Rueda – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Mon, 27 Dec 2010 18:49:47 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Day 15 / H – Der Kracher und der Snoozer https://ballverliebt.eu/2010/06/26/day-15-h-der-kracher-und-der-snoozer/ https://ballverliebt.eu/2010/06/26/day-15-h-der-kracher-und-der-snoozer/#comments Sat, 26 Jun 2010 00:21:18 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=2370 Day 15 / H – Der Kracher und der Snoozer weiterlesen ]]> Südafrika 2010 – Tag 15 – Gruppe H | Das Beste kommt zum Schluss – Spanien und Chile lieferten sich eine tolle Partie, mit dem 2:1-Sieg des Europmeisters sind letztlich beide durch. Weil nämlich die Schweizer in einer Schlaftablette von WM-Spiel gegen Honduras nur zu einem 0:0 kommen.

Spanien – Chile 2:1 (2:0)

Chile - Spanien 1:2

Wer immer sich von diesem Spiel eine große Show erwartet hat, wurde nicht enttäuscht – es war fraglos eines der Highlights dieser Endrunde bisher. Die Kombination aus Ausganglage und der Spielstärke der beteiligten Mannschaften bedingte eine hochinteressante Partie. Die Spanier brachten Iniesta statt des gegen Honduras schwachen Navas auf die rechte Offensivseite des etwas schiefen 4-2-3-1. Schief deswegen, weil David Villa, mehr noch als gegen Honduras, weniger einen LM spielte, sondern mehr einen Linksaußen. Das war in der ersten halben Stunde aber ziemlich Makulatur, weil sich die Spanier ziemlich in der Mitte zusammen drängten und von den Chilenen kontrolliert wurden.

Die Südamerikaner machten das Spiel wie gewohnt breit und extrem schnell, spielten wieder über die Flügel (vor allem den rechten mit Alexis Sánchez, gemeinsam mit Mauricio Isla) und hielten so die gefährlichen Außenverteidiger der Spanier in Schach. Man hätte glauben können, dass das in den roten Jerseys der Europameister war, aber es waren in der Tat die Chilenen – die erste Mannschaft seit Ewigkeiten, welche die Spanier nicht nur mit spielerischen Mitteln kontrolliert, ja beinahe knebelt – und nicht mit extrem disziplinierter Defensive entnervt. Und das, obwohl mit dem Sechser Carmona und Spielmacher Matí Fernández zwei Schlüsselspieler im 3-4-3 fehlten – hier kam Bielsa die Vielseitigkeit seiner Spieler zu Gute. Arturo Vidal rückte von der linken Seite in die Spielmacher-Rolle, Mark González spielte dafür die (äußerst offensive) Absicherung für Linksaußen Beausejour, und Estrada kam neu ins Team und machte den Sechser. Und es funktionierte ohne jeden Reibungsverlust

Die Spanier sind es nicht gewöhnt, dass es einem Gegner gelingt, sie so überhaupt nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Sie reagierten allerdings völlig richtig auf die Chilenen, die sie nicht nur in der eingenen Hälfte festnagelten, sondern sie zudem mit ruppigem Spiel angingen: Sie blieben ruhig. Die Spanier kamen zu keinem Zeitpunkt wirklich in die Gefahr, unter dem enormen Druck, dem sie ausgesetzt waren, psychisch zusammen zu brechen. Das ist der Unterschied zwischen einem Top-Favoriten und einer aufstrebenden jungen Truppe: Die Mannschaft aus Spanien nützte die wenigen Fehler, die ihnen die Chilenen anboten, eiskalt aus. Der unglückliche Ausflug von Torhüter Bravo, etwa zehn Minuten später eine Lücke in der Abwehrkette, und mit den ersten beiden spansichen Chancen stand es prompt 2:0 für den Europameister. Dass im Zuge dessen auch noch der Chilene Estrada mit Gelb-Rot vom Platz musste, war die vermeintliche Entscheidung.

Aber eben nur die vermeintliche. In der Pause stellte Bielsa um, und zwar so, dass man den fehlenden Mann kaum bemerkte. Er brachte Millar für Mark González, dafür rückte Vidal auf links und Millar auf die Spielmacherposition; Alexis Sánchez musste nun den rechten Mittelfeldmann und den Rechtsaußen gleichzeitig machen. Nach dem schnellen Anschlusstreffer, dem schönen Heber von Millar kaum zwei Minuten nach seiner Einwechslung, drückten die Chilenen noch eine Zeitlang und hatten die Spanier, die allerdings mit der Führung im Rücken auch nicht mehr mit dem allerletzten Einsatz zu Werke gingen, ganz gut unter Kontrolle – weil eben der eine fehlende Mann im Mittelfeld durch mehr Laufarbeit gut kompensiert wurde. Die Spanier fanden kaum einmal eine Lücke.

Nach einer Stunde kam Fàbregas für Torres, der wieder nie wirkliche Bindung zu spiel fand. Durch den frischen Mann im Mittelfeld und den wesentlich gefährlichern Villa in der Spitze waren nun die Chilenen immer mehr darauf bedacht, kein drittes Tor mehr zu kassieren. Auf diese Weise hätten die Schweizer zwei Tore schießen müssen. Die Spanier waren ihrerseits mit dem 2:1 zufrieden, damit waren sie schließlich Gruppensieger und damit den Brasilianern im Achtelfinale ausgewichen. Je länger das Parallelspiel 0:0 stand, desto wahrscheinlicher war es, dass dieses Vabanquespiel aufgeht – und am Ende ging es ja auch auf. So war es 75 Minuten lang eine ziemlich aufregende Partie, der in der Schlussphase wegen der vielen Laufaurbeit und des Spielstandes bei der anderen Partie die Luft ausging.

Fazit: Was für ein Spiel! Die Chilenen zeigten, warum sie eine der aufregendsten Mannschaften im Turnier sind; die Spanier zeigten ihnen aber auch, woran es noch fehlt: An der Kaltschnäuzigkeit. Der Europameister ist nach dem Stolperer gegen die Schweiz wieder voll auf Kurs, kann auch gegen einen spielerisch extrem starken Gegner gewinnen – weil er cool bleiben kann. Gute Aussichten für das Achtelfinale gegen Portugal. Die Chilenen haben mit dem Achtelfinale alles erreicht, ohne die gesperrten Ponce und Medel ist das Aufeinandertreffen mit Brasilien aber so gut wie aussichtslos. Sie haben aber trotz der Niederlage heute Spaß gemacht.

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Schweiz – Honduras 0:0

Schweiz - Honduras 0:0

Gegen Spanien und Chile gingen es die Schweizer recht defensiv an. Das war ob der Spielanlage und der Spielstärke der Gegner auch logisch, hatte gegen Spanien Erfolg und es hätte nicht viel gefehlt, dass auch gegen Chile zumindest ein Punkt herausgeschaut hätte. Spätestens im Spiel gegen Honduras wurde aber klar, dass das noch einen anderen Grund hat: Die Schweizer können es nicht anders! Ihr Spiel gegen die biederen Honduraner war langweilig, uninspierert und der Zug zum Tor war kaum vorhanden.

Ottmar Hitzfeld schickte sein Team im gewohnten 4-4-2 auf das Feld, mit Barnetta rechts war nur ein einziger Mittelfeldspieler auf dem Platz, der tatsächlich offensiv dachte. An Inler und Huggel im Zentrum lief das Spiel vorbei. Sehr oft ging es in der Abwehrkette hin und her, ohne ein wirkliches Loch im Spiel nach vorne zu finden. Mehr als zaghaftes Vortasten war nicht zu sehen, lange Bälle wurden sichere Beute der honduranischen Defensive. Die Eidgenossen schafften es in der ganzen ersten Hälfte nicht, das Tempo anzuziehen.

Was die Honduraner allerdings, die hinten wirklich gut standen und auch durch konsequentes Räume Zustellen im defensiven Mittelfeld das Tempo herausnehmen konnten, nach vorne nicht so richtig ausnützen könnten. Denn obwohl sich immer wieder Räume für Konter boten, wurde nicht in ausreichendem Maße genützt; vor allem Solo-Spitze David Suazo tappte immer wieder ins Abeits. Die Honduraner funktionierten wohl auch deshalb (zumindest hinten) so gut, weil Teamchef Rueda personell ordentlich rotiert hat: Mendoza, der von David Villa vorgeführt wurde, musste Sabillón weichen. Auch auf der anderen Seite wurde gewechselt, hier spielte Figueroa (der zuletzt IV spielte), dieser hatte Barnetta gut im Griff; innen Bernández von Anderlecht. Dazu blieben der etatmäßoge Kapitän Guevara, sein Nebenmann Martínez (der mit den bunten Haaren), auch RM Turcios und LM Espinoza auf der Bank. Umstellungen, die fruchteten.

In der Halbzeit brachte Hitzfeld als Reaktion auf das schlechte Offensivspiel seiner Mannschaft in Hakan Yakin einen echten Einfädler für den nach vorne harmlosen Gelson und stellte auf ein 4-2-3-1 um: N’Kufo als Solostürmer, Yakin zentral dahinter, Barnetta weiterhin rechts und Derdiyok ging auf die linke Seite. Weil sich aber die grundsätzliche Einstellung auf dem Platz und die Verunsicherung ob des Gewinnen Müssens nicht änderte, kam weiterhin recht wenig dabei heraus.

Daher verlegten sich die Schweizer nach etwa einer Stunde darauf, auf Standardsituationen in aussichtsreicher Distanz zu verlegen, Yakin hatte hier zwei gute Möglichkeiten, die er allerdings eher kläglich vergab. Daraufhin kam Alex Frei, der als weniger fleißig als N’Kufo gilt, aber dafür als torgefährlicher. Die Schweizer setzten sich nun vermehrt in der gegnerischen Hälfte fest, aber Torgefahr strahlten weiterhin nur Freistöße aus – auch, weil über die Außen nichts ging. Die Honduraner indes verlegten sich offensiv vollends nur noch auf Konter. Diese wurden aber derart schlampig, ja dilettantisch ausgespielt, dass die Torlosigkeit der Mittelamerikaner wahrlich kein Wunder ist.

Hitzfeld brachte erst eine Viertelstunde vor Schluss mit Shaqiri einen schnellen, wenidigen Spieler für den Sechser Huggel, und sofort starteten die Schweizer ihre gefährlichste Phase in der ganzen partie. Alleine, die Durchschlagskraft vor dem Tor fehlte – weswegen es beim 0:0 blieb.

Fazit: Den Schweizern fehlen schlicht und einfach die spielerischen Mittel, ein Spiel selbst zu machen. Da das sogar gegen die wahrlich nicht überragenden Honduraner zu wenig ist, verpassten die Schweizer das Achtelfinale absolut verdient. Die Mittelamerikaner kommen zu einem Punkt, den sie sich dank einer ordentlichen Defensivleistung auch verdienen.

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Das war die Gruppe H: Der Europameister fiel hin, stand aber wieder auf. Spanien holte sich gegen Honudras die Punkte und gegen die bärenstarken Chilenen die Gewissheit, dass man nicht entscheidend an spielerischer Potenz und Abgeklärtheit eingebüßt hat. In der Mannschaft wurde ganz offensichtlich auch nach dem Schweiz-Spiel die Ruhe bewahrt, und das wurde belohnt. Zudem hat die Mannschaft in der Gruppe ihre Bestform noch nicht erreicht, ist aber auf dem Weg dahin – was sie für das Turnier ganz heiß werden lässt.

Eine äußerst positive Erscheinung war, wie fast erwartet, Chile. Angriffsfußball, sehr flexibel, hohes Tempo, auch körperliche Robustheit bringt diese Mannschaft mit. Nur an der Ruhe vor dem Tor fehlt es noch, aber das Team ist derart jung, dass das womöglich nur eine Frage der Zeit sein könnte. Im Achtelfinale gegen Brasilien hat das Team von Bielsa nicht zu verlieren und kann daher befreit aufspielen – die Seleção sollte sich vorsehen.

Für die Schweiz begann das Turnier beim 1:0 über Spanien mit einem Knall, aber der Mannschaft wird es letztlich zum Verhängnis, dass sie ein Spiel nicht gestalten kann. Nicht einmal gegen Honduras. Am Ende steht ein einziges Tor in drei Spielen, und das war das Reingenudelte eben gegen Spanien. N ie hatte man vor allem im letzten Spiel den Eindruck, als sollten die eher fade Mannschaft wirklich mit allerletztem Nachdruck das Tor noch erreichen könnten, geschweige denn die notwendigen zwei. In Rahmen ihrer Möglichkeiten hat sich die Mannschaft aus Honduras ganz ordentlich präsentiert, aber zu echtem WM-Format fehlt es schon noch. Kein einziges Tor in drei Spielen, aber blamiert haben sich die Mittelamerikaner nicht. Immerhin.

(phe)

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Der König von Honduras https://ballverliebt.eu/2010/04/07/der-konig-von-honduras/ https://ballverliebt.eu/2010/04/07/der-konig-von-honduras/#respond Wed, 07 Apr 2010 15:39:05 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=1910 Der König von Honduras weiterlesen ]]> WM-SERIE, Teil 14: HONDURAS | Reinaldo Rueda ist Teamchef von Honduras – und ein Volksheld. Im mittelamerikanischen Land wird er „Reynaldo“ geschrieben – der König. Nicht zu unrecht, schließlich führte er das Team eines sonst chaotischen Verbandes zur WM-Endrunde!

Es ist vor allem der Verdienst von Reinaldo Rueda. Als der Kolumbianer 2007 das Amt des honduranischen Teamchefs annahm, befand sich der Fußball des Landes noch immer in einer Schockstarre. Weniger die Tatsache, dass die zurückliegende Weltmeisterschaft in Deutschland verpasst wurde – das passierte Honduras seit der ersten (und einzigen) Teilnahme 1982 immer. Nein, es war das „wie“ – nicht einmal in die Finalrunde hatten sie es geschafft. Dabei hatten sie es in der eigenen Hand.

Am letzten Vorrunden-Spieltag, es war im November 2004, musste ein Heimsieg gegen Costa Rica her, und zwar mit zwei Toren Differenz. Sonst würde es nichts mit der Finalrunde, in der erst drei Jahre zuvor die Teilnahme an der Endrunde in Japan und Südkorea nur knapp verpasst wurde. Zweimal hatte es Honduras im Herbst ’04 nicht geschafft, gegen Fußballzwerg Kanada zu gewinnen, sich so erst in diese missliche Lage gebracht. Und natürlich, es klappte nicht – das Spiel gegen Costa Rica endete 0:0, alles war aus. Die Costaricaner qualifizierten sich letztlich und absolvierten sogar das Eröffnungsspiel gegen Deutschland, Honduras lag am Boden. Aber man sieht sich im Leben ja immer zweimal.

Die missglückte Qualifikation für 2006 war vor allem ein Produkt von ständiger Unruhe im Umfeld. Zu Beginn war Volksheld José de la Paz Teamchef – er führte sein Land schon 1982 zur Endrunde. Nach einem holprigen Start und nachdem die Qualifikation für den Gold-Cup, also die Nordamerika-Meisterschaft, beinahe verpasst worden wäre, holte man in Panik Weltenbummler Bora Milutinović. Dass der Serbe, der auf seinen Reisen durch die Fußballwelt ja schon einiges erlebt hatte, nach wenigen Monaten schreiend das Weite suchte, spricht Bände über die Zustände im honduranischen Verband. De la Paz wurde zurückgeholt, der Umschwung gelang nicht mehr. Honduras war raus.

Dass im folgenden Gold-Cup immerhin das Semifinale erreicht wurde, rettete De la Paz nicht mehr. Der Teamchef ging in die Politik, und Ruhe sollte erst wieder einkehren, als im Jänner 2007 Reinaldo Rueda die Bühne betrat. Als kolumbianischer Teamchef war er beim Gold-Cup 2005 noch von Honduras besiegt worden, nun war es an ihm, die alsbald startende Qualifikation besser zu meistern. Und er tat dies.

Und er scheute sich auch nicht davor, durchzugreifen – auch wenn dies auf Kosten von Leistungsträgern ging. So verbannte er etwa Offensiv-Mann De Leon, als dieser wegen einer angeblichen Verletzung nicht einrücken wollte. De Leon kostete das ein Jahr seiner Nationalmannschafts-Karriere, Rueda brachte dies die Autorität, die er brauchte. Und er hatte auch das nötige Glück – denn erneut kam es am letzten Spieltag der Vorrunde zu einem Entscheidungsspiel, das diesmal zumindest nicht verloren werden durfte! Doch diesmal gelang es, Mexiko wurde sogar 1:0 geschlagen, und es ging in die Finalrunde. In der sich eine einmalige Gelegenheit bieten sollte.

Denn wegen den schwächelnden Mexikaner führte Honduras die Gruppe phasenweise gar an, rutschte dann aber hinter diese, und auch hinter die Amerikaner zurück. Womit einmal mehr Costa Rica der Gegner war – wie fünf Jahre zuvor. Der Platz im Play-Off gegen den Südamerika-Fünften war längst fix, aber gegen Teams wie Argentinien, Ecuador oder Uruguay wären die Chanchen schlecht gestanden. Es musste also der dritte Gruppenplatz sein! Am letzten Spieltag erfüllten die Honduraner zwar ihre Pflicht gegen El Salvador, aber Costa Rica führte sensationell 2:0 in den USA. Das wäre das Ticket für Costa Rica gewesen, Honduras hätte erneut durch die Finger geschaut. Doch dann kamen die Amerikaner in dem für die bedeutungslosen Spiel zurück, und Jonathan Bornstein glich in der Nachspielzeit aus! Damit war die Rache an Costa Rica vollzogen – und Honduras dabei.

Spätestens seit diesem Tag ist Reinaldo Rueda ein Volksheld – in Honduras wird er nur „Reynaldo“ geschrieben. Wie in „Rey“, dem spanischen Wort für König. Seine beinahe monarchische Macht demonstrierte erst kürzlich, als der Verband die Prämien für die erfolgreiche Qualifikation nicht ausbezahlen wollte. Kaum drohte er mit dem Rücktritt, war das Ausschütten der Prämien plötzlich kein Problem mehr…

Bei der Endrunde in Südafrika kann sein Team nur positiv überraschen. Alleine die Teilnahme ist für das Land in Mittelamerika ein Riesenerfolg, und als ganz chancenlos muss die Mannschaft in der Gruppen zumindest gegen Chile und die Schweiz nicht angesehen werden. Die Truppe wird von vielen älteren Akteuren geführt, denen es aber an internationaler Erfahrung mangelt – eine Weltmeisterschaft ist natürlich für alle Beteiligten absolutes Neuland. Dafür kann Rueda vor allem in Mittelfeld und Angriff viel variieren, weil ihm dort auch über die erste Elf hinaus einige Spieler zur Verfügung stehen, die das Niveau nicht senken.

Im Tor sollte Noel Valladares stehen. Er hat sich den Posten nach dem letzten Gold-Cup im Sommer 2009, bei dem Honduras das Semifinale erreicht hat, von seinem Klub-Kollegen Donis Escober zurück erobert. Vor ihm steht der jüngste Teil der Mannschaft – Innenverteidiger Erick Norales (25) und Linksverteidiger Emilio Izaguirre (24) sind die „Team-Babies“, haben ihre Plätze aber so gut wie sicher. Um den zweiten Platz in der Zentrale rittern dafür gleich mehrere Spieler: Da wäre zum einen Carlos Palacios, der in den letzten Testspielen dort agiert hat. Er verdrängte Victor Bernández, dem es beim belgischen Spitzenklub Anderlecht eklatant an Spielpraxis mangelt. Am wahrscheinlichsten ist, dass Maynor Figueroa von Wigan spielen wird. Dieser ist zwar gelernter Außenverteidiger, kann aber auch innen auflaufen.

Die rechte Seite teilen sich China-Legionär Mauricio Sabillón (defensiv) und Edgar Álvarez, der in der italienischen Serie A beim AS Bari spielt. Die defensivere Variante wäre, wenn Danilo Turcios statt Álvarez aufläuft. Aufräumer im defensiven Mittelfeld ist mit Wilson Palacios der international, trotz seiner erst 25 Jahren, wohl abgeklärteste Spieler – er hat sich bei Tottenham einen Stammplatz erkämpft und ist eine der ganz zentralen Korsettstangen von Rueda. Vor ihm ist es Kapitän und Rekord-Teamspieler Amado Guevara, der für die Kreativität im Mittelfeld zuständig ist.

Spielt Rueda mit einem 4-4-2, ist üblicherweise Julio César de Leon der Mann, der auf der linken Seite für Dampf sorgen soll. Der Teamchef variiert aber gerne, und lässt sein Team (vor allem gegen schwächere Gegner) auch mitunter mit einem 4-3-3 auflaufen. In diesem Fall opfert eram Ehesten Álvarez, zieht De Leon (oder Flügelstürmer Walter Martínez) nach vorne und bringt mit Thomas oder Espinoza entweder einen zweiten Sechser, oder mit Ramón Núñez einen zweiten Offensiven. Das ist bei der WM zwar nicht von Beginn an zu erwarten, kann aber im Falle eines Rückstands durchaus eine Option sein.

Das Prunkstück der Honduraner ist nämlich zweifelsohne ihre Offensive. Mit dem allerdings schon in die Jahre gekommenen Wandervogel Carlos Pavón (der 36-jährige Rekordtorschütze hat letzten Sommer seinen neunzehnten Vereinswechsel vorgenommen), der sich bei zwei Versuchen in Europa nicht durchsetzen konnte. Und natürlich mit David Suazo, der seit einigen Jahren ein fixer Bestandteil in den vorderen Regionen der Torschützenliste in der italiensichen Serie A ist. Derzeit spielt der 30-jährige Suazo für Genoa, nachdem er viele, viele Jahre bei Cagliari der absolute Fixpunkt war und 2008 (als brandgefährlicher Joker) sogar mit Inter Mailand Meister wurde.

Die Honduraner rühmen sich damit, das beste Sturmduo Mittelamerikas zu haben, und sie rühmen sich wohl nicht zu unrecht. Allerdings ist das Duo Pavón/Suazo auch eines der älteren und, gerade im Falle von Pavón, eher langsameren. Das könnte die Chance für Carlo Costly sein, der in der Qualifikation ebenso einige wichtige Tore beigesteuert hat. Der 27-jährige Rumänien-Legionär hat zudem einen guten Namen: Sein Vater Anthony war 1982 für Honduras bei der WM-Endrunde dabei…

Egal, wie es für Reinaldo – oder Reynaldo – Rueda in Südafrika läuft, er hat in Honduras schon alleine aufgrund der geschafften Qualifikation schon jetzt Denkmal-Status. Sollte es sogar zu einem Sieg oder gar zum Achtelfinale-Einzug reichen, umso mehr. Aber eigentlich kann nichts mehr schief gehen, auch wenn das Team chancenlos wäre und den (erwarteten) letzten Gruppenplatz einfährt.

Denn die Rache an Costa Rica, die ist geglückt.

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HONDURAS
blau-weiß gestreiftes Trikot, blaue Hose, Joma – Platzierung im ELO-Ranking: 33.

Spiele in Südafrika:
Chile (Mittagsspiel Mi 16/06 in Nelspruit)
Spanien (Abendspiel Mo 21/06 in Johannesburg/E)
Schweiz (Abendspiel Fr 25/06 in Bloemfontein)

TEAM: Tor: Ricardo Canales (28, Motagua), Donis Escober (30, Olimpia), Noel Valladares (33, Olimpia). Abwehr: Victor Bernández (28, Anderlecht), Oscar Boniek-García (25, Olimpia), Osman Chávez (25, Platense), Maynor Figueroa (27, Wigan), Emilio Izaguirre (24, Motagua), Erick Norales (25, Marathón), Mauricio Sabillón (31, Hangzhou). Mittelfeld: Edgar Álvarez (30, Bari), Julio César de Leon (30, Torino), Roger Espinoza (23, Kansas City), Amado Guevara (34, Motagua), Ramón Núñez (24, Olimpia), Wilson Palacios (25, Tottenham), Hendry Thomas (25, Wigan), Danilo Turcios (32, Olimpia), Melvin Valladares (25, Real España). Angriff: Carlo Costly (27, Vaslui), Allan Lalín (29, Lenkeran), Walter Martínez (28, Marathón), Carlos Pavón (36, Real España), David Suazo (30, Genoa), George Welcome (25, Motagua).

Teamchef: Reinaldo Rueda (53, Kolumbianer, seit Jänner 2007)

Qualifikation: 4:0 gegen und 2:2 in Puerto Rica. 1:2 in Mexiko, 2:1 in Kanada, 2:0 gegen Jamaika, 3:1 gegen Kanada, 0:1 in Jamaika, 1:0 gegen Mexiko. 0:2 in Costa Rica, 1:1 auf Trinidad, 3:1 gegen Mexiko, 1:2 in den USA, 1:0 gegen El Salvador, 4:0 gegen Costa Rica, 4:1 gegen Trinidad, 0:1 in Mexiko, 2:3 gegen die USA, 1:0 in El Salvador.

Endrundenteilnahmen: 1 (1982 Vorrunde)

>> Ballverliebt-WM-Serie
Gruppe A: Südafrika, Mexiko, Uruguay, Frankreich
Gruppe B: Argentinien, Nigeria, Südkorea, Griechenland
Gruppe C: England, USA, Algerien, Slowenien
Gruppe D: Deutschland, Australien, Serbien, Ghana
Gruppe E: Holland, Dänemark, Japan, Kamerun
Gruppe F: Italien, Paraguay, Neuseeland, Slowakei
Gruppe G: Brasilien, Nordkorea, Elfenbeinküste, Portugal
Gruppe H: Spanien, Schweiz, Honduras, Chile

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