alleine von der Seitenlinie kein gutes Beispiel mitbekamen – sowohl Teamchef Gerardo Martino als auch sein Assistent Jorge Pautasso wurden auf die Tribüne verbannt – machte Venezuela einen deutlich stabileren Eindruck und traf innerhalb weniger Minuten zwei weitere Male den Pfosten. Erst nach einem abgefälschten Maldonado-Schuss, dann nach einer Ecke.

Nach dem Ausschluss (102.)

Venezuela hatte das Spiel in der Verlängerung unter Kontrolle, und das verstärkte sich, als Paraguay auch auf dem Platz die Nerven wegwarf – Jonathan Santana flog mit seiner zweiten Verwarnung vom Feld und es dauerte ewig, bis sich das dezimierte Team darauf einstellen konnte. Denn die Seite von Santana blieb erst verwaist und wurde dann nur halbherzig von Ortigoza verteidigt, was der venezolansiche Linksverteidiger Cichero zu konsequenten Vorstößen nützte, die (endlich) mit Tempo vorgetragen wurden und fast immer für Gefahr sorgten.

…aber Paraguay findet rechtzeitig die Nerven wieder

Es dauerte eine knappe Viertelstunde, ehe die nun von Kondi-Trainer Elvio Paolorosso als Chef auf der Bank geleiteten Paraguayer reagierten und Estigarribia die Seite wechselte, um Cichero einzubremsen. In dieser Phase hielten nur zwei Paraguayer ihre ansonten ziemlich zerfallende Mannschaft (Darío Veron hatte Glück, nach einem unsportlichen Rempler nur Gelb zu sehen) im Spiel: Torhüter Justo Villar, der einige Chancen stark zunichte machte, und Innenverteidiger Paulo da Silva.

So hatte Venezuela im Grunde erst großes Pech, den hochverdienten Sieg nicht einzufahren. Und dann kam auch noch dazu, dass für das Elfmeterschießen der zerbröselnde Gegner wieder zu sich fand – denn kein einziger der Strafstöße von Paraguay im Shoot-Out waren in irgend einer Weise haltbar, alle fünf Spieler knallten ihre Elfer am chancenlosen Renny Vega vorbei ins Tor – mit einer Überzeugung, die man in den 120 Minuten davor nicht im Ansatz erkennen konnte.

Da reichte es aus, dass zwischen all den auch von Venezuela bombensicher verwandelten Versuche ein einziger Spieler der Vinotinto ausließ – Franklin Lucena war der Unglücksrabe, dessen schwach geschossener Elfer sichere Beute von Justo Villar wurde. Die Entscheidung.

Fazit: Ein Treppenwitz der Fußballgeschichte

Es hat in der Fußballgeschichte wohl noch nie einen Finalisten gegeben, der dermaßen unverdient in ein Endspiel gekommen ist. Paraguay spielte anderthalb gute Partien (gegen Ecuador und das Gruppenspiel gegen Brasilien), lieferte danach eine solide (VF gegen Brasilien) und zwei absolut unterirdische Leistungen (die beiden gegen Venezuela). Paraguay hat im ganzen Turnier kein einziges Spiel gewonnen, hatte das schon im Viertelfinale auch eigentlich nicht vor und auch in diesem Semifinale konnte das Team bis auf knallharte Elfmeter rein gar nichts zeigen, was eine Finalteilnahme auch nur im Entferntesten rechtfertigen würde.

Da kann einem das Team aus Venezuela schon fast leid tun. Ja, auch sie haben 90 Minuten lang nur versucht, das Tempo nicht allzu hoch werden zu lassen und fehler zu vermeiden. Aber in der Verlängerung drehte die Vinotinto mächtig auf, traf insgesamt dreimal Aluminium und hatte noch weitere sehr gute Chancen.

Wenn schon ein Team aus diesem lange Zeit extrem drögen Spiel das Finale verdient gehabt hätte, dann nur Venezuela. Dass Paraguay ohne einen einzigen Sieg – und, noch schlimmer: sogar ohne den Willen, ein Spiel gewinnen zu wollen – ins Endspiel kommt ist nichts anderes als ein trauriger Treppenwitz der Fußballgeschichte.

(phe)

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Copa, VF 3/4: Chile und Brasilien eliminieren sich selbst https://ballverliebt.eu/2011/07/19/copa-vf-34-chile-und-brasilien-eliminieren-sich-selbst/ https://ballverliebt.eu/2011/07/19/copa-vf-34-chile-und-brasilien-eliminieren-sich-selbst/#comments Tue, 19 Jul 2011 11:25:36 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=5359 Copa, VF 3/4: Chile und Brasilien eliminieren sich selbst weiterlesen ]]> Beobachter hatten nach dem ersten, überraschend verlaufenen Viertelfinal-Tag schon gewitzelt: „Wenn’s normal läuft, gibt’s ein Semifinale Paraguay gegen Venezuela!“ Und siehe da: genau so kam es auch. Weil Brasilien wieder nicht in der Lage war eine wenig aufregende Mannschaft aus Paraguay zu knacken. Und weil Chile gegen Venezuela aus der drückenden Überlegenheit zu wenig machte.

Paraguay - Brasilien 0:0 n.V., 2:0 i.E.

Der Modus macht’s möglich – wie schon in der Gruppenphase treffen Brasilien und Paraguay gleich in der ersten K.o.-Runde aufeinander. Und wieder schaffte es die Seleção nicht, den Außenseiter zu biegen – obwohl Paraguay wie schon gegen Venezuela nicht gerade viel Flair anbieten konnte.

Dafür eine konsequente Defensive. Teamchef Gerardo Martino brachte statt des offensiv etwas stärkeren Nestor Ortigoza im Zentrum Victor Cáceres, der sich explizit um Ganso kümmerte. Auch auf den Flügeln, wo üblicherweise das Spiel der Paraguayer aufgezogen wird, hatten die Spieler vornehmlich defensive Aufgabe – nämlich jene, die Außenverteidiger bzw. die Außenstürmer zu stoppen.

In den alten Trott

Was zur Folge hatte, dass das brasilianische Spiel ziemlich in den alten Trott verfiel: Wenig Breite über die Außenverteidiger, viel Platz zwischen Defensive und Offensive und ein Offensiv-Quartett, dass nicht gut harmonierte, wenn der Ball doch einmal vorne war. Besonders enttäuschend war in dieser Phase Maicon: War er gegen Ecuador noch eine dramtische Verbesserung gegenüber Dani Alves, kam hier wiederum nichts wirklich nennenswertes von ihm.

Andererseits aber zeigte Marcelo Estigarribia, der zwei so tolle Spiele zum Auftakt gemacht hatte, wie schon in seinem letzten Gruppenspiel nach vorne praktisch gar nichts. Auf der anderen Seite ist Vera (der wieder statt Barreto spielte) ohnehin mehr auf der defensiven Seite daheim. So hatte Paraguay das Spiel defensiv zwar gut im Griff und man ließ Brasilien wenig Zeit am Ball und somit kaum Gelegenheit, sich wirklich zu entfalten, aber selbst konnte man auch kaum Torgefahr erzeugen. Ein torloses Remis zur Halbzeit war die logische Folge.

Maicon wacht auf

Nach dem Seitenwechsel sah man endlich wieder mehr von Maicon. Von Estigarribia war nichts zu befürchten, und so traute sich Maicon wieder mehr nach vorne, was dem Spiel seiner Mannschaft extrem gut tat. Brasilien schaffte es nun, den Ball kontrolliert in die gegnersiche Hälfte zu bringen und sich dort festzusetzen. Das war zwar immer noch nicht annähernd so gut wie gegen Ecuador, aber immerhin eine deutliche Verbesserung gegenüber der ersten Halbzeit.

Nach einer Stunde reagierte Martino und brachte mit dem genesene Barreto statt Vera die offensivere Variante auf dem rechten Flügel – wenn schon von Estigarribia auf links nichts kam. Der Effekt allerdings hielt sich eher in Grenzen, weil auch Barreto eher gegen André Santos spielte als umgekehrt. In der zweiten Hälfte zog die Seleção deutlich an der Daumenschraube und hätte auch genug Chancen gehabt, die verdiente Führung zu erzielen. Torhüter Villar hatte etwas dagegen.

Ball kommt nicht in die Spitze

Das Problem bei Paraguay blieb, den Ball in die Spitze zu Valdez und Barrios zu bekommen. Zwar spielte Valdez zumeist in einer eher hängenden Position, letztlich aber doch zu hoch, um aus dem tief stehenden Mittelfeld und von den wirkungslosen Außen bedient zu werden. So nahm Gerardo Martino den in der Luft hängenden Barrios vom Platz und brachte Hernán Pérez, der zentral hinter Valdez ein Mittelding aus Zehner und hängender Spitze gab.

Das nahm zwar Lucas Leiva wiederum etwas aus der Rechnung, sorgte aber nicht dafür, dass Paraguay besser nach vorne spielte. Wirklich geholfen hat auf der anderen Seite auch der Schritt, den bulligen Fred in die Spitze zu stellen und Pato statt des ausgewechselten Neymar (der wiederum haupsächlich durch seine lächerliche Frisur, und nicht durch sein Spiel auffiel) auf den Flügel zu stellen. So ging es in die Verlängerung.

Zwei Mann weniger, gegenseitige Blockade

Dort setzte sich das Spiel – das zudem von einer Peinlichkeit von erbärmlich schlechtem Rasen zusätzlich gehandicapt war – der zweite Halbzeit fort, ehe mit Lucas Leiva und Antolín Alcaraz zwei Spieler aus der Premier League (Liverpool bzw. Wigan) nach einer Rauferei ihre jeweiligen Teams um einen Mann dezimierten. Die gegenseitige Blockade wurde davon allerdings eher verschärft, zumal mit Lucas Silva und Elano (statt Ganso und Pato) bei Brasilien auch eher zentrale Spieler kamen.

Bei Paraguay ging man auf ein 4-4-1, indem Edgar Barreto vom rechtn Mittelfeld nach hinten rückte und von dort Dario Verón auf die frei gewordene Position von Alcaraz in der Zentrale. Paraguay wusste nun endgültig, dass man in diesem Spiel kein Tor mehr erzielen würde und drehte an der Zeit, Brasilien kam auch in der restlichen Spielzeit nicht zum Zug – und so musste es ins Elfmeterschießen gehen

Wo die Brasilianer zum Teil am fürchterlichen Untergrund scheiterten, denn ganze Rasenstücke im mit tonnenweise Sand bearbeiteten Geläuf bei den Strafstößen herausgerissen. Aber während nach Elano (der den Ball gefühlte fünf Meter über das Tor hob) auch Thiago Silva, André Santos und Fred nicht in der Lage waren, sich darauf einzustellen, reagierte Paraguay richtig: Estigarribia und Riveros chipten den Ball nur leicht in die Mitte und verzichteten auf Härte. Was das richtige Rezept war.

Fazit: Aufregend war’s nicht…

War die Verlängerung vom Spiel Argentiniens gegen Urguay noch wegen des Siegeswillens beider Teams durchaus sehenswert, waren das 120 eher mühsame Minuten. Paraguay machte nicht wirklich Anstalten, das Heft selbst in die Hand zu nehmen und beschränkte sich darauf, eine ohnehin nicht übertrieben gut geölte brasilianische Mannschaft in Schach zu halten.

Der Seleçãao gelang es wieder einmal nicht, für die nötige Breite zu sorgen und auch das Loch zwischen Ramires und dem Offensiv-Quartett ist in weiten Phasen wieder beängstigend groß gewesen. So passt es ins Bild, dass es dieses nicht funktionierende schafft sogar alle vier Elfmeter im Shoot-Out zu verballern.

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Chile war in einem von defensiver Disziplin geprägten Turnier die mit Abstand attraktivste Mannschaft. Doch weil erst Teamchef Borghi die erste Halbzeit verschenkte und dann sein Team ein Füllhorn an Möglichkeiten, reichten Venezuela zwei Freistöße zum äußerst glücklichen 2:1-Sieg…

Venezuela - Chile 2:1

Marcelo Bielsa interpretierte als chilenischer Teamchef sein 3-4-3 immer, es gab bei ihm – egal gegen wen – nur einen Sechser. Dass Claudio Borghi in der Herangehensweise an eine Partie da etwas vorsichtiger zu Werke geht, ist bekannt. Gegen Venezuela hat er es aber ein wenig übertrieben: Mit Carmona und Medel stellte er gleich zwei Sechser auf, und das bei einem Kontrahenten, von dem klar war: Der wird nicht stürmen, sondern tief stehen und abwarten.

Ein verschenkter Mann

So kam es dann auch: Die Venezuelaner spielten in den Gruppenspielen, in denen sie der Außenseiter waren – also gegen Brasilien und Paraguay defensiv und nahmen nur gegen die biederen Ecuadorianer das Heft selbst in die Hand. Chile ist nun alles andere als bieder, und so reihten sich die beiden Viererketten, die Teamchef Farias in gewohnter Besetzung auflaufen ließ, auch dementsprechend tief ein.

Was für das 3-4-1-2 von Borghi bedeutete: Einer seiner beiden Sechser war verschenkt. Mit den beiden Offensiven im venezolanischen Team, diesmal Fedor und Maldonado, wäre die Dreierkette mit nur einem defensiven Mittelfeldspieler ebenso spielend zurecht gekommen. Angesichts der (zumindest) acht gegnerischen Mann zwischen dem Duo Medel/Carmona und dem venezolanischen Tor war es für Chile schwierig, den Ball sinnvoll nach vorne zu bringen.

Flügel ausgeschaltet

Was auch daran lag, dass die gut nach hinten arbeitenden Flügel-Duos bei Venezuela ihren jeweiligen, auf sich alleine gestellten Gegenspieler (Isla bzw. Vidal) gut im Griff hatte. Jimenez im Zentrum kam alleine gegen die vielbeinige Abwehr kaum durch. Womit Chle immer mehr auf lange Bälle zurück griff – für die körperlich eher kleingewachsene Albiroje gegen die Kanten in der venezolanischen Abwehr kein taugliches Mittel.

Der Außenseiter hatte das Spiel defensiv also relativ komfortabel im Griff, kam aber selbst kaum einmal zu echten Gegenstöen. Claudio Bravo im chilenischen Tor sah vor der Pause im Grunde nur einen einzigen Ball auf sein Tor zusegeln – und der war auch prompt drin. Venezuelas Abwehrhüne Vizcarrondo verwertete einen Freistoß zur überraschenden Führung. Eigentlich logisch, dass es nur ein Standard sein konnte.

Mit Valdivia kommt wieder Schwung

Wie schon bei der Weltklasse-Partie gegen Uruguay kam ins chilenische Spiel so richtig Schwung, als Jorge Valdivia in die Partie kam, Teamchef Borghi beließ mit Carmona einen seiner defensiven Mittelfeldspieler in der Kabine. Jiménez wich ging nun nach links und Vidal verstärkte zusätzlich das Zentrum. Die Folge war ähnlicher Rambazamba-Fußball wie gegen Uruguay.

Venezuela hatte nicht im Ansatz die Mittel, sich wirklich des unglaublichen Angriffswirbels zu erwehren, den das Team aus Chile nun über sie hereinbrechen ließ. Lediglich Torhüter Renny Vega verhinderte mit einigen starken Aktionenen den Ausgleich, auch das Torgestänge musste herhalten. Aber wie so oft bei Chile: Der Ertrag stimmte mit dem Gezeigten überhaupt nicht überein. Alleine zwischen Halbzeit und dem letztlich überfälligen Ausgleich von Suazo in Minute 69 hätte man eigentlich vier bis fünf Tore schießen müssen.

So kommt, was kommen musste…

Venezuela hatte also mächtig Glück, dass es mit einem 1:1 in die Schlussphase ging und nicht mit jenem aussichtslosen Rückstand, den man sich aufgrund der zweiten Hälfte eigentlich verdient gehabt hätte. Und die mangelhafte Torausbeute der Chilenen sollte sich rächen – weil zehn Minuten vor Schluss ein zweite Freistoß in den Strafraum flog, Torhüter Bravo nur kurz klären konnte und Cichero zum sensationellen 2:1 verwertete.

Wenn das nicht schon der Todesstoß für Venezuela war – im direkten Gegenzug gab es eine weitere hundertprozentige Torchance – dann war es nach der gelb-roten Karte für Gary Medel endgültig vorbei. In den letzten Minuten verzichtete Chile darauf, die Planstelle auf der Sechs nachzubesetzen. Natürlich, es brauchte den Ausgleich, aber so kam Venezuela in dieser Phase noch zu einigen Kontern. Den Ausgleich fing sich Venezuela nicht mehr – dafür eine unglaublich dämliche rote Karte: Der vorbelastete Tomas Rincón verpasste einem Gegenspieler am Mittelkreis (!) eine Kopfnuss.

So ist Venezuela zwar im Halbfinale. Muss dort aber ohne den wichtigsten Mann im defensiven Mittelfeld auskommen.

Fazit: Eigentlich eine Schande

Dass die Kolumbianer als Favorit gegen Peru geflogen sind, durfte noch mit einem Schulterzucken quittiert werden. Dass die Großmächte Argentinien und Brasilien es im ganzen Turnier kaum gebacken bekamen und letztlich scheiterten, war bis zu einem gewissen Grad folgerichtig.

Aber dass nun die wahrscheinlich beste und mit Sicherheit attraktivste Mannschaft des von defensiver Disziplin geprägten Turniers nun auch die Koffer packen muss, ist eigentlich eine Schande. Chile hat sich das Aus aber selbst zuzuschreiben: Es waren mehr als genug Chancen da, um Venezuela mit einer demütigend hohen Niederlagen aus dem Turnier zu kegeln.

Hatte die letzte große chilenische Mannschaft Ende der 90er-Jahre bis auf ein Weltklasse-Sturmduo (Salas und Zamorano) kaum etwas zu bieten, ist es bei der aktuellen genau umgekehrt: Im Spiel nach vorne ist Chile derzeit das weltweite Nonplusultra. Aber es gibt niemanden, die die Unzahl an Chancen auch in Zählbares ummünzen könnte.

So reichten dem Team aus Venezuela zwei ordinäre Standardsituationen zum überraschenden Semifinal-Einzug.

(phe)

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Copa, Tag 12: Brasilien findet in die Spur https://ballverliebt.eu/2011/07/14/copa-tag-12-brasilien-findet-in-die-spur/ https://ballverliebt.eu/2011/07/14/copa-tag-12-brasilien-findet-in-die-spur/#respond Thu, 14 Jul 2011 10:18:43 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=5243 Copa, Tag 12: Brasilien findet in die Spur weiterlesen ]]> Breite durch aufrückende Außenverteidiger, Kompaktheit im Zentrum durch mehr Initiative aus dem defensiven Mittelfeld – genau das hat Brasilien in den ersten beiden Spielen gefehlt. Und genau das war gegen Ecuador zu sehen, weshab es auch einen klaren Sieg gab. Nur hinten offenbarten sich noch Schwächen.

Brasilien - Ecuador 4:2

Zweimal war das Spiel der Brasilianer nicht wirklich überzeugend. Vor allem über die Flanken war viel zu wenig gekommen! Darum ließ Mano Menezes für das dritte Gruppenspiel gegen Ecuador Dani Alves auf der Bank und ließ stattdessen Maicon als Rechtsverteidiger auflaufen. Mit positivem Effekt.

Doch auch wenn das die einzige nennenswerte personelle Änderung war (Robinho kehrte noch für Jádson in die Startelf zurück, der Vollständigkeit halber), präsientierte sich die Seleção deutlich kompakter und sicherer. Das lag an mehreren Faktoren. Neben dem fleißigen Maicon rückte nämlich nun auch Ramires praktisch permanent in die Offensivreihe auf – zuletzt hatte er das nur sporadisch gemacht, was ein Riesenloch hatte entstehen lassen.

Klare Leistungssteigerung bei Brasilien

Außedem hielten Neymar und Robinho, die wieder nach Herzenslust rochierten, ihre Flanken besser und starteten Läufe nach innen, wenn hinter ihnen die Außenverteidiger aufgerückt waren. Zudem stand nun auch Lucas Leiva deutlich höher. Die Folge war, dass Brasilien ein recht dominantes und vor allem ballbesitzorientiertes Spiel in der gegnerischen Hälfte aufziehen konnte. Die Breite war nun ebenso vorhanden wie die Kompaktheit im Zentrum, auch Pato bewegte sich vorne sehr viel.

So blieb Ecuador kaum etwas anderes übrig, als mit ihren zwei Viererketten tief zu stehen und zu versuchen, die Brasilianer wenigstens nicht zum Torabschluss kommen zu lassen. Wenn es zur Entlastung kam, dann aber wiederum nicht durch Christian Noboa im Zentrum – etwas enttäuschend, schließlich ist er beim russischen Meister von zwei der letzten drei Jahre das Um und Auf im Mittelfeld – sondern über die Seiten. Dann nämlich, wenn sich Arroyo und Benítez im Rücken der aufgerückten Außenverteidiger aufmachten. Versuche durch das Zentrum endete spätestens bei Lucas Leiva.

Tor über die Flanke, Tor aus einem Goalie-Fehler

Kein Wunder, dass das längst verdiente brasiliansiche Führungstor nach einer halben Stunde von einem der aufgerückten AV vorbereitet wurde: André Santos schlug eine Flanke ins Zentrum, wo Pato den Ball zum 1:0 über die Linie spitzelte. Das Spiel schien damit auf Schiene.

Schien, denn die ganze Dominanz hilft der Seleção recht wenig, wenn es hinten individuelle Fehler gibt. So rutschte Torhüter Júlio César ein an sich harmloses Schüsschen von Caicedo aus 20 Metern Entfernung unter dem Körper durch und schon stand es wie aus heiterem Himmel 1:1.

Nachlässig verteidigt

Was die Brasilianer aber nicht wirklich aus der Fassung brachte, wie sich gleich nach Wiederanpfiff zeigen sollte. Wenn man das Spiel breit macht, entstehen zwangsläufig Lücken in der gegnerischen Verteidigung – das 2:1 durch Neymar war aber eher auf nachlässiges Verteidigen zurück zu führen. Zwei Ecuadorianer machen die Gasse auf, der komplett durchs Zentrum eingeletete Angriff wurde eiskalt zum 2:1 abgeschossen.

Brasilien wieder auf Kurs? Naja – auch die Seleção machte hinten Fehler. Wenige Minuten nach der Führung verschlief Ganso einen Klärungsversuch von Maicon, erneut kam Caicedo zum Schuss von der Strafraumgrenze, und der weder von Thiago Silva noch von André Santos wirklich bedrängte Stürmer schoss zum 2:2 ein.

Nach drittem Tor einen Gang zurück

Und wieder waren die Brasilianer nicht geschockt, blieben um Vorwärtsgang und wurden belohnt: Nur zwei Minuten nach dem Ausgleich patzte auch Ecuador-Keeper Eligaza, indem er einen Weitschuss von Neymar direkt vor die Füße von Pato abprallen ließ – das 3:2, die erneute brasilianische Führung.

Nun schaltete die Seleção in dem bis dahin mit hohem Tempo und hoher Intensität geführten Partie doch einen Gang zurück, ließen die Ecuadorianer ein wenig kommen und nützten die Räume, die sich somit boten, kosequent für schnelle Konter. So hatte Ecuador zwar nun mehr vom Ball, aber Brasilien strahlte dennoch mehr Torgefahr aus. Bis durch einen der vielen energiegeladenen Flankenläufe von Maicon zur Entscheidung kam: Neymar musste die tolle Vorarbeit nur noch verwandeln. Das 4:2 war zwanzig Minuten vor Schluss die Entscheidung.

Fazit: Brasilien findet in die Spur

Nach einem schlechten Spiel (gegen Venezuela) und einem mäßigen (gegen Paraguay) war in dieser Partie nun die erste wirklich starke Leistung der Brasilianer zu sehen. Endlich wurde das Loch im Zentrum geschlossen, endlich gab es echtes Flügelspiel, und schon rollt die Geschichte. Logischerweise wurden zwei der Treffer von den diesmal eben konsequent aufrückenden Außenverteidiger vorbereitet, allzu viele Chancen benötigte man nicht für die Tore.

Nur eine latente Schwammigkeit in der Defensive kann Mano Menezes durchaus Kopfschmerzen bereiten. Die Fehler von Júlio César häufen sich in der letzten Zeit markant und in der Rückwärtsbewegung arbeiten nicht immer alle mit der nötigen Ernsthaftigkeit. Das sollte im Viertelfinale gegen die rasant nachlassende Mannschaft aus Paraguay noch kein Problem sein. Aber in einem möglichen Semfinale gegen Chile…

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Geheimtipp Paraguay? So nicht! Gegen Venezuela zeigte die Albiroja eine schreckliche Leistung und strahlte null Torgefahr aus. Drei Standards mussten es richten, und dann wurde aus einem 3:1 in der Nachspielzeit sogar noch ein 3:3. Mit dem Venezuela sicher besser leben kann.

Paraguay - Venezuela 3:3

Die Bürde des Nicht-Verlieren-Dürfens, obwohl man weder gegen Ecuador noch gegen Brasilien verloren hatte, lag schwer auf Paraguay. Ebenso wie die Tatsache, dass Edgar Barreto für die rechte Seite immer noch nit fit ist und Enrique Vera da keinen Ersatz darstellt. Und auch sonst sah das Team aus Paraguay sehr gehemmt und unabgestimmt aus.

Da wäre zum Beispiel Marcelo Estigarribia. Der Mann auf dem linken Flügel spielte zwei tolle Partien, tauchte hier aber komplett ab – er war unsichtbar. Er stand viel zu hoch, um vom eh fleißigen Aurliano Torres von hinten angespielt zu werden. So war Torres gezwungen, entweder selbst ohne Unterstützung nach vorne zu gehen, oder lange Bälle Richtung Estigarribia zu versuchen. Beides klappte nicht nach Wunsch.

Alles durch die Mitte

So liefen bei Paraguay bald alle Versuche, irgendwie nach vorne zu kommen, durch die Mitte – genau dort, wo die wenigste Kreativität ist und die konsequentesten Gegenspieler. Gerade gegen Ecuador im ersten Spiel zeigte Paraguay ein extrem druckvolles Flügelspiel, davon war gegen die soliden, aber weiß Gott nicht überragenden Venezolaner überhaupt nicht zu sehen.

Im Gegenteil, nicht nur, dass nach vorne nichts ging, hinten wurden auch ziemliche Schnitzer eingebaut. So nütze Rondón schon nach wenigen Minuten einen allzu lässigen Ballverlust von Ortigoza dazu, von der Strafraumgrenze zum 1:0 zu verwandeln.

Auch Tempo fehlt

Aber nicht nur die Stoßrichtung versprach bei Paraguay keinen Erfolg, auch das Tempo. Dieses fehlte nämlich ebenso wie ein durchdachtes Angriffssspiel. So war es Venezuela ein leichtes, die Passwege zuzustellen und die Ballführenden unter Druck zu setzen. Und nach Ballgewinn ging es recht schnörkellos in Richtung paraguayanisches Tor.

So war es logisch, dass Paraguay nur aus Standards oder Abwehrfehlern zum Torerfolg kommen konnten. Nach einer halben Stunde kombinierten sie dann beides – auf das Flippertor, das nach einer Ecke über diverseste Umwege zum 1:1 im Tor landete, wäre jeder Billard-Spieler neidisch. Mit drei Banden kam Paraguay da nämlich nicht aus, ehe der aufgerückte Alcaraz den Ball über die Linie drosch.

Experiment mir Dreierkette

Wohl um dem indisponierten Estigarribia Rechnung zu tragen, stellte Paraguay noch in der ersten Hälfte auf einer Dreierkette hinten um – lediglich Aureliano Torres schob nach vorne, auf der anderen Seite gab es Vera etwas defensiver. Die Belebung der linken Seite blieb aber aus, und so wurde nach der Pause wieder auf ein 4-4-2 umgestellt.

Estigarribia aber durfte weitermachen. Und so ähnelte das Spiel nach der Pause dem von davor frappant: Zu wenig Tempo, keinerlei Flügelspiel, und Hoffen auf Standards. Da allerdings war Paraguay auf Zack, denn nach einer Stunde verlängerte Barrios tatsächlich eine Ecke zum unverdienten 2:1 in die Maschen.

Auch von Venezuela kommt wenig

Bei den Venezolanern kamen in der Folge Kapitän Arango und Stürmer Fedor für Orozco und Arismendi in positionsgetreuen Wechseln, aber dennoch zeigten die Weinroten weiterhin wenig Initiative, selbst das Spiel nach vorne anzugehen. So plätscherte das bislang wohl schwächste Spiel dieser Copa seinem ereignisreichen Ende entgegen.

Als in Minute 85 Riveros nämlich das 3:1 für Paraguay erzielte (natürlich nach einer Standardsituation), war das Spiel vermeintlich entschieden. Das dachten wohl auch die Spieler von Paraguay, die nun auch hinten sorglos wurden. So hinderten sie Fedor nicht daran, aus spitzem Winkel abzuziehen und zum 2:3 zu verkürzen. Und dann war es ein Eckball, bei dem nicht aufgepasst wurde, was Perozo tatsächlich noch zum 3:3-Ausgleich nützen konnte…

Fazit: Paraguay hätte Sieg nicht verdient

Kaum zu glauben, dass es die gleiche Mannschaft war, die gegen Ecuador (bis zum verletzungsbedigten Barreto-Austausch) so dominiert hat und nun gegen Venezuela eine im Grunde unterirdische Leistung zeigte. Bei Paraguay passte, bis auf die Standards, rein gar nichts. Kein Flügelspiel, keine Kreativität, null Tempo, haarsträubende Fehlpässe. Dass es dennoch möglich war, 3:1 zu führen, spricht auch nicht gerade für Venezuela. Im Viertelfinale – Paraguay muss gegen Brasilien ran, Venezuela gegen Chile – werden es beide sehr, sehr schwer haben.

(phe)

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Copa, Tag 8: Brasilien behebt Fehler nicht https://ballverliebt.eu/2011/07/10/copa-tag-8-brasilien-behebt-fehler-nicht/ https://ballverliebt.eu/2011/07/10/copa-tag-8-brasilien-behebt-fehler-nicht/#respond Sun, 10 Jul 2011 13:55:54 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=5165 Copa, Tag 8: Brasilien behebt Fehler nicht weiterlesen ]]> Wieder konnte Brasilien nicht überzeugen. Weil beim glücklichen 2:2 gegen Paraguay wieder die selben Fehler gemacht wurde! So verdienen sich die Paraguayer den Punkt, weil sie genau diese Schwächen ausnützten. Gruppenerster ist aber vorläufig Venezuela – 1:0 gegen Ecuador!

Brasilien - Paraguay 2:2

Paraguay hat gegen Ecuador zumindest bis zum verletzungsbedingten Austausch von Edgar Barreto nach einer halben Stunde gezeigt, dass die Mannschaft aus einem 4-4-2 durchaus beachtlichen Druck nach vorne entwickeln kann – vor allem über die Flügel. Das war im Spiel gegen Brasilien nicht gefragt: Gerardo Martino stellte seine Mannschaft ein, gegen ein Brasilien zu spielen, wie es die Seleção gegen Venezuela vergeblich versucht hat. Und siehe da: Brasilien machte hier die gleichen Fehler.

Kaum brasilianische Flügel, keine Kontrolle im Zentrum

Was der diesmal im 4-1-4-1 agierenden Mannschaft aus Paraguay extrem in die Hände spielte. Martino zog Santa Cruz aus der Spitze ab und stellte ihn ins rechte Mittelfeld, dafür rückte von dort Vera als Sechser zusätzlicher Mann in die Mittelfeldzentrale. Dort kümmerte er sich in erster Linie um Ganso, Agenden in der Spieleröffnung standen da eher zurück.

Weil die Brasilianer wieder ein veritables Loch zwischen defensivem Mittelfeld und Offensivreihe ließen, hatten die drei Paraguayer im Mittelkreis das Zentrum sehr gut unter Kontrolle, weil wiederum nur Ramires einen Link zwischen der Defensive und Ganso und Co. darstellte. Auch von den Außenverteidigern kam wieder gar nichts – André Santos traute sich gegen Santa Cruz nicht nach vorne, der auch gegen Venezuela schon sehr zurückhaltende Dani Alves war auch diesmal kaum sichtbar. Wobei aber Marcelo Estigarribia erneut eine sehr ansprechende Leistung bot.

Zu wenig Tempo vorne, zu wenig kompakt hinten

Bei Brasilien fehlte es im Spielaufbau aber nicht nur an der Kompaktheit, sondern daraus folgend auch am Tempo. Nur, wenn es mit schnellen Kurzpässen versucht wurde, kam die Seleção sinnbringend vor das Tor von Justo Villar. Und, wenn Paraguay in der defenisven Mittlefeldzentrale nicht aufpasste: Als der Platz zwischen den Reihen einmal zu groß war, nützte das der ansonsten sehr unauffälligen Jádson zur 1:0-Pausenführung.

Dennoch wurde Jádson zur Pause ausgewechselt, aber mit dem für ihn gekommenen Elano wurde das Spiel der Brasilianer noch enger im Mittelfeld. Und doch fehlte hinten mitunter die Ordnung, wenn Paraguay nach Ballgewinn schnell konterte, und so stellte Santa Cruz zehn Minuten nach Wiederanpfiff auf 1:1 – nachdem Estigarribia im Rücken von Dani Alves den Ball nach vorne getragen hatte. Und wenige Minuten später war es erneut Alves, der sich nach einem harmlosen langen Ball von Riveros abkochen ließ, der zuvor für Barrios eingewechselte Valdez verwertete zum 2:1 für Paraguay.

Ramires und Neymar gehen, Ideenlosigkeit bleibt

Menezes nahm in der Folge mit Ramires seinen Achter heraus und brachte mit Lucas einen neuen Flügelstürmer, somit ging er auf ein 4-4-2; mit Lucas auf dem linken und Neymar auf der rechten Steite. Viel gebracht hat dieser Wechsel nicht: Weil Paraguay weiterhin sehr sicher in der Defensive stand und es am Flügelspiel bei Brasilien weiter fehlte, blieben oftmals weiterhin nur lange Bälle.

Dem trug Menezes Rechnung, indem er zehn Minuten vor Schluss mit Fred noch einen echten Zentrumsstürmer brachte, der sich neben Pato stellte. Eine Maßnahme, die noch belohnt wurde – kurz vor Schluss kam ein Ball (natürlich durch die Mitte) bei Fred an, der zwischen zwei paraguayanischen Abwehrspieler hindurch noch noch den glücklichen Ausgleich erzielte. Ja, er stieß duch eine seltene Lücke in der Defensive, es war aber auch einfach wirklich gut gemacht.

Fazit: Brasilien wie Argentinien – Probleme nicht behoben

Wie auch Gastgeber Argentinien machte Brasilien die selben Fehler wie in der ersten Partie: Zu wenig Breite, zu viel durch das Zentrum, zu großer Abstand zwischen Defensive und Offensive. Paraguay ging von Vornherein mit der Vorgabe, genau das Ausnützen, in die Partie, und das war der richtige Matchplan.

Zudem blieben auch diesmal Ganso (gut bewacht von Vera) und Neymar (zu viel klein-klein) blass, Jádson wandelte früh am Rande der gelb-roten Karte und musste daher in der Halbzeit bleiben, Elano brachte keine echte Verbesserung. So verdiente sich Paraguay mindestens den Punkt und Brasilien steht nun im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador schon ziemlich unter Druck. Nicht nur, dass ein gutes Resultat her muss, nein, es sollten auch endlich die so offensichtlichen billigen Schwachpunkte behoben werden.

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Eine wirklich attraktive Partie war der Sieg von Venezuela gegen Ecuador nicht. Aber für die Weinroten war es dennoch ein guter Auftritt – denn nach der guten Defensivleistung gegen Brasilien war man gegen schwache Ecuadorianer das nach vorne klar aktivere Team. Womit der Erfolg hochverdient ist.

Venezuela - Ecuador 1:0

Die Formation war bei Venezuela identisch mit der beim 0:0 gegen Brasilien, auch die Besetzung (lediglich Maldonado spielte statt Rondón) – aber die Herangehensweise war ganz anders. Von Beginn an übernahmen die Venezolander die Initiative, vor allem über die Flügel mit César González und Juan Arango. Die beiden, die auch durchaus rochierten, drückten die ecuadorianischen Flügel ziemlich hinten hinein, was zur Folge hatte, dass die Gelben nicht zur Geltung kamen. Denn auch ihr Spiel war auf die Flügel ausgerichtet.

Méndez und Arroyo hatten aber viel Defensiv zu tun, vor allem die seltsamen uninitiativen Noboa und Castillo schafften es nicht, das Spiel selbst zu beruhigen. So kam Venezuela früh zu einigen Chancen, die allerdings ungenützt blieben – der ecuadorianische Torhüter „El Polaco“ Eligaza konnte diese aber entschärfen. Je länger die Partie dauerte, desto weniger kam Venezuela aber durch die zwei Viererbänke durch, die letzte Viertelstunde vor der Halbzeit entwich der Schwung aus dem venezolanischen Spiel und damit auch das Niveau der Partie.

Gewaltschuss bringt die Führung

Auch im zweiten Spielabschnitt blieben zunächst die Weinroten spielbestimmend, weiterhin über die extrem fleißigen Flügel. Arango uund González rückten zudem immer wieder ein, damit die aufrückenden Außenverteidiger die hinterlaufen konnten, das was ohne Gefahr möglich, weil bei Ecuador die hängende Spitze zu fahrig agierte (Benítez) und sein Sturmpartner trotz erkennbarer Spielfreude in der Luft hing (Caicedo).

Zufall ist es aber keiner, dass die bemühten, aber nicht gerade Funken versprühenden Venezolaner durch einen Gewaltschuss in Führung gingen: César González zog nach einem Zuspiel von Arango aus 20 Metern ab, dem machtlose Goalie Elizaga war die Sicht versperrt.

Spät, aber doch legt Ecuador zu

Erst im letzten Spielviertel kam Ecuador zu mehr Spielbesitz und zu etwas gesteigerten Offensivbemühungen, allerdings auch, weil der Gegner das zuließ. Die Venezolaner spielten das aber geschickt, weil sie es sehr gut schafften, die Zentrale zuzumache und Ecuador somit auf die Flügel zu zwingen. Von dort ging aber keinerlei Gefahr aus, weil die Flanken schlecht und die Innenverteidiger sich nur selten überlaufen ließen.

So sammelte Ecuador in der Schlussviertelstunde zwar sehr viel Ballbesitz, aber die fehlende Fähigkeit, ein Spiel selbst zu gestalten, wurde überdeutlich – daran änderten auch die Einwechslungen von Offensiv-Akteuren nichts. Ohne wirkliche Gefahr auszustrahlen, verlor Ecuador die Partie somit verdient. Auch, wenn Venezuela die Möglichkeiten zum Konter eher fahrlässig ausließ.

Fazit: Venezuela kann auch selbst, daher Sieg verdient.

Vor allem in den ersten 20 bis 30 Minuten jeder Halbzeit wurde deutlich, dass Venezuela sich nicht nur wie gegen Brasilien defensiv stellen und verteidigen kann, sondern vor allem mit Arango und González auch selbst in der Lage ist, zumindest gegen ein offensiv völlig indisponiertes Team wie Ecuador selbst die Spielgestaltung in die Hand zu nehmen – und auch bereit war, das zu tun.

Bei Ecuador fehlte jegliches Flair im Spiel nach vorne, was aber nicht nur mit dem verletzungsbedingten Fehlen von Antonio Valencia erklärt werden kann. Schließlich war der Mann von Manchester United schon in der ersten Partie kaum ein Faktor auf dem Flügel. Auch Christian Noboa konnte wieder keine Struktur in seine Mannschaft bringen. Und selbst, als es am Ende nötig war, konnten kaum Chancen erarbeitet werden. Und das reicht nun mal nicht.

(phe)

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Copa, Tag 3 – Auch Brasilien startet fehl; und noch eine Nullnummer https://ballverliebt.eu/2011/07/03/copa-tag-3-auch-brasilien-startet-fehl/ https://ballverliebt.eu/2011/07/03/copa-tag-3-auch-brasilien-startet-fehl/#respond Sun, 03 Jul 2011 21:27:00 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=5106 Copa, Tag 3 – Auch Brasilien startet fehl; und noch eine Nullnummer weiterlesen ]]> Nach dem Gastgeber Argentinien macht auch Brasilien keinen allzu glücklichen Eindruck – nur 0:0 gegen Venezuela! Wobei es nicht nur am Abschlussglück fehlte, sondern an vielem mehr. Zu wenig Tempo, und behäbig, und vor allem: Viel zu wenig Flügelspiel!

Brasilien - Venezuela 0:0

Die Santos-Jungstars Neymar und Ganso feierten ihren ersten großen Auftritt im Trikot des WM-Gastgebers von 2014 – die beiden sollen die Zukunft der Seleção darstellen. Auf dem Weg dazu, zu tragenden Stützen beim Turnier in drei Jahren aufgebaut zu werden, soll die Copa so ein wenig als Testlauf herhalten. Wie belastbar sind die beiden schon? Vor allem, wenn es darum geht, gegen einen kompakten, aber nicht zur Weltspitze zählenden Kontrahenten wie Venezuela geht. So richtig gut ging das nicht.

Brasilien behäbig

Und schnell wurde das Problem der Seleção klar: Zu wenig Bewegung, zu wenig Tempo, sehr statisches Spiel und vor allem: Ein zu großer Abstand, bzw. zu wenig Kontakte zwischen den sechs Spielern hinten und den vier vorne. Was erstaunlich war, denn vor allem Dani Alves blieb hinten, wie man das von ihm bisher nur in den Spielen gegen Real Madrid gesehen hatte – dort musste er allerdings Cristiano Ronaldo in Schach halten, hier eigentlich nur Juan Arango.

Der einzige, der sich gelegentlich mal auf den Weg nach vorne machte, war Ramires. Hinzu kam, dass die Offensiven bei den logischerweise defensiv eingestellten Venezolanern in guten Händen waren. Robinho versuchte zumindest hin und wieder, so etwas wie Breite ins Spiel zu bringen, ohne große Hilfe war er aber verloren. Es hatte fast den Anschein, Neymar und Robinho waren mehr damit beschäftigt, alle paar Minuten ihre Seiten zu tauschen, als zum gegnerischen Tor zu kommen.

Keine Chancen aus spieltypischen Aktionen

Brasilien hatte in der ersten Hälfte zwar drei gute Chancen, aber keine davon entstand aus einer geplanten, für das Spiel typischen aktion. Patos Lattenschuss resultierte aus dem einzigen Vorstoß von Dani Alves – ja, kaum ging er mit, wurde es gefährlich. Vizcarrondos Rettungsaktion mit der Schulter wurde nötig, weil die Venezolaner bei einer Standardsituation aufgerückt waren und die Brasilianer einen Konter fuhren. Und Neymars Schlenzer am langen Eck vorbei entstand aus einem Pass von Ganso, bei dem Neymar im Abseits stand.

Venezuela spielte das 4-4-2 sehr geschickt aus. Hinten stand der Außenseiter sehr sicher, Rincon und Lucena hatten das Zentrum im Griff, und die Flügel Arango und González waren gegen André Santos und Dani Alves überhaupt nicht gefordert. Für wirkliche Torgefahr reichte es aber nicht, zu umständlich waren die Versuche in Tornähe, zu sicher standen Lúcio und Thiago Silva.

Keine Besserung, dann noch weniger Flügel

Auch nach Wiederanpfiff bot sich bei den Brasilianern dasselbe Bild, allerdings kamen die Venezolaner etwas forscher aus der Kabine. Vor allem Arango hat gemerkt, dass die Brasilianer an diesem Tag durchaus zu packen sind, vor allem, weil sich Dani Alves weiterhin dezent zurückhielt. Auffällig war, dass bei den Brasilianern vor allem auf der rechten Seite – gleich, ob nun Neymar oder Robinho sich gerade dort aufhielten – eine Gasse zwischen Mittelfeldmann und Seitenaus-Linie gelassen wurde. Kein Zweifel, dass Dani Alves diese hätte bearbeiten sollen. Hätte.

Nach einer Stunde stellte Menezes sein System dann um: Nachdem Stürmer Fred für Robinho gekommen war, stellte sich die Seleção in einem 4-2-2-2 auf, mit Fred und Pato vorne, Neymar halblinks und Ganso halbrechts dahinter. Flügelspiel war nun gar keines mehr erkennbar, es ging nur noch durch die Mitte. Und das nicht besonders schnell und nicht besonders zielstrebig: Fred sah kaum einen sinnvollen Ball, Neymar und Ganso blieben sehr diskret.

Später Weckruf

Der Versuch mit dem 4-2-2-2 klappte also überhaupt nicht, weshalb Menezes seinen Irrtum kaum eine Viertelstunde später auch wieder korrigierte: Lucas (vom FC São Paulo kam für die linke Seite), Ganso rückte wieder ins Zenturm, und der offensivstärkere Elano ersetzte Ramires. Und nun wachte auch Dani Alves auf: Er rückte nun endlich so auf, wie man das von Beginn an erwartet hatte. Das Spiel der Brasilianer hatte in der Schlussphase damit eindeutigen Linksdrall, weil von Andre Santos und Neymar auf der anderen Seite überhaupt nichts mehr kam.

Spät, aber doch wurde Cichero nun richtig geprüft, aber er hielt dem Druck durchaus stand. Wie generell die Venezolaner eine sehr kompakte Leistung boten und das 0:0 bis zum Ende hielten – und das durchaus nicht unverdient. Weil es die Brasilianer schafften, eine matten ersten Hälfte eine noch mattere zweite folgen zu lassen, in der man erst in den Schlussminuten das Gefühl hatte, so etwas wie Siegeswillen erkennen zu können.

Fazit: Wirklich nur ein Test?

Zu langsam, zu wenig Bewegung, zu wenig Verbindung von der Defensiv- mit der Offensiv-Abteilung, und vor allem über weite Strecken ein Komplettverzicht auf jegliches Flügelspiel – die Brasilianer lieferten eine richtig schlechte Partie ab. Venezuela hatte kaum mehr zu tun, als mit den zwei Viererketten kompakt und eng zu stehen und auf gelegentliche Konter zu lauern. Da funktionierte, weil man das Zentrum im Griff hatte und über die Flügel viel zu lange praktisch überhaupt nicht gefordert wurde.

Die Brasilianer ließen eine gewisse Ernsthaftigkeit vermissen, als ob für sie diese Copa tatsächlich kaum mehr darstellen würde als einen Test unter Wettkampfbedingungen. Will man aber nicht deutlich früher ausscheiden, als das dem Selbstverständnis der Seleção entspricht, muss eine deutliche Leistungssteigerung her. Denn bei allem Respekt vor Venezuela, aber die kommenden Gegner werden schwerer.

————————

Bei der WM war Paraguay ins Viertelfinale gekommen, ohne viel dafür tun zu müssen. Was hat die Albiroja also wirklich drauf? Beim 0:0 gegen die eher beidere Mannschaft aus Ecuador zeigte man zwei Gesichter: Ein starkes, druckvolles. Und eines, das den neutralen Beobachter eher erschaudern lässt.

Paraguay - Ecuador 0:0

Konsequentes Spiel über die Flügel, verbunden mit wirkungsvollem Pressing: So spielt man ein funktionierendes 4-4-2. Genau so spielte Paraguay: Weil Piris (bei seinem Länderspiel-Debüt!) und Torres von hinten enormen Druck nach vorne machten, konnten Estigarribia und Barreto ebenso weit nach vorne schieben oder in die Zentrale einrücken. Das machte Ecuador extrem zu schaffen – vor allem, weil in der Anfangsphase Kapitän Walter Ayoví recht sorglos nach vorne marschierte und seine Seite damit wiederholt blank ließ.

Hinzu kam, dass sich vor allem Santa Cruz sehr gut bewegte und sich als Anspielstation anbot, während Barrios im Zentrum blieb und auf Flankenbälle wartete. Und dort zudem Gegenspieler zu binden verstand: Die ecudaorianischen Hintermannschaft, der es in einigen Situationen durchaus zu schnell ging, verlor da durchaus in einigen Situationen die Übersicht – etwa, als sich drei Mann auf Barrios stürzten, sich aber niemand für Barreto zuständig fühlte. Dessen Abnahme der Flanke von Estigarribia konnte Ecuador-Goalie Eligaza nur mit Mühe parieren.

Schock nach Konter, Rückfall nach Ausfall

Das Spiel von Ecuador litt enorm unter der enormen Ungenauigkeit vieler Pässe, verursacht durch den Druck, den Paraguay auf den Ballführenden ausübte. Vor allem Christian Noboa, der Kapitän von Rubin Kasan, kam als Achter im ecuadorianischen Mittelding aus 4-2-3-1 und 4-4-1-1 überhaupt nicht zur Geltung – wenn etwas ging, dann über die Flanken von Antonio Valencia oder (noch eher) Walter Ayoví. Doch trotz der recht deutlichen Unterlegenheit wäre nach einer halben Stunde beinahe der Führungstreffer gelungen – Ex-Birmingham-Legionär Chucho Benítez lässt die ganze Verteidigung aussteigen, legt sich im entscheidenden Moment aber den Ball zu weit vor.

Eine Aktion, die bei Paraguay sichtlich Wirkung hinterließ. Sicherlich noch entscheidender war aber, dass sich kurz danach Edgar Barreto verletzte und ausgewechselt werden musste. Enrique Vera bemühte sich zwar nach Kräften, aber gegen den neuen Mann setzte Ayoví wieder vermehrt Nadelstiche und so kam Ecuador wieder besser in die Partie.

Niveauverfall nach der Pause

Mit Antonio Valencia musste Ecuador-Teamchef Reinaldo Rueda (der mit Honduras bei der WM war) den prominenteste Mann in der Kabine lassen, der Mann von Manchester United hatte einen Schlag abbekommen. Mit der Umbesetzung in der Raumaufteilung – Méndez ging auf die Valencia-Position nach rechts, Benítez gab nun die hängende Spitze, der neue Mann Arroyo besetzte den linken Flügel – konnte auch das immer ungenauer werdende Spiel der Albiroja recht problemlos in Schach gehalten werden.

Ohne Barreto auf der rechten Seite war der fleißige Piris auch ohne Wirkung, sodass Paraguay nun nur noch über Argentinien-Legionär Marcelo Estigarribia nach vorne kam; der Mann von Newell’s Old Boys war der einzige, der es bis weit in die zweite Hälfte immer wieder versuchte. Santa Cruz ließ sich, weil er kaum noch Bälle sah, immer weiter zurückfallen, bis er permanent im Mittelfeld herumturnte. Mehr Gefahr als einen Torschuss von der Strafraumgrenze brachte der eingewechselte Nelson Valdez auch nicht mehr zu Wege.

Und Ecuador? Die Gelben hatten den Spielstand nun im Griff und kamen in einer extrem niveauarmen zweiten Hälfte nicht mehr wirklich in Gefahr, den Punkt noch aus der Hand zu geben. Doch selbst blieben sie, bei allem Ballbesitz, den sie in dieser Phase ansammelten, ebenso harmlos und Justo Villar im paraguayanischen Tor musste keine allzu schweren Prüfungen bestehen.

Fazit: Paraguay mit mehr Potenzial, 0:0 dennoch korrekt

Ginge es nur nach der ersten Hälfte, kann ein verdienter Sieger dieses Spiels nur Paraguay heißen. Gutes Pressing und extrem druckvolles Spiel über beide Flanken, dazu mit Santa Cruz und vor allem Barrios zwei gefährliche Stürmer im Zentrum – Ecuador hatte eine halbe Stunde lang alle Hände voll zu tun, irgendwie das 0:0 zu halten. Mit dem Beinahe-Rückstand und vor allem dem Ausfall des sehr starken Barreto war das Spiel von Paraguay aber wie abgerissen.

So passte man sich nach der Pause dem mäßigen Niveau des biederen und weitgehend harmlosen Team Ecuadors an, und nach den Eindrücken der zweiten Hälfte hätte nun wirklich kein Team den Sieg verdient gehabt. Das größere Potenzial hat von diesen beiden Mannschaften, wenig überraschend, der WM-Viertelfinalist aus Paraguay. Wie die Albiroja die schlimmen zweiten 45 Minuten weggesteckt haben, dürfen sie im nächsten Spiel gegen die fehlgestartete Seleção zeigen.

(phe)

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