Thalhammer – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Mon, 14 Dec 2020 09:18:09 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 LASK-Trainer Thalhammer im In-Depth-Interview: „Das Spielsystem wird in der Zukunft überhaupt keine Rolle mehr spielen“ https://ballverliebt.eu/2020/08/21/lask-trainer-thalhammer-im-in-depth-interview-das-spielsystem-wird-in-der-zukunft-ueberhaupt-keine-rolle-mehr-spielen/ https://ballverliebt.eu/2020/08/21/lask-trainer-thalhammer-im-in-depth-interview-das-spielsystem-wird-in-der-zukunft-ueberhaupt-keine-rolle-mehr-spielen/#respond Fri, 21 Aug 2020 09:00:32 +0000 Oben die Flugzeuge im Anflug auf den Flughafen Linz-Hörsching, unten der neuer LASK-Trainer im Ballverliebt-Gespräch: Dominik Thalhammer hat sich die Zeit zu einem ausführlichen Gespräch genommen. Ausführlich und mit mit dem langfristigen Blick spricht der LASK-Coach zwar auch über das Spiel in Manchester, die schwindene Bedeutung von Systemen wird aber ebenso behandelt wie die Rolle des Sportdirektors und wie man Erfolg unabhängig von Personen reproduzierbar macht, dem Erweitern des inhaltlichen Repertoirs ohne die bekannten Stärken zu vernachlässigen, dass man beim Lehren auch selbst lernt – und ob es stimmt, dass Fußballerinnen intelligenter sind als Fußballer.

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Dominik Thalhammers Beste Elf https://ballverliebt.eu/2020/07/11/dominik-thalhammers-beste-spiele-oesterreich-frauen/ https://ballverliebt.eu/2020/07/11/dominik-thalhammers-beste-spiele-oesterreich-frauen/#respond Sat, 11 Jul 2020 11:48:52 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=13829 Dominik Thalhammers Beste Elf weiterlesen ]]> Sein Einstieg in den Frauenfußball 2011 kam unerwartet: Dominik Thalhammer hatte seine Trainerkarriere im Profibereich eigentlich aufgegeben, er wollte in Linz sein Jus-Studium beenden und betreute nebenbei die Fünftligisten aus Ottensheim und Pregarten. Dann rief der ÖFB, der seine Frauen-Akademie eröffnete.

Nun, neun erfolgreiche Jahre mit stetiger Entwicklung und seiner ÖFB-internen Beförderung zum Gesamtleiter der österreichischen Traineraus- und -fortbildung später, ruft der LASK – ebenfalls völlig unverhofft, wiewohl dieser Schritt sowohl für den Klub als auch für den Trainer, bei Licht betrachtet, völlig logisch ist.

Um die nun nach 93 Spielen zu Ende gegangene Amtszeit Thalhammers zu würdigen: Das waren die elf besten, wichtigsten, signifikantesten und/oder bedeutsamsten Spiele seiner Ära.

„Wir wollen in St. Pölten ein internationales Vorzeigeobjekt etablieren. Wir wollen Individualisierung auf höchstem Niveau. Das heißt: Wir wollen Top-Athletinnen mit technischer und taktischer Perfektion mit Persönlichkeit. Und wir wollen bis 2016 zur europäischen Spitze im Frauenfußball gehören. Das sind unsere Visionen, das ist unser Anspruch, und dafür werden wir in den nächsten Jahren sehr hart arbeiten.“

Das hat Dominik Thalhammer am 11. März 2011 bei der Eröffnung des Nationalen Zentrums für Frauenfußball gesagt, dem er als Sportlicher Leiter vorstehen sollte. Einen Monat später war er Teamchef des Frauen-Nationalteams. Was nach dem unerwarteten Tod von Ernst Weber ursprünglich nur als einmaliges Aushelfen für ein Testspiel in Slowenien angedacht war, entwickelte sich zu einer über neun Jahre andauernden, einmaligen Erfolgsgeschichte.

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3:1 gegen Dänemark (12. September 2012)

3:1-Sieg in der EM-Quali in St. Pölten

In der ersten EM-Quali unter Thalhammer kam Österreich zu glanzlosen Pflichtsiegen gegen Armenien und zwei knappen Arbeitssiegen gegen Portugal. Mit dem nervenstarken, aber nicht per se guten 3:2 in Prag war schon vorm letzten Spiel Gruppenplatz zwei und das EM-Playoff fix.

Gegen Gruppensieger Dänemark waren erste Ansätze von Offensivpressing zu sehen, vornehmlich aber profitierte man davon, dass Dänemark zunächst zwei Topchancen nicht nützte und die ÖFB-Frauen dann selbst einmal kurz vor (Aschauer) und einmal kurz nach der Pause (Burger) zuschlug. Dänemark machte auf, Österreich konterte und erhöhte sogar auf 3:0 (Burger).

Es war das erste live im TV gezeigte Heimspiel der ÖFB-Frauen, in dem gab es einen überraschenden Sieg. Gegner Dänemark hatte zuvor in 608 Pflichtspiel-Minuten keinen einzigen Gegentreffer kassiert. Im Playoff gegen Russland machte es sich zwar dann bemerkbar, dass die internationale Erfahrung und die erforderliche Leistungsdichte im Kader etwas fehlte (0:2 und 1:1), aber man machte zumindest erstmals wirklich auf sich aufmerksam.

HIER: Analyse vom 3:1 gegen Dänemark

1:2 in Finnland (25. September 2013)

1:2-Niederlage in der WM-Quali in Turku

Ein Jahr nach dem Sieg über Dänemark war aus dem zarten Pressing-Pflänzchen eine Treibjagd nach dem Ball und den Gegnern über den ganzen Platz geworden. Im finnischen Früh-Herbst wurden die Schatten schon lang und die Gesichter der Zuseher in Turku noch länger. Im Ballbesitz drückte Österreich den EM-Stammgast mit einem 3-1-6 hinten rein.

Kurz vor der Halbzeit aber erzielte Finnland aus einem Eckball die Führung. Nach der Pause versuchte Österreich mit immer mehr schwindenden Kräften, zum Ausgleich zu kommen, und zehn Minuten vor Schluss gelang Nina Burger dieser auch. Lange konnte man sich aber nicht freuen: In der 86. Minute konnte Torhüterin Kristler noch zweimal retten, beim zweiten Nachschuss aber war sie machtlos.

Das 1:2 in Finnland war letztlich das entscheidende Ergebnis in der WM-Quali, dass es nicht für das Playoff der besseren vier Gruppenzweiten reichte. Aus einem „Tough Game“ vor dem Spiel (Teamchef Thalhammer beim Hallo-Sagen im Presseraum) wurde ein „Tough Loss“ danach. Die Leistung war aber über weite Strecken herausragend. „Ich hab‘ noch nie so unverdient verloren“, ärgerte sich Carina Wenninger noch ein Jahr danach.

HIER: Analyse vom 1:2 in Finnland

1:3 in Frankreich (9. April 2014)

1:3-Niederlage in der WM-Quali in Le Mans

8.000 Zuseher waren in Le Mans dabei, als Österreich zu Gast war. Frankreich hatte die letzten drei Quali-Spiele 10:0 und 14:0 (gegen Bulgarien) sowie 7:0 (Kasachstan) gewonnen. Ein klarer Sieg gegen die ÖFB-Frauen wurde gemeinhin erwartet. Und dann das.

Österreich schob mutig nach vorne, nicht selten waren alle zehn Feldspielerinnen in der französischen Hälfte, pressten an und nervten den klaren Favoriten bis aufs Blut. Es wurde still im Stadion. Damit hatte man nicht gerechnet. Natürlich: Die cleveren Französinnen nützen nach einer halben Stunde drei Unachtsamkeiten gnadenlos zu einer 3:0-Pausenführung. Aber der Auftritt von Österreich machte Eindruck – zumal man auch nach der Pause nicht daran dachte, sich trotz der längst verlorenen Partie zurück zu ziehen. Sarah Punitgam sorgte für den 1:3-Endstand, kurz danach traf Nina Burger noch das Aluminium.

Frankreichs damaliger Teamchef Philippe Bergeroo war sich in der PK nach dem Spiel sicher: „Österreich ist deutlich stärker als Finnland, wird sicher Zweiter hinter uns!“ So kam es auch. Österreich gewann das Heimspiel gegen Finnland souverän mit 3:1 und wurde tatsächlich Zweiter. Und es sollte zwei Jahre

HIER: Analysen vom 1:3 in Frankreich und dem 3:1 gegen Finnland

2:1 gegen Australien (7. April 2015)

2:1 -Sieg gegen Australien in einem Test in Villach

Ein wunderschöner April-Nachmittag in Villach. Zu Gast: Rund 200 Zuseher, darunter Laura Feiersingers Vater Wolfgang, und als Gegner Australien. Zehnter der Weltrangliste, 2007 und 2011 im WM-Viertelfinale (und 2015 wieder). Am Kommandostand aber: Die ÖFB-Frauen. Und wie.

Wie Frankreich und Finnland vor ihnen und auch so viele nach ihnen waren die Australierinnen wie überfahren vom heftigen Pressing des ÖFB-Teams. Als der Griff nach rund 70 Minuten etwas losließ, führte Österreich längst mit 2:0 (und es hätte noch deutlich mehr sein können), war die Mannschaft aus Australien durchzerzaust und es reichte nur noch zur Ergebnis-Kosmetik.

Die Spielerinnen aus Australien schlichen wie geprügelt vom Platz, Österreich hatte erstmals ein Team aus den Top-10 der Weltrangliste besiegt und fühlte sich gerüstet für die startende EM-Qualifikation. Zurecht.

HIER: Analyse vom 2:1 gegen Australien

2:2 in Norwegen (2. Juni 2016)

2:2-Remis in der EM-Quali in Oslo

Dank Siegen gegen die schwächeren drei Teams der Gruppe war Österreich schon auf einem relativ sicheren Weg zum EM-Ticket, obwohl Norwegen den ÖFB-Frauen die erste Niederlagen nach 24 Monaten zufügen konnten.

Beim Rückspiel in Oslo begann das Team von Dominik Thalhammer ungewohnt bedächtig und nützte einen Bock von Holstad zur Führung durch Burger; kurz danach schlug ein Weitschuss von Mjelde zum 1:1 ein. In der Folge schaltete Österreich von Flag-Football auf Vollkontakt um: Pressing, was das Zeug hält. Norwegen wirkte gehetzt und verunsichert, überstand die Phase aber und ging nach einer Stunde 2:1 in Führung. Österreich aber steckte nicht auf, fightete bis zum Schluss und wurde mit dem Ausgleich durch Laura Feiersinger belohnt. Der erste Pflichtspiel-Auswärtspunkt bei einem Topf-1-Team war gesichert.

Österreich wurde lockerer Gruppenzweiter und qualifizierte sich als einer der besseren sechs Zweiten für die EM; der Punkt in Oslo war dabei eher für die Psyche als für die Tabelle wichtig. Denn eine der sechs besseren Zweiten wäre man auch ohne diesen Zähler geworden.

HIER: Analyse vom 2:2 in Norwegen

4:2 gegen Dänemark (6. Juli 2017)

4:2-Sieg in einem Testspiel in Wr. Neustadt

Die Ergebnisse in der Vorbereitung auf die EM waren eher so naja – 0:3-Klatschen in England und Holland, eine Niederlage gegen Schottland beim Cyprus Cup – und das Send-Off-Spiel war gegen Dänemark. Das ist auch kein schwaches Team: Semifinale bei der EM 2013 und seit einem Jahr in starker Form.

Es dauerte aber nur 34 Sekunden, um das Spiel dank dem von Lisa Makas vorbereiteten und Nici Nilla vollendeten 1:0 auf Schiene zu bringen. Österreich zeigte trotz der schlechten Resultate gegen starke Gegner großes Selbstvertrauen, machte kaum Fehler und ließ sich auch vom plötzlichen 1:1 nicht aus der Ruhe bringen. Vor der Pause gab es zahllose Top-Chancen, nach dem Seitenwechsel auch die Tore. Bis kurz vor Schluss hatte Österreich 4:1 (2x Billa, 2x Zadrazil) geführt und noch dreimal Aluminium getroffen. Dänemark wurde vorgeführt, am Nasenring durchs Stadion gezogen, die ÖFB-Frauen haben eine Machtdemonstration abgeliefert.

Die extrem reife Leistung beim 4:2-Erfolg ließ anderthalb Wochen vor Turnierstart schon erahnen, dass Österreich kein harmloser Punktelieferant sein würde. Dass es aber so kommen sollte, wie es letztlich kam, hat sich da noch keiner auch nur zu Träumen gewagt.

HIER: Analyse vom 4:2 gegen Dänenark

1:0 gegen die Schweiz (18. Juli 2017)

1:0-Sieg bei der EM in Deventer

Man weiß, was man bei der Schweiz bekommt und wie gut sie in etwa sein kann. Das Achtelfinale bei der WM hat das Team schon gespielt, ein Olympia-Quali-Turnier auch. Was Turnier-Debütant Österreich drauf hatte, wusste man nicht. Bis zum Spiel gegen die Schweiz.

Österreich presste die langsame Verteidigung der Schweiz gnadenlos nieder, sorgte für viele Ballgewinne und vor allem hielt man die individuell stark besetzte Offensive der Eidgenossinnen gekonnt vom eigenen Tor weg. Nach einer Viertelstunde sorgte Nina Burger für die verdiente Führung. Die Schweiz war überrascht, überfordert und hatte keine Idee, wie man den ÖFB-Frauen beikommen kann. Erst, als bei Österreich die Kräfte nachließen, erarbeitete sich die Schweiz Feldvorteile und Chancen. Zum Ausgleich reichte es aber nicht mehr.

Es war der erste österreichische Sieg über die Schweiz nach 21 Jahren. Und die Beobachter waren beeindruckt: So cool, so selbstverständlich, so klar in der Strategie und konsequent in der Umsetzung hatte man die ÖFB-Frauen in Europa nicht erwartet. Vier Tage später legte Österreich mit einer konzentrierten Defensiv-Leistung ein 1:1 gegen Frankreich nach.

HIER: Analyse vom 1:0 gegen die Schweiz

3:0 gegen Island (26. Juli 2017)

3:0-Sieg bei der EM in Rotterdam

Die null Punkte, mit denen Island ins letzte Gruppenspiel gegen Österreich ging, täuschten: Bei der unglücklichen Niederlage gegen Frankreich ließ man noch weniger zu als Österreich beim 1:1, gegen die Schweiz war man strategisch zumindest eine Halbzeit lang klar besser.

Einen Punkt brauchten die ÖFB-Frauen gegen das deutlich unter Wert geschlagene Team aus Island noch, um nicht auf die Parallelpartie hoffen zu müssen. Was folgte, war die konzentrierteste, konsequenteste, gnadenloseste und souveränste Vorstellung, die Österreich jemals in einem Pflichtspiel gegen ein im FIFA-Ranking besser klassiertes Team abgeliefert hat.

Und die angebotenen Fehler wurden dann auch noch eiskalt ausgenützt. Die Pausenführung von 2:0 (erst Zadrazil, dann Burger oder Zadrazil) war hochverdient, und nach dem Seitenwechsel kam diese Führung auch nie in Gefahr, im Gegenteil. Nach Stefanie Enzingers erstem (einzigen) Nationalteam-Tor zum 3:0-Endstand stand Österreich im Viertelfinale. Als Gruppensieger. Und fast eine Million Österreicher sahen zu – fast doppelt so viele, wie unmittelbar davor beim Champions-League-Qualispiel von Salzburg gegen Rijeka.

HIER: Analyse vom 3:0 gegen Island

Der Triumph von Tilburg (30. Juli 2017)

0:0 n.V. im EM-Viertelfinale in Tilburg

Spanien war als Geheimfavorit in die EM gestartet, strauchelte aber schon in der Gruppenphase. Darum wurde dem österreichischen Team, obwohl laut Ranking klarer Außenseiter, durchaus große Chancen eingeräumt.

Wie schon im Spiel gegen Frankreich überließ Österreich dem Gegner relativ bereitwillig den Ball, machte die Räume eng und limitierte Spanien zu vielen Pässen in ungefährlichen Zonen. Selbst kam das österreichische Team zwar so gut wie nie gefährlich vor das gegnerische Tor, aber auch bei Spanien reichte es nur zu Weitschüssen. Dank der extrem disziplinierten Leistung der ÖFB-Frauen hielt man das Spanien über weite Strecken der 120 Minuten bei harmlosem Quergeschiebe.

Als es ins Elfmeterschießen ging, war bei Österreich gute Laune und große Gelöstheit zu erkennen, bei Spanien nur Anspannung. Diese positive Energie nahmen die fünf Schützinnen Feiersinger, Burger, Aschauer, Pinther und Puntigam mit, sie alle trafen. Manuela Zinsberger parierte einen spanischen Versuch – damit war der Triumph von Tilburg und der Einzug ins Halbfinale gegen Dänemark perfekt. Dort hing Österreich nach Puntigams frühem vergebenem Strafstoß in einer ruppigen Partie zunehmend in den Seilen und verlor nach einem weiteren 0:0 das Elferschießen.

HIER: Analyse zum 0:0 n.V. gegen Spanien

2:0 in Finnland (8. Juni 2018)

Finnland – Österreich 0:2 (0:1)

Fünf Jahre zuvor war Österreich als Underdog nach Finnland gereist, hat die Helmarit mit bedingungsloser Offensive überrascht und am Ende unglücklich verloren. In der Quali für die WM 2019 war alles anders: Österreich kommt als haushoher Favorit in den Norden, agierte überlegt und kontrolliert und kam zu einem völlig ungefährdeten 2:0-Sieg.

Das Spiel hatte kaum angefangen, schon stand es nach einem finnischen Eigentor 1:0 für Österreich. Finnland experimentierte mit einem ungewohnten System, spielte mit dem 3-4-3 den ÖFB-Frauen eher noch in die Hände, als dass es sie irritierte. Man kontrollierte Ball und Tempo, ließ Finnland trotz des relativen knappen Spielstandes von 1:0 nie auch nur in die Nähe von Manuela Zinsberger kommen. Eine wunderbar einstudierte und herausragend ausgespielte Freistoß-Variante sorgte für verdutzte finnische Abwehrspielerinnen und die Entscheidung.

Der 2:0-Sieg war in all seiner erwachsenen Seriosität beinahe ein wenig langweilig, Finnland war völlig hilflos und ging drei Monate später in Wr. Neustadt sogar 1:4 unter. Dort erprobte das Team von Thalhammer erstmals die radikale neue „dynamische Raumbesetzung“ in der Defensive, die später in Testspielen noch intensiviert wurde.

HIER: Analyse zum 2:0 in Finnland

9:0 gegen Kasachstan (12. November 2019)

9:0-Sieg in der EM-Quali in der Südstadt

Die Außenverteidigerinnen stehen direkt vor der Torfrau und beide Innenverteidigerinnen bauen im Mittelfeld-Zentrum auf, während die Spielerin auf der Acht auf einmal Rechtsaußen steht und der Sechser auf der Zehn – das vor allem mental extrem anspruchsvolle Rochadenspiel brauchte etwas mehr Zeit zum Einstudieren, als man bei einem Nationalteam bekommt.

Im Herbst 2019, in der angelaufenen Qualifikation für die nunmehr auf 2022 verschobene EM, wurden die Laufwege berechenbarer, aber die Formation wurde eigenwillig. Man legte sich die leichteren Gegner auf den Herbst 2019, um das 2-5-3 zu probieren, das in der Praxis wo etwas wie eine WW-Formation war. Damit nahm man den (größtenteils überforderten) Gegnern jede Luft zum Atmen im Mittelfeld und zwang sie zu Antworten auf Fragen, die sie sich nie gestellt hatten.

Mazedonien hielt sich noch halbwegs und hielt die ÖFB-Frauen bei moderaten 3:0-Siegen, aber Kasachstan war heillos überfordert. Im letzten Pflichtspiel unter Dominik Thalhammer gab es den höchsten Sieg seiner Amtszeit – ein 9:0.

HIER: Analyse zum WW-System und dem 9:0 gegen Kasachstan.

Numerische und ideelle Bilanz

Es war das 91. und drittletzte Länderspiel unter der Leitung von Dominik Thalhammer (offiziell das 90., weil die FIFA das Match gegen Frankreich B beim Istrien Cup 2015 nicht wertet). Gegen im FIFA-Ranking jeweils besser klassierte Teams gab es 11 Siege in 49 Spielen, besonders beeindruckend ist aber jene gegen die Schwächeren – hier haben die ÖFB-Frauen unter Thalhammer praktisch nichts abgegeben.

Gesamtbilanz: 93 Spiele, 46 Siege, 21 Remis, 26 Niederlagen.
Pflichtspiele: 45 Spiele, 29 Siege, 8 Remis, 8 Niederlagen.

Pflichtspiele gegen Bessere: 20 Spiele, 6 Siege, 6 Remis, 8 Niederlagen.
Pflichtspiele gegen Schwächere: 25 Spiele, 23 Siege, 2 Remis, 0 Niederlagen.

Das sind aber nur die nackten Zahlen. In Wahrheit hat er ein Team übernommen, das innerhalb des ÖFB bestenfalls als Anhängsel mitgelaufen ist, dem aber weder Bedeutung noch Potenzial beigemessen wurde. Er hat es mit Zielstrebigkeit, Akribie, einem langen Atem, viel Geduld sowie hoher sozialer und hoher fachlicher Kompetenz innerhalb von sechs Jahren zu einem EM-Halbfinalisten gemacht.

Zusätzlich hat er als langjähriger Leiter der ÖFB-Frauen-Akademie den Grundstein dafür gelegt, dass die aktuelle Generation – die ja auch immer noch sehr jung ist, bei der EM 2017 betrug das Durchschnittsalter nach tatsächlicher Einsatzzeit 24,3 Jahre – keine einmalige Erscheinung ist, sondern ständig neue, junge Spielerinnen nachkommen.

Die 1997er-Generation, also die jetzt 23- und 24-Jährigen, waren mit zwei Junioren-EM-Teilnahmen ein großes Versprechen – Barbara Dunst, Kathi Naschenweng und Viki Pinther haben den Sprung zu den Großen schon geschafft. Dem 2001er-Jahrgang (etwa mit Celina Degen) wird sogar noch größeres Potenzial nachgesagt und die 2002er war letztes Jahr schon bei der U-17-EM. Sie alle sind Produkte des Nationalen Zentrums in St. Pölten, das seit diesem Jahr als „ÖFB Frauen-Akademie“ firmiert.

Das ist das Erbe, das Teamchef Thalhammer hinterlässt. Es ist nicht das schlechteste.

58 Eingesetzte Spielerinnen: Puntigam 85, Prohaska 83, Burger 80, Wenninger 79, Zadrazil 76, Feiersinger 74, Kirchberger 73, Aschauer 70, Schnaderbeck 67, Zinsberger 63, Billa 61, Makas 58, Schiechtl 53, Eder 46, Dunst 34, Pöltl 30, Kristler 30, Manhart 25, Pinther 25, Maierhofer 22, Tieber 21, Höller 18, Gröbner 15, Enzinger 14, Klein 14, Naschenweng 14, Hanschitz 13, Hickelsberger 11, Trödthandl 10, Tabotta 10, Koren 9, Entner 8, Pfeiler 8, Mayr 8, Bell 6, Gstöttner 5, Haas 5, Rappold 4, Tasch 4, Wienroither 4, Weilharter 4, Höbinger 4, Georgieva 3, Prvulovic 3, Fischer 2, Walzl 2, Reischer 2, I. Größinger 2, Wienerroither 2, Koch 1, Gatternig 1, Ruiss 1, Babicky 1, Dopler 1, Horvat 1, Kirchmann 1, Mahr 1, Sochor 1.

Beitragsbild: CC BY-SA 3.0/Thaka1982

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Thalhammer und der LASK: Unerwartet, aber nicht unlogisch https://ballverliebt.eu/2020/07/11/thalhammer-und-der-lask-unerwartet-aber-nicht-unlogisch/ https://ballverliebt.eu/2020/07/11/thalhammer-und-der-lask-unerwartet-aber-nicht-unlogisch/#comments Sat, 11 Jul 2020 10:44:18 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=17088 Thalhammer und der LASK: Unerwartet, aber nicht unlogisch weiterlesen ]]> Hoch die Hände: Wer hat den Wechsel von Dominik Thalhammer als Teamchef der ÖFB-Frauen zum Trainer des LASK kommen gesehen? Niemand? Nein, dieser Wechsel kommt tatsächlich aus dem Nichts.

Viele LASK-Fans könnten erst einmal ein wenig vor den Kopf gestoßen sein – nach dem Motto: Was? Der Frauen-Trainer? Ist das wirklich eine gute Idee? Ja, ist es. Denn dieser Transfer ist auf so vielen Ebenen so logisch, dass man sich eigentlich wundert, warum man so überrascht ist. Sowohl für ihn als auch für den LASK ist es eine Win-Win-Situation.

Lebensmittelpunkt Linz

Dominik Thalhammer, an sich aus Wien stammend, lebt seit vielen Jahren in Linz – sein vor neun Jahren angetretener Job beim ÖFB erforderte aber viel Anwesenheit in Wien bzw. in St. Pölten bei der Frauen-Akademie, die er jahrelang leitete. Schon aus persönlichen Gründen ist ein Engagement bei einem Linzer Klub für Thalhammer, verheiratet und Vater zweier Töchter, naheliegend.

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Ungewöhnliche Varianten

Sein Faible für ungewöhnliche taktische Lösungen ist bekannt. Als Trainer eines Nationalteams hatte er nur begrenzte zeitliche (und personelle) Möglichkeiten, diese Varianten einzustudieren und zu perfektionieren. Als Trainer einer Klubmannschaft steht er über Wochen und Monate hinweg täglich mit dem Team auf dem Trainingsplatz, die Auswahl der Spieler ist nicht an ihren Reisepass gebunden. Zudem verfügt der LASK schon jetzt über einen spielintelligenten Kader, der Thalhammers Ideen auch umsetzen können dürfte.

Sanfter Übergang

Dennoch ist nicht zu erwarten, dass ab der der ersten Einheit alles anders wird! Die Basis des erfolgreichen Spiels der ÖFB-Frauen war neben der Flexibilität vor allem das Pressing. Dieses ist auch die Grundlage des LASK-Spiels – von daher gibt es deutliche Anknüpfungspunkte, um eine Übergabe ohne große, inhaltliche Reibungsverluste zu gewährleisten. Was das System angeht, ist Thalhammer flexibel, auch das 3-4-3 des LASK gehörte bei den ÖFB-Frauen zum üblichen Repertoire. So gesehen dürfte der LASK unter Thalhammer zunächst ziemlich ähnlich aussehen wie der LASK unter Ismaël und Glasner.

Spieler ausbilden

Seine Kernaufgabe war es beim ÖFB bzw. der Akademie in St. Pölten, Strategien für den Entwicklung von Spielerinnen zu finden. Nachwuchs-Talente machte er besser, indem sie möglichst breit und möglichst umfassend ausbildete bzw. ausbilden ließ. Das wird auch beim LASK nötig sein, da mittel- oder sogar kurzfristig einige Stützen aus dem Erfolgsteam zu ersetzen sein werden. Wenn eigene Jugendspieler oder preisgünstige Talente, die man von anderen Klubs holt, eingebaut werden, steigert das deren Verkaufswert. Das wäre für den LASK nachhaltig und finanziell reizvoll – und ein Argument gegen die seit Jahren chaotischen Verhältnisse in Hütteldorf, am Verteilerkreis und in Graz.

Profil schärfen

Beim LASK kann Thalhammer nicht nur das Profil der Spieler schärfen, sondern auch sein eigenes. Seine Arbeit hat internationales Aufsehen erregt, allerdings fast nur in der Nische Frauenfußball. Ein Aufstieg innerhalb des ÖFB schien für den obersten Trainer-Ausbildner und Frauen-Teamchef wohl nicht mehr möglich. Schafft er es, den LASK an der Spitze der Liga zu etablieren und in der Europa League in den kommenden Jahren mit seinen Ideen Aufsehen zu erregen, würde es seine Stellung im österreichischen Fußball noch erheblich steigern.

Und die ÖFB-Frauen?

Der ÖFB wurde von diesem Wechsel offenbar ebenso auf dem falschen Fuß erwischt wie die gesamte österreichische Fußball-Öffentlichkeit. Sollte das nicht auf ÖFB-interne Kommunikationsschwächen zurückzuführen sein, hätte man das etwas eleganter machen können.

Im September geht es für die Frauen in der EM-Qualifikation mit dem Auswärtsspiel in Kasachstan weiter, danach folgen die beiden Matches gegen Frankreich. Alles schon ohne Dominik Thalhammer. Er hinterlässt seiner Nachfolgerin – mutmaßlich seine langjährige Co-Trainerin Irene Fuhrmann, die erste österreichische Trainerin mit UEFA-Pro-Lizenz – eine funktionierende Truppe mit einem breiten Repertoire an Möglichkeiten.

Mit Marie Höbinger und Julia Hickelsberger schicken sich zwei junge Spielerinnen an, die nächste Generation zu prägen; Nicole Billa ist die legitime Nachfolgerin von Rekord-Stürmerin Nina Burger, die Juniorinnen qualifizieren sich vermehrt für EM-Endrunden und die von Thalhammer maßgeblich gestaltete ÖFB-Frauen-Akademie sorgt dafür, dass der Strom an Talenten nicht abreißt.

Hier ist das Fundament so gut gelegt, wie es auch beim LASK mittelfristig der Fall sein soll.

Beitragsbild: CC BY-SA 3.0 AT/Aliura

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ÖFB-Frauen: Guter Lehrgang, schlechte Resultate https://ballverliebt.eu/2020/03/13/oefb-frauen-guter-lehrgang-schlechte-resultate/ https://ballverliebt.eu/2020/03/13/oefb-frauen-guter-lehrgang-schlechte-resultate/#comments Fri, 13 Mar 2020 10:35:25 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=16756 ÖFB-Frauen: Guter Lehrgang, schlechte Resultate weiterlesen ]]> Ob das EM-Quali-Spiel der ÖFB-Frauen gegen Frankreich am 14. April stattfinden wird, ist unklar. Noch bevor sich ganz Europa wegen des Coronavirus in den Lockdown-Modus begeben hat, absolvierte das Team aber jedenfalls ein einwöchiges Trainingslager in Marbella mit zwei Testspielen gegen die Schweiz.

Inhaltlich war Teamchef Dominik Thalhammer mit dem Lehrgang recht zufrieden. Mit den Ergebnissen – ein 1:1-Remis und eine später 1:2-Niederlage – jedoch ganz und gar nicht.

„Perfekte Bedingungen, es war alles wie erhofft – bis eben auf die Resultate“, bilanzierte Thalhammer. Man hatte bewusst auf eines der Turniere (etwa an der Algarve oder in Zypern) verzichtet, um sich gegen die Schweiz auf die beiden kommenden EM-Quali-Spiele gegen Frankreich vorzubereiten. Die Entscheidung, sich quasi ein eigenes Programm zu gestalten bezeichnet der Trainer auch im Nachhinein als „absolut richtig“.

Von den Spielen wurde keine TV-Übertragung produziert, auch französische Scouts sind dem ÖFB keine untergekommen. Wenn Corinne Diacre und ihr Stab auf die beiden Ergebnisse schauen, werden sie sich in ihrem Desinteresse am österreichischen Team bestätigt sehen.

Dominanz gut, Effizienz schlecht

Im Mittelpunkt stand das Angriffspressing. Dafür wurde auch die Formation ein wenig adaptiert, eine der Achter aus dem etatmäßigen 4-3-3 rückte weit auf (im ersten Spiel Dunst, im zweiten Zadrazil). „Im ersten Spiel haben wir 45 Ballgewinne verzeichnet“, sagt Thalhammer zufrieden. Das große Manko: Es entstand nur ein Tor daraus – die angepresste Schweizer Linksverteidigerin Aigbogun wollte unter Druck blind zur Torhüterin Thalmann zurückspielen, diese stand aber fünf Meter weiter links als vermutet und der Ball kullerte ins Tor.

„Ich kann mich kaum erinnern, dass wie schon mal einen Gegner von so hoher Qualität dermaßen kontrolliert hätten“, schwärmte Thalhammer, „wir waren auf dem Feld um eine Klasse besser als die Schweiz – das ist ein großartiger Fortschritt. Eigentlich müssten wir beide Spiele klar gewinnen.“ Hat man aber nicht. „Darüber sind wir schon voll ****! Denn die Schweizerinnen waren dafür um eine Klasse effizienter als wir.“

Besonders geärgert hat den Teamchef die Schlussphase des zweiten Spiels, welches zuvor sehr gut verlaufen war – viel Ballbesitz, gute Kombinationen. „Aber in den letzten zehn Minuten haben wir uns wirklich sehr unclever angestellt. Da muss man von uns schon mehr Ruhe erwarten können, die meisten haben ja doch schon weit über 50 Länderspiele auf dem Konto“, brummt Thalhammer. Anstatt schon längst in Führung zu liegen, stand es nur 1:1 und in der Nachspielzeit erhielt die Schweiz (korrekterweise) einen Elfmeter. Crnogorcevic verwertete.

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Das Positive überwiegt

Wenn man das Große Ganze betrachtet, überwiegt für Thalhammer aber eindeutig das Positive. „Ob man jetzt zwei Testspiele gewinnt oder nicht, ist langfristig nicht so entscheidend. Wichtig ist, wie sich eine Mannschaft entwickeln kann, und da ist bei uns der Plafond noch nicht erreicht“, ist der Teamchef sicher – vor allem nach diesem Lehrgang.

Zumal die jungen Spieler überzeugt haben. „Marie Höbinger hat wieder absolute Talentproben abgeliefert, sie ist ein großes Versprechen für die Zukunft“, lobt der Trainer, der auch über Debütantin Katja Wienerroither und die nach ihrem Kreuzbandriss zurück gekehrte Katharina Naschenweng lobende Worte fand.

In der EM-Quali ginge es planmäßig am 14. April in St. Pölten mit dem Heimspiel gegen Frankreich weiter. Serbien ist mit einem klaren Erfolg über Mazedonien vorübergehend an Frankreich vorbei gezogen, hat aber auch drei Spiele mehr als Frankreich ausgetragen (und auch schon beide bisherigen Matches gegen Frankreich und Österreich verloren).

Die anderen Turniere

Das US-Team war schon unter der durchschnittlichen Trainerin Jill Ellis kaum zu bezwingen. Wie gut der Weltmeister mit einem guten Trainer tatsächlich sein kann, deutete er beim SheBelieves Cup unter Vlatko Andonovski an. Obwohl mitten in der Off-Season (die NWSL soll am 18. April starten) und bei der Olympia-Quali vor einem Monat gegen Haiti und Panama und auch Kanada nicht gefordert, erteilte man England eine absolute Lektion, kontrollierte Spanien und kam zum späten Sieg und besiegte dann auch Japan.

Andonovski wechselte übrigens kaum durch, nur die Besetzung als Sturmspitze statt der in Babypause weilenden Alex Morgan ist für Olympia noch völlig offen. Carli Lloyd hat den größten Namen, Christen Press die beste Form und Lynn Williams die effektivste Wirkung im von Andonovski installierten, heftigen Angriffspressing.

Bei Spanien ist das Spiel ist immer noch ballsicher und grundsätzlich schön anzusehen, es bleibt aber „Friendzone Football“: Eh lieb, aber ohne die gefährliche Zone zu bearbeiten. Olympia-Gastgeber Japan befindet sich noch voll in der Off-Season und entsprechend fehlte die Spritzigkeit, das Team weiß aber grundsätzlich, was zu tun ist. Und der nächstjährige EM-Gastgeber England, vor einigen Jahren noch das weltbeste Team im Spiel gegen den Ball, versinkt unter Phil Neville zunehmend in einem undefinierbaren Irgendwas ohne übergeordnete Spielidee.

Deutschland hat den Algarve Cup gewonnen, ohne das Finale spielen zu müssen (Italien hat wegen des Coronavirus-Shutdowns in der Heimat w.o. gegeben, um irgendwie noch heim zu kommen), war aber das einzige Team des Turniers, das mehr als den immer gleichen Schema-F-Fußball zeigte. Dänemark und Norwegen bringen im eigenen Aufbau gar nichts zustande, Schweden nicht besonders viel – es geht nur um das Verhindern eines gegnerischen Aufbaus. Dünn, dünn.

Auch beim Tournoi de France gab es wenige neue Erkenntnisse: Turniersieger Frankreich spielt schön, aber auch immer ein bissi selbstverliebt und ohne den echten Endzweck. Kanada war, wie bei WM und Olympia-Quali, fad und harmlos. Brasilien zeigte unter Pia Sundhage grobe Lücken in der Abwehr und weiterhin keinen Plan im Aufbau; immerhin klappte das Pressing. Und Holland war eben Holland, flink und schnell im Umschalten, und beinahe hätte es auch einen Sieg gegen Frankreich gegeben.

In Frankreich gab es am letzten Spieltag keine Zuseher und beim Pinatar Cup in Murcia (Sieger: Schottland vor Island) waren, wie bei Österreich, de facto so oder so keine Zuschauer anwesend. Die restlichen, kleineren Turniere waren in ihrer ganzen Substanz vom Coronavirus beeinflusst. Beim Cyprus Cup hat Thailand kurzfristig die Teilnahme abgesagt, womit die Slowakei, Tschechien und Kroatien um ein Spiel umgefallen sind und die (eh schon sinnlose) Tabelle noch sinnloser wird als ohnehin schon, Finnland (drei Spiele) und Kroatien (zwei Spiele) holten jeweils vier Punkte.

Und in Alanya beim Turkish Women’s Cup war zwar das venezolanische Team schon da, aber deren Trainerin nicht – die ist Italienerin und durfte nicht mehr aus Italien raus. Also flogen die Spielerinnen nach Neapel, um dort gegen ein paar Klub-Teams zu spielen. Den Turnier-Platz nahm zunächst der zufällig anwesende kasachische Meister BIIK Kazygurt ein (der 1:2 gegen Ungarn verlor und 6:0 gegen Hongkong gewann), ein Spiel übernahm Weißrussland. Gruppensieger wurden Ungarn sowie Chile.

Chile hat sich für die Olympia-Quali warmgeschossen – 3:0 gegen Ghana, je 5:0 gegen Kenia und das nordirische B-Team. Im April geht es gegen WM-Achtelfinalist Kamerun um einen Platz im Olympia-Turnier. Kamerun hat das Finale der Afrika-Ausscheidung gegen Außenseiter Sambia verloren (3:2 daheim und 1:2 auswärts), womit die Copper Queens erstmals überhaupt bei einem Welt-Turnier dabei sein werden.

Während China und Südkorea – zwei Länder, die in der letzten Woche die Verbreitung des Coronavirus erfolgreich zurückgedrängt haben – ebenfalls im April um die Olympia-Teilnahme spielen sollen, hat sich Australien diese bereits gesichert: Völlig problemlos krachten die Matildas über Vietnam drüber (5:0 und 2:1). Das vietnamesische Team war durchaus sehenswert. Es gab nämlich kein System, nein, acht der zehn Feldspielerinnen dackelten einfach ihren zugewiesenen Gegenspielerinnen nach, wohin sich diese auch bewegten.

Manndeckung like it’s 1974.

Nochmal kurz zur USA

Der Rechtsstreit zwischen den Spielerinnen des US-Teams und dem US-Verband um gleiche Bezahlung ist indes eskaliert. Der Verband hat sich auf die juristische Position verlegt, dass man den Frauen selbstverständlich weniger Geld zahlt, weil sie eben Frauen sind, einfach nicht gut genug wären und außerdem sind die Auswärts-Fans bei den Frauen friedfertiger (kein Witz, was war *wirklich* ein formuliertes Argument).

Die Spielerinnen haben vor Spiel gegen Japan demonstrativ mit auf links gedrehten Trikots aufgewärmt – auf denen die vier WM-Sterne, aber nicht das Verbandslogo zu sehen sind. Folge der selbst von konservativen Kommentatoren als „wie von Neanderthalern“ bezeichneten Erklärung des US-Verbands war, dass die Großsponsoren den Aufstand probten.

Coca-Cola und Visa haben öffentlich erklärt, vom Standpunkt des Verbandes „angewidert“ zu sein; Nike soll hinter den Kulissen noch schärfer geworden sein. Mit der Drohung des Rückzugs aller Sponsortätigkeiten konfrontiert, trat US-Verbandsboss Carlos Cordeiro zurück. Seine (interimistische) Nachfolgerin ist Cindy Parlow-Cone.

Sie hat 158 Länderspiele für die US-Frauen absolviert und war 1999 Weltmeisterin.

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Puntigams 100er und zwei „geheime“ Testspiele https://ballverliebt.eu/2020/03/02/puntigam-100-oesterreich-frauen-schweiz-olympia/ https://ballverliebt.eu/2020/03/02/puntigam-100-oesterreich-frauen-schweiz-olympia/#respond Mon, 02 Mar 2020 13:15:50 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=16723 Puntigams 100er und zwei „geheime“ Testspiele weiterlesen ]]> Fast auf den Tag genau elf Jahre nach ihrem Debüt am 4. März 2009 wird Sarah Puntigam ihren 100. Einsatz im ÖFB-Trikot absolvieren. Österreichs Frauen verzichten zum März-Termin auf eine Teilnahme an einem der traditionellen Einladungsturniere und reisen dafür zu einem Trainingslager nach Marbella. Dort werden auch zwei „Geheimtests“ gegen die Schweiz gespielt.

Erstmals seit 2013 schlagen Teamchef Dominik Thalhammer und sein Team die Lager im März weder an der Algarve noch in Zypern auf: Ein neuntägiges Trainingslager in Marbella mit „nur“ zwei Spielen (6. und 10. März gegen die Schweiz) soll die perfekte Vorbereitung auf die beiden anstehenden EM-Quali-Spiele gegen Frankreich (14. April in St. Pölten sowie 5. Juni auswärts) bringen.

Zwei statt vier Spiele: „Das war der Plan“

Die FIFA hat gesprochen: Das exzessive Programm von vier Spielen in acht Tagen bei den März-Turnieren wird entzerrt, drei Partien sind von nun an das Maximum. „Trotzdem wäre Marbella so oder so unser Einser-Plan gewesen“, bestätigt Thalhammer, und zwar aus mehreren Gründen.

„Zwei Spiele sind mir noch lieber als drei – so kann ich wirklich nach inhaltlichen Gründen aufstellen und nicht nach Laktatwert“, erklärt der Teamchef. In Zypern wären die Gegner außerdem vom Kaliber Kroatien oder Thailand, also erheblich schwächer als Österreich. „Das bringt uns nichts – in der EM-Quali haben wir vier der sechs Spiele gegen die ‚Kleinen‘ schon hinter uns.“ Die Schweiz, ein Gegner auf Augenhöhe, kann viel besser als Vorbereitung auf Frankreich dienen.

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Keine TV-Bilder: „Das ist mir recht“

ORF und SRF haben sich nicht darum geprügelt, wer die beiden Testspiele in Spanien vor Null-Kulisse produzieren will. Thalhammer hat kein Problem, dass es keine Übertragung gibt, im Gegenteil: „Wir werden viele Dinge ausprobieren“, sagt er, und so hat auch der französische Verband nichts zum Analysieren in der Hand.

Zugegeben: Frankreich ist nicht dafür bekannt, sich auf Gegner speziell einzustellen. Und wenn es sich doch ein französischer Scout im Stadion gemütlich machen will? „Dann überlegen wir uns, ob wir ihn überhaupt ins Stadion lassen“, grinst Thalhammer und er meint das vermutlich nur halb im Scherz.

Die Schweizerinnen haben vor drei Jahren schon einen echten Geheimtest absolviert – bei einem 1:8 gegen Spanien mit einer höchst experimentellen Aufstellung ohne diverse Kräfte vom Stammpersonal. Das Spiel wurde damals in einem Nebensatz bei einem Trainingslager-Roundup-Video wegmoderiert.

Hundert Mal Sarah Puntigam

Sarah Puntigam wird bei diesem Lehrgang 100 Länderspiele alt. Nach Andreas Herzog (2002) und Nina Burger (2018) ist es das dritte Mal in der ÖFB-Geschichte, dass diese Marke geknackt wird. Puntigam ist dabei drei Jahre jünger als Nina Burger – bei normalem Verlauf ist die in Frankreich spielende Südsteirerin also in einem Jahr neue Rekord-Teamspielerin. Dabei hat Puntigam das komplette Jahr 2011 mit sieben Spielen wegen eines Kreuzbandrisses verloren.

Zwei Monate vor ihrem 15. Geburtstag hat sie 2007 für LUV Graz in der heimischen Bundesliga debütiert, anderthalb Jahre später beim Algarve Cup 2009 im ÖFB-Nationalteam. In der Folge wechselte sie zu Bayern München, wo sie aber nie ganz im ersten Team Fuß fassen konnte. 2013 übersiedelte sie also in die Schweiz, wo sie sich in Kriens schnell etablierte, Vizemeisterin wurde und 2014 den Transfer zum SC Freiburg vollzog.

Mit Puntigam schloss Freiburg zum erweiterten Spitzen auf und kämpfte jahrelang mit Potsdam um den Titel „Best of the Rest“ hinter Wolfsburg und den Bayern, 2017 kratzte Man sogar am Herbstmeister-Titel. Vor eineinhalb Jahren folgte der Wechsel zu Montpellier, dieser Klub rittert in der D1F mit Bordeaux um Platz drei hinter Lyon und PSG.

Im Nationalteam kommt sie überwiegend in der Mittelfeld-Zentrale zum Einsatz; hin und wieder auch in der Abwehr – Stichwort Punti-Pendel. Es gehen auch 13 Tore auf ihr Konto, darunter per Elfmeter im Nervenspiel in Tschechien und per Freistoß im EM-Playoff 2011 in Russland, aber auch per beinahe-direkter Ecke 2015 gegen Wales. Und auch beim starken 1:3 auswärts in Frankreich 2014.

Die Österreicherinnen

Manuela Zinsberger und Viktoria Schnaderbeck hatten in England mit Arsenal als Tabellenführer den Jahreswechsel gefeiert. Zwei Niederlagen gegen die anderen beiden Top-Teams der FA WSL – 1:4 gegen Chelsea und 1:2 bei Manchester City – bedeuteten jedoch den Rückfall auf Platz drei. Es führt nun Chelsea nach Verlustpunkten vor Man City (+1 Pkt.) und Arsenal (+3 Pkt.); auch dank Stürmer-Star Sam Kerr, die man von Chicago verpflichtet hat.

Im Ligacup-Finale am Wochenende war Arsenal das deutlich stärkere Team und es war nur Chelsea-Keeperin Ann-Kathrin Berger zu verdanken, dass Chelsea bis in die Nachspielzeit ein 1:1 hielt, ehe Beth England nach Kerr-Vorarbeit (die dabei Schnaderbeck austanzte) zum glücklichen 2:1-Sieg für Chelsea traf.

Ligacup-Finale: Chelsea – Arsenal 2:1 (1:0)

In Deutschland sind seit der Winterpause drei Spieltage absolviert. Nici Billa, Österreichs Fußballerin des Jahres, ist mit Hoffenheim trotz eines 2:3 in Essen noch im Kampf um Platz zwei (und damit die Europacup-Teilnahme) dabei, weil der direkte Konkurrent Bayern München in 2:2 bei Abstiegskandidat Duisburg (mit einem Assist von Lisa Makas) gelaufen ist.

Rund 20 Monate nach ihrem Kreuzbandriss ist Linksverteidigerin Katharina Naschenweng erstmals wieder im ÖFB-Kader. „Sie wird sicher noch einige Zeit brauchen, aber das ist nach so einer Verletzung logisch“, so der Teamchef. Erstmals beim Nationalteam ist Stürmerin Katja Wienerroither, die 19-Jährige aus Eugendorf ist im Winter innerhalb der heimischen Bundesliga von Bergheim zu Sturm Graz gewechselt. Dort peilt man Platz zwei hinter St. Pölten an.

Nicht einberufen wurde hingegen erstmals seit Herbst 2012 Nadine Prohaska.

KADER ÖSTERREICH: Tor: Isabella Kresche (21 Jahre, St. Pölten, 0 Länderspiele/0 Tore), Vanessa Gritzner (22, Sturm Graz, 0/0), Manuela Zinsberger (24, Arsenal/ENG, 60/0). Abwehr: Verena Aschauer (26, Frankfurt/GER, 67/7), Gini Kirchberger (26, Freiburg/GER, 74/1), Katharina Naschenweng (22, Hoffenheim/GER, 12/0), Katharina Schiechtl (27, Bremen/GER2, 51/6), Viktoria Schnaderbeck (29, Arsenal/ENG, 72/2), Yvonne Weilharter (19, Frankfurt/GER, 4/0), Carina Wenninger (29, Bayern/GER, 94/4), Laura Wienroither (21, Hoffenheim/GER, 4/0). Mittelfeld: Barbara Dunst (22, Frankfurt/GER, 32/1), Jasmin Eder (27, St. Pölten, 45/1), Laura Feiersinger (26, Frankfurt/GER, 77/14), Julia Hickelsberger (20, St. Pölten, 9/5), Marie Höbinger (18, Potsdam/GER, 2/0), Sarah Puntigam (27, Montpellier/FRA, 99/13), Sarah Zadrazil (27, Potsdam/GER, 74/11). Angriff: Nicole Billa (24, Hoffenheim/GER, 58/25), Lisa Makas (27, Duisburg/GER, 60/18), Elisabeth Mayr (24, Basel/SUI, 7/0), Viktoria Pinther (21, Sand/GER, 25/1), Katja Wienerroither (19, Sturm Graz, 0/0). Teamchef Dominik Thalhammer (49).

Die Schweiz

Zum neunten und zehnten Mal treffen die ÖFB-Frauen in Marbella auf die Schweiz. Im Head-to-Head führen die Eidgenössinnen bisher 5:2 bei einem Remis, das wichtigste Duell – jenes bei der EM 2017 – hat allerdings Österreich gewonnen. „Es ist nicht so, dass wir da jetzt wirklich auf die Schweiz schauen. Es geht um Frankreich“, betont Thalhammer. Dazu wird auch ein ÖFB-Scout in Frankreich sein, um den nächsten EM-Quali-Gegner in dessen hochkarätigen Testspielen gegen Holland, Kanada und Brasilien zu beobachten.

1:0-Sieg bei der EM in Deventer

Einige Abwehr-Stammkräfte fehlen den Eidgenossinnen: Rahel Kiwic fällt mit einem Kreuzbandriss aus, Lia Wälti von Arsenal laboriert an einer Oberschenkel-Zerrung und Luana Bühler von Hoffenheim hat’s an der Patallasehne. Beim letzten Länderspiel im Jänner gab es ohne Legionäre ein peinliches 2:2 gegen Malta.

Kader Schweiz: Tor: Seraina Friedli (26 Jahre, Young Boys, 46 Länderspiele/0 Tore), Elvira Herzog (20, Köln/GER, 1/0), Gaëlle Thalmann (34, Servette Genf, 80/0). Abwehr: Lorena Baumann (23, FC Zürich, 2/0), Viola Calligaris (23, Valencia/ESP, 24/3), Francesca Calò (24, Köln/GER, 5/0), Noëlle Maritz (24, Wolfsburg/GER, 78/1), Naomi Mégroz (21, Freiburg/GER, 11/0), Rahel Rinast (29, Köln/GER, 32/2), Julia Stierli (22, FC Zürich, 12/0). Mittelfeld: Eseosa Aigbogun (26, FC Paris/FRA, 62/3), Vanessa Bernauer (31, Roma/ITA, 85/7), Ana-Maria Crnogorcevic (29, Barcelona/ESP, 117/57), Alisha Lehmann (21, West Ham/ENG, 19/3), Sandy Maendly (31, Servette Genf, 71/12),  Lara Marti (20, Basel, 2/0), Sandrine Mauron (23, Frankfurt/GER, 12/2), Melanie Müller (23, Luzern, 11/1) Coumba Sow (25, FC Paris/FRA, 7/1), Marilena Widmer (22, Young Boys, 15/1), Cinzia Zehnder (22, FC Zürich, 28/0). Angriff: Ramona Bachmann (29, Chelsea/ENG, 106/49), Fabienne Humm (33, FC Zürich, 61/23), Irina Pando (24, Luzern, 2/2), Géraldine Reuteler (20, Frankfurt/GER, 31/7). Teamchef Nils Nielsen (48).

Olympia-Qualifikation: Endspurt

In diesen Tagen werden auch Tickets für das olympische Turnier im Sommer vergeben. Bisher qualifiziert sind Gastgeber Japan, dazu aus Europa Holland, Schweden und England (die WM-Halbfinalisten 2019), Südamerika-Meister Brasilien sowie Ozeanien-Champion Neuseeland. Beim Concacaf-Turnier Anfang Februar haben sich wie erwartet Weltmeister USA sowie Kanada durchgesetzt.

In Afrika wird die Quali im K.o.-Modus durchgeführt wird und es gab es diverse Überraschungen: Das aufstrebende Südafrika (gegen Botswana), Abo-Afrikameister Nigeria (gegen die Elfenbeinküste) und Ghana (gegen Kenia) haben sich früh verabschiedet. Im Finale spielt WM-Achtelfinalist Kamerun gegen Underdog Sambia. Der Sieger fährt im Juli nach Tokio, der Verlierer im April zum Playoff gegen den Südamerika-Vize Chile.

Ohne Nordkorea, mit Coronavirus-Angst

Die Finalrunde in Asien stand m Zeichen den Coronavirus. Australien übernahm die Austragung von China, das chinesische Team stand unter Quarantäne und musste (kein Witz!) am Hotelflur trainieren. Und doch brauchte Australien im direkten Duell ein Tor in der Nachspielzeit, um das 1:1 und den Gruppensieg zu retten. Die andere Gruppe (in Südkorea) wurde durch den Rückzug von Nordkorea zur Dreierstaffel, Vietnam war der Nutznieser.

China spielt nun im Playoff gegen Südkorea (wegen den Coronavirus wurden die Spiele aber auf April verschoben) und Australien gegen Vietnam.

Dass Nordkorea gekniffen hat, ist ein wenig schade. So wurde wieder nichts über der Stärke der (einstigen?) WoSo-Größe klar, nachdem Nordkorea vor drei Jahren U-17- und U-20-Weltmeister geworden war. Seit Olympia 2012 hat man nun nur einmal Olympia-Quali gespielt (2016) und ist nach einem 1:1 in der WM-Quali für 2019 gegen Südkorea ausgeschieden. Sonst gab es in den letzten acht Jahren kein einziges ernsthaftes Bewerbsspiel. Thailand hat in der Australien-Gruppe nach dem peinlichen WM-Auftritt letztes Jahr (0:13 gegen die USA) nun auch gegen Frauenfußball-Zwerg Taiwan verloren.

Neuer US-Trainer, alte US-Dominanz

Weltmeister USA marschierte unter dem neuen Trainer Vlatko Andonovski locker durch das Concacaf-Qualiturnier und ließ auch Kanada im Finale keine Chance, überrollte den defensiv eingestellten Gegner von Beginn an und gewann letztlich 3:0. Kanada stellte mit Angriffstalent Jordyn Huitema zwar die Torschützenkönigin (7 Tore in 5 Spielen), das 1:0 im Halbfinale gegen Costa Rica war aber schon zäh und beim 0:3 gegen die USA im Finale war man chancenlos. Immerhin hat Christine Sinclair nun Abby Wambach überholt und ist mit 186 Toren in 293 Einsätzen die weltweit erfolgreichste Nationalteam-Torjägerin überhaupt.

Concacaf-Olympia-Quali: USA – Kanada 3:0

Costa Rica und Mexiko kehrten nach ihren Ausrutschern bei der WM-Quali wieder auf Platz drei und vier zurück, in Ermangelung eines direkten Duells (P3-Spiel gab’s keines) lässt sich aber wenig über das Stärkeverhältnis aussagen. Und in Jamaika könnten die Lichter ein knappes Jahr nach dem WM-Debüt ausgehen. Beim Quali-Turnier scheiterte man nach einem 0:1 gegen Mexiko schon in der Gruppenphase.

Immerhin, an der gerade stattfindenden U-20-Meisterschaft des Concacaf-Verbandes nimmt Jamaika sehr wohl teil, gegen Kanada gab es dort sogar einen 3:1-Sieg und es besteht die realistische Möglichkeit, das Turnier als Dritter abzuschließen. Wäre ein Signal.

Die März-Turniere: Unübersichtlich

Früher war die Frauenfußball-Welt im März übersichtlich: Es gab den Algarve Cup und aus. Dann wurden es immer mehr und heute hat irgendwie jeder sein eigenes Turnier.

Beim fünften SheBelieves-Cup sind dieses Jahr neben der USA und England auch Japan und Spanien dabei und es wird sicher toll, weil das einige der spannendsten Teams der Welt sind. Spielorte: Orlando, New York/New Jersey und Dallas.

Beim 27. Algarve Cup hat man den Modus geändert, statt Gruppen gibt es nun K.o.-Spiele mit Platzierungspartien, jeder kommt auf drei Spiele. Mit dabei: Deutschland (nach einem Jahr Märzturnier-Pause), der WM-Dritte Schweden, die WM-Viertelfinalisten Norwegen und Italien, dazu Dänemark, Belgien, Neuseeland und natürlich Portugal.

Frankreich veranstaltet erstmals das Tournoi de France. Neben dem Veranstalter ist auch Europameister und WM-Finalist Holland mit dabei, dazu Kanada und Brasilien. Interessant wird vor allem die Selecao sein, die sich im Herbst Trainerlegende Pia Sundhage (großer Name oder doch ein Trainer-Dino?) geholt und seither u.a. England und Kanada besiegt hat. Spielorte: Valenciennes und Calais, ganz im Norden.

Der Cyprus Cup, bei dem Österreich in den letzten Jahren teilgenommen und 2016 gesiegt hat, konnte nur noch sechs Teams zum Kommen bewegen, und das sind keine Kapazunder. Tschechien und Finnland sind Stammgäste, dazu kommen die Slowakei und Kroatien sowie Mexiko und Thailand. Es gibt einfach drei Spieltage, keine Gruppenteilung.

Nicht nur Österreich und die Schweiz sind in Spanien im Trainingslager. Ein paar Autostunden weiter nördlich in Murcia haben sich Schottland, Island, Nordirland und die Ukraine zusammengetan und spielen den Pinatar Cup.

Eher kurios ist wieder die Besetzung des Turkish Women’s Cup in Alanya. Hier tritt Ungarn gegen Rumänien, Venezuela und Hongkong an. In der anderen Gruppe bereitet sich Chile mit Partien gegen Ghana, Kenia und Nordirland B auf die Olympia-Quali vor.

Das Australien-Turnier, welches letztes Jahr seine Premiere feierte, kommt wegen der Olympia-Qualifikation mit Australien und China nicht zustande. Auch der Croatia-Cup, bei dem letztes Jahr erstmals die Teams vom Balkan geneinander angetreten sich, findet 2020 nicht statt – stattdessen sind die meisten dieser Teams in der EM-Quali aktiv.

Neben Österreich und der Schweiz entziehen sich nur eine Handvoll europäischer Teams den Turnieren bzw. der EM-Quali völlig. Wales und Estland treffen sich zu einem One-Off, ehe Estland weiter auf die Färöer fliegt; Armenien bestreitet die ersten beiden Spiele überhaupt seit siebeneinhalb Jahren (zweimal daheim gegen Litauen). Von den aktiven Nationalteams sitzen tatsächlich nur die Türkei, Weißrussland, Lettland und Kasachstan den März-Termin ohne Spiel aus.

WM-Vergabe für 2023

Im Juni schließlich wird der Veranstalter für die erste mit 32 Teilnehmern ausgetragene Frauen-WM in drei Jahren fixiert. Von den zahlreichen Interessenten sind nach der Deadline letztlich vier Bids übrig geblieben.

Südkorea hat sich zurückgezogen, nachdem es für die angedachte gemeinsame Bewerbung mit Nordkorea nicht genug Annäherung gegeben hatte. Südafrika hat ebenso keine formelle Bewerbung eingereicht wie die ohnehin als chancenlos eingestuften Verbände aus Bolivien sowie Argentinien. Dass Belgien auch im Kreis genannt wurde, obwohl 2019 erst die WM in Europa war, dürfte eher auf ein Missverständnis in der Verbands-Kommunikation zurückzuführen sein.

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ÖFB-Frauen: Die Wiederentdeckung des WW-Systems https://ballverliebt.eu/2019/11/13/oefb-frauen-die-wiederentdeckung-des-ww-systems/ https://ballverliebt.eu/2019/11/13/oefb-frauen-die-wiederentdeckung-des-ww-systems/#comments Wed, 13 Nov 2019 11:40:13 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=16491 ÖFB-Frauen: Die Wiederentdeckung des WW-Systems weiterlesen ]]> Nach dem 3:0 in Nordmazedonien und dem 9:0 gegen Kasachstan blicken die ÖFB-Frauen  auf einen makellosen Herbst in der EM-Qualifikation zurück: Vier Spiele, vier Siege, 16:0 Tore. Ja, es ging nur gegen schwache Gegner – aber dies war bei der Erstellung des Spielplanes so angedacht, um gefahrlos taktisch experimentieren zu können.

3:0 in Mazedonien und 9:0 gg Kasachstan

„Die eigentliche Idee ist, gar nicht mehr in Systemen zu denken, sondern in Aufgaben“, erklärt Dominik Thalhammer: Also recht ähnlich dem „Positionsspiel“, welches Guardiola vor allem in seiner Bayern-Zeit (2013 bis 2016) an die Spitze getrieben hat – „oder vielleicht sogar noch etwas extremer als bei Guardiola“. Was als 4-3-3 angegeben wird, weil man es halt irgendwie angeben muss, ist in Wahrheit eher ein WW-System wie zu Zeiten des Wunderteams vor fast 90 Jahren. Nominell – weil eben die Aufgaben im Fokus stehen, nicht die Position an sich.

Ob Thalhammer den Reiz an Mittel- und Aufbauläufern bzw. Links- und Rechtsverbindern wiederentdeckt hat? „Wenn du es so sagen willst“, grinst er. Denn durch das Einrücken der (nominellen) Außenverteidiger entsteht eine krasse Überzahl im Zentrum, welche den Gegner in unübliche Formationen zwingt, um darauf zu reagieren. So kreieren die ÖFB-Frauen eine personelle Überlegenheit in der Mitte und/oder Platz auf den Außenbahnen. Mühle auf, Mühle zu.

Mazedonien hat zwei Klassespielerinnen (Roci und die beim Match im November verletzte Andonova), spielt ein gemessen an der fehlenden Qualität des restlichen Kaders nicht ungeschicktes, pendelndes Hybrid-System aus 4-5-1 und 5-4-1 (wiewohl die durch manche taktische Unachtsamkeit gelassenen Räume im Halbfeld von Österreich nicht gut genützt wurden) und versucht zumindest, kompakt und geradlinig zu verteidigen. So hielt man Österreich bei zwei 3:0-Siegen und wurde nicht abgeschossen. Die heillos unkompakten, defensiv oft panischen Kasachinnen liefen dafür in ein 0:9, und es hätte gut noch höher werden können.

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Kurzer Einschub: WW und WM…

Zu Zeiten des Wunderteams in den 1930ern spielte man in einem 2-3-5-System (oder „WW“, weil es zwei übereinander stehende W waren). In Österreich wurde dieses bis in die frühen 1950er beibehalten, ehe Team-Trainer Edi Frühwirth in Abwesenheit des erkrankten Verbandskapiätns Walter Nausch in der Vorbereitung für die WM 1954 auf das in anderen Ländern (und auch bei einigen heimischen Liga-Klubs, wie etwa Frühwirths Wacker) längst übliche 3-2-5 (also „WM“) umstellte.

Das Wunderteam in der WW-Formation und das 1954er-Team in der WM-Formation

Nausch hatte sich stets dagegen gewehrt, 1953 trennte er sich sogar vorübergehend von Frühwirth, der unbedingt endlich auch den Mittelläufer nach hinten ziehen wollte. Frühwirth (Wacker) und Co-Trainer Hans Pesser (der mit Rapid 1949 als Erster vom alten System abgegangen war) waren die Masterminds hinter dem damaligen WM-Erfolg.

Für die WM 1954 bot Frühwirth (Nausch, der halb genesen im Laufe des Turniers zum Team stieß, ließ Frühwirth werken) nur einen einzigen echten Verteidiger auf – Ernst Happel, der seinerseits keineswegs nur ein reiner Zerstörer war – und neben ihm zwei umfunktionierte Spieler, die aus der Läuferreihe vor der Abwehr kamen: Hanappi und Barschandt.

Davor postierten sich zwei spielintelligente Akteure in der Läuferreihe: Ernst Ocwirk, der zweifellos weltbeste kreative Mittelläufer seiner Zeit, und der zuverlässige Karl Koller von der Vienna. Der Fokus im ganzen Team lag also knallhart auf dem Spiel nach vorne und der Kreativität, es entsprach also der „Wiener Schule“. So sind Ergebnisse wie das 9:0 gegen Portugal in der Qualifikation und das 5:0 gegen die Tschechoslowakei in der WM-Vorrunde zu erklären, aber auch das 7:5 gegen die Schweiz im Viertel- sowie das 1:6 gegen Deutschland im Halbfinale.

Österreich war das letzte Land, das auf das WM-System umstellte und es sollte auch so ziemlich das letzte Land werden, welches das WM-System wieder zu den Akten legt: Zwölf Jahre später, als Edi Frühwirth (der zwischendurch zu Schalkes bis heute letztem Meistertrainer wurde) wieder Teamchef wurde, stellte er auf das längst weit verbreitete 4-2-4 um. Vor sämtlichen Klubs in der Liga wohlgemerkt. Kein Wunder, dass sich Österreich ab 1958 bis 1978 für keine Weltmeisterschaft qualifizieren konnte, so weit hinten, wie man war.

…und was das mit den ÖFB-Frauen zu tun hat

WM-System im März 2017

Im Sommer 2016 fing Thalhammer dann bei den Frauen an, mit einem WM-System zu experimentieren – so beispielsweise in der zweiten Hälfte des Quali-Spieles gegen Israel, aber auch ein halbes Jahr später in der unmittelbaren EM-Vorbereitung im Match gegen Schottland.

Auch damals war die Idee schon gewesen, weniger Abwehrspielerinnen zu haben, um dafür im Mittelfeld eine Überzahl herzustellen. Dies geschah damals mittels eines flexiblen Quadrats an vier zentralen Mittelfeldspielerinnen.

Thalhammer ist mit dem Switch auf die WW-Formation nun quasi den umgekehrten Weg zu damals gegangen: Aus einer experimentellen Dreierkette hinten und einem Vierer-Zentrum ist nun eine Zweierkette in der Abwehr und ein Fünfer-Zentrum geworden.

Sprich: Frühwirth hat damals aus einem WW ein WM und später ein 4-2-4 gemacht. Thalhammer machte in den letzten Jahren aus einem 4-4-2 und einem 4-3-3 ein experimentelles WM-System, und nun einen ganzen Quali-Herbst lang sowas wie ein WW-System.

Schnaderbeck und Aschauer (bzw. Puntigam, die im Heimspiel gegen Mazedonien dort spielte), die offiziell als Außenverteidigerinnen aufgeboten waren, rücken in den Sechserraum ein. So entsteht quasi ein 2-5-3 mit fünf zentralen Mittelfeldakteuren. Dies nimmt jedem Gegner dort die Luft zum atmen.

Wie damals kommt die Breite fast ausschließlich von den Außenstürmern. Thalhammer: „Sie sind die einzigen, die nicht so flexibel agieren können. Und: Sie müssen Tempo haben!“ Das Tempo und das furchtlose Suchen von 1-gegen-1-Situationen sind genau die Stärke von Julia Hickelsberger, die alle Herbst-Spiele gestartet hat und auch fünfmal getroffen hat, alleine viermal gegen Kasachstan. Wie damals in der „Wiener Schule“ ist alles auf Kreativität und das Spiel nach vorne ausgerichtet.

Der Nachteil an der Sache ist, dass defensiv ein gewisses Risiko besteht. Dies ist der Grund, warum man darauf achtete, nur gegen die schwächeren Teams in diesem Herbst zu spielen, um diese Herangehensweise gefahrlos testen zu können. „Die Spielerinnen lernen, selbstständig Dreiecke zu bilden und nicht nur eingeübte Passwege zu stellen. Das ist ein großer, weiterer Schritt in Richtung Flexibilität und Systemunabhängigkeit“, erklärt Thalhammer: „Es ist ungemein spannend, dies zu entwickeln.“

Die nominellen AV Schnaderbeck und Puntigam rücken in den Sechserraum ein (aus dem Hinspiel gegen Mazedonien im September 2019)

Zudem sind auch die fünf zentralen Mittelfeldleute nicht sklavisch an ihre Position gebunden. Da taucht schon mal Aschauer auf der Zehn auf, Puntigam auf der Acht oder Zadrazil auf der Sechs. „Wir konnten nicht vorhersehen, wie die schwächeren Teams, vor allem Mazedonien und Kasachstan, auf unsere Formationen reagieren“, so Thalhammer.

Das wird im Frühjahr in den beiden Spielen gegen die Französinnen wohl besser zu prognostizieren sein: Denen ist es wurscht, wie der Gegner spielt. Und, wie bei der WM zu sehen, wird seitens der Teamchefin Corinne Diacre auch nicht auf den Gegner reagiert. Das könnte eine Chance für Österreich sein.

Die Lage in der EM-Qualifikation

In der Qualifikation für die EM 2021 in England ist nun Winterpause. Man kann schon absehen, in welche Richtung sich die Gruppen bewegen und wie sich das Rennen der Gruppenzweiten entwickelt. Neben den neun Gruppensiegern sind die drei besten Zweiten direkt bei der EM dabei, die sechs restlichen spielen im Playoff um drei weitere EM-Tickets.

Mit Titelverteidiger und WM-Finalist Holland, Rekord-Europameister Deutschland, dem WM-Dritten Schweden, aber auch Norwegen und Frankreich sind die meisten Gruppenfavoriten noch makellos. Spanien ist in Polen nicht über ein 0:0 hinausgekommen, das ist für Spanien aber zu verkraften. Belgien und die Schweiz haben sich noch nicht getroffen, Italien und Dänemark auch nicht, auch Schweden und Island haben noch beide direkten Duelle vor sich. Ebenso Frankreich und Österreich.

Gereiht nach Punkte über/unter Fahrplan (grün), erreichte Punkte (rot), Tordifferenz. In blau die jeweiligen Gruppengegner.

Polen (Top-Stürmerin Pajor, Top-Goalie Kiedrzynek, sonst eher Durchschnitt) hat Spanien ein 0:0 abgerungen und damit schon einen Punkt mehr gemacht, als man erwarten kann. Dafür haben Finnland (gerade noch ein 1:1 in Portugal gerettet), Irland (in der Nachspielzeit das 1:1 in Griechenland kassiert) und Wales (zweimal Remis gegen Nordirland) schon Federn lassen.

Die Faustregel ist: Wer gegen die schwächeren Gruppengegner durchgewinnt, ist unter den besten Zweiten. Andererseits gibt es nun neun statt wie sonst sieben Gruppen, wodurch die Gruppen eher schwächer und die realistischen Chancen auf Patzer auch weniger geworden sind. Realistischerweise werden sich also die fünf Teams um die drei Direkt-Plätze streiten: Österreich, Polen, Island sowie die Zweiten aus Belgien/Schweiz und Italien/Dänemark.

Oder natürlich, Österreich wird vor Frankreich Gruppensieger. Dann ist die Rechnerei obsolet.

Was sich in der WoSo-Welt sonst tut

Weltmeister USA hat nach dem Rücktritt der doppelten Weltmeister-Teamchefin Jill Ellis im hoch angesehenen Vlatko Andonovski (zuletzt lange bei NWSL-Klub Seattle Reign) einen Nachfolger präsentiert, der den sich anbahnenden Generationswechsel moderieren soll und höchstwahrscheinlich auch sehr gut wird. Die Liga hat zum dritten Mal in vier Jahren das Team der North Carolina Courage gewonnen, im Finale gab es einen 4:0-Kantersieg gegen Chicago.

In Europa sind die ersten zwei K.o.-Runden der Women’s Champions League absolviert, im Viertelfinale (im März) sind die erwarteten Namen: 2x Frankreich (Lyon und PSG), 2x Deutschland (Bayern mit Wenninger sowie Wolfsburg), 2x Spanien (Atletico Madrid und Barcelona) und 1x England (Arsenal mit Zinsberger und Schaderbeck), dazu die Losglücks-Ritter aus Glasgow.

Manchester City ist hat knapp gegen Atletico Madrid gescheitert, die Italienischen Großklubs Juventus und Fiorentina waren gegen Barcelona und Arsenal schon in der ersten Runde völlig chancenlos. Und Schwedens Klubs hinken immer weiter hinterher: Der letztjähige Sensations-Meister Piteå sowie Göteborg sind schon in der 1. Runde gescheitert, die eigentlichen Top-Klubs Rosengård und Linköping werden regelmäßig von zahlungskräftigeren Klubs im Ausland gerupft.

Und aus österreichischer Sicht hat es zumindest den ersten Hauptrunden-Sieg seit 2014 gegeben, das 2:1 von St. Pölten bei Twente Enschede war nach dem 2:4 daheim im Hinspiel aber nicht genug. Damit ist nun endgültig der zweite Europacup-Platz futsch und der Meister muss schon in der Vorqualifikation ran – ab 2021 wird der Europacup aber ohnehin umfassend reformiert. Eine Gruppenphase bahnt sich an, die Top-Ligen werden dann drei statt wie bisher zwei Teilnehmer stellen dürfen.

Anderswo ist gerade die Olympia-Qualifikation voll im Gange. In Afrika (ein Team fix, eines im Playoff) hat es da schon diverse Überraschungen gegeben: Die Favoriten aus Nigeria und Südafrika haben jeweils im Elferschießen gegen die Côte d’Ivoire bzw. Botswana verloren. Im Finale stehen sich nun Kamerun (das waren die, die im WM-Achtelfinale gegen England nach VAR-Entscheidungen fast abgetreten wären) und der krasse Außenseiter Sambia gegenüber. Der Sieger fährt zum Olympia-Turnier nach Tokio, der Verlierer spielt im Playoff gegen Chile.

In Asien (Japan + zwei Qualifikanten) gibt es nach diversen komplizierten Vorrunden nun zwei Finalrunden-Gruppen, die im Februar ausgespielt werden. In Südkorea treffen Südkorea, Nordkorea, Vietnam und Myanmar auf einander. In China sind es China, Australien, Thailand und Taiwan. Die beiden Gruppensieger treffen dann im März auf die beiden Gruppenzweiten und die Sieger dieser beiden Finalduelle dürfen dann in Tokio mitspielen.

Bereits qualifiziert sind Gastgeber Japan, dazu aus Europa Holland, Schweden und England, Ozeanien-Meister Neuseeland sowie aus Südamerika Brasilien.

In der Concacaf-Zone findet das Quali-Turnier im Februar statt. Dass sich Weltmeister USA sowie Kanada die beiden zur Verfügung stehenden Tickets holen, ist Formsache. Interessanter wird sein, ob die WM-Quali-Flops von Mexiko und Costa Rica sowie die überraschende WM-Teilnahme von Jamaika (wo die WM-Prämien nicht ausbezahlt wurden und die Spielerinnen daher streiken, zudem fiel eine Teamspielerin in Kingston einem Messerattentat zum Opfer) tatsächlich nur Ausrutscher waren.

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1:0-Arbeitssieg: Wichtige drei Punkte für ÖFB-Frauen in Serbien https://ballverliebt.eu/2019/10/08/oesterreich-serbien-frauen-billa-2019/ https://ballverliebt.eu/2019/10/08/oesterreich-serbien-frauen-billa-2019/#comments Tue, 08 Oct 2019 21:53:33 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=16440 1:0-Arbeitssieg: Wichtige drei Punkte für ÖFB-Frauen in Serbien weiterlesen ]]> Eine Halbzeit lang waren die ÖFB-Frauen sehr stabil, sehr reif und deutlich besser als Gegner Serbien. In der zweiten Hälfte wurde Österreich fahriger, konnte nicht mehr überzeugen und musste länger um den 1:0-Sieg kämpfen, als nötig gewesen wäre. Aber immerhin gab es diesen Erfolg im Auswärtsspiel beim Topf-3-Team der EM-Qualifikation.

Serbien – Österreich 0:1 (0:1)

Teamchef Dominik Thalhammer schickte ein 4-1-4-1 auf das Feld, allerdings ohne die nominelle Kapitänin Viktoria Schnaderbeck (angeschlagen) und Sarah Puntigam (taktische Überlegungen). Ohne Puntigam spielte Zadrazil den Solo-Sechser hinter Dunst und Feiersinger – wie schon gegen Nordmazedonien.

Konzentrierte erste Hälfte

Die ÖFB-Frauen begannen sehr aktiv. Sie achteten darauf, stets Überzahl in Ballnähe zu kreieren und den Serbinnen keine Zeit zu geben, Ballbesitzphasen zu etablieren. Besonders die Torfrau Kostic wurde konsequent angelaufen, was bei dieser jedes Mal zu dezenter Panik und zu unkontrollieren, oft kurzen Abschlägen führte

Auch im Mittelfeld wurde die ballführende Serbin schnell eingekesselt. Österreich erzwang dadurch viele Ballgewinne im Mittelfeld bzw. in der gegnerischen Hälfte und schaltete schnell um. Nach zehn Minuten verwertete Nici Billa per Fallrückzieher sehenswert zum da schon verdienten 1:0-Führungstor.

Gute Antizipation in der Defensive

Angeleitetet von der zumeist sehr umsichtigen Sarah Zadrazil gelang es der Defensive der ÖFB-Frauen, die recht simplen Aufbauwege der Serbinnen zu antizipieren. Durch geschicktes Aufrücken der Innenverteidigung bzw. durch situatives Einrücken der Außenverteidigerinnen in den Sechserraum wurden viele der serbischen Steilpässe abgefangen. Immer wieder führten auch technische Schwächen der Serbinnen dazu, dass Pässe in die Spitze nicht verarbeitet werden konnten.

Generell agierte die Abwehrkette aber wesentlich konventioneller als beispielsweise im EM-Quali-Auftaktspiel daheim gegen Nordmazedonien. Dort waren mit Schnaderbeck und Puntigam auch zwei gelernte Sechser nominell auf den Außenverteidiger-Positionen aufgeboten. Beim Spiel in Serbien waren es Kathi Schiechtl und Verena Aschauer, seit Jahren die Stamm-AV des Frauen-Nationalteams.

Passiver Beginn nach Wiederanpfiff

Die Vorstellung in der ersten Halbzeit war nicht spektakulär, aber recht erwachsen. Nicht unähnlich dem 2:0-Sieg in Finnland vor eineinhalb Jahren – auch das war das Auswärtsspiel beim Topf-3-Team. Die erste Viertelstunde nach dem Seitenwechsel aber war diesmal seltsam passiv, wodurch Serbien spürbar besser ins Spiel kam.

Die Pressingläufe wurden in dieser Phase bei Österreich bestenfalls halbherzig durchgeführt, das Umschalten war zu langsam, die Pässe ungenau, vor allem jene in Richtung Angriffsdrittel. Dass Julia Hickelsberger einmal mehr aus dem Spiel getreten wurde – wie schon gegen Nordmazedonien – mag dazu beigetragen haben. Die unerschrockene 20-Jährige war in viele Eins-gegen-Eins-Situationen gegangen, damit band sie die serbische LV Ilic hinten und sorgte auch oft für Unruhe.

Die Entwicklung gipfelte in einer Sequenz rund um die 60. Minute, als sich Österreich fast minutenlang in einem 4-4-2-Block tief formierte, die Serbinnen nicht anlief und diese zu zwei, drei ordentlichen Torabschlüssen gekommen waren. Dass dieser Rückzug Absicht war, um die Serbinnen herauszulocken, wäre zwar möglich – die Aussagen nach dem Spiel sprechen aber dagegen und es würde auch keinen Sinn machen. Schließlich hatte man Serbien mit hohem Anlaufen zuvor gut im Griff gehabt.

Kontrolle zurück erkämpft

Mit Prohaska, die die verletzte Hickelsberger ersetzte, änderte sich auch das Gefüge ein wenig. Prohaska nämlich agierte in der Mitte, dafür kam Barbara Dunst auf die Außenbahn – wo sie bei ihrem neuen Klub in Frankfurt auch spielt (wenn auch dort links, nicht wie in Serbien dann rechts). Die Spielanlage der ÖFB-Frauen stellte sich ab etwa der 65. Minute wieder spürbar aktiver dar.

Es gelang nun wieder besser, den Serbinnen die Zeit am Ball zu nehmen. Diese behalfen sich damit, schnelle Steilpässe zu versuchen. Hierbei hatten sie mehr Erfolg als vor der Pause, aber insgesamt hatte Österreich das Spiel zumindest wieder einigermaßen unter Kontrolle gebracht. Aus zwei Standards hätte auch das 2:0 fallen können, welches das Spiel schon vor dem Abpfiff nach 93 Minuten entschieden hätte.

Fazit: Mehr Bauchweh als nötig

Einer guten ersten Hälfte folgt eine schlampige, schwache zweite – das Muster des Auftakt-Spiels gegen Nordmazedonien war auch beim Match in Niš zu erkennen. Positiv ist, dass dieses Spiel in Serbien dennoch gewonnen wurde, denn um unter die drei besten Gruppenzweiten zu kommen und sich damit ohne Playoff für die EM 2021 in England zu qualifizieren, wird man gegen die „Kleinen“ nichts abgeben dürfen.

Dieser 1:0-Sieg in Serbien war also ein ganz großer Schritt in Richtung EM-Ticket.

Serbien ist eine halbwegs brauchbare Mittelklasse-Truppe, aber mehr auch nicht. In Relation sind die Serbinnen nicht mal in der Nähe dessen, was Österreich an Potenzial hat. Das wurde vor allem in der ersten Halbzeit deutlich, als Serbien vom konsequenten Überzahlschaffen und Anlaufen der ÖFB-Spielerinnen der Zahn eigentlich schon gezogen wurde.

So ließ man die Serbinnen wieder zurück ins Spiel kommen und hatte mehr Mühe, den knappen 1:0-Sieg über die Zeit zu arbeiten, als nach der wirklich guten ersten Spielhälfte notwendig gewesen wäre. Wieder wurde man zu ungenau, zu schlampig, war man im Umschalten nicht gedankenschnell genug und traf im Angriffsdrittel die falschen Entscheidungen. Aus dem Spiel heraus hat man sich keine echte Torchance mehr erarbeitet. Es mussten ruhende Bälle herhalten.

Für das Ranking der Gruppenzweiten, das zu diesem frühen Zeitpunkt noch keine wirkliche Aussagekraft hat, ist Österreich nun zumindest weiterhin auf Kurs zu den laut Papierform erwarteten Punkten (also null gegen Frankreich und alle gegen die anderen). Von den möglichen Zweiten hat bisher nur Wales (mit einem 2:2 daheim gegen Nordirland) und die Ukraine (mit einem 2:3 in Irland) Federn gelassen.

 

Bei den Gruppenzweiten gilt: Man kann sich den Platz in den Top-3 nicht in den ersten Spielen sichern (zumal davon auch nur Tschechien und Russland gegen ihre jeweiligen Gruppenköpfe gespielt haben – und die Ukraine, die zweimal 0:8 gegen Deutschland unterging). Man kann ihn aber jetzt schon verlieren. Ausrutscher gegen die „Kleinen“ sind und bleiben verboten.

Darum war es auch so wichtig, dass es zumindest das 1:0 in Serbien gegeben hat. WM-Viertelfinalist Italien (3:2 in Israel, 1:0 in Georgien, 2:0 gegen Malta und Bosnien) tut sich etwa schon gegen die Nachzügler unendlich schwer. Allerdings: Die wirklich wichtigen Spiele – also jene gegen die Gruppenköpfe und jene gegen die direkten Konkurrenten um den dritten Platz – haben praktisch alle noch vor sich. Auch Island und Dänemark, die sich bisher nur gegen die Nachzügler warmgeschossen haben.

Und Polen hat überhaupt noch gar nicht eingegriffen. Also.

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3:0 zum Start: ÖFB-Frauen erfüllen Pflicht, aber mehr nicht https://ballverliebt.eu/2019/09/03/30-zum-start-oefb-frauen-erfuellen-pflicht-aber-mehr-nicht/ https://ballverliebt.eu/2019/09/03/30-zum-start-oefb-frauen-erfuellen-pflicht-aber-mehr-nicht/#comments Tue, 03 Sep 2019 18:04:04 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=16408 3:0 zum Start: ÖFB-Frauen erfüllen Pflicht, aber mehr nicht weiterlesen ]]> Ein 3:0-Sieg gegen Nordmazedonien ist nichts, wofür man sich zum Start in die EM-Qualifikation schämen müsste. Eine Heldentat war die Leistung der ÖFB-Frauen aber beileibe auch nicht. Man fand gegen den nominellen Punktelieferanten der Gruppe zwar relativ rasch den Schlüssel – aber als Nordmazedonien nach der Pause umstellte, wurde es zäh.

Österreich – Normazedonien 3:0 (3:0)

Teamchef Thalhammer hat in der Vorbereitung auf dieses Spiel gestöhnt, dass man kein taugliches Bildmaterial von Nordmazedonien zur Verfügung hatte. “Wir hätten nur schon gerne genauer gewusst, wie die agieren, wenn man sie über außen bespielt, oder über das Zentrum, wie und ob sie aufrücken, und so weiter”, sagte er. In der ersten Viertelstunde des Spiels merkte man, dass die ÖFB-Frauen nicht so recht wussten, was sie erwartete.

Dann aber haben sie den Schlüssel gefunden.

Unendliche Weiten vor Hickelsberger

Wie schon in einigen Spielen im letzten Jahr wurden auch gegen Mazedonien im Aufbau ungewohnte Formationen und Positionen eingenommen. Die nominellen Außenverteidiger Schnaderbeck und Puntigam rückten ein, wodurch sich ein 2-2-5-1 ergab.

Die nominellen AV Schnaderbeck und Puntigam rückten in den Sechserraum ein

Das zwang den Gegner noch mehr als vermutlich gewünscht dazu, den gegen den Ball im 4-4-1-1 stehenden Abwehrverbund im Zentrum eng zu machen bzw. in Richtung der rechten Abwehrseite zu verschieben. So wurde auf der linken Abwehrseite der freie Raum für Hickelsberger kreiert.

Julia Hickelsberger (weißer Kasten rechts) hatte *relativ* viel Platz neben dem mazedonischen Abwehr-Block (rot).

Nach etwa 15 Minuten wurden solche Situationen vermehrt bewusst hergestellt und Hickelsberger mit einem Steil- oder Diagonalpass in den Lauf in den freien Raum hinein geschickt. Das führte schon in der 22. und der 24. Minute zu guten Torchancen. Das führte zur Ecke, aus der in der 25. Minute das 1:0 für Österreich fiel, so wurde in der 26. Minute die nächste Abschlussaktion kreiert, so murmelte Hickelsberger den Ball schließlich aus spitzem Winkel höchst selbst zum 2:0 über die Linie.

Diese Rechstlastigkeit im österreichischen Spiel wurde dadurch noch verstärkt, dass sich Laura Feiersinger immer mehr ebenso auf diese Saite orientierte. Die ohnehin schon überforderte mazedonische Linksverteidigerin Zivic hatte dem Duo kaum etwas entgegen zu setzen.

Kein Gewinn aus Umschaltsituationen

In der Anfangsphase rückten die Gäste, begleitet von ausladenden Handbewegungen der Spielerinnen in der Viererkette, im Ballbesitz weit auf. Natasa Andonova, die klar beste Spielerin ihres Teams, versuchte sich über weite Strecken der ersten Hälfte als Ein-Personen-Pressinwelle. Das nervte Österreich und behinderte den Spielfluss – vor allem zu Beginn, als die ÖFB-Frauen noch nach Orientierung suchten.

Das führte aber auch immer wieder dazu, dass im Zentrum, wenn bei den Gästen defensives Umschalten gefragt war, Löcher entstanden. Diese wurden jedoch von Österreich nicht konsequent bespielt: Zadrazil suchte oft nach einer vertikalen Anspielstation, fand aber keine – dadurch wurde das Spiel verlangsamt. Nutzen aus Ballgewinnen konnte Österreich so keinen ziehen.

Gäste machen es geschickt

Anstatt in der zweiten Hälfte die zu erwartenden Ermüdungserscheinungen zu zeigen, agierte Normazedonien nach dem Seitenwechsel aufmerksam und überraschend solide im Spiel gegen den Ball. Die Gäste zogen sich etwas weiter zurück und bildeten, wenn Österreich im Aufbau war, eine Fünfer-Abwehrkette. Das nahm Hickelsberger den Platz, in dem sie sich vor der Pause hatte ausbreiten können. Und es machte die ÖFB-Frauen sichtbar ratlos.

Einige Chancen wurden, vor allem in der Anfangsphase der zweiten Hälfte, verstolpert. Immer mehr schaffte es Nordmazedonien aber, die ballführende Österreicherin zu isolieren und da Andonova im 5-4-1 im zentralen defensiven Mittelfeld agierte, kam hier auch mehr Übersicht in den mazedonischen Sechserraum.

Österreich verrante sich in diverse Kopf-durch-die-Wand-Situationen, spielte viel quer und wenig gewinnbringend nach vorne – weil dort alles zugestellt war. Als in der 80. Minute auch noch Julia Hickelsberger verletzt vom Feld musste, nachdem das Austauschkontingent bereits erfüllt war, mussten die ÖFB-Frauen zudem zu zehnt fertig spielen. Mehr als ein Aluminium-Treffer von Dunst schaute nicht mehr heraus.

Fazit: Drei Punkte. Mehr nicht.

Immerhin, es sind drei nie gefährdete Punkte geworden. Vom erhofften Schützenfest waren die ÖFB-Frauen aber weit entfernt. Das Team aus Nordmazedonien zeigte zwar einige defensive Schwächen, korrigierte diese nach dem Seitenwechsel aber geschickt und hielt Österreich unerwartet gut auf Distanz. Sie waren zwar nie auch nur in der Nähe davon, ein eigenes Tor zu erzielen. Aber mit dem 0:3 können sie gut leben, wie die glückliche Körpersprache und die freudigen Gesichter nach dem Abpfiff belegten.

Die ÖFB-Frauen taten sich gegen einen individuell deutlich schwächeren, aber defensiv solide auftretenden Gegner einmal mehr sehr schwer. Sicher: WM-Viertelfinalist Italien hat gegen schwache Teams wie Israel und Georgien an diesem Doppel-Spieltag auch nur ein 3:2 und ein 1:0 zu Wege gebracht. Aber gemessen an den Erwartungen – möglichst klare Siege gegen die „Kleinen“, um im Ranking der Gruppenzweiten vorne zu sein – war dieser 3:0-Sieg für Österreich zu wenig.

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Ziel England: ÖFB-Frauen starten in die EM-Quali https://ballverliebt.eu/2019/09/02/ziel-england-oefb-frauen-starten-in-die-em-quali/ https://ballverliebt.eu/2019/09/02/ziel-england-oefb-frauen-starten-in-die-em-quali/#respond Mon, 02 Sep 2019 05:56:47 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=16388 Ziel England: ÖFB-Frauen starten in die EM-Quali weiterlesen ]]> Was haben der Herren-Europameister von 2020 und der Frauen-Europameister von 2021 gemeinsam? Beide werden im Londoner Wembley gekürt. Knapp zwei Monate nach dem US-Triumph bei der Frauen-WM startet nun die Qualifikation für die Endrunde von England in zwei Jahren. Für Österreich – bei der EM 2017 im Halbfinale, bei der WM 2019 nicht dabei – ist die erneute Teilnahme das selbstverständliche Ziel.

Adaptierter Qualimodus

„Die beste Nachricht für Holland, England, Frankreich, Spanien und auch alle anderen: Um die europäische Krone zu erobern, muss man nicht die USA besiegen.“ So bilanzierten wir nach der WM. In der EM-Quali gilt aus ÖFB-Sicht: Um sich für die Endrunde zu qualifizieren, wäre ein Punkt gegen Gruppenkopf Frankreich sicher hilfreich, aber zwingend nötig ist er nicht.

Wie 2017 werden 16 Teams teilnehmen, Gastgeber England ist gesetzt. Die Sieger der neun Gruppen fahren direkt zur EM, ebenso wie die drei besten Zweiten – und die verbleibenden sechs Zweiten spielen im Playoff um die drei verbleibenden Plätze. Das ist eine leichte Änderung zur 2017er-Quali, als es weniger Gruppen gab und nur die beiden schwächsten Zweiten in ein Playoff mussten.

„Das heißt für uns, dass wir gegen die drei schwächeren Gruppengegner sechs Siege einfahren müssen und dass jedes Tor zählt“, sagt Teamchef Dominik Thalhammer, „und wenn wir gegen Frankreich etwas mitnehmen könnten, wäre das von Vorteil.“ Dass der zweite Platz das absolute Minimalziel ist, sieht auch Thalhammer so: „Überhaupt kein Zweifel.“

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Adaptierte Schwerpunkte

In den 12 Monaten seit dem letzten Bewerbsspiel gab es deutliche und verdiente Niederlagen in Deutschland und gegen England, dazu zwei 0:0 gegen Belgien, einen zähen Sieg und ein zähes 1:1 gegen die Slowakei sowie einen lange sehr starken Auftritt beim 0:2 gegen den späteren WM-Dritten Schweden und deutliches 4:1 gegen zehn Nigerianerinnen. Außerdem hat Nina Burger ihre große Team-Karriere beendet.

Was hat sich also in dieser Zeit verändert, Teamchef Dominik Thalhammer? „Wir haben viel getestet und viele Grenzen aufgezeigt bekommen. Wir haben gesehen, wo wir mithalten können und wo nicht.“ Konkret heißt das: Gegen die Großen fehlt es an Ballsicherheit und damit am Punch im Angriffsdrittel. Gegen solide verteidigende Mitteklasseteams ist das Problem ähnlich gelagert. Die dynamische Raumbesetzung in der Defensive ist innovativ und wird mittlerweile von Erik ten Hag bei Ajax auch in einer ähnlichen Form eingearbeitet, ist aber auch kompliziert und erfordert ein hohes Maß an geistiger Flexibilität. Es wird, aber es dauert.

Österreich – Slowakei 1:1 (1:1)

Im Sommer gab es einen eher verlorenen Lehrgang mit einem 1:1 gegen die Slowakei während der WM. „Die Spielerinnen kamen teilweise aus dem Urlaub, wir konnten nicht die gewünschten Umfänge trainieren und so einen Gegner müssen wir einfach schlagen“, so Thalhammer, der aber auch sagt: „Es hat in dem Spiel einige Spielzüge gegeben, die vor einem Jahr noch nicht möglich gewesen wären.“

Ein Schwerpunkt in der Vorbereitung lag auf dem Pass- und Kombinationsspiel auf engem Raum. Trotz der verpassten WM ist Österreich längst ein Team geworden, dessen Gegner sich oft hinten einbunkern und bei dem die Konkurrenz um den Variantenreichtum weiß. Das kann, darf und wird gegen Nordmazedonien und Kasachstan kein Problem sein. Beim im negativen Sinn vorentscheidenden 1:1 daheim gegen Serbien vor anderthalb Jahren in der WM-Quali war es das aber durchaus.

Adaptiertes Personal

Nina Burger ist nicht mehr dabei. Damit rückt Nici Billa ins Sturmzentrum, nachdem sie in den letzten Jahren schon praktisch alles neben, hinter und bei Burger gespielt hat. In den diversen Tests hat sich ein 4-3-3 etabliert, in dem Billa vorne spielt und Feiersinger (die sich Burgers Rückennummer 10 geschnappt hat) mit Zadrazil auf den Achter-Positionen dahinter.

Es gibt einige junge Alternativen: Julia Hickelsberger auf der rechten Außenbahn, Laura Wienroither hat ein paarmal Linksverteidigerin gespielt, die in Deutschland aufgewachsene Elisabeth Mayr ist eine Möglichkeit für ganz vorne. Und mit Marie Höbinger ist auch ein komplett neues Gesicht erstmals mit dabei.

Die 18-Jährige aus dem Wiener Umland wechselte vor vier Jahren in den Nachwuchs von Turbine Potsdam, wo sie für die neue Saison auch Teil der Kampfmannschaft wurde und in den ersten beiden Saisonspielen jeweils eingewechselt wurde. Thalhammer hatte Höbinger – als Achter oder Zehner einsetzbar – schon vor ihrem Wechsel auf dem Radar, die Einberufung ist nun eine Belohnung für die gute Entwicklung. Der Teamchef beschreibt Höbinger als „unbekümmerte Spielerin mit gutem Spielverständnis und großem Potenzial“.

Potsdam-Kapitänin Zadrazil gegen Frankfurt mit Feiersinger (die gleich ein Tor erzielte) und Dunst zum deutschen Liga-Auftakt.

Im Großen und Ganzen ist es aber das gewohnte Personal, wenn auch teilweise mit neuem Klub. Torhüterin Zinsberger ist zur etatmäßigen Kapitänin Schnaderbeck zum englischen Meister Arsenal gewechselt (Thalhammer: „Eine kommende Liga, dort passiert viel“), Barbara Dunst von Abstiegskandidat Duisburg zum guten Mittelständler Frankfurt („Ein klarer Schritt nach oben“), wo sie auf der linken Seite auch zum Einsatz kommt – statt der erkrankten Verena Aschauer, die nach schwierigen Monaten an ihrem Comeback arbeitet.

Sarah Zadrazil ist in ihrem vierten Jahr bei Turbine Potsdam zur Kapitänin aufgestiegen, Lisa Makas hat für Duisburg ein starkes Tor gegen Wolfsburg erzielt. Elisabeth Mayr ist von Absteiger Leverkusen in die Schweiz geflüchtet, Sabrina Horvat von Absteiger Bremen zu Aufsteiger Köln; Schiechtl hingegen ist in Bremen geblieben und spielt dort nun in der 2. Liga. Laura Wienroither hat im Frühjahr in Hoffenheim relativ viele Einsätze bekommen, muss nun aber wieder kämpfen; Jenny Klein steckt immer noch bei Hoffenheim II fest. Yvonne Weilharter ist von Sturm Graz zu Frankfurt gewechselt und wird dort sicher einige Zeit brauchen. Nicht nur, aber auch weil sie mit Sophia Kleinherne eines der größten deutschen Defensiv-Talente vor sich hat.

Carina Wenninger hat beim neuen Trainer des FC Bayern und dem neuen System (Vierer- statt Dreierkette) zumindest bislang keinen Platz und hat in der neuen Saison noch keinen Einsatz. Bei Katharina Naschenweng zieht sich die Rekonvaleszenz fast exakt ein Jahr nach ihrem Kreuzbandriss noch immer. Erstmals im Kader ist Kristin Krammer, die Torhüterin jenes U-17-Nationalteams, welches im Mai bei der EM gespielt hat.

Verstärkung gibt es indes im Trainerteam: Zu Co-Trainerin Irene Fuhrmann, Goalie-Trainer Martin Klug und Video-Analyst Wolfgang Fiala kommt nun Maria Wolf in den Stab. Die Niederösterreicherin, die auch schon Herren-Teams trainiert hat, soll „als Schnittstelle zwischen Analyse- und Trainerteam“ fungieren.

KADER ÖSTERREICH: Tor: Melissa Abiral (25 Jahre, St. Pölten, 0 Länderspiele/0 Tore), Kristin Krammer (17, St. Pölten, 0/0), Manuela Zinsberger (23, Arsenal/ENG, 56/0). Abwehr: Marina Georgieva (22, Sand/GER, 3/0), Sabrina Horvat (22, Köln/GER, 1/0), Gini Kirchberger (26, Freiburg/GER, 70/1), Katharina Schiechtl (26, Bremen/GER2, 48/6), Viktoria Schnaderbeck (28, Arsenal/ENG, 69/2), Yvonne Weilharter (18, Frankfurt/GER, 4/0), Carina Wenninger (28, Bayern/GER, 90/4), Laura Wienroither (20, Hoffenheim/GER, 4/0). Mittelfeld: Barbara Dunst (21, Frankfurt/GER, 28/0), Jasmin Eder (26, St. Pölten, 45/1), Laura Feiersinger (26, Frankfurt/GER, 73/12), Marie Höbinger (18, Potsdam/GER, 0/0), Jenny Klein (20, Hoffenheim II/GER2, 13/1), Nadine Prohaska (29, Sand, 93/7), Sarah Puntigam (26, Montpellier/FRA, 95/13), Sarah Zadrazil (26, Potsdam/GER, 70/9). Angriff: Nici Billa (23, Hoffenheim/GER, 54/20), Lisa Makas (27, Duisburg/GER, 56/18), Elisabeth Mayr (23, Basel/SUI, 5/0), Julia Hickelsberger (20, St. Pölten, 5/0). Teamchef Dominik Thalhammer (48, seit acht Jahren).

Die vier Gruppengegner

Frankreich bei der WM 2019

Frankreich ist bei der Heim-WM im Viertelfinale gegen die USA ausgeschieden, nachdem man sich schon im Achtelfinale gegen Brasilien beinahe selbst ins Knie geschossen hätte. „Von der individuellen Qualität her sehe ich Frankreich aber ganz klar als europäische Nummer eins“, so Thalhammer, „auf jeden Fall vor Deutschland, aber auch vor England und Spanien. Mit diesem Kader kannst du Weltmeister werden, müsstest es vielleicht sogar.“

Die Schwächen von Trainerin Corinne Diacre, die in den oft mit großem Experimental-Charakter versehenen Testspielen in den zwei Jahren vor der WM nicht augenfällig geworden waren, traten bei der Endrunde brutal zu Tage – eben vor allem in den K.o.-Spielen gegen Brasilien (2:1 nach Verlängerung) und das US-Team (1:2). Diacre blieb im Amt, aber gestärkt ist sie aus der WM nicht hervorgegangen.

Der Stamm der Truppe kommt von Olympique Lyon, dem klar besten Team des Kontinents (als Europacup-Sieger von 2011, 2012, 2016, 2017, 2018 und 2019), man ist auf jeder Position Weltklasse besetzt. Griedge Mbock-Bathy ist die vermutlich kompletteste Innenverteidigerin der Welt, sie hat der technisch etwas limitierten Renard den Rang schon ein wenig abgelaufen. Amandine Henry orchestriert das Spiel aus dem Zentrum (wenn sie nicht, wie bei der WM, drei Aufgaben gleichzeitig spielen muss). Auf den Außenbahnen gibt es viel Auswahl.

In Quali-Spielen ist Frankreich seit 12 Jahren unbesiegt, seit 2010 hat man jede einzelne Partie gewonnen. Die Bilanz der letzten 38 Quali-Matches: 37 Siege, 1 Remis, 167:7 Tore. Zwei dieser Gegentore hat es gegen Österreich gegeben – bei den beiden 3:1-Siegen in den Ausscheidungsspielen zur WM 2015. Im ersten Test nach der WM gab es einen 2:0-Sieg gegen Spanien.

Österreich – Serbien 1:1 (1:1)

Serbien ist eigentlich kein Topf-3-Team, eher eines aus dem vierten – aber da es mehr Gruppen gibt, werden die Gruppen selbst sportlich entzerrt. Das macht es auf dem Papier leichter für Österreich, ändert aber nichts daran, dass es zwei Siege geben wird müssen. Und genau das ist in der letzten Quali nicht gelungen – die beiden beim 1:1 verlorenen Punkte waren für das Verpassen des Playoffs nicht alleine maßgeblich, haben aber doch einen großen Teil dazu beigetragen.

Der Kader hat sich gegenüber den beiden Spielen gegen Österreich (0:4 und 1:1) in der Saison 2017/18 nur unwesentlich geändert, weiterhin sind die meisten Spielerinnen in der schwachen heimischen Liga aktiv und das Team wird von einer Handvoll Legionärinnen getragen: Čanković von Schwedens Spitzenklub Rosengård, Blajogević vom deutschen Bundesligisten Sand, Verteidigerin Nevena Damjanović von Sporting und Bayern-Stürmerin Jovana Damnjanović.

Der Teamchef ist mal wieder neu (Predrag Grozdanovic), die Aussichten mal wieder mau. Damnjanovic gab kürzlich zu Protokoll, pessimistisch in die Zukunft des serbischen Frauenfußballs zu blicken, weil „selbst das Team aus Nordirland, das wir immer besiegt haben, uns mittlerweile überholt hat – weil sie investieren, auch im Jugendbereich.“ Bei einem Balkan-internen Turnier vor einem halben Jahr verlor Serbien das Finale gegen Slowenien. Man kann sich also nicht mal mehr als klare Nr. 1 aus der Region bezeichnen.

Kasachstan – Serbien 0:3 (0:1)

Auch Kasachstan ist ein alter Bekannter für die ÖFB-Frauen. Sowohl in der Quali für die EM 2015 als auch für die WM 2017 mussten sie gegen dieses Team antreten, es gab vier ungefährdete Siege (5:1 und 6:1 daheim sowie 3:0 und 2:0 auswärts). „Und besser ist das Team seither auch eher nicht geworden“, vermutet Thalhammer.

Der kasachische Abo-Meister BIIK Kazygurt ist zwar Stammgast in der Europacup-Hauptrunde und sorgt dort auch mitunter für kleine Überraschungen, dort spielen allerdings US-Amerikanerinnen, Spielerinnen aus Nigeria und Sambia, aus Georgien und Algerien – aber nicht besonders viele aus Kasachstan.

Dass selbst das zweitschwächste Team der Gruppe ein Punktelieferant ist, zeigt nicht zuletzt der 3:0-Auswärtssieg von Serbien zum Auftakt. Matches in Kasachstan sind meist zäh, wegen der mühseligen Anreise, der oft holprigen Plätze und der bewusst gesetzten extra-frühen Anstoßzeiten plus vier Stunden Zeitverschiebung (gegen Serbien war der Ankick um 12 Uhr Mitteleuropa-Zeit gelegt, das letzte Österreich-Gastspiel gar schon auf 11 Uhr). Aber wenn die Zentralasiatinnen nach Europa reisen, wird die fehlende Klasse oft ziemlich deutlich.

Österreichs Auftaktgegner ist Nordmazedonien. Einerseits sagt Dominik Thalhammer: „Videomaterial von dieser Mannschaft aufzutreiben, war so gut wie unmöglich – und das, was wir in die Finger bekommen konnten, war von ziemlich schlechter Bildqualität.“ Andererseits kommt es gegen dieses Team ohnehin eher darauf an, was man selbst macht. „Wir hätten nur schon gerne genauer gewusst, wie die agieren, wenn man sie über außen bespielt, oder über das Zentrum, wie und ob sie aufrücken, und so weiter“, so Thalhammer.

An der letzten Qualifikation hat Nordmazedonien (da noch ohne das „Nord-„) gar nicht erst teilgenommen, davor bekam man regelmäßig über’s Haupt. In den letzten 28 Pflichtspielen gab es drei Remis und 25 Niederlagen bei insgesamt 15:174 Toren, der letzte Punkt war ein 1:1 in Estland vor fünf Jahren. Immerhin aber konnte man Nataša Andonova zu einem Comeback überreden. Sie ist eine Spielerin der erweiterten europäischen Klasse und war bereits bei Klubs wie Potsdam, Rosengård, Paris St. Germain und dem FC Barcelona aktiv.

KADER NORDMAZEDONIEN: Tor: Magdalena Lekoska (Istatov), Viktoria Pančurova (Tivernia), Suarta Roči (United Struga). Abwehr: Ane Bošeska (Tivernia), Jovana Gjorgjioska (Despina Prilep), Pavlinka Inkolovska (Dragon Skopje), Dragana Koleska (Istatov), Dragana Kostova (Dragon Skopje), Simona Krstanoska (Bresnica/MNE). Mittelfeld: Nataša Andonova (Levante/ESP), Jana Čubrinovska (Despina Prilep), Alexandra Markovska (Despina Prilep), Katerina Mileska (Despina Prilep), Julia Živić (Dragon Skopje). Angriff: Teodora Dimoska (Tivernia), Eli Jakovska (Konak Belediyespor/TUR), Ulsa Maksuti (United Struga), Hava Mustafa (Škendija Tetovo), Gentjana Roči (Kuopio/FIN). Teamchef Kiril Isov.

Liga zündest Aufmerksamkeits-Rakete

Das ÖFB-Nationalteam hat seit dem EM-Erfolg 2017 ein solides Level an öffentlicher Aufmerksamkeit erreicht. Das Team ist bis zu einem gewissen Grad präsent, die Stärke relativ zur europäischen Konkurrenz ist auch Nebenbei-Konsumenten bekannt. Die Partien werden im TV übertragen – das zu erwartende Schützenfest gegen Nordmazedonien sogar auf ORF1 – und mit der Südstadt hat man nun auch endlich so etwas wie eine etablierte Heimstätte gefunden, die international immerhin 4.700 Zuseher fasst. Also: Völlig ausreichend groß genug und gleichzeitig nicht überdimensioniert und auch noch vor den Toren Wiens gelegen.

Die Liga kann da nicht ganz mit. Die fliegt völlig unter dem öffentlichen Radar.

Darum hat der ÖFB in Person des Frauen-Presseverantwortlichen Kevin Bell und der Social-Media-Experten Christian Wiesmayr und Simon Charamza – die beiden haben gemeinsam bei Rapid den Abschied von Steffen Hofmann inszeniert und selbiges mit jenem von Nina Burger gemacht – ein umfassendes Social-Media-Paket für und mit den Klubs der „Planet Pure Frauen-Bundesliga“ geschnürt.

Es gibt jeden Tag frischen Content über die Instagram– und Facebook-Kanäle der Liga sowie über ÖFB-TV auf YouTube. Die zehn Klubs konnten sich individuell vorstellen, die Sponsoren präsentieren und/oder irgendwas Ungewöhnliches machen, um sich zu zeigen. Diese Spots werden jeweils an Dienstagen und Donnerstagen auf ÖFB-TV ausgespielt, und wenn diese Beiträge versendet sind, ist auch schon ein Nachfolge-Programm fixiert.

An Freitagen wird die kommende Runde angeteasert, samstags und sonntags gibt’s dann die Spiele (ORF Sport+ und ÖFB-TV teilen sich die Spiele auf, es gibt an jedem Spieltag ein Live-Spiel; dazu zeigt Ländle-TV alle Heimauftritte des FFC Vorderland). Montags wird es einen Zusammenschnitt von allen Toren der Runde plus Voting des Tores des Spieltags präsentiert – das geht, weil auch erstmals alle 180 Spiele komplett gefilmt werden. Am Mittwoch wird schließlich das Tor der Runde aufgelöst.

Es wurde auf dem Sportclub-Platz in Hernals mit Spielerinnen aller zehn Klubs ein einheitliches TV-Intro produziert, ein eigener Hashtag kreiert (#MitHerz) und auch die ganze Ligenstruktur wurde adaptiert.

Die bisher zweigleisige 2. Liga, wo in den letzten Jahren vor allem die West-Staffel bis in den Koma-Zustand ausgeblutet war, wird nun eingleisig gefahren (womit auch das Aufstiegs-Playoff der beiden Staffel-Meister entfällt) und die 1b-Teams der Bundesligisten spielen in der „Future League“ nun eine eigene Meisterschaft aus, anstatt in der 2. Liga mitzuspielen. Der ÖFB unterstützt die Klubs mit Fahrtgeld und stellt für die Bundesligisten zudem ein Analyse-Tool (produziert vom deutschen Anbieter „Die Ligen“) mit allen Matches zur Verfügung.

Dieses Maßnahmen-Paket ist ein Quantensprung für eine Liga, die bis vor zwei Jahren noch de facto völlig unter Ausschluss der Öffentlichkeit gespielt hat. Es bringt einen losen Haufen von Klubs – die es zum Teil nicht einmal geschafft haben, simple Kaderlisten an die Handvoll Enthusiasten zu senden, die sich um Berichterstattung bemüht haben – auf eine gemeinsame Linie, was den Auftritt nach Außen angeht.

Die heimische Meisterschaft wird eine klare Ausbildungsliga bleiben und mit der vom steirischen Verband und Sturm Graz getragenen neuen Frauenfußball-Akademie in Graz wird sich das noch verstärken. Aber es wird nun einiges unternommen, um Öffentlichkeit herzustellen – vor allem auf jenen Wegen, die junge Mädchen erreichen.

Die Zahl der angemeldeten, Fußball spielenden Frauen und Mädchen ist in Österreich nämlich immer noch zu klein.

 

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Cyprus Cup: Wilde Rochaden und das Comeback des Eisbergs https://ballverliebt.eu/2019/03/07/cyprus-cup-wilde-rochaden-und-das-comeback-des-eisbergs/ https://ballverliebt.eu/2019/03/07/cyprus-cup-wilde-rochaden-und-das-comeback-des-eisbergs/#comments Thu, 07 Mar 2019 10:52:12 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=15544 Cyprus Cup: Wilde Rochaden und das Comeback des Eisbergs weiterlesen ]]> Ungeschlagen, als Gruppensieger und mit dem vierten Platz im Gepäck reisen die ÖFB-Frauen vom Cyprus Cup nach Hause. Mindestens ebenso wichtig wie die beiden Siege (4:1 gegen Nigeria und 1:0 über die Slowakei) sowie die beiden 0:0-Remis gegen Belgien sind aber die inhaltlichen Fortschritte. Vor allem beim radikalen neuen Ansatz in der Spieleröffnung ist einiges weitergegangen.

Dynamische Raumbesetzung

Dieser Cyprus Cup – ein Trainingslager mit vier offiziellen Länderspielen – hatte einen klaren Schwerpunkt für die ÖFB-Frauen: Die dynamische Raumbesetzung der Abwehr bei der Spieleröffnung. Zur Illustration, das ist gemeint:

Video mit freundlicher Genehmigung von Dominik Thalhammer

Das bricht mit allem, was man konventionell an Vorstellungen von Positionierung in der Abwehrkette hat. Es sieht nach hohem Risiko aus, der Instinkt sagt: Ballverlust bedeutet sofort Unordnung. Teamchef Dominik Thalhammer widerspricht: „Das ist nur bedingt riskant. Es gibt auch in der Defensive Struktur, weil die Restverteidigung ja geschlossen bleibt. Vor allem in der zentralen Spur gibt es immer Überzahl und man ist numerisch stark im Gegenpressing.“

Mentale Hürde überwinden

Die dynamische Raumbesetzung ist mit hohem Aufwand verbunden. Körperlich, vor allem aber mental. Es ist nicht nur für den Beobachter ungewohnt, sondern umso mehr für die Akteure am Feld.  „Es braucht viel Überzeugungsarbeit und alle Spielerinnen müssen sich wirklich voll darauf einlassen“, bestätigt der Trainer: „Aber wenn es funktioniert, ist es ein echter Mehrwert. Man spürt auch, dass die Mannschaft großen Tatendrang zeigt.“

Für den Gegner ist dieses Rochaden-Spiel schwierig bis unmöglich zu lesen: „Damit zwingen wir den Gegner, Entscheidungen zu treffen, die er nicht will. Es öffnen sich somit Räume für uns.“ Extrem wichtig sind dabei natürlich Erfolgserlebnisse. Bei der Premiere, dem 4:1 daheim gegen Finnland im Spätsommer 2018, war der Gegner einfach zu porös, um als Härtetest gelten zu können. Bei den deutlichen Niederlagen gegen Deutschland und England stand die Idee auf zu wackeligen Füßen.

In dieser intensiven Woche auf Zypern konnte man sich eingehend mit diesem Thema beschäftigen. „Es ist viel weitergegangen, wir haben auch auch gesehen, an welchen Dtails wir noch feilen müssen“, bilanzierte der Teamchef nach der Woche in Zypern.

Die personellen Fragen

Die österreichisch-deutsche Doppelstaatsbürgerin Elisabeth Mayr kam in allen vier Spielen zum Einsatz. Die Stürmerin sollte ihre Stärken im Halten der Bälle und in puncto physischer Präsenz ganz vorne einbringen. Das hat sie getan. „Ich sehe etwas in ihr, ja“, bestätigt Thalhammer. Ihre Herausforderung: Die Gruppe kennt fordernden Vorgaben des Trainers seit Jahren. Selbst die nachrückenden Talente sind im Nationalen Zentrum innerhalb der Spielphilosophie herangeführt wurden. Mayr kommt völlig neu in dieses Umfeld.

Die erste Bilanz der 23-Jährigen kann sich dennoch sehen lassen: Gleich beim Debüt gegen Nigeria hat sie in den 20 Minuten nach ihrer Einwechslung zwei Tore aufgelegt. Man merkt ihr aber an, dass sie bei Bayer Leverkusen eine völlig andere Spielidee ausführen muss. Sprich: Im Pressing fehlt es noch ein wenig. Ist aber logisch. Bei Bayer, Aufsteiger in der deutschen Bundesliga, ist kompaktes Stehen gefragt.

Auch von Laura Wienroither (drei Einsätze, davon zwei von Beginn an) war der Trainer durchaus angetan. Sollte sie tatsächlich in Hoffenheim nun regelmäßig in der Kampfmannschaft zum Einsatz kommen, wird ihr das auch im Nationalteam zu Gute kommen. Julia Hickelsberger-Füller (drei Einsätze, davon einer von Beginn an) deutete ebenso ihr Potenzial an.

Sabrina Horvat und Yvonne Weilharter mussten bei ihrem jeweils einzigen Einsatz relativ früh verletzt ausgewechselt werden. Horvat ist nun aber immerhin die erste Vorarlbergerin mit einem Teameinsatz seit Jasmine Kirchmann (2011) bzw. die erste in der Startformation seit Sonja Spieler (2010).

Bis auf Celina Degen, die beiden Back-up-Torhüterinnen Abiral und Gurtner sowie die für Weilharter nachnominierte Georgieva kamen alle Spielerinnen zum Einsatz. Die meisten Minuten absolvierte Manuela Zinsberger (alle 360), es folgen Puntigam (315), Schiechtl (311), Zadrazil (300), Dunst (285), Feiersinger (282), Aschauer (260), Billa (251), Kirchberger (245), Wenninger (225) und Prohaska (210). Weiters Klein (189), Wienroither (156), Eder und Mayr (je 111), Burger (108), Pinther (79), Hickelsberger (78), Weilharter (45) und Horvat (29).

4:1 gegen Nigeria

Österreich – Nigeria (4:1) zu Spielbeginn (links) bzw. ab ca. der 15. Minute (rechts)

Das werde jetzt langsam auffällig, brummte der Teamchef nach dem Match gegen Afrikameister Nigeria. Man beobachtet Gegner, weiß wie sie spielen. Und dann, gegen Österreich, spielen sie auf einmal ganz anders. Geht’s den ÖFB-Frauen nun also so, wie es ihren Gegnern über Jahre gegangen ist? Teamchef Dominik Thalhammer überlegt kurz. „Ja“, meint er dann, „das könnte man so sagen.“

Statt dem gewohnten 4-3-3 stellte sich Nigeria plötzlich in einer Dreierkette mit vorgeschobenen Außenverteidigern auf. Die Raumaufteilung im 3-1-4-2 der ÖFB-Frauen passte nicht mehr. Daher wurde schnell auf 4-3-3 umgestellt. Da Nigerias Torhüterin Oluehi schon nach fünf Minuten vom Platz flog (sie hatte außerhalb des Strafraums vor der heranstürmenden Dunst mit der Hand geklärt), agierte Nigeria in der Folge noch defensiver als erwartet: Selbst in Bestbesetzung ist das Team spielerisch schwach, ohne die individuell guten Flügel-Stürmerinnen Ordega und Oparanozie ist noch weniger los.

„Mir wäre lieber gewesen, der frühe Ausschluss wäre nicht passiert“, sagte Thalhammer nach dem Spiel. Die Kombination aus unerwartetem System beim Gegner und früher Unruhe im Spiel sorgte für Ungenauigkeit und Ungeduld bei den ÖFB-Frauen. Zudem suchte Nigeria nach Ballgewinnen direkt die pfeilschnelle Stürmerin Oshoala.

Das wurde nach der Pause besser. Mit mehr Ruhe am Ball und besseren Positionierungen der Außenspielerinnen gelang es, sich im Angriffsdrittel festzusetzen. Nach kurzer Video-Analyse in der Halbzeitpause wurde durch adaptierte Positionierung der Abwehr stets schnell Überzahl gegen Oshoala hergestellt. Als die Sprinterin vom FC Barcelona doch einmal durchkam und ein Tor erzielte, lagen die ÖFB-Frauen längst 2:0 voran.

Burger und Billa hatten nach dem Seitenwechsel schnell getroffen, der Anschlusstreffer wurde prompt mit dem 3:1 durch Feiersinger beantwortet. In der Schlussphase traft Jenny Klein mit ihrem ersten Nationalteam-Tor zum 4:1-Endstand. Ein hoher Sieg gegen einen Gegner von relativ hohem Profil: Das ist Balsam auf die im letzten Herbst geschundenen Seelen. „Erfolg ist wie ein Eisberg: Man sieht nur, das oben rausschaut – nicht, was unter der sichtbaren Oberfläche verborgen ist“, so Thalhammer Sprich: Die harte Arbeit wurde belohnt. Der Eisberg feierte ein Comeback, wenn man so will.

0:0 gegen Belgien

Österreich – Belgien 0:0

Das zweiten Gruppenspiel gegen Belgien fand vom Spielverlauf her in geordneteren Bahnen statt, dafür kam die dynamische Raumbesetzung in der Defensive intensiv zum Einsatz. Mit Erfolg.

Die Belgierinnen hatten keinen Zugriff. So wurde viel probiert, um der österreichischen Spieleröffnung habhaft zu werden. Die Positionen wurden immer wieder getauscht, Wullaert von Man City ließ sich mal auf die Sechs fallen, ging dann wieder ganz nach vorne. Mal wurde versucht, das ÖFB-Team höher zu attackieren und vorne zuzustellen, dann ließ man wieder ein wenig ab.

Aber all das fruchtete kaum. Aus dem Spiel heraus kam Belgien kaum zum Zug. Die einzige echte Torgelegenheit resultierte aus einem schnellen Umschalten nach einem österreichischen Ballverlust. Das war nach etwa einer Stunde.

Andererseits gelang es auch dem österreichischen Team nicht, sich gegen die gewohnt sichere Defensive Belgiens viele Torchancen zu erarbeiten. Kurz vor der Pause kam Schiechtl einem Tor am nächsten, nach einer Stunde parierte Evrard stark gegen die eingewechselte Nina Burger, Gini Kirchberger kam kurz vor Schluss nach einer Ecke zum Abschluss, Pinther versuchte mit einem Distanzschuss – bei aller inhaltlicher Überlegenheit klappte es im Angriffsdrittel nicht ganz nach Wunsch.

Trainer Thalhammer: „Von der Leistung und der Umsetzung unseres primären Plans war es sehr gut, aber wir hätten uns natürlich schon gewünscht, das Spiel auch zu gewinnen.“

1:0 gegen die Slowakei

Österreich – Slowakei 1:0 (0:0)

Mit der Slowakei wartete im dritten Spiel der erste Gegner, der tatsächlich deutlich unter die ÖFB-Frauen zu stellen ist – und mit den Deutschland-Legionärinnen Škorvanková und Vojteková waren die beiden besten Spielerinnen nicht einmal in der Startformation.

Das slowakische Team hat zuweilen versucht, schon im Mittelfeld zu stören, wo man ob der Raute eine personelle Überzahl hatte – im Grunde kontrollierte Österreich das Spiel aber zu jedem Zeitpunkt. Nur die Suche nach einer Lücke im slowakischen Defensiv-Verbund gestaltete sich mühsam. Nach dem Seitenwechsel und dem schnellen Tor zum 1:0 durch Nici Billa kam mehr Schwung in den österreichischen Angriff.

Dieser wurde aber durch den einsetztenden Starkregen neutralisiert. In der 60. Minute schickte Referee Lehtovaara die Teams in die Kabinen. Zehn Minuten später ging es zwar weiter, aber der völlig durchnässte Boden ließ kein seriöses Spiel mehr zu. „Das war ziemich grenzwertig, man konnte überhaupt keine Pässe mehr spielen“, so der Trainer.

Beim 1:0-Sieg blieb es, und weil Belgien im Anschluss auch nur 1:0 gegen Nigeria gewann, schlossen die ÖFB-Frauen die Gruppe als Sieger ab – punktgleich mit Belgien, dank der mehr erzielten Tore.

0:0 gegen Belgien im Spiel um Platz drei

Österreich – Belgien 0:0

Weil die anderen beiden Gruppensieger jeweils neun Punkte sammelten (Italien und Nordkorea), trafen die ÖFB-Frauen im Spiel um Platz drei auf den besten Zweiten. Das war wieder Belgien. Das vierte Duell in den letzten zwei Jahren. Ein bissi fad, oder? „Nein, gar nicht: Das ist ein interessanter Gegner auf Augenhöhe“, gab der Teamchef zu Protokoll. Das wären die anderen Gruppenzweiten, Mexiko und Tschechien, eher nicht gewesen.

Belgiens Trainer Serneels ließ eine ganze Reihe seiner Stammkräfte draußen – Wullaert, Cayman, Biesmans, Coutereels, Deloose, De Neve, Missipo. Außerdem ließ er seinen Sechser, die Debütantin Charlotte Tison, im Spiel gegen den Ball nach hinten fallen. Österreich sah sich also einem engmaschigen 5-3-1-1 gegenüber.

Das sorgte für eine zähe Partie. Zusätzlich war der Kräfteverschleiß im vierten Spiel innerhalb von acht Tagen deutlich zu sehen. Vor allem vor der Halbzeitpause war das Tempo überschaubau und Ideen Mangelware. Nach dem Seitenwechsel konnte Belgien einen Zacken zulegen, hatte durch Van Kerkoven auch eine riesige Torchance, welche Manuela Zinsberger mit einem starken Reflex parierte. Am Ende war Belgien etwas besser, aber nicht besser genug, um auch zu gewinnen. „Wir haben uns schwer getan“, bestätigte dann auch Thalhammer, „und waren im vierten Spiel in so kurzer Zeit doch am Limit.“

So endete das dritte der letzten vier Duelle zwischen den ÖFB-Frauen und den Belgian Red Flames ohne Sieger (1:1, 0:2, 0:0, 0:0). Im Elfmeterschießen, das nach 90 Minuten einen Dritten und einen Vierten ermittelte, setzte sich Belgien 3:2 durch.

Die anderen Turniere

Traditionell findet in der ersten März-Woche ein ganzer Schwung von Einladungsturnieren statt und für die meisten Teams bedeuten diese den Startschuss ins Länderspiel-Jahr. Hier geht es auch für praktisch alle Teilnehmer deutlich mehr um das „Wie“, weniger um das „Was“. Es wird viel probiert, auch personell, sodass man die Resultate nicht ganz ernsthaft bewerten kann.

Das wurde auch beim SheBelieves Cup in den USA deutlich. Der Turniersieg von England ist insofern erstaunlich, da die USA und Japan komplettere Leistungen gebracht haben. Vor allem Japan setzte ein Ausrufezeichen: Nach recht radikalem Generationswechsel und drei Jahren Suche nach dem eigenen Spiel agierte man wieder so wie beim WM-Titel 2011. Giftig, aggressiv, unermüdlich den Gegner nerven, ihm keine Zeit am Ball lassen, schnelle Kurzpässe, zwischendurch wieder ein langer Pass und das Pressen auf den zweiten Ball. Das US-Team hatte beim 2:2 sichtbar keinen Spaß an der japanischen Spielweise.

England zeigte solides Spiel gegen den Ball, aber keine zündende Idee in der Spielgestaltung. Man wirkte vor allem beim Sieg gegen Brasilien seltsam planlos. England rang dann aber den USA einen Punkt ab und versuchte im letzten Spiel, Japan mit Robustheit anzugehen. Es gab ein 3:0, das dem Spielverlauf zwar ganz und gar nicht entsprach, aber doch den Gestamtsieg brachte.

Weltmeister USA hat im Gegensatz zu Japan mit dem Einser-Personal durchgespielt, ohne viel zu rotieren. Deutlich abgefallen ist nur Brasilien. Es bleibt dabei: Das Potenzial wäre höher als das Gezeigte. Gegen ernsthafte Kontrahenten bleibt unter Teamchef Vadão alles behäbig, vorhersehbar und zuweilen einfältig.

Einige seltsame Resultate gab es beim Algarve Cup. Vor allem Polen überraschte: Nachdem die WM-Mitfavoriten Spanien und Holland (2:0) in einem zerfahrenen Kick beide versuchten, ihr Spiel durchzubringen (Ballbesitz und hohes Pressing bei Spanien, Tempo-Umschaltsspiel bei Holland), sind beide gegen Polen gestolpert. Polen – ein unauffälliges Topf-3-Team – konterte sich, angeführt von Wolfsburg-Legionärin Ewa Pajor, ins Finale. Dort unterlag man dem spielerisch eher ärmlichen Norwegen deutlich.

Dass Australien den neuen Cup of Nations daheim in Down Under gewinnt, ist nicht überraschend. Das war viel mehr der Rauswurf des langjährigen Erfolgstrainers Alen Stajcic vor ein paar Wochen: Es soll um Zwist im Staff gegangen sein, ist aber alles recht dubios. So stand der neue Teamchef Ante Milicic vor einer undankbaren Aufgabe: Die Spielerinnen, die fast geschlossen den Stajcic-Rauswurf scharf verurteilt hatten, für sich zu gewinnen. Es gab bei seiner Premiere drei klare Siege, wenn auch gegen bestenfalls mittelgute Konkurrenz (Südkorea, Neuseeland, Argentinien).

Laut FIFA- und UEFA-Ranking ist Serbien das beste Team vom Balkan. Bei der Premiere des Croatia Cup in Zagreb mit fast allen Teams aus dem ehemaligen Jugoslawien gab es auch deutliche Siege in der Gruppe. Im Finale aber düpierte Slowenien jenes serbische Team mit 2:0, das ab Herbst wieder in Österreichs EM-Quali-Gruppe ist. Für St.-Pölten-Stürmerin Mateja Zver und ihr slowenisches Team ist dies ein schöner Erfolg.

Völlig wertlos dürfte schießlich der im Gold City Resort außerhalb von Alanya ausgespielte Turkish Women’s Cup gewesen sein. Frankreichs B-Team verteidigte mühelos den Titel, während sich neu gebildete Team aus Turkmenistan bei den allerersten Spielen überhaupt nicht gerade teuer verkaufte. Sogar gegen Indien – ein Team, das in Österreich wohl selbst in der 2. Frauen-Liga kaum konkurrenzfähig wäre – ließ man sich zweistellig abschießen. Rumänien macht sich Hoffnungen, 2021 bei der EM dabei zu sein, ging aber im Finale 0:7 gegen die französische B-Auswahl ein. Nun ja.

Und eines wäre da noch…

Frankreich – Deutschland 0:1 (0:1)

Das A-Nationalteam von WM-Gastgeber Frankreich testete derweil gegen Deutschland. Beim DFB-Team war es das Debüt der neuen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Es gab einen etwas schmeichelhaften 1:0-Erfolg für das deutsche Team. Man konnte schon erkennen, wohin die Reise gehen dürfte: Weg vom spielerischen Fokus unter Horst Hrubesch, wieder hin zu einem Hier-wird-hart-gearbeitet-Fußball.

Die auf der Sechs aufgestellte Melanie Leupolz kippte teilweise deutlich hinter die Innenverteidigung ab (auch irgendwie gestrig, mittlerweile). Der Aufbau erfolgte folgerichtig vornehmlich über die Flügel. Die umsichtige, aber nicht übertrieben schnelle Marozsan hat als hängende Spitze massiv Laufarbeit zu verrichten.

Das sah alles sehr klassisch deutsch aus: Zweikämpfe sind wichtig, Einsatz und Athletik sind wichtig. Große Ideen oder taktische Kniffe sind hingegen nicht zu erwarten.

Deutsch-österreichische Gemeinsamkeit

Das unterscheidet das DFB-Team, welches sich im nächsten Länderspiel in der großen Stockholmer Friends-Arena mit Schweden messen wird, deutlich vom ÖFB-Team.

Die Gemeinsamkeit ist, dass auch Österreich das nächste Match gegen Schweden austragen wird. Und zwar am 9. April in der Südstadt, drei Tage nach der Partie in Stockholm. Das heißt: Nach dem Highlight in der Friends Arena vor vermutlich um die 30.000 Zusehern dürfte Schwedens Trainer Peter Gerhardsson im beschaulichen Admira-Stadion wohl etwas rotieren.

Wird trotzdem ein feiner Test gegen einen gutklassigen Gegner.

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